Neubauplanung mit Friesengiebel

  • Hallo zusammen,


    wir bauen in diesem Jahr unser Einfamilienhaus auf KFW55 Basis.

    Geplant ist als Heizung eine Erdwärmepumpe und KNX Haussteuerung.



    Unser Wunsch wäre aktuell eine rentable PV ohne Speicher. Ein E-Auto oder maximale Unabhängigkeit sind Fernziele.



    aktueller Verbrauch (ohne Wärmepumpe:

    3 köpfige Familie

    3800kWh Strom



    Dach:

    Nord - Süd Ausrichtung

    50° Neigung

    Friesengiebel mit 68% Neigung


    Ich habe auch bereits versucht mit PVSOL eine mögliche Dachbelegung zu planen.

    Macht es Sinn den Friesengiebel zu belegen oder eher nicht?


    Für eure Hilfe wäre ich euch sehr dankbar.


    Viele Grüße
    Nico


  • Neben den Giebel ist wegen Schatten und für weniger Material-, Zeit-, Montagaufwand hochkant zu bevorzugen.

    In Frankreich sind Passivhäuser Vorgabe - KfW55 wird ein moderner Sanierungsfall in wenigen Jahren.

    Falls zulässig würd ich die Traufe anheben und die Dachneigung reduzieren. Ich kenne ein Haus ähnlich wie deines, da steht nimmt man sich schon viel Wohnfläche und vor allem viel Südsonne die zum heizen taugt. Aus passiv-solarer Sicht tust du dir damit keinen Gefallen. Nord ist bei 50° auch nicht nutzbar - warum geben die Städte so unökologische Rahmen vor?


    Ich kenne auch ein Denkmalschutzhaus mit ganz wenig Südfenstern in den oberen beiden Geschossen - eine sehr düstere Veranstaltung. Mit viel Mühe haben die da eine Art Innenbalkon reingesetzt damit etwas Licht reinkommt auf Süd.


    Kurz; nimms mir nicht übel; aus Erfahrung würde ich so wie du es skizziert hast nicht bauen wollen.

    Wäre denn statt Giebel eine Schleppgaube drin?

  • Denke doch mal über ein Passivhaus nach:

    - keine Kosten (10-15.000€) für die Bohrung

    - keine Kosten für die WP (5-10.000€) (mehrfach, weil die ja irgendwann mal ersetzt werden muss)

    - keine Kosten für ein Wärmeverteilnetz (FBH 15.000€ kann entfallen)

    - keine Heizkosten die nächsten 50 Jahre (25.000€)


    Das gesparte Geld (s.o. investierst Du in die Dämmung und bessere Fenster und Türen.


    Dann lässt Du noch den Giebel auf die Nordseite wandern.


    Und schon hast Du ein zukunftsfähiges Haus, dass in 15-20 Jahren NICHT teuer energetisch saniert werden muss. UND Dir noch erhebliche PV-Strom-Überschüsse für z.B. die Mobilität ermöglicht.


    Wäre das nicht ein Träumchen?

  • Um Deine Planung nicht auch durcheinander zu schmeißen, antworte ich Dir einfach mal auf Deine Frage, wenn auch die Kritikpunkte der Kollegen sicherlich nicht ad acta gelegt werden sollten.
    Deine Frage bezieht sich auf "sinnvoll", teilst uns aber nicht mit, worauf Du das beziehst. Grundsätzlich wären 8 Module heute ca. 3 kWp mehr. Du erzeugst mehr grünen Strom und im Säckle bleibt auch was übrig. Auf der anderen Seite brauchst Du wohl ein SE-System, was aufgrund zusätzlicher Elektronik auf dem Dach eine mögliche Fehlerquelle darstellt und ca. €100,-/kWp teurer ist. Bei der Belegung würde ich i.d.R. auch die angesprochene Hochkantbelegung aus #2 favorisieren, jedoch würde ich das hier auch davon abhängig machen, mit welcher Belegung mehr Module aufs Dach passen. Auch wenn Du den Giebel nicht belegst, wird ein aktueller String WR mit Schattenmanagement bei einer 2x17 Belegung wunderbar den Schatten ausregeln können - dafür braucht es dann kein SE-System.

  • Erstmal schon vielen Dank für eure Kommentare.

    Die steile Dach und den Giebel haben wir aus optischen Gründen gewählt. Es soll ein Haus mit Friesengiebel über dem Eingang sein, auch wenn dies aus Solar oder Energie Sicht nicht optimal ist. Hier würde meine Frau sonst nicht mitspielen. ;)


    Wenn ich die Module senkrecht plane, sind es 44 anstatt 42.



    Meint ihr mit Passivhaus KFW40 oder KFW40+? (Entschuldigt die vielleicht dumme Frage).

    KFW40 oder KFW40+ sind nach Rücksprache mit unserem Statiker angedacht und auch sinnvoll. Die Anlagentechnik hat bereits KFW40 Standard. Es ist eine Erdwärmepumpe und auch eine Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung geplant. Das Bauwerk muss noch entsprechend auf KFW40 geplant werden.

    Für KFW40+ würde ich dann noch einen entsprechenden Speicher benötigen. Macht das wirklich Sinn?



    Mit "sinnvoll" meine ich die optimale Gestaltung der PV Anlage für unsere Bauplanung und unseren zukünftigen Energiebedarf (ca.3800 kWh aktuell) + Erdwärmepumpe + zukünftiges Elektro KFZ.

  • KfW40+ ist nicht Passivhaus, denn auch bei KfW40+ brauchst du eine Heizung. Der Speicher dagegen ist quasi umsonst, da die Förderung dafür die Kosten abdeckt. Der Vorteil bei echtem Passivhaus (ich meine, das entspricht KfW15 oder besser), dass du dir das ganze Geld für WP und Heizsystem komplett sparst.


    Die Dachform nach der Optik zu wählen, das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Optik ist nur Mode und Geschmack, die sich ändern, die Dachform aber bleibt. Manchmal zwingen einen die Bauvorschriften zu sowas (ärgerlich genug), aber freiwillig so ein steiles Dach? Aber OK, soll hier nicht mein Thema sein.


    So ein steiles Süddach hat auch Vorteile. Der Gesamtertrag ist zwar schlechter, das Jahresprofil passt jedoch besser zum Verbrauch. und 36 Module sind zwei fast perfekte und schattentolerante 18'er Strings. Da würde ich wohl auf die Belegung des Giebels verzichten, die auch mit SE nicht trivial ist.

    "1.21 Gigawatt - Tom Edison, wie erzeugt man soviel Strom? Das ist unmöglich! Unmöglich!"

  • Ich meine ein "richtiges" Passivhaus komplett ohne Heizung. KfW15 sozusagen.


    KfW55 = 55W/m² anno Energiebedarf - Heizung erforderlich

    KfW40 = 40W/m² anno Energiebedarf - Heizung erforderlich

    KfW15 = 15W/m² anno Energiebedarf - KEINE Heizung erforderlich


    Mal ganz blöd gerechnet: Annahme Du baust KfW40-Standard und das Haus hat 150m²:

    - 150m² Estrich x 100€/m² =15.000€

    - WP 2021 10.000€

    - WP 2046 20.000€

    - Bohrung 15.000€

    Sind schon mal 60.000€ gespart.


    Energiekosten die nächsten 50 Jahre:

    40W/m² x 150m² = 6.000kWh therm = 1.500kWh el. (bei COP 4)

    750kWh x 0,30€/kWh Netzbezug = 225€

    750kWh x 0,08€/kWh PV-Bezug = 60€

    285€/anno x 50 Jahre = 15.000€


    Du sparst also um die 75.000€ lt. Milchmädchenrechnung, wenn Du auf KfW40 verzichtest und gleich ein Passivhaus baust.

    Für 75.000€ kann man verdammt viel Dämmung kaufen... Dazu noch ne Splitklima und vielleicht ein kleiner Ofen für die Gemütlichkeit im Winter?


    Dazu gibt es noch ein ruhigeres Gewissen. Keine Diskussionen mit dem Nachwuchs. Und mehr Strom für die E-Autos die über kurz oder lang vor dem Haus stehen werden - weil keine WP auch keinen Strom benötigt.


    Und in Anbetracht der E-Autos solltest Du wirklich nochmal intensiv über diese blöde Gaube nachdenken. Die kostet Dich nicht nur Einspeisevergütung sondern auch wertvolle kWh für die E-Autos. 15.000km jährlich kosten Dich nämlich min. 2250kWh Strom. Strom den Du ohne die blöde Gaube eher übrig hast. Bleibt es bei einem Auto? Vermutlich werden irgendwann auch mal 2 E-Autos tanken wollen. Oder sogar 3 oder 4, wenn der Nachwuchs irgendwann 18 wird.


    Denke bitte nochmal intensiv über das Passivhaus nach. In Frankreich sind Neubauten bereits als Passivhaus Pflicht. Das dauert nur noch kurze Zeit und unsere Politiker legen das gleiche fest. Irgendwann wirst Du dann also anfangen, Deinen "Neubau" zu sanieren... 100%.

  • Mir ist unverständlich wie frau wider besseres Wissen und reale Bedrohung durch die Klimakrise auf die Wärme der Sonne verzichten möchte. Hamburg wird absaufen wenn wir so weitermachen.

    Häuser, die kaum bis keine Energie zukaufen müssen aber viel liefern - das ist das Gold der Zukunft. Ich wünschte meine Vorfahren hätten klug gebaut. Sanierung ist richtig teuer und aufwändig.

    Erkenne die Chance. Und wie gesagt, Fenster nach Süd in die Wand statt sich ein Brett (Dach) vor den Kopf zu bauen. Ich habe Erfahrung mit Bauten die deinem Plan ähnlich sind :(


    Die 4+4 würde ich an separatem WR prüfen.

    Speichersystem gebraucht aus eBay Kleinanzeigen - um die olle Vorgabe zu erfüllen.

  • Da würde ich wohl auf die Belegung des Giebels verzichten, die auch mit SE nicht trivial ist.

    Wo siehst Du hier bei SE das Problem? Kannst Du mir das erläutern?
    Meinen Meinung: Die 4 Ostmodule mit an die 18 östlich ausgerichteten Südmodule in einen String, sowie die 4 Westmodule mit an die 18 westlich ausgerichteten Südmodule in einen String. Bevor da auf Süd nichts kommt, wird der rechte String nicht laufen, aber dann werden die Giebelmodule schon Ihrer Rolle gerecht. Und abends sorgen die Westmodule für eine längere Aufrechterhaltung des Strings.
    Ob ich mir aber SE antun würde, steht auf einem anderen Blatt...

  • Vielen Dank für eure Anmerkungen.

    Gegenüber einem Passivhaus sind wir offen und auch für Tipps dankbar. Leider wurden wir bis jetzt in die Richtung nicht wirklich beraten, bzw. es hat uns niemand darauf hingewiesen, dass dies sinnvoller ist als ein KFW40 / KFW55 Haus.


    Wäre generell mit unserer Kubik ein Passivhaus realistisch? Die generelle Architektur wollen wir ungern komplett über den Haufen werfen (u.a. läuft der Bauantrag schon). Zusätzlichen (Dach-) Fenstern insbesondere auf der Südseite sind wir allerdings komplett offen.


    Was würdet ihr empfehlen, was angepasst werden muss, um ein Passivhaus zu erreichen, ohne größere Änderungen an der Kubik vorzunehmen?


    Fußbodenheizung ist bei Passivhäusern auch nicht notwendig, wenn ich mich in der Kürze der Zeit der richtig eingelesen habe. Hier ist aufgrund des gleichbleibenden Raum Klimas für warme Füße bereits gesorgt?