In Wäremepumpe investieren oder nicht?

  • N`abend allerseits,


    ich beschäftige mich seit einigen Tagen wieder mit dem Thema WP, da seit Dezember 20 meine PV aktiv ist (ca. 18kWp).

    Wir haben ein Reihen(mittel)haus und eine Wolf Ölheizng (COB20). Offensichtlich ist die Ölheizung massiv überdimensioniert, da sie unglaublich oft taktet.

    Sie schaltet sich etwa alle 10-15min für 3-5min ein und wieder aus. Die Heizkurve habe ich heute auf 0,9 abgesenkt, bei voll offenen Ventilen ist es damit immer noch zu warm im Haus....


    Wir haben eine Wohnfläche von 150qm, das Dach ist bestens gedämmt, Fassade nicht. Mir wurde empfohlen nach eine Warmwasser-WP zu schauen, da damit schonmal die Ölheizung im Sommer ausbleiben kann.

    Aber evtl. lohnt ja auch der Umstieg auf eine Komplettlösung (WP für Heizung und WW)? Ich tue mich mit Berechnungen von Heizwerten etc. schwer, unser Ölverbrauch liegt bei ca. 1600l / Jahr. Das aber ohne Optimierung, d.h. Vorlauf mit 55° - heute habe ich gemerkt, dass auch 40° mehr als genug sind.


    Gibt es Erfahrungen zum "Verbrauch" einer passenden WP (habe an 7,5kW Leistung gedacht)?


    Vielen Dank.

  • Nein, dachte schon an die Installation von größeren Heizkörpern falls nötig aber die derzeit verbauten bringen bei 40° Vorlauftemperatur mehr als genug Wärme.

    Natürlich ist das Thema unfassbar komplex - es geht nur die grundsätzliche Frage ob es sich mit den vorhandenen Gegebenheiten überhaupt lohnt sich damit umfassender zu beschäftigen...

  • WP klingt nicht unmöglich. Bei einem Reihenhaus ist der Garten klein, also Brunnen bohren oder Ringgrabenkollektor höchstwahrscheinlich ausgeschlossen, bleibt also eine Luft-Wasser-WP. Das Außengerät der LWWP braucht einen Platz vor oder hinterm Haus. Der große Luftstrom im Wärmeaustausch, der Lüfter und der Verdichter machen Geräusche, was nicht jedem Nutzer oder seinen Nachbarn gefällt. Sollte man vorher prüfen, am besten in einem Neubaugebiet mal Probe hören und entscheiden.

    Eine VL-Temp von 40 Grad im Mittel wäre schon recht gut, niedriger noch besser. Größere Heizkörper in kritischen Räumen, z.B. Wohnzimmer, Bad, könnten da sinnvoll sein.

    Der beste Weg wäre, einen Wärmemengenzähler im VL einbauen lassen und einen Winter lang mit optimierter Heizkurve, bei allen Thermostaten voll auf aufgedreht, den tatsächlichen Wärmeenergiebedarf ermitteln. Evtl. thermischen Abgleich durchführen, falls es zu warme oder zu kalte Räume gibt.

    Beispiel: Wir haben 150 qm beheizte Fläche im Reiheneckhaus, neu gedämmtes Dach, 3-fach Fenster usw. und brauchen aktuell in der letzten kalten Woche bei einer Durchschnittsaußentemp. von -4,7 Grad (max. nachts -11,5 Grad) eine Heizleistung von 4,5 kW. Die heutige Gasheizung mit Nennleistung 16 kW ist inzwischen nach all den Maßnahmen völlig überdimensioniert.

    Zu prüfen wäre noch das Rohrleistungssystem der Heizanlage. Eine LWWP braucht einen hohen Volumenstrom (bei kleiner Spreizung von 3-5 K) von ca. 800 - 1500 l/h. Das kann bei alten dünnen Rohren zu zu hohen Strömungsgeschwindigkeiten mit Geräuschen führen.

    Gruß Thorsten

    Ost-West mit je 15 Modulen zu 330 W

  • Hi Thorsten,


    vielen Dank für den Input - ich hatte tatsächlich an eine LWWP gedacht, Platz wäre dafür im Garten. Die Nachbarn sind eher weniger ein Problem ;-)

    Die Strömungsgeschwindigkeit war beim Testen heute wirklich hörbar, allerdings würde das nach einem hydraulischen Abgleich sicherlich besser werden.

    Was mich ein wenig verunsichert ist der tatsächliche Stromverbrauch pro Jahr. Beim Öl sind die Kosten bekannt und relativ konstant. Die PV kann wohl max. 20-30% des benötigten Stromverbrauchs abdecken. Ich möchte natürlich vermeiden am Ende des Jahres eine Nachzahlung über 10.000kWh Strom zu haben...

  • Die Strömungsgeschwindigkeit war beim Testen heute wirklich hörbar, allerdings würde das nach einem hydraulischen Abgleich sicherlich besser werden.

    Nein, der hydraulische Abgleich ändert nichts an den grundsätzlichen Strömungsgeschwindigkeiten. Die gibt die Pumpe des Heizkreises vor. LWWP brauchen einfach einen hohen Durchsatz, um bei geringer Spreizung die gewünschte Wärmemenge übertragen zu können. Der HA sorgt nur dafür, dass jeder Heizkörper die richtige Wassermenge in Relation zur Auslegung der Heizkörpergröße und gewünschten Raumtemp bekommt.


    Auch bei einer WP ist der Stromverbrauch kalkulierbar. Du kannst bei Deinen Bedingungen mal im worst case von einer JAZ von 3 ausgehen. Du verbrauchst heute 1600 l Heizöl (ich nehme an, inkl. WW). Das entspricht grob einem Heizwert von 16000 kWh. Geteilt durch 3 wären das rund 5300 kWh Strom. Da hast Du mal eine Größenordnung. Wird Deine JAZ schlechter, brauchst Du mehr Strom, wird sie besser, z.B. 4, dann werden es nur rund 4000 kWh Strom.

    Bedenke: Die PV hilft Dir v.a. im Sommer und der Übergangszeit. Im richtigen Winter geht der meiste Ertrag im Grundverbrauch auf.


    Gruß Thorsten

    Ost-West mit je 15 Modulen zu 330 W

  • Übergangszeit gibt es dafür 2x pro Jahr.


    Ich habe genau die o.g. Konstellation gehabt und bin 2017 von Öler 22kW auf WP 5kW gewechselt.

    Nutzwärmeerzeugung 19.000kWh/p.a.

    Zzgl. WW, das macht eine BWWP seit 8 Jahren, also schon zu Zeiten des Ölers


    JAZ im 3-Jahresschnitt bei 3,72 im 85 Jahre alten freistehenden Haus, ich habe auch nur Heizkörper. Dafür recht gut.

    VLT max. 40°C bei Bivalenzpunkt -6°C (darunter zzgl. Kachelofen 2 ster/a), NAT -14,5°C

    Einsparung ggü. Öl 400-500€/a, beim CO2 sind es ca. 4to weniger pro Jahr, jährlich steigend.

    Der Eigenverbrauch hat sich von 30% auf 50% erhöht, Betrachtungszeitraum 8 Jahre ohne WP, 3 Jahre mit WP.

    PV 10kWp + Offgrid 140Wp
    Brauchwasser-Wärmepumpe Ariston Nuos 80 , Heizungswärmepumpe Panasonic Geisha F 5kWth,
    aWATTar (.de) variabler Strompreis ("Hourly") , Zoé 40 an go-e, davor Kia Soul EV