Warum übererregte Blindleistung einspeisen! Warum nur?

  • Frage in die Runde!


    Gibt es hier Elektroingenieure, die erklären können wieso es Sinn ergeben kann, übererregte (induktive) Blindleistung einzuspeisen? "Übererregt" zeigt SMA als positiv Blindleistung an. Mein lieber Netzbetreiber dagegen bezeichnet das Einspeisen von übererregter Blindleistung negativ an!


    Ich erkläre erstmal die Wirkprinzipien:


    a) Bezug von Wirkleistung senkt die Spannung entlang vom Trafo zum letzten Verbraucher. Das liegt simpel am R des Kabels. U = R*I, ist dann der Spannungsabfall. Genauso, aber umgekehrt ist das Einspeisen: Wirkleistung eingespeist erhöht die Spannung am Einspeisepunkt.


    b) Liefern von untererregter (negativer) Blindleistung senkt die Spannung jedoch, wirkt also der Wirkleistung was die Spannungsanhebung wirkt entgegen. Liefern von übbererregter (positiver) Blindleistung hebt die Spannung an. Warum das so ist, kann man gar nicht so einfach erklären. Bitte glauben.


    Fakt a) gefällt den Netzbetreibern nicht, da beim Einspeisen eventuell die zulässige Spannung erreicht oder übertroffen wird. Deswegen forderten sie ein Einspeisen von festem cosphi = 0.95. Dem Einspeisen soll zusätzlich noch ca. 31% Blindleistung hinzugefügt werden. ==> Das verstehe ich komplett.


    Was ich nicht verstehe, ist, dass bei Unterspannung Spannungsanhebende Maßnahmen ergriffen werden müssen. Denn Unterspannung wird doch nur dann entstehen, wenn viel Wirkleistung verbraucht wird und kaum eingespeist wird. Deswegen passiert das wohl, wenn eh kaum bis gar nichts eingespeist wird. Und damit ist das bisle Einspeisen von übererrger Blindleistung komplett wirkungslos!!! Also ich denke ich verstehe das schon. Und damit ist das Unsinn!


    => Es denn man ist auch gezwungen Blindleistung einzuspeisen, ohne Wirkleistung abzugeben. Ist das der Fall? Ich habe das jedenfalls ausgeschaltet! (Ich glaube das war auch der Default).


    Gibt es also hier im Forum jemand, der erklären kann, warum die Q(U) Kennlinie nicht besser gar keine übererregte (positiver) Blindleistung fordert, aber schon früher mit untererrgter Blindleistung anfragt. Also so in etwa wie folgendes Diagramm:


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    Btw., ich habe selbst vor 25 Jahren Elektrotechnik studiert.


    Samba

    P.S. keine Angst vor Blindleistung. Diese reduziert die Wirkleistung nicht, es sei denn die maximale Scheinleistung des Gerätes wird erreicht. Da aber S = Wurzel(P*P + Q*Q) ist, ist ein Wurzel(1 + 0,31*0,31) ca. 1,05 => D.h., es kostet ca. 5% Wirkleistung, wenn das Gerät am Anschlag läuft. Genau ist der maximale Verlust also: 1 - sqrt ( 1 + sin(arccos(0.95))^2)


    P.P.S. eine gute Bettlektüre zur Blindleistungseinspeisung: http://files.sma.de/dl/10040/BLINDLEISTUNG-ADE094210.pdf

  • Mein lieber Netzbetreiber dagegen bezeichnet das Einspeisen von übererregter Blindleistung negativ an!

    Es gibt das Erzeuger- und das Verbraucherzählsystem, jeweils mit 4 Quadranten die entsprechend gespiegelt sind.

    Dein NB redet im Verbraucherzählsystem, SMA im Erzeuger, da der WR ein Erzeuger ist.



    Warum das so ist, kann man gar nicht so einfach erklären. Bitte glauben.

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    ab 4:56min sieht man schön warum die Spannung sich in welche Richtung ändert.


    Denn Unterspannung wird doch nur dann entstehen, wenn viel Wirkleistung verbraucht wird und kaum eingespeist wird. Deswegen passiert das wohl, wenn eh kaum bis gar nichts eingespeist wird. Und damit ist das bisle Einspeisen von übererrger Blindleistung komplett wirkungslos!!! Also ich denke ich verstehe das schon. Und damit ist das Unsinn!

    Korrekt, wenn allerdings an einem bewölkten Tag alle Wechselrichter bei Unterspannung volle Pulle kapazitive Blindleistung einspeisen (zu kaum nennenswerter Wirkleistung), stützt das die Spannung etwas. Die WR stört es nicht und der NB kann die kapazitive Blindleistung steuern indem er die Spannung auf Mittel- und oder Hochspannungsebene justiert.


    Sehr interessant: http://mediatum.ub.tum.de/doc/1228066/1228066.pd



    Es denn man ist auch gezwungen Blindleistung einzuspeisen, ohne Wirkleistung abzugeben. Ist das der Fall? Ich habe das jedenfalls ausgeschaltet! (Ich glaube das war auch der Default).

    Meines Wissens nach nicht, bei mir ist es auch aus.

    Wer bezahlt sonst die Wirkleistung, die der WR benötigt um nachts an zu sein?

  • Hi,


    danke für den Link zum Kapschendreieckt. Den Effekt gibt es bei kapazitiven Elementen auch. Ich denke, es geht hierbei

    um die Kapazität der Stromleitung und nicht um den Transformator. Ich lasse mich aber gerne Belehren, falls es um den Trafo zur Mittelspannungsebene geht. Aber ich denke, das Netz wird wird das bissle PV-Blindleistung komplett weg-ignorieren, aber eben nicht auf die letzten Meter...=> Wie dem auch sei, das Thema einem Laien kaum in zwei Sätzen erklären, nicht?


    >Korrekt, wenn allerdings an einem bewölkten Tag alle Wechselrichter bei Unterspannung volle Pulle kapazitive Blindleistung >einspeisen


    ja, volle Pulle kann ja wohl nicht sein. Da die Wechselrichter einen maximalen cosphi haben. (Ich habe den sogar auf max 0.95 gedrückt).

    Es heißt so schön Q(U), aber das stimmt ja nicht. Denn die WR können nur einen maximale cosphi. Deswegen hat man eine Q(U,S) Funktion. Die ist stark abhängig von S also vom P der Module!


    Und damit ist das doch nicht nennenswert! Denn warum sollte es eigentlich Unterspannung geben, wenn zwar nicht viel aber doch eingespeist wird?


    Ich hätte nur einen Grund im Kopf: Jetzt also eine ernste Frage: Oder fahren die Trafostation grobe Spannungsvorgaben je nach Wettervorhersage ab. Und senken also bei erwartetem sonnigen Tag die Spannungsvorgabe deutlich ab. So dass das Risiko einer Unterspannung, durch eventuell Wolken realistisch ist? Diese Regelung ist träge und kann natürlich auf die "Wolkensituation" nicht so schnell reagieren. Dann wäre das Hochsetzen der Spannung mittles WR-Blindleistung doch immerhin 1/3 so effektiv als das Herabsetzen. Wenn ich davon ausgehe, dass bei Wolken ca. 1/3 der PV-Leistung anliegt.

  • Das ist so nicht korrekt. Mit den meisten Wr Topologien kann man auch einen cos(Phi) von Null fahren. I.d.R. hat dabei die Blindleistung sogar Vorrang vor der Wirkleistung. Manchmal ist der Blindleistungsanteil aber begrenzt, u.U. auf einen kleinen Wert als die Wirkleistung.


    Ciao


    Retrerni