Kauf PV Material vor Gewerbeanmeldung

  • Hallo liebe Forum Mitglieder,


    Wir haben das Material vom PV Anbieter bereits im November zu 16% Mwst gekauft und eingelagert. Die Anlage (6kwp) wird jedoch erst Richtung April montiert und in Betrieb genommen.


    Wir würden gerne freiwillig eine Gewerbeanmeldung beantragen, um möglicherweise in den Genuss von besseren Leasingangeboten zu kommen (ohne Meldung der Leasingraten in der EÜR)


    Jetzt ist mir eingefallen, um die gezahlte Umsatzsteuer auf das bereits beschaffte Material mit der zukünftigen eingenommenen Umsatzsteuer des verkauften Stroms zu verrechnen, hätte das Gewerbe bereits im November angemeldet sein müssen und die Rechnungen darauf ausgestellt werden müssen?

    Oder ist das dem Finanzamt egal? Schließlich braucht man bei sehr kleinen Anlagen keinen Gewerbeschein und man kann dennoch Vorsteuerabzug geltend machen.


    Oder habe ich einen kompletten Denkfehler, weil sich das Finanzamt gar nicht für den Gewerbeschein vorhanden/nicht vorhanden interessiert?


    Danke für Eure Hilfe! Und sorry vorweg, falls die Fragen evtl. Etwas einfach erscheinen.

  • Oder habe ich einen kompletten Denkfehler, weil sich das Finanzamt gar nicht für den Gewerbeschein vorhanden/nicht vorhanden interessiert?

    Ja, Gewerbeschein von der Gemeinde interessiert das FA nicht und ist auch nicht notwendig für die Steuer.


    Aber eine Anmeldung deines Unternehmens beim FA ist notwendig. Das solltest du rückwirkend zum 1.11.2020 tun.

    Gibt es kein Unternehmen in 2020 kannst du auch keine USt ziehen für 2020. ;)

    Rückwirkend sind dann VA für Nov. und Dez. zu erstellen. Außerdem ist die USt-Jahreserklärung für 2020 bis 31.07.2021 fällig sowie eine EÜR und Anlage G im Rahmen deiner ESt-Jahreserklärung.

    Grüße
    Didi


    2015: 1052 kWh/kWp; 2016: 1036 kWh/kWp; 2017: 1102 kWh/kWp; 2018: 1162 kWh/kWp; 2019: 1137 kWh/kWp; 2020: 1106 kWh/kWp; 2021: 1035 kWh/kWp

    "Handle so, wie du auch von anderen behandelt werden willst" (frei nach Kant)

    Steuern und Finanzamt (Dank an pflanze :))

  • Wichtig ist, beim Finanzamt die Aufnahme der Tätigkeit vor das Datum der ersten Rechnung zu setzen, um die MWSt zurück zu erhalten.


    Das Gewerbe kann zusätzlich angemeldet werden, aber Achtung: Vielfach klappt das mit den Leasingangeboten für Kfz nicht mehr. Bei den meisten Herstellern muss die Tätigkeit entweder im Hauptberuf und/oder bereits mehrere Jahre ausgeübt werden. Einige lassen sich auch Geschäftszahlen geben und da wird es mit reinem PV-Gewerbe naturgemäß meist schwierig.


    Der Vorab-Kauf des PV-Materials leuchtet mir auf den ersten Blick auch nicht so richtig ein... außer, dass es die Liquiditätssituation des Solarteurs verbessert. Vielleicht kannst du das nochmal ausführen, was da das Motiv war/ist? Die 3 % MWSt-Differenz sind ja bei PV im Normalfall eh irrelevant, da man ja zumindest die ersten 5-6 Jahre die Regelbesteuerung wählt.

    88 x JA Solar JAM60S10-340/MR mit 45 Solaredge P730 an Solaredge SE27.6K

    2 Wallboxen DaheimLaden V2 (auf 11 kW gedrosselt)

    Nissan Leaf

  • Aus mehreren Gründen:

    1. Bauverzug - Einzug in das Haus und Inbetriebnahme der Anlage hätte in 2020 stattfinden sollen. Die Anlage war bereits bestellt.

    2. Wir haben Glas-Glas Module geordert, die 6 Monate Lieferfrist hatten. Wir mussten daher Vorlauf vorsehen.

    3. 16% Mwst mitgenommen, wenn wir auf die Kleinunternehmerregelung gingen, ist die niedrigere Mwst von Vorteil.


    In diesem Thread habe ich unseren Fall gelesen: Anschaffung im Jahr vor der Inbetriebnahme: Anrechnung IAB?


    Es sieht für mich so aus, als ich eigentlich noch im Dezember 2020 die Erstattung der Vorsteuer durch das Finanzamt beantragen müsste, damit die gezahlte Umsatzsteuer der rückerstatteten Umsatzsteuer entgegen steht und die Steuerlast nicht steigt. Das wird wohl nicht mehr realistisch sein.

    Allerdings werden wir in 2021 ein geringes Haushaltseinkommen bedingt durch Elternzeit haben. Damit wäre es doch möglich, die Erstattung der Umsatzsteuer der 2020 Rechnungen in der 2021er Steuererklärung geltend zu machen, oder?


    Link, ganz unten: https://www.pv-magazine.de/2018/10/19/inbetriebnahme-der-photovoltaik-anlage-warten-oder-jetzt-starten/#:~:text=Die%20Verbraucherzentrale%20NRW%20hat%20k%C3%BCrzlich,Photovoltaik%2DAnlage%20rund%20240%20Euro.


    P.S. Habe jetzt erst Eure Antworten gelesen, während ich geschrieben habe. Ich hatte mich aufgrund der vielfältigen Bauthemen nicht mit der steuerlichen Abwicklung der PV Anlage auseinandergesetzt. Wir haben sie erst sehr spät, nachträglich eingeplant.: Ich würde also

    a) rückwirend beim Finanzamt auf den 01.11.20 die Anlage anmelden, obwohl bisher nur Material vorhanden

    b) VA für 11/20 und 12/20 mit 0 sofort

    c) U-Steuererklörung 2020 mit 0 , EÜR mit Anschaffungskosten und 0 Einnahmen, Anlage G bis 31.07.21

    d) Gewerbeschein, einfach mal auf Verdacht irgendwann, obwohl das vermutlich nicht klappen wird.

  • 3. 16% Mwst mitgenommen, wenn wir auf die Kleinunternehmerregelung gingen, ist die niedrigere Mwst von Vorteil.

    Bei Wahl der Kleinunternehmerregelung kannst du keine Umsatzsteuer zurückerhalten.

    Das geht nur bei Verzicht auf die KUR!


    mfg

    Paulchen

    Windows-Programme für Buchführung und Steuererklärungen bei PV-Anlagen:

    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

    Support für die PV-Steuer-Programme ausschließlich hier im Forum unter

    Finanzen / Steuern --> PV-Steuer-Programme - Fragen und Lösungen

    Bei Anfragen immer den Programmnamen und die verwendete Pr.-version angeben!

  • Ich würde also

    a) rückwirend beim Finanzamt auf den 01.11.20 die Anlage anmelden, obwohl bisher nur Material vorhanden

    b) VA für 11/20 und 12/20 mit 0 sofort

    c) U-Steuererklörung 2020 mit 0 , EÜR mit Anschaffungskosten und 0 Einnahmen, Anlage G bis 31.07.21

    d) Gewerbeschein, einfach mal auf Verdacht irgendwann, obwohl das vermutlich nicht klappen wird.

    b) Warum USt-VA 11/20 mit 0? Wenn ich es richtig verstanden habe, hast du doch in 11/20 das Material gekauft und bezahlt, oder?


    Und hast dich jetzt für Regelbesteuerung entschieden, oder? Sonst hätte sich das gesamte Thema USt-Rückerstattung/-Voranmeldung ja auch erledigt, wie Paulchen ja schon angemerkt hat.

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  • Das geht nur bei Verzicht auf die KUR!

    Das hat der TE glaube ich schon verstanden. Sein Bruttobetrag den er bei KUR zahlt ist aber dann nicht 19% höher als Netto sondern nur 16%.


    b) VA für 11/20 und 12/20 mit 0 sofort

    c) U-Steuererklörung 2020 mit 0 , EÜR mit Anschaffungskosten und 0 Einnahmen, Anlage G bis 31.07.21

    d) Gewerbeschein, einfach mal auf Verdacht irgendwann, obwohl das vermutlich nicht klappen wird.

    VA für 11/20 ist nicht null sondern entsprechend deiner Rechnung damit ist die USt-Jahres-Erklärung auch nicht Null.

    Auch die EÜR ist nicht null da bezahlte USt Ausgaben sind. Normalerweise hebt sich das auf da erhaltene/erstatte USt Einnahmen sind diese wirst du aber erst 2020 erstattet bekommen und damit sind dies erst Einnahmen für die Steuererklärungen für 2021 die du dann 2022 abgibst.


    IAB ist was für große Unternehmen die Hunderttausende investieren, bei 10.000€ Investition ist das Kleinkram.

    Es kann sich auch negativ auswirken da du in Zukunft weniger zum Abschreiben hast. Zinssvorteil bei heutigen Zins sind vernachlässigbar.

    Grüße
    Didi


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  • Also, die rückwirkende Anmeldung beim Finanzamt auf Oktober (das war das Datum des Angebotes) haben wir nun gemacht. Dabei musste Man U.a. den Umsatz für 2020/2021 angeben. Evtl. reicht das ja als Umsatzvoranmeldung?


    Wenn ich das richtig verstanden habe, Die Vorsteuer würde ich mir der Umsatzsteuererklärung 2020 zurückholen. In der EÜR 2020 landen dann auf die bereits gezahlten Rechnungen 20% Sonderabschreibung.


    In 2021 melde ich dann regulär den Umsatz mit 0 bis zur Betriebnahme und danach die Erstattung vom Netzbetreiber und privatentnahme.

    In der EÜR 2021 kommen dann die Abschreibungen auf die restlichen 80% + die noch zu zahlenden Montage

    Kosten.


    P.S. alles nach Regelbesteuerung, keine KUR. Ich würde mir wiso arbeiten

  • Die Vorsteuer würde ich mir der Umsatzsteuererklärung 2020 zurückholen.

    Eigentlich machst du das in der entsprechenden mtl. VA.

    Die Summen der VA sollten dann bis auf Rundungsfehler mit der Jahresdeklaration übereinstimmen.


    20% Sonderabschreibung

    Die 20% kannst du in den ersten 5 (?) Jahren beliebig verteilen also auch auf einmal nutzen oder gar nicht. Damit bleibt der normale Abschreibungsbetrag höher und du evtl. immer unter einen Gewinn von 410€ der steuerfrei bleibt.

    Grüße
    Didi


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