Anlagenplanung Hilfe für Neuling bei Neubau

  • Hallo liebe Forummitglieder,


    meine bessere Hälfte und ich planen Anfang/Mitte 2022 mit dem Neubau eines EFH zu beginnen:

    Eckdaten:

    -mindestens KFW40 (40+ fällt ja weg, da sonst Speicher notwendig)

    Dach:

    ca. 15,1° Pultdach mit Südwestausrichtung (45° Azimuth).

    Firstlänge: 12m (inklusive 2x0,75m Dachüberstand)

    Dachbreite: 11,12m (inklusive 2x0,75m Dachüberstand)

    Keine Verschattung!

    (Draufsicht und Dachschnitt beigefügt, Dachmaße sind bzgl. der Überstände noch anpassbar)


    Ich habe mir schon fleißig die FAQ's durchgelesen und habe mich von meinen anfänglichen Überlegungen mit Indach (Solrif oder Easy-In) und Speicher erfolgreich abbringen lassen.


    Geplant ist jetzt eine normale Aufdachanlage mit so viel Leistung wie drauf passt.


    Folgende Fragen habe ich bisher trotzdem:

    1. Trapezblech oder lieber Ziegel

    2. Welche Modulleistung ist derzeit "normal" ? Sind 400W Module viel oder schon längst überholt?

    2.1 Welche Hersteller sind zu empfehlen? (die Vielzahl an Einträgen in der Moduldatenbank hier im Forum erschlägt einen doch ziemlich)

    3. Wie speichere/nutze ich meine PV-Energie, wenn tagsüber meistens niemand zu Hause ist und Abends 2 Elektroautos geladen werden müssen?

    4. Ist eine Wärmepumpe mit einer Lüftungsanlage kombinierbar?

    5. Nach dem was ich bisher hier gelesen bzw. gefunden habe scheint folgendes am sinnvollsten um die PV-Energie zu nutzen:

    5.1 Wärmepumpe mit Erdkollektoren

    5.2 ein 1000L Wasserspeicher für Heizkreis und Frischwassererwärmung

    5.3 im ganzen Haus Fußbodenheizung

    6. Welche Wechselrichter + Wallbox sind zu empfehlen (KNX Smart Home geplant)

    6.1 Habe hier auch schon oft gelesen Wallbox ist nur Spielerei, wie sieht eine alternative Lösung aus, die mir ebenfalls automatisch Überschüsse ins EV läd?

    7. Sollte man Vorkehrungen für eventuell kommendes bidirektionales Laden treffen? Wenn ja, welche?

    8. Soll der geplante Carport in Nord-Ost Richtung mit 6mx7m DN 20° auch für PV-Module genutzt werden? (hier müsste ich erst die mögliche Verschattung klären)


    Ich bitte um Feedback und ggf. Verbesserungsvorschläge, Ideen+Lösungen :)

  • 3. Gar nicht, der wird verkauft.

    4. ja, warum nicht?

    automatisch Überschüsse ins EV läd?

    bleibt Spielerei. Oder willst du winters das Stehzeug zu Hause lassen?

    ein 1000L Wasserspeicher für Heizkreis

    ganz sicher nicht!

    Wie wärs Richtung Passivhaus zu denken? Habt ihr Sonne im Winter?

    7. Sollte man Vorkehrungen für eventuell kommendes bidirektionales Laden treffen?

    Achtung Ironie: Stromkabel nehmen die in zwei Richtungen leiten können. Ironie Ende.

    Datenleitungen in Garage/Caport legen.

    Kleiner Teil vom Caport, vlt ne Reihe unten quer könnte interessant sein.

  • Im gut gedämmten Neubau reicht eventuell auch Luft WP

    Wallbox kannst du bei openwb schauen die würden sich wohl auch auf bidirektional nachrüsten lassen

    Carport auch mit pv

    Blech oder Ziegel ist Preisfrage oder Geschmackssache

  • -mindestens KFW40 (40+ fällt ja weg, da sonst Speicher notwendig)

    Was ist gegen einen (zumindest fast?) kostenlosen Speicher einzuwenden?
    Finanziell mit Abstand am sinnvollsten ist es, wenn du die komplette Förderung aus 40+ mitnimmst.
    Abgesehen vom Speicher hast du dafür ja eh schon alles.

  • Trapezblech oder lieber Ziegel

    Hochwertiges Trapezblech ist wartungsfrei, haltbar und günstig. Wenn du es richtig machst, ist von der Deckung sowieso (fast) nichts mehr zu sehen.

    Welche Modulleistung ist derzeit "normal" ? Sind 400W Module viel oder schon längst überholt?

    Module mit einer Leistung von 400 Wp sind im Moment Standard.

    Welche Hersteller sind zu empfehlen?

    Egal. Alles Hersteller liefern eine ähnliche Qualität. Letztendlich kannst du nur das kaufen, was du Angeboten bekommst. Der Markt ist (und bleibt es wohl auch) sehr dynamisch.

    Wenn du Wert auf einen Teil der Fertigung in Deutschland/Europa legst, dann schränkt das die Auswahl der Hersteller stark ein.

    Wie speichere/nutze ich meine PV-Energie, wenn tagsüber meistens niemand zu Hause ist und Abends 2 Elektroautos geladen werden müssen?

    Speichere den erzeugten Strom, Energie kann man nur umwandeln, im Netz, der „Cloud“. Dort kostet die Speicherung aktuell ca. 17 ct/kWh und ist damit günstiger als in jedem Heimspeicher.

    Wärmepumpe mit Erdkollektoren

    5.2 ein 1000L Wasserspeicher für Heizkreis und Frischwassererwärmung

    Ich würde versuchen auf ein Heizsystem zu verzichten und ein Passivhaus zu bauen.

    Wenn es denn schon unbedingt sein muss, dann ohne Puffer für den Heizkreislauf.

    Welche Wechselrichter + Wallbox sind zu empfehlen

    Wechselrichter entsprechend der Größe des Generators auslegen. Huawei, Fronius, SMA, Kostal kann man alles kaufen.

    Habe hier auch schon oft gelesen Wallbox ist nur Spielerei,

    Eine Wallbox selbst ist schon gut. Ob Überschussladung wirklich nötig ist und Sinn macht, lässt sich vortrefflich diskutieren. Aber wenn es nicht einen extrem hohen Aufpreis kostet, dann man man das Feature natürlich mitnehmen.

    Sollte man Vorkehrungen für eventuell kommendes bidirektionales Laden treffen? Wenn ja, welche?

    Nein. Es gibt aktuell nichtmal einen vernünftigen Standard, der von den großen Marktteilnehmern akzeptiert ist. Von rechtlichen Unsicherheiten/fehlenden Regelungen ganz abgesehen.

    Soll der geplante Carport in Nord-Ost Richtung mit 6mx7m DN 20° auch für PV-Module genutzt werden?

    Alle Dächer sinnVOLL belegen.

    Was ist gegen einen (zumindest fast?) kostenlosen Speicher einzuwenden?

    u.a. die zusätzliche Belastung der Umwelt bei der Herstellung und Entsorgung. Außerdem wird durch die Lade-/Entladeverluste dringend benötigter EE-Strom verschwendet statt damit Strom aus fossilen Energieträgern aus dem Netz zu verdrängen.

    Die Frage ist also eher: „Was spricht dafür?“

  • Danke schonmal für die hilfreichen Antworten, diese haben mich in meiner Orientierung schon weitergebracht.
    Es wird also in Richtung Passivhaus (KFW40 EE) mit Lüftungsanlage + Wärmerückgewinnung als Kombi mit einer Wärmepumpe und kleinem Wasserspeicher für die Brauchwassererhitzung gehen.

    Dachte da an dieses Stück:

    https://www.vaillant.de/heizun…act-exclusive-145920.html


    Für die PV gilt natürlich so sinnVOLL wie möglich.


    Hat jmd. Erfahrung mit Passivhaus und der Temperierung im Bad? Reicht da die Lüftungsanlage oder benötigt man im Bad noch eine bedarfsgerechte zusätzliche Heizquelle?

  • FriaWa statt WW-Speicher ansehen.

    Bad FBH enger legen und auch unter Dusche und Badewanne usw. Wenn möglich vlt auch die Wände einbeziehen. Hier wurde gar schon Dämmung zu umliegenden Räumen erwähnt.

  • 1. Trapezblech auf Satteldach, keine oder wenig Dachfenster.

    2. Die Module, die möglichst gut aufs Dach passen. Ideal wäre es, das Dach anzupassen und die Kantteile so auszubilden, dass eine optisch homogene Fläche entsteht. Hab ich vor kurzen gesehen und sieht absolut top aus.

    3. Gar nicht. Der Speicher müsste viel zu groß sein um damit nenneswert tanken zu können. Arbeitszeit flexibel legen oder auf Wochenende hoffen. Wenn die Anlage richtig groß wird reicht die Einspeisevergütung relativ weit um den abendlichen Verbrauch zu decken.

    4. Passivhaus bauen. Heizung einsparen. Multisplitklima mit Heizfunktion. Fertig.

    5. Unsinn. Weil Passivhaus. Wenn wider besseren Wissens doch Heizung gebaut wird, einfach eine Kostenanalyse über die nächsten 40 Jahre anstellen. Inkl. Herstellkosten der Heizung, der Kosten des min. 2mal genaugenommen sogar 3maligen Tauschs des Wärmeerzeugers und der Heizkosten über diese Zeit. Spätestens dann landest Du wieder beim Passivhaus.

    5.2. Wenn Du viel Warmwasserverbrauch hast, dann ein großer Frischwasserspeicher. Bedenke, dass der sich uch mal ändern kann... Keine Zirkulation! Bei sehr wenig WW-Verbrauch können sogar dezentrale DLE sinnvoller sein. Ist dann aber relativ fix und unveränderbar, falls doch mal mehr WW-Verbrauch...

    5.3. Passivhaus braucht keine FBH.

    6. KNX weglassen. Kostet unnötig Geld, ist in einigen Jahren zu ersetzen. Einfallstor für Hacker. Stromverbrauch. Quatsch. Sternförmige Verkabelung im Leerrohr zum Technikraum, Taster und Relais für Licht. Im Treppenhaus den Lichtkreis VOR dem FI. Netzwerk in alle Räume, auch Garage/Carport. WR und WB sind fast egal. Machen alle, das was sie sollen und nach einem Jahr spielst Du da sowieso nicht mehr dran rum. Möglichst günstig hilft bei der Amortisierung. Goldene Zapfpistole an der Tankstelle nutzt Du auch nicht... wenn Du PV-geführt laden willst dann achte darauf.

    6.1 CEE 32A und Ladeziegel. PV-Führung ist toll - wenn Du tagsüber zu Hause bist und am Wochenende auch mal bereit bist, Deinen Tagesablauf entsprechen umzustellen. Gestern habe ich das Auto wieder mal aus PV voll bekommen. War aber schon morgens einkaufen damit das Auto dann am Stecker hängen konnte.

    7. Leerrohr ins Haus oder WR in die Garage. Leerrohre sind generell toll, aber eben auch teuer. Hab mein ganzes Haus mit 5x2,5mm2 sternförmig verkabelt, da ist man auch relativ flexibel mit. In jede Raumecke eine Doppelsteckdose + die sowieso geplanten Steckdosen. Eine Doppelsteckdose, dort wo sowieso eine Steckdose benötigt wird, tut nicht weh, ist aber zukunftsfähig. Separater Steckdosenkreis mit Zeitschaltuhr in der Fensterlaibung ist hier im Erzgebirge mittlerweile Standard für die Weihnachtszeit. Ich habe sogar Steckdosen in der Decke dort wo die beiden Herrenhuter hängen.

    8. Natürlich. Auch das Gartenhaus und die Mülltonnenüberdachung und der Hasenstall. Sogar auf die Hundehütte passen 2 Module.


    Frage Deine Kollegen und Kumpels, was sie beim nächsten Haus anders machen würden. Lerne von den Fehlern anderer. Südausrichtung der Fenster und ordentlich Dachüberstand (April bis September im schatten, danach in der Sonne) hilft sehr viel Geld zu sparen und Licht in der Bude zu haben im Sommer. VOrzüge Passivhaus sind nach kostenbetrachtung klar. Einfacher Grundriss nach dem goldenen Schnitt. Keine Balkone, Erker und sonstiger Mist. Garage ist überflüssig, Carport bringt auch zusätzliche PV-Fläche. Wann ist das letzte Auto verrostet? Heutige BEV lassen sich alle vorheizen/kühlen...


    So oder so ähnlich sehen vernünftige Häuser aus. Hüte dich vor dümmlichen Zeltdächern, Erkern, Dachfenster nach Süden und ähnlichem Schnickschnack. Kosten erst Geld, in der Bauphase erhöhten Überwachungsaufwand und später dann Effizienz. Ganz besonders toll sind Balkone über Terrassen im EFH. Da greif ich mir immer an den Kopf. Auch beliebt: große Fensterflächen nach Süden ohne Dachüberstand - dann sind den ganzen Sommer die Rolläden unten und das Licht brennt Tag und Nacht weil stockdunkel in der Bude. Getoppt nur noch von unbenutzbaren Wintergärten mit Glasdach. Im Winter werden die nicht geheizt, weil zu teuer, im Sommer ist es dann zu warm drin...


    Man kann viel falsch machen. Der Kardinalsfehler wäre aber ein Haus mit Heizung. Einfacher Versuch für Dich: rufe einen Klempner an jnd bitte ihn probehalber, um eine kleine Arbeit an Deiner fiktiven Heizung. Nach dem zehnten Telefonat wirst Du bemerken, warum eine Heizung heutzutage unbedingt aus dem haus draußen bleiben sollte. Keine Heizjng kostet auch kein Geld in Anschaffung und Unterhalt... Dämmung und Lüftung baust Du sowieso ein, der Weg zum Passivhaus führt also nur über einfach mehr Dämmung an der Wand. Schau Dir auch mal Strohballenhäuser an. Ein sehr interessanter Ansatz, wäre heute (nach der Sanierung von 4 Häusern) mein Traum... Regional, umweltfreundlich, kostengünstig durch Eigenleistung, energieeffizient, gutes Wohnklima (es geht nichts über Lehmputz!).


    Der allergrößte Fehler wäre, einfach so loszubauen. Im schlimmsten Fall mit Bauträger...