Selbst pessimistische Rechnung amortisiert Batterie in Lebensdauer - Denkfehler?

  • Hallo zusammen,

    wir stehen in den Endschritten einer PV-Anschaffung und überlegen noch hin und her wegen einer Batterie. Eigentlich ist das alles viel Glaskugellesen, aber ich habe anhand der mir bekannten Daten mal eine Rechnung aufgestellt und bin der Meinung: die Batterie rechnet sich. Weil das aber als Laie erstellt und mit Laien besprochen ist wollte ich gerne mal fragen ob die erfahrenen Hasen hier in der Runde einen Denkfehler in meiner Rechnung feststellen.


    Zu aller erst einmal, warum denke ich, dass sich die Batterie lohnt? Ich habe im Haus knapp 280 Watt Grundrauschen. Konstant. Selbst nachts.


    Das kommt zu einem Teil von der Steuerung der Luft-Wasser-Wärmepumpe (150 Watt konstant) und auch vom Haus (130 Watt konstant durch Standby-Geräte oder Netzwerktechnik und Server). Der Gedanke war, dass ich ja bloß schauen muss an welchen Sonnentagen im Jahr ich genug in der Batterie drin habe damit ich den fest-einplanbaren Strom nicht zukaufen muss, sondern selbst nutzen kann ==> und die Rechnung geht aus meiner Sicht auf. (dank Förderung und MwSt-Erstattung)


    1. der Kollege Sonnenflüsterer zeigt an seinen Daten hier, dass man selbst im Sommer von ca. 22:00 Uhr bis 07:00 Uhr mit keiner Erzeugung rechnen kann ==> 9 Stunden "Nacht"
    2. Bei 130 Watt Hausstrom und 150 Watt Heizungsstrom mal 9 Stunden macht das 1,17 kWh Hausstrom und 1,35 kWh Heizungsstrom pro Nacht (Summe 2,52 kWh)
    3. Der aktuelle Strompreis für Hausstrom liegt bei uns bei 0,33 € pro kWh ; der für vergünstigen Wärmepumpen-Strom bei nur 0,23 € pro kWh. Rechne ich bei einem Zeitraum von 15 Jahre mit einem steigenden Strompreis von 2% macht das fürs Haus 0,33€*1,0215 = 0,44€ pro kWh (gemittelt über 15 Jahre macht Hausstrom = 0,3871€ pro kWh) und für die Wärmepumpe 0,23€*1,0215 = 0,3095€ pro kWh (gemittelt über 15 Jahre macht Heizungsstrom = 0,2698€ pro kWh)
    4. Mit den oben errechneten Verbräuchen heißt das, dass ich pro Nacht ca. 1,17 kWh * 0,3871 € / kWh = 0,4528698827€ für den Hausstrom und 1,35 kWh * 0,2698 € / kWh = 0,3641960595€ für den Heizungsstrom bezahle. Also in Summe 0,817 € pro Nacht Stromkosten
    5. Der Ertrag meiner PV-Anlage wurde über dies Seite Rechnerphotovoltaik.de berechnet. Die Anlage wird 6 kWp haben, bei 35° Dachneigung, Ausrichtung 5° Süd, in der Nähe von Stuttgart mit einem Verlust von 10,5% und einer Kristallin Silizium Technologie (Trina Solar TSM-DE09.08). Ich habe aus meine Stromzähler den wöchentlichen Verbrauch der letzten 2 Jahre ausgelesen und schaffe es in 8 Monaten des Jahres (von März bis Oktober) 100%+ meines Verbrauchs zu decken (siehe Anhang für Zahlen). Das heißt, dass ich an (365 / 12) * 8 Monate = 243,3 Tagen im Jahr genug Strom tagsüber erzeuge um auch nachts das "Grundrauschen" per Batterie abzudecken
    6. Die 243 Tage * die 0,817€ pro Nacht Einkaufsersparnis machen 198,82€ im Jahr. Wobei ich natürlich 2,52 kWh weniger verkaufe. Die könnte ich aktuell mit 0,08€ pro kWh verkaufen. Heißt 49,056€ pro Jahr gehen mir im Verkauf "verloren". Somit bleiben aber im Jahr 198,82€ minus 49,056€ = 149,76€ Ersparnis pro Jahr durch die Batterie.
    7. Bei den Kosten der Batterie sind es in unserem Angebot vom Solateur aktuell 3.561,34€ netto ( 2.994,60€ Batterie BYD B-BOX HVS 5.1 netto + 374 € Batterie-Freischaltung netto im Kostal-Wechselrichter + 12,74 € netto für Communication cable + 180 € netto für die Montage der Batterie). Alle Preise netto da wir uns über die Umsatzsteuerpflicht die MwSt ja wiederholen können. Dazu kommt durch die aktuelle Förderung ein Rabatt von 1000€ ( 5 kWh * 200 € pro kWh ). Somit ist 3561,34 € minus 1000€ = 2561,34€ der effektive Preis unserer Batterie.
    8. Last but not least: 2561,34€ Anschaffungskosten amortisieren sich bei 149,76€ Ersparnis pro Jahr nach 17,10 Jahren.
      Und das, bei nur 2/3 des Jahres Nutzung (8 von 12 Monaten) und bei nur 50% Auslastung der Batterie (2,52 kWh nachts bei einer 5,1 kWh Batterie) und einer angeblichen Lebenserwartung der Batterie von 20 Jahren.

      ==> die Rechnung habe ich auch nochmal als tabellarischen Screenshot angehangen


    Ich habe versucht möglichst realistische oder pessimistische Annahmen zu treffen. Und bin durch MwSt-Erstattung und Förderung doch erstaunt von dem Ergebnis, pur nur für das nächtliche Grundrauschen. Natürlich kann das noch besser laufen, falls jetzt:

    • unterm Tage nochmal hier und da die Batterie mich vor "Zukauf von Außen" schützt
    • oder sie im Sommer auch mal zu 70% voll ist und nachts mal die Spülmaschine abdeckt
    • oder zu 100% voll ist und nachts von 5 bis 6 Uhr das Aufheizen des Brauchwasser in der Wärmepumpe abdeckt (das sind auch mal eben ca. 2,54 kWh über 40 Minuten, siehe Volkszaehler-Screenshot anbei).

    Wie ich es drehe und wende: die Batterie wird sich mindestens 0 auf 0 Rechnen - wahrscheinlich aber sogar noch Ersparnis bringen.


    Was meint ihr, bin ich komplett falsch gewickelt, auf dem Holzweg und mit dem Kopf gegen die Wand?


    Ich würde mich sehr über euer Feedback freuen und hoffe mal ich habe alles recht anschaulich und verständlich rüber gebracht :)


    Grüße


    DataMessie

    (den Namen fand ich irgendwie passend... n Keks für jeden der errät wieso 8o )

  • Du wärst der erste bei dem es aufgeht. Glückwunsch. Habe keine Zeit den Fehler zu suchen.

    0,44€ pro kWh (gemittelt über 15 Jahre macht Hausstrom = 0,3871€ pro kWh

    Diese Annahme werden die wenigsten hier teilen.

    Die Anlage wird 6 kWp haben

    Autsch. :( Warum so eine kleine Spielzeug-Anlage? Da bleibt einige Teile vom Jahr nix für den Speicher.


    Wo sind 20 Prozent Wirkungsgradverlust?

    17 Jahre hält kein Akku durch ohne massiv an Leistung zu verlieren ihrer längst als Elektroschrott einen Strand irgendwo auf der Welt zu säumen.


    Usw usf.

  • # DataMessie,


    "Was meint ihr, bin ich komplett falsch gewickelt, auf dem Holzweg und mit dem Kopf gegen die Wand?"


    Nö, nicht komplett, aber fast! :)

    Bei Teilnutzung dürfte der Akku nach noch nicht mal 15 J hinüber sein und müßte durch einen neuen ersetzt werden.

    Diesen Betrag solltest du schon mal anteilig einpreisen.

    Darüber hinaus hält der Akku seine Kapazität über die Jahre nicht konstant, sondern die Kapazität nimmt ab.

    Dann sind da noch die Umwandlungsverluste, die je nach Fahrweise mit bis zu 20% berücksichtigt werden müssen.

    Bei der Auslegung ist zu beachten, das diese nicht auf Durchschnittswerten beruhen darf, sondern Monat für Monat gemacht werden muß (vielleicht hast du das schon berücksichtigt, dann ein Sorry!).

    Wie viel deine PV überhaupt erzeugt, das hängt vom Standort, den installierten kWp, der Dachneigung und Ausrichtung ab. Die Werte kann man mit PVGIS prüfen, ebenso die Funktion übers Jahr und mit Akku mit PVGIS OFF GRID.

    Versuchs mal und stell die Werte hier ein.

  • Einiges wurde ja schon genannt... allen voran der Verlust beim speichern. Du verlierst also eher die Vergütung von 3kWp UND musst dafür ca. 5ct USt zahlen die ersten 5-6 Jahre. Macht nur noch ne Ersparnis von 100Eu in der Zeit (statt 136Eu)!


    Dann hast du oben einfach nen mittleren Preis genommen,... beim Potentialgesetz muß du aber die Partialsumme der geometrischen Reihe nehmen, das sind also eher nur 38ct. OK, dafür hast du nur über 15 Jahre gemittelt und nicht bis zum Ende der Amortisation... wie auch immer... ich komme damit auf 20-21 Jahre.


    NUR damit es eine Nullsummenspiel wird... sparen tust du erst danach! Die Resourcen hast du aber jetzt schon verbraucht... für das Geld 2-3kWp mehr wären besser investiert.


    (Du zahlst echt 33ct/kWh? Da würde ich den Anbieter wechseln... oder hast du da die GG mit drin? Das darfst du natürlich nicht für diese Rechnung... BTW, ich zahle 26ct für Haus- und 19ct für Wärmestrom, beides Ökotarife)

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • Die Rechnenlücken wurden ja schon genannt:

    • Verluste von 20%
    • Steuer auf Eigenverbrauch
    • zu hohe mittlere Stromkosten
    • Anlage zu klein für die angenommenen 240 Vollzyklen, vor allem in Verbindung mit einer LWWP

    Aber selbst wenn es sich in 17 Jahren auf 0 ausgeht; was ist damit gewonnen??? Du bist in 17 Jahren genau an der gleichen Stelle wie jetzt.

    Warum nicht einfach noch 5 Jahre oder 10 Jahre warten???


    Vernünftiger Weise baut man erst mal die PV so groß wie platzmaßig und finanziell möglich, um überhaupt ausreichend Strom zum Verbrauchen und Speicher zu haben, vor allem im Winter, wenn die WP fleißig wegzieht.

    Das riecht so nach Auslegung des Jahresertrags am absoluten Jahresverbrauch, was absolut unsinnig ist, da beides miteinander aufgrund der zeitlich ganz unterschiedlichen Ertrags-/Verbrauchskurven überhaupt nichts zu tun hat.


    Und wenn du DANN noch ein Hobby oder das gute Gefühl brauchst, kannst du dir noch einen Speicher dazustellen.

  • Anlage zu klein für die angenommenen 240 Vollzyklen, vor allem in Verbindung mit einer LWWP

    Nochmal zur Verdeutlichung:


    Basis meine Anlage: 13,2kWp PV, Grundwasser-WP, 2,4kWh Speicher.


    Vollzyklen des Speichers und erzeugte Leistung der PV in den Heizmonaten dieser Heizperiode:


    September:___23_____1286 kWh aus PV

    Oktober:______18______577 kWh

    November:____14______411 kWh

    Dezember:_____5______238 kWh

    Januar:_________8______290 kWh

    Februar:______15______712 kWh

    März:_________25_____1177 kWh


    Da reden wir im Dezember und Januar von nicht mal 20 gespeicherten kWh im MONAT.

  • Du bist echt einer der wenigen, bei denen der Generator ein ordentliches Verhältnis zum Speicher hat.

    Perfekt für Nachtverbrauch... sowas schwebt mir auch vor wenn ich den für 300eu/kWh kriege (all inklusive).


    Darf ich davon ausgehen, dass du in den Sommermonaten auch keine 30 Vollzyklen / Monat schaffst. Also im Jahr sowas wie 240-250?

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • 19,8 kWp PV

    11,4 kWh Speicher netto

    ca. 230 Vollzyklen im Jahr2020

    Im Winter wird die Batterie oft nicht voll, reicht aber selbst voll nicht über die Nacht (WP-Heizung). Im Sommer wird sie immer voll, aber über Nacht nie leer.

    Bin trotzdem zufrieden und der Speicher hat uns dank KfW40+ quasi nichts gekostet.


    Bei 6 kWp gehe ich davon aus, dass im Winter alles direkt verbraucht wird und gar nichts für die Batterie übrig bleibt.

    Private PV-Anlage (07/2019):
    19,84 kWp | Heckert NeMo2.0 60M 310W | E3/DC S10 E PRO (13 kWh Speicher) | SMA SB3.6
    Bürgersolaranlage (04/2009):
    25,2 kWp | Sharp NT175E1 | SMA SMC8000TL | SMA WebBox | SunnyPortal

  • Darf ich davon ausgehen, dass du in den Sommermonaten auch keine 30 Vollzyklen / Monat schaffst. Also im Jahr sowas wie 240-250?

    Darfst gerne fragen, gibt ja alles in Tabellen ^^ 2020 waren es 268 Vollzyklen.



    Seit August 2020 läuft die WP mit.