Anlage temporär als Freiflächenanlage starten?

  • Hallo zusammen,


    das eigentliche Ziel ist ein PV-Carport mit knapp 50m2+9m Rückwand, was irgendwas zwischen 12 und 15 kWp ergibt.

    Diese Größe wäre bei uns verfahrensfrei und würde mit max 5. von 9m ans Nachbargrundstück, wo auch eine Grenzgarage steht anstoßen. Also alles Safe.....

    Wobei Hauptfokus ist mehr PV-Strom, dass Auto drunter steht ist nice to have.


    Leider hagelt es Absagen, Nicht-Antworten und Vertröstungen auf nächstes Jahr von potentiellen Erstellern - oder es werden unmögliche Preise für wenig kWp aufgerufen (35k für 8 kWp exkl. Unterkonstruktion!). Während ich mich langsam damit abfinde, dass wahrscheinlich am wirtschaftlichsten ein Trapezblechdach mit Standard-Auf-Dach-PV sein wird ggü. einer "schicken" inDach bzw. "alsDach"-Lösung, bekomme ich hier in der Gegend wohl keinen Zimmermann der mir vor 2022 einen Carport baut, den ich dann selbst "solatieren" oder "solatieren lassen" kann. Und mit bundesweiten (bausatzliefern) egal ob Holz oder Metall passt es immer nicht wegen, entweder viel zu klein, per se nicht für Solatierung ausgelegt oder oder... und EIGENTLICH wäre ein angemessener zimmermannsaufpreis ggü. Baumarktsatz auch in Ordnung...


    Jetzt frage ich mich, ob ich mir nicht selber aus ein paar Latten ein Gestell basteln kann und mir - auch zum "üben" für etwaige selbst-Solatierung eines Blechdachcarports nicht wenigstens für den kommenden Winter, wo der Strom benötigt wird, eine temporäre Freiflächenanlage hinstellen kann.

    Der Platz ist im Garten da und wird im Winter auch nicht gebraucht.... Auf das Dach sollen 3x9 oder gar 3x10 (leicht aufgeständert) Module. Die könnte ich temporar mit 3m Abstand zum Nachbargrundstück in 2 Reihen mit auch 3m Abstand zueinander locker unterbringen, und die Rückwandmodule in spe könnten auch am dort derzeit provisorischen Sichtschutzspalier aus Profilholz "wohnen" bis dahin....


    Meine Frage ist nur: könnte ich so IBN machen, auch wenn es für Gartenanlagen keine Vergütung gibt, aber dann nach erfolgter Verbringung der Module an den dann errichteten Carport im Frühjahr 2022 die Vergütung - sei es die von erster Modul IBN oder die danach?


    Wie funktioniert das? Ist ja nicht meine Schuld das jeder sagt "dies jähr nimmer...". Das Material ist online ja verfügbar, nur die "Manpower" zum Bauen ist halt angeblich überall auf Monate ausgebucht... und die Temporärlösung kriege ich auch alleine mit Hilfe des Elektromeisters meines Vertrauens gebacken... klar versaue ich mir ggf. die Vergütung der alten Anlage wenn ich keinen Kaskadenmessumbau mache, aber das ist OK...


    Wer hat Erfahrungen damit bzw. wissen wie es laufen sollte? Ich will da nicht betrügen, also ich würde VNB sagen: die Module laufen als Freifläche, bis sie eben an den endgültigen Verwendungsort den im Moment keiner machen kann, weil anderweitig ausgelastet...

  • Jetzt frage ich mich, ob ich mir nicht selber aus ein paar Latten ein Gestell basteln kann und mir

    Lass es bleiben. Bitte.

    Wenn Du mit dieser Einstellung an die Sache herangehst, ist es von vornherein zum Scheitern verurteilt.

    Lattengestell für PV... Schon mal überlegt, was bei Wind und/oder Schnee mit Deinem Lattengestell passiert?


    Du bekommst keine Angebote, weil die Zimmerleute nicht wissen, woher sie bezahlbares Material nehmen sollen und mit welchen nicht vorhandenen Mitarbeitern sie den Carport bauen und montieren sollen. Dank der letzten Jahrzehnte "Behandlung" der Handwerker ist es nunmal so und bis da Abhilfe geschaffen ist, ist es nunmal ein langer und steiniger Weg für die Kunden.


    Tipp: Denke Deinen Carport in Stahl. Ist zwar auch exorbitant teurer geworden, Verfügbarkeit von Material ist aber zumindest teilweise gegeben. Trapezblech gibt es aktuell nicht für Geld und gute Worte für Deine Dacheindeckung. Mit Tricks kann man diesen Mangel zwar umgehen, die kosten aber auch wieder Geld. Sandwichpaneeldach wäre hier z.B. ein möglciher Ausweg.


    Dir ist schon klar, dass Du aktuell bei einem Carport dieser Größe von 25-50.000€ sprichst? Plus PV von 20-25.000€?

    Verfahrensfrei bedeuted sicherlich anzeigepflichtig. Dazu brauchst Du erstmal einen Architekten der Dir die entsprechenden Pläne erstellt. Viel Spaß bei der Suche...

  • Danke für die interessante Antwort, hierzu folgende Überlegungen:


    Wind: ja, das muss man "clever" angehen, Schnee eher nicht so ein Thema bei uns, da sag ich mal "schippen oder Schicksal". Ich denke da an primitiven Nachbau des Prinzips von "Renusol ConSole Plus" System, aber halt für weniger als 89 EUR pro Stück und erst mal auf ebener Erde..


    Nicht vorhandene und kompetente Mitarbeiter ist der Engpass, ist klar. Voll einverstanden bei dem Thema. Leider!


    Bei Materialverfügbarkeit, Preis und dem Thema Zulassung bin ich so nicht ganz d'accord, da habe ich andere Erkenntnisse. Beim Thema Zulassung ggf. "Bayern"-besonderheit" - mag sein woanders Architekt und Prüfstatik auch bei 50m2 nötig. Aber da kann ich mich irren.


    Soviel dazu, meine eigentlich Frage aber, wie die Anlage dann vergütungstechnisch zu sehen wäre, für die Zeit wo sie im Gras liegt und danach? DAs fände ich viel wichtiger...

  • Update: habe mich erinnert dass es so etwas wie die Clearingstelle EEG gibt. Die hat mit Rechtsfrage No. 32 das im Prinzip beantwortet (leider Stand EEG 2017): bei Umzug der Anlage bekommt sie die Vergütung, die der Nutzungsart nach Umzug entspricht, der Zeitraum verlängert sich nicht, insgesamt 20 Jahre ab Erst-IBN.


    Interessant ist der Passus, dass bei Nutzungsänderung der Vergütungssatz der Erst-IBS gelten soll und keine weitere Degression gelten soll. (Also Beispiel: nach 10 Jahren Umzug von der Freifläche aufs Dach sollte weitere 10Jahre V-Satz des Daches, wie er 2011 galt bewirken....)


    Jetzt ist mir immer noch nicht klar ob die Innenbereichs-Boden-Anlage überhaupt vergütet wird, aber bei einem etwaigem Umzug würde sie nach meiner Lesart dann den Satz der Erst-IBS für Dachanlagen bekommen halt nur kürzer...


    Der primäre Errichtungszweck des Carports sollte jedoch Schutz von Auto sein (zumindest früher so bewertet, auch bei der Clearingstelle)... Naja, das ist gegeben, da stehen die Autos ja auch jetzt ohne Schutz.. passt.


    Jetzt müsste man nur wissen, ob EEG 2021 bewirkt, die Rechtsfrage 32 ist veraltet... Da muss ich wohl mal nachfragen... Oder hat das jemand getan?

  • So das Projekt ist zu einem "partiellen" DIY fortgeschritten; soll heissen Carport steht "mechanisch"; es hat sich doch noch ein Anbieter gefunden. "Elektrisch" steht noch aus, aber das ist kein Hexenwerk. Verwaltungsfragen etc. sind weitestgehend geklärt, eine einzige steht noch aus:


    Es sind noch Module über, ich käme theoretisch auf 16,x kWp und damit insgesamt auf knapp über 25 kWp.


    Wer weiss, ob sich die RSE-Pflicht auf die Gesamtleistung aller Anlagen oder nur auf die jeweilige Anlage bezieht?


    Alte Anlage ist ja schon 3 Jahre alt, daher keine Zusammenfassung aus Vergütungssicht.


    Ggf gibt es schon eine Diskussion darüber hier im Forum?

    mein Treffer dazu ist informativ, aber in guter Juristenmanier "es kommt darauf an..." gehalten https://www.pv-magazine.de/202…lagen-auf-dem-pruefstand/ (und vor EEG2021 entstanden...


    Sonst bliebe als Alternative aus den "zu viel" Modulen ggf. die erste kleine Insel zu machen... Der nächste Sprung wäre deutlich über 30 kWp, bräuchte damit wohl zusätzlich zu RSE einen NA-Schutz und kann aus meiner Sicht erst in 2022 für 2023ff bewertet werden, ob er sich dann "lohnt".


    Stand heute bei entsprechender Aufteilung der Nutzungen, kommt auf den PV-Anteil des aktuellen Zubaus nach 20J eine Schwarze Null raus, passt.

  • Ggf gibt es schon eine Diskussion darüber hier im Forum?

    Ungefähr 2 jede Woche.

    Kurzfassung: Anlagen mit Abstand der IBN > 12 Monate werden getrennt betrachtet.

    deutlich über 30 kWp, bräuchte damit wohl zusätzlich zu RSE einen NA-Schutz

    Für zentralen Netz- und Anlagenschutz (zNAS) ist die Leistung am Netzverknüpfungspunkt relevant, nicht die Generatorleistung.

    Wenn diese 30 kVA überschreitet, dann ist zNAS vorgeschrieben. Darunter der Netz- und Anlagenschutz auch dezentral (z.B. im Wechselrichter) ausgeführt werden. Vorhanden sein muss er aber immer.

  • Du kannst sogar 25,00 kWp bauen ohne RSE.

    Danke, den "Verdacht" hatte ich auch dass hier nur "Abschreckungstaktik" ist wg. "Anlagenzusammenfassung"; Es war eh schwierig, noch einen Wechselrichter zu finden; aber jetzt ist ein SE16k im Status "versandt".
    Nun ja, die $$$-Ressourcen sind endlich; meine 70m2 Schuppendach müssen noch warten... Dankenswerterweise habe ich noch Module über, weiss auch schon wo die hinkommen; und insgesamt sollten es dann schöne 16,8 kWp mit minimaler Überdimensionierung von 8% werden; ich erhoffe mir davon einen "gleichmäßigeren Verlauf, also etwas mehr Morgenstrom. Dann lässt man das eine Saison so laufen, und schaut wie man hinkommt, so der Plan - und vielleicht bis dahin ja bessere Bedingungen für weiteren Zubau...

  • deutlich über 30 kWp, bräuchte damit wohl zusätzlich zu RSE einen NA-Schutz

    Für zentralen Netz- und Anlagenschutz (zNAS) ist die Leistung am Netzverknüpfungspunkt relevant, nicht die Generatorleistung.

    Wenn diese 30 kVA überschreitet, dann ist zNAS vorgeschrieben. Darunter der Netz- und Anlagenschutz auch dezentral (z.B. im Wechselrichter) ausgeführt werden. Vorhanden sein muss er aber immer.

    Super, vielen Dank für die Klarstellung, ist ja auch logisch, dass hier Einspeisepunkt- und nicht Generator-Nominalleistung zählt. gehe davon aus, dass ein "Einheitenzertifikatsbesitzender" WR das dann "kann"...


    An alle: großes Danke!!!!!!!!!!


    P.S.: zum Baurechtlichen: also nach Prüfung durch Bauamtsleitung kam "Verfahrensfrei" heraus (innerhalb 3m Priviliegierungszone an der Grenze und mit 48m2 < 50m2 - ich sollte nur die Lage des Carports in ein mir von der Gemeindeverwaltung übersandtes PDF einzeichnen; das ganze landet dann nach meiner Vermutung als "kleiner Würfel" (so wie die Carports in der Nachbarschaft auch) in den Kataster- bzw. Daten für den Bayernatlas.