PV-Anlage auf fremden Dach - rechtliches

  • Hallo,


    ich habe schon gesehen, dass es mehrere Threads zu diesem Thema gibt, aber diese Situation ist wieder etwas anders.


    Folgende Situation: Mein Onkel besitzt einen landwirtschaftlichen Betrieb, der allerdings vollständig verpachtet ist. Ich werde diesen Betrieb irgendwann mal erben, wohne aber nicht dort. Es gibt mehrere geeignete PV-Flächen auf dem Betrieb (ca. 500qm nach Süden). Außerdem hat der Pächter des Betriebs ein relativ hohen Strombedarf (ca. 30000 kWh pro Jahr). Da ein großer Teil für Lüftung und Kühlung benötigt wird, korreliert der Strombedarf auch mit der Sonneneinstrahlung. Es ist auch sogar schriftlich festgehalten, dass der Pächter den Strom einer zukünftig installierten PV-Anlage zu marktüblichen Preisen abnehmen muss.


    Der Strombedarf meines Onkels ist allerdings sehr gering (1-Personen Haushalt)


    Für mich wäre es eine Interessante Geldanlage, eine PV-Anlage dort zu installieren. In welcher Größe und ob mit Zwischenspeicher steht noch nicht fest. Die Frage ist erstmal, wie ich die rechtliche Situation ist.


    Folgende Szenarien kommen meines Erachtens in Frage:


    1. Ich pachte die Dachflächen zu einem (symbolischen) Preis und verkaufe meinem Onkel und dem Pächter des Betriebs den Strom. Überschüssigen Strom speise ich ein und bekomme dafür entsprechende Vergütung. Ggf. wäre ein Speicher hier sinnvoll, da auch regelmäßig nachts Strom z.B. für eine Lüftung und eine Pumpe benötigt wird. Ich benötige auf jeden Fall ein Gewerbe (Gbr)?


    2. Ich pachte die Dachfläche, errichte die Anlage und verpachte meine Onkel die Anlage zurück. Der Pachtpreis wird dann jährlich neu ausgehandelt und entspricht etwa den Einnahmen der PV-Anlage. Vorteil, man bekommt die Einspeisevergütung.



    Gibt es noch einen anderen Weg? Ist das vorgehen überhaupt sinnvoll?


    Vielen Dank schon mal

  • Speicher wird bei heutigen Preisen nicht wirtschaftlich werden können. Einfach zu teuer.

    Wenn du Stromlieferant wirst, musst du dem Kunden EEG-Umlage berechnen und abführen. Da wird dein Kunde kaum noch einen wirtschaftlichen Vorteil haben.

    Wie das steuerlich zu bewerten ist (pachten, ... und weiterverpachten ...), solltest du mal in der Rubrik "Finanzen/Steuern" klären lassen.


    lg

    citystromer

    Sanyo 18 X HIt N 235 SE 10, Sunways WR NT 4200, Westausrichtung, Standort: 3045x

  • Die Variante 1 dürfte einfacher sein, das sollte aber dein Steuerberater mal prüfen. Die EEG Umlage liegt bei 6,5ct/kWh, selbst damit und mit Besteuerung und Anrechnung der entgangenen Förderung kannst du den üblichen Preis für Netzbezug noch unterbieten. Bei 500qm Fläche sollte der größte Teil der Einnahmen aus der Einspeisung kommen, also so groß wie möglich bauen (Budget).

  • Es ist auch sogar schriftlich festgehalten, dass der Pächter den Strom einer zukünftig installierten PV-Anlage zu marktüblichen Preisen abnehmen muss.

    Ich vermute, das genau da ein Gedankenfehler liegt. Marktwert für Strom ist nicht der Preis, den ein Endkunde unterm Strich für die kWh zu zahlen hat. Der Marktwert liegt deutlich unter einer geförderten Einspeisevergütung.


    Es wird darauf hinaus laufen, den Pächter des Hof außen vor zu lassen. Dachfläche vom Onkel pachten und ne EEG-PV-Anlage drauf und alles einspeisen. Wenn die Förderung in 20 Jahren ausläuft, kann mann immer noch mal sehen, ob eine Direktvermarktung interesannt ist.


    Onkel als Betreiber kann interesannt werden, wenn die Anlagengröße eine Befreiung von der EEG-Umlage (bzw. Reduzierung) auf den Eigenverbrauchsstrom zulässt. Und nur dann könnte auch das Spielchen mit Akku mal spassenshalber durch gerechnet werden. Vermutlich gibts keine EGG-Umlagenreduzierung, es sei denn, eine kleine Ecke bekommt der Onkel.


    Gruß Randalph

    Selbstversorgung

    8 kWp (mehr geht nicht)

    30 kWh LiFePo4-DIY (hoffnungslos zu viel, 1x durch die Nacht hätte gereicht)

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    Abkürzungen, erste Schritte, FAQ, Übersicht

  • Wenn du "deinen" PV Strom vor Ort an andere (Dritte) verkaufst musst du ja irgend wie den Preis bestimmen. Eine einfache Möglichkeit ist einfach die Steuern/Umlagen zu addieren, die entgangene Einspeisevergütung dazu und schauen was noch an Abstand zum Standard Netz Bezugspreis bleibt und das unter Anbieter/Abnehmer auf zu teilen.

    Wären dann z.B.

    - 6,5ct EEG Umlage + 8ct Einspeisevergütung + 5ct Steuer -> 19,5ct/kWh

    - Bezugspreis 27ct/kWh

    Macht dann etwa 7ct/kWh die noch aufzuteilen sind. Mit der Steuer muss man in deinem Fall noch prüfen wie das bei gewerblichem Abnehmer ist, da wieder den Steuerberater fragen.


    Das zeigt dann schon das es sich erst richtig lohnt wenn viele kWh verkauft werden, aber als Mitnahme Geschäft ist es auch i.O. und zumindest kein Zuschuss Betrieb.

  • Möglichst groß bauen, dem Bauernhofpächter den Strom zu einem fairen fixen Preis anbieten (also für dich nach Abzug der EEG Umlage etwas höher wie EEG Vergütung) und gut ist es. Sollte immer noch ein lukratives Geschäft sein.

    Servus
    Toni


    Luschenjagd aufgegeben.
    Elektrisch unterwegs mit Leaf II

  • wäre ein Speicher hier sinnvoll

    NEIN.

    Ich benötige auf jeden Fall ein Gewerbe (Gbr)?

    Nein. Du benötigst Sachkenntnis.


    Bitte lies - mehrfach als "Gold wert" gelobt - FAQ - wertvolle Informationen zu PV-Anlagengröße, Stromspeicher, Wirtschaftlichkeit, Eigenverbrauch, Optimierung, Simulation, erwartbarer Ernte, Auslegung, Wärmepumpe, rechtlichen und steuerlichen Grundlagen, Netzanschlussbegehren zwecks EEG-Vergütung uvm

    Darin ist auch ein Link ins Steuerwissen enthalten.

    Für unabhängige Beratung stell bitte Luftbild, Maße, Dachneigung, Belegungsplan, sonstige Dächer, Garagen, Carports, Foto Zählerschrank (falls fehlend und Bundesland falls kein freistehendes Gebäude) usw. ein.

    Bei Gedanken an Speichersystem lies bitte BEIDE Einträge in Stromspeicher, Akkus und Cloud-Anbieter


    Bei

    In Anbetracht des hohen Verbrauchs des Pächters würde ich ihm die Anlage verpachten, damit er vergünstigte EEG-U hat. Diesen Vorteil könnt ihr euch teilen.

    Der Pachtpreis wird dann jährlich neu ausgehandelt und entspricht etwa den Einnahmen der PV-Anlage.

    Ich würd das nicht jährlich anpassen sondern nur alle 5-10 Jahre "glatt ziehen".


    Bei 30 MWh/a stellt sich mir die Frage ob Pächter Sondervertragskunde ist.