Neue PV-Anlage EFH mit/ohne Speicher mit/ohne Nordseite?

  • Hallo liebe Forums-Mitglieder,

    ich plane eine PV-Anlage und bin ziemlicher Neuling in diesem Bereich, daher erzählt mir jeder etwas anderes. Deshalb versuche ich in diesem Forum hoffentlich wertvolle Antworten zu finden:


    Die Daten:

    Lage: nördliches RLP, PLZ 53547

    Haus: Dach volle Südseite, 45°, Dachfläche 50qm, 24qm mit Solarthermie belegt, es sollen wohl 24-26 Module noch drauf passen, Norddach deutlich größer, Dachneigung 30°, Beide Dachflächen werden von Nachbargebäuden nicht beschattet


    Verbrauch:

    derzeit 5500 kwh/Jahr

    Hauptverbraucher: Lüftungsanlage, Pumpen (Pellets/Solar), Kühlschrank, Gefriertruhe, Computer/Internet, also nahezu alles Geräte die 24h laufen müssen/sollen,

    keine WP, kein Pool, kein Elektroauto, keine Sauna

    abends vor allem Fernsehen, Licht, im Winter Weihnachtsbeleuchtung (dezent, nicht amerikanisch ;))


    Bisher ist mir von jedem Anbieter ein Speicher empfohlen worden und in deren Berechnungen auch immer als wirtschaftlicher dargestellt als ohne Speicher.


    Auf die Südseite passen wohl mit Hochleistungsmodulen rund 8 KWP

    Angebot: LG 370W Neon2, mit Solaredge Optimierer und Solaredge WR, Glas-Folie (Lohnt sich Glas-Glas?)

    Speicher: günstiges Angebot 4327 € Netto (Byd B-Box 8,0), von RLP gibt es 1000 € Förderung ohne Begrenzung, einzige Bedingung: gleichzeitiger Kauf von Speicher und PV und mindestens 5KWP


    Nun meine Frage:

    Hier im Forum wird ja sehr deutlich vom Speicher abgeraten, aber wie rechnet man denn nun das selbst nach und welche Berechnungen stellen die Unternehmen an, dass das angeblich wirtschaftlich ist?


    Hier mal eine Rechnung eines Unternehmens (Eigenverbrauch, Einspeisung, Netzbezug) und von mir angepasst. Das Unternehmen hat es nantürlich noch positiver dargestellt.

    Laufzeit: 20 Jahre

    Parameter: Einsepeisevergütung 0,08 € (2021)

    Strompreis gleichbleibend mit 0,30 €


    Netzbezug in kwh/jahr
    Eigenverbrauch in kwh/Jahr
    Einspeisung in kwh/JahrEinspeisung in kwh/JahrKosten Speicher (netto)
    Vergütung 20 Jahre
    Stromeinkauf
    20 Jahre
    Stromkosten
    20 Jahre
    Ohne Speicher
    -4060
    1440
    4060
    14400 €
    9888 €
    -24360 €
    -14472 €
    mit Speicher
    -1643
    3857
    164338574927 €*6020,80 €
    -9858 €
    -3837,20 €
    ohne Solar
    -5500
    0000 €
    0 €
    -33000 €
    -33000 €


    * Speichererneuerung nach 10 Jahren mit 1600 € von Unternehmen eingerechnet und Förderung von 1000 € RLP wurde mit eingerechnet


    Wo habe ich/ bzw das Unternehmen sich verrechnet? Klar, es fehlen vermutlich die Speicherverluste, Was ist mit den Parametern Eigenverbrauch, Netzbezug etc?

    Die steuerliche Geschichte fehlt in dieser Berechnung natürlich auch noch ...

    Wo habe ich mich verrechnet?

    Was würdet ihr mir raten?


    Ich bin leider ratlos:/!


    Vielen Dank für eure Unterstützung

    Tjark

  • Norddach deutlich größer, Dachneigung 30°,

    gibt bei dir nach PVGIS etwa 650kWh pro kW p, daher deutlich lohndneder als ein Speicher, den der verbraucht nur Strom und erzeugt keinen.

    Wo habe ich/ bzw das Unternehmen sich verrechnet?

    einige Kosten fehlen einfach, wie 20% Verlust, zusätzliche Steuer.

    Der größte Punkt ist aber der Eigenverbrauch wird massiv überschätzt.



    Bisher ist mir von jedem Anbieter ein Speicher empfohlen worden

    klar, damit machen die den meisten Gewinn!!


    Ich bin nicht ganz vergelichbar, aber die Größenordnung sollte stimmen.

    Wenn du schaust, dass du Geräte die steuerbar sind in den Tag verlegst (Waschmaschine etc.) dann geht da schon einiges.

    Bei mir mit WP sieht es aktuell ohne Speicher wie folgt aus:

    Bei 20kWp PV und einem Stromverbrauch von 4500kWh habe ich nurnoch einen Bezug aus dem Netz von etwa 2000kWh.

    Maximal die Hälfte davon könnte über einen Speicher gehen. Mit 1000kWh läuft der aber nicht wirtschaftlich.

    Bei dir sind aber über 2400kWh aus dem Speicher in der Berechnung drinnen. Bei der kleinen geplanten PV mit 8kWp ist das absurd. Ich habe 20kWp.


    Also wenn dann N mit belegen und zwar komplett.


    Angebot: LG 370W Neon2, mit Solaredge Optimierer

    nimm gute preisgünstige wie QCells mit 360W oder 350 und einen normalen WR ohne teure Optimierer, auch die optimieren nur den Gewinn des Verkäufers

  • Mich würde mal interessieren, wie der Anbieter auf 300 Vollzyklen vom Speicher kommt... meist rechnet man mit 200

    Auch die Angabe, dass der neue Speicher „nur“ 1600€ nach 10 Jahren kostet ist gewagt. Warum kostet er dann jetzt das 3-fache?


    Stefan

  • Mich würde mal interessieren, wie der Anbieter auf 300 Vollzyklen vom Speicher kommt... meist rechnet man mit 200

    Auch die Angabe, dass der neue Speicher „nur“ 1600€ nach 10 Jahren kostet ist gewagt. Warum kostet er dann jetzt das 3-fache?


    Stefan

    Hallo Stefan,

    vielen Dank für deinen Beitrag! Die Zyklengeschichte und deren Berechnung verstehe ich noch nicht ganz. Dass die Kosten für Speicher in den nächsten 10 Jahren deutlich sinken werden, könnte ich mir gut vorstellen (Stichwort Elektromobilität, Tesla-Fabrik, etc), der Faktor ist natürlich rein spekulativ! Ich denke auch eine Halbierung ist realistischer.


    Tjark

  • Die Zyklengeschichte und deren Berechnung verstehe ich noch nicht ganz

    (Voll-)Zyklus ist das Vollladen und Entleeren des Speichers. Also 1 Zyklus.

    Und von den 365 Tagen im Jahr sind das bei entsprechendem Größenverhältnis zur PV eben so ~200 mal. Hängt auch vom nächtlichen Verbrauch ab. Aber so grob über den Daumen passt das.

    D.h., bei einem 10kWh Speicher kannst du da 2000kWh im Jahr entnehmen (ohne Verluste gerechnet, anderes Thema).

    Gruß PV-Express



    46 x Sunowe 195Wp Mono, SMA STP8000TL10, Ausrichtung - 40°Az, Dachneigung 35°, IBN 5/2012

  • Dass ein neuer Speicher in zehn Jahren nur noch 200€/kWh kosten wird, halte ich durchaus für realistisch. Die Zellen kosten heute bei Import aus China ja auch nur 100€/kWh. Warum man heute >500€/kWh ausgeben solte, verstehe ich nicht, da sollte man sich noch etwas gedulden.


    Die Zyklenzahl ist natürlich viel zu hoch angesetzt. In den kurzen Sommernächten wird der Speicher nicht leer, schafft also viel weniger als einen Zyklus pro Tag. Im Winter wird der Speicher mit der winzigen PV fast nie voll und erreicht so auch fast nie einen Zyklus pro Tag. Wieviele Tage ein Jahr hat, weißt du selber...


    Der Wirkungsgrad des Speichers von 70-80% wurde nicht berücksichtigt.


    In den ersten fünf Jahren kostet jede selbstverbrauchte kWh etwa 5ct ueWA, das ist auch nicht berücksichtigt.

    9,99kWp 110°; 20°DN; 37x 270W Trina Honey PD05 an SMA STP 8000TL-20, HM 2.0 und SAE,

    Nibe F1155-6 mit RGK im sanierten Altbau von 1909

  • Die Zyklengeschichte und deren Berechnung verstehe ich noch nicht ganz

    (Voll-)Zyklus ist das Vollladen und Entleeren des Speichers. Also 1 Zyklus.

    Und von den 365 Tagen im Jahr sind das bei entsprechendem Größenverhältnis zur PV eben so ~200 mal. Hängt auch vom nächtlichen Verbrauch ab. Aber so grob über den Daumen passt das.

    D.h., bei einem 10kWh Speicher kannst du da 2000kWh im Jahr entnehmen (ohne Verluste gerechnet, anderes Thema).

    Ok, und da der kalkulierte Speicher bei mir dann "nur" 8 Kwh hat, könnte ich nur mit ca 1600 kwh aus dem Speicher rechnen? Das bedeutet, ich müsste immer noch ca. 4000 kwh aus dem Netz beziehen und damit ist der Speicher unwirtschaftlich?


    Die Firmen rechnen also den Eigenverbrauch und die Speichernutzung künstlich hoch?


    Habe ich das jetzt richtig verstanden?


    Tjark