Wie bewerte ich ein Beteiligungsangebot für Photovoltaik richtig (Private Placement)?

  • Hallo,


    ich habe durch Erbe und Erspartes "Geld übrig", was im Moment in Aktien-ETFs investiert ist. Das war die letzten 5-10 Jahre auch sehr rentabel, aber mittlerweile traue ich den hohen Kursen nicht mehr und möchte daher einen Teil anderweitig diversifizieren. Nachdem ich Anleihen und Immobilien erstmal verworfen habe, überlege ich aktuell eine Summe von ca. 75.000 Euro in PV investieren und bin auf der Suche nach einer Beteiligung. Fonds und Nachranganleihen scheiden aus, denn ich halte die für nicht weniger riskant als einen breiten Aktien-ETF.


    Im Moment bin ich noch in der frühen Phase, in der ich evaluieren möchte, ob PV überhaupt für mich als Investment in Frage kommt oder nicht rentabel ist. Ich habe auch ein (vertrauliches) Angebot für eine ca. 30% Beteiligung an einer ca. 700 kWp Dach-Anlage mit IB 2020.


    Meine Fragen:

    - Wie finde ich Experten, die gegen Bezahlung die Ertrags-Prognosen im Angebot nachprüfen können? Ich habe bereits ein paar Firmen online angeschrieben, aber keine Antworten erhalten. Dies ist aber auch nicht so wichtig, weil die Anlage bereits existiert und die Erträge bisher ca. der Prognose entsprechen.

    - Wie hoch ist aktuell die Vorsteuer-Rendite bei "schlüsselfertigen" Großanlagen üblicherweise? (d.h. jährlicher Stromertrag minus Pacht minus Betriebskosten)? Das mir vorliegende Angebot kommt auf jährlich ca. 6 Prozent der Anschaffungskosten (ohne USt).

    - Was sagt eure Glaskugel zum PV-Strompreis in 20 Jahren?

    - Die Anlage direktvermarktet den Strom zu einem Preis von 10,x ct - ist das der aktuelle Marktpreis bzw. gibt es extra Risiken bei der Direktvermarktung?


    Im Moment bin ich am stark am Zweifeln ob sich das rechnet. Bei 6% wäre Breakeven nach erst ca. 16 Jahren und in 30 Jahren gerade mal (vor Steuer) eine Verdoppelung möglich. Das wären dann ja nur ca. 2^(1/30) = 2.3% pro Jahr auf die Gesamtkosten (aber EK Rendite wegen ca. 2/3 Fremdfinanzierung höher)... Wenn der Strompreis in 20 Jahren niedriger ist, oder irgendein Defekt auftritt, bin ich dann schnell bei einer Null- bzw. negativen Rendite.


    Vielen Dank für eure Meinungen.

  • Ich hab nach "Solarfonds" gegoogelt, und gleich als erstes eine Beteiligung von Wattner aus dem Jahr 2020 gefunden. Da werden 47% Zinsen von 2020 bis 2032 angeboten und Rückzahlung von 2030 bis 2032.


    Gutes Thema, werde ich weiter verfolgen.

  • Ich hab nach "Solarfonds" gegoogelt, und gleich als erstes eine Beteiligung von Wattner aus dem Jahr 2020 gefunden. Da werden 47% Zinsen von 2020 bis 2032 angeboten und Rückzahlung von 2030 bis 2032.


    Gutes Thema, werde ich weiter verfolgen.

    Ich verstehe den sarkastischen Kommentar nicht. Ich habe ursprünglich schon geschrieben, dass ein Nachrangdarlehen wie das von "Wattner" absoluter Q- uatsch bzw. hochriskante Wetten sind.


    Mein konkretes Angebot wäre eine Unternehmensbeteiligung und würde folgendermaßen ablaufen:

    • Projektierer baut eine PVA-Anlage und nimmt sie als GmbH & Co KG in Betrieb.
    • Die GmbH & CoKG hat ca. 80% des Wertes der PV-Anlage fremdfinanziert, den Rest hat Projektierer vorgeschossen.
    • 3-7 Investor(en) kaufen Projektierer den Kommandisten-Anteil ab, wodurch dieser sein Eigenkapital + X wiedererhält.
    • Die Kommandist-Einlage beträgt das Minimum von 100€, d.h. darüber hinaus haftet keiner der Kommandisten, auch nicht für den Kredit der PVA.
    • GmbH bleibt weiterhin Vollhafter (Komplementär), wird aber laut Gesellschaftsvertrag nicht an den Ausschüttungen beteiligt.

    Der Projektierer hat bereits 100+ derartige PV Anlagen in Betrieb genommen und besteht als Firma seit Jahrzehnten. Zudem würde die Bank einer GmbH&CoKG kaum einen Kredit geben, wenn das Unternehmen von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre. So unseriös kann das ganze also nicht sein.


    Natürlich ist der Projektierer auch nicht die Caritas und wird zB an dem für 20 Jahre festgeschriebenen Wartungsvertrag ganz ordentlich verdienen. Ist aber ja auch i.O., solange die Gesamtrendite passt und auch für den Investor genug "übrig" bleibt. Bei einem derartigen Private Placement ohne Wertpapierprospekt, muss ich als Investor aber alles selbst prüfen, insbesondere:

    • ob der Kaufpreis zu hoch ist,
    • die prognostizierten Erträge zu hoch sind
    • ggf. weitere Kosten während der Laufzeit entstehen.

    Ich habe diverse Solateure angeschrieben, an (bezahlten) Beratungsleistungen scheint man dort aber nicht interessiert. Alleine habe ich aber nicht die notwendige Expertise.


    PS: Das oben erwähnte Angebot ist nun auch erstmal verkauft - aber es eilt ja nicht, kommen ja noch weitere nach...

  • grundsätzlich würde ich nicht darauf wetten, das der Strompreis in 20 Jahren doppelt so hoch ist wie heute. das einfache Gegenargument ist eben: wie soll der Staat denn die ganzen hartz 4 nasen weiter durchfüttern, wenn die kWh 1 euro kostet?

    der einzige Schutz für dein investment liegt darin, das du dein kapital eben nicht in nur 1 Projekt steckst. es wäre auch die frage ob du kündigen kannst, also wieder aussteigen kannst!

    das mit dem nachrechnen ist im weiteren sinne ja der job eines vermögensberaters. da wird es aber nur wenige geben, die das bei der doch recht geringen summe dann auch machen. aus deren Sicht wird es eher im 7stelligen Bereich interessant.


    deine Rendite ist sicher sehr niedrig, aber das hängt ja auch mit dem recht geringen Totalverlust Risiko zusammen. es gibt im moment einfach zu viel Liquidität im markt.

  • grundsätzlich würde ich nicht darauf wetten, das der Strompreis in 20 Jahren doppelt so hoch ist wie heute. das einfache Gegenargument ist eben: wie soll der Staat denn die ganzen hartz 4 nasen weiter durchfüttern, wenn die kWh 1 euro kostet?

    Wenn ich mir die Marktwerte für Solarstrom so anschaue, lagen die eigentlich immer bei 5ct/kWh. Das (nicht mehr investierbare) Angebot hatte noch 10.X ct / kWh, ich würde aber langfristig mit ca. 5ct/kWh rechnen. Zum einen ist 5ct in 20 Jahren aufgrund der Inflation "billiger" als aktuell, zum anderen könnte es aber auch sein, dass wir ein absolutes Überangebot an PV-Strom haben in 20 Jahren und man ihn verschenken muss.


    Letztendlich wäre es aber auch bei 5ct/kWh noch rentabel, und der eigentliche Löwenanteil der Stromkosten liegt ja bei den "Netzentgelten" bzw. Steuern.

    das mit dem nachrechnen ist im weiteren sinne ja der job eines vermögensberaters. da wird es aber nur wenige geben, die das bei der doch recht geringen summe dann auch machen. aus deren Sicht wird es eher im 7stelligen Bereich interessant.


    deine Rendite ist sicher sehr niedrig, aber das hängt ja auch mit dem recht geringen Totalverlust Risiko zusammen. es gibt im moment einfach zu viel Liquidität im markt.

    Nachrechnen kann ich die Zahlen ja selbst mit Excel, dazu brauche ich keinen Berater. Auch die steuerliche Behandlung einer GmbH & Co KG (Stichwort Personengesellschaft) und die Abschreibung ist mir klar mittlerweile.


    Ich muss nur ermitteln, ob die "Prognosen" des Verkäufers alle so stimmen. Beim Ertrag ist es einfach - die Anlage läuft ja schon länger und hat Ertragswerte, die zu 99% mit Prognose übereinstimmen - in manchen Monaten übertroffen, in manchen unter Prognose. Aber was zB an Reperaturrücklage / Reinigungskosten / Wartungskosten usw. anfällt und ob da die Prognosen des Verkäufers passen, weiß ich halt nicht. Der Verkäufer meinte, dass zB wahrscheinlich gar nicht jedes Jahr gereinigt werden muss, es ist nur sicherheitshalber eingerechnet.


    Ich hatte halt gehofft, dass ich einen unabhängiger "Experten" für 2-4 Stunden die Kalkulation überfliegen lasse und er mir dann seine (nicht rechtsverbindliche) Meinung dazu gibt für meinetwegen 100€/h Stundenlohn.


    Das die Rendite des Investments an sich nicht so der Wahnsinn ist, ist ok. Es soll eine Diversifikation vom Aktienmarkt werden, d.h. es soll mehr als Festgeld, aber weniger als Aktien bringen. Gleichzeitig soll das investierte Geld aber auch niemals um mehr als 10% im Wert sinken. Verkaufen könnte ich meinen Anteil übrigens jederzeit, ich muss halt selbst einen Käufer finden und bestehende Kommanditisten haben dann ein Vorkaufsrecht zu dem Preis den der Käufer zahlen würde.