Völlig verwirrt.

  • Hallo zusammen,


    ich bin ein wenig sehr verwirrt je mehr ich lese. Ich beschäftige mich schon sehr langem mit dem Gedanken einer PV Anlage. Aber aufgrund des Bürokratiemonsters hab ich es immer wieder gelassen. Jetzt bin ich ich zumindest innerlich zum Entschluss gekommen, das ich gerne eine PV Anlage möchte, da der Strom nicht günstiger wird. Zu meiner Lage:


    Ich bin seit 22 Jahren selbstständig im IT Bereich, die Umsätze sind sehr gut. Das Problem was ich habe ist genau das. Ich will den Bürokratischen Wahnsinn nicht. Ich will nicht vom Finanzamt/EEG/BNA oder irgendeinem anderen Verein drangsaliert werden. Gerne verzichte ich auf Ertrag/Dividende und zahle alles selbst ohne Förderung und all dem ganzen Kram. Ich will nur Strom erzeugen den ich selbst nutze. Wieviel und / oder wie geht niemanden etwas an. Ich will nix vom Staat/Allgemeinheit und die bekommen auch nichts von mir. Keine Verpflichtung = Kein Ärger. Ich habe 2 Häuser auf einem Grundstück in einem kleinem Dorf in Hamburg an der Elbe. Wenn ich beide Häuser zusammen zähle, hätte ich Platz für rund 40-45 kwp. Mir würden aber schon 10 reichen mit Speicher und einem kleinen Windkraftwerk als Unterstützung für ein Haus wo ich drinnen lebe. Wir verbrauchen ca 6000 kwh in meinem Wohnhaus und ca 13.000 kwh im anderem Haus. Das 13k Haus wird aber Saniert und die Stromheizung wird durch Pellets ersetzt, wie im anderen Haus. Nun meine Frage, ist das was ich möchte möglich? Ist das sinnvoll und trägt sich das mit den Kosten? Ich habe schon genug ärger mit dem Finanzamt hier in HH, selbst meine Steuerberaterin ist genervt von dem Verein hier. Nun will ich denen nicht noch eine Vorlage geben. Wäre klasse wenn mir jemand einen stein an den Kopf wirft. Denn lernen durch Schmerzen hilft fast immer...


    Viele Grüsse aus Hamburg!


    /Uli

    Viele Grüsse aus Hamburg,

    Uli


    ----------------------------------------------------

    73 x Q.PEAK DUO BLK-G8+ 340 ** SMA STP 20000TL-30 ** 24,48kw/p

  • Nun meine Frage, ist das was ich möchte möglich? Ist das sinnvoll und trägt sich das mit den Kosten?

    Ja, nein, und nein wäre jetzt die kurze Antwort.

    Um ein relevantes Maß an Eigenbedarfsdeckung zu bekommen baruchst du möglichst häufig zu Verbrauchszeiten ausreichend Erzeugung, was dann in Zeiten niedrigen Verbrauchs und im Sommerhalbjahr zu massiven Überschüssen führt. Diese kannst du verkaufen und damit die Anlage finanzieren und die Energiewende voranbringen oder du kannst sie abregeln und damit Einkünfte und Steuern vermeiden. Ein Mittelweg wäre einspeisen und auf Vergütung verzichten, wenn es dir das Wert ist.

    Was das Speichern betrifft, das ist manchen eben ein gefühltes Anliegen und man biegt sich dazu alle möglichen Argumentationen zurecht, aber letztendlich bestreitet niemand, dass der Strom aus der Steckdose billiger ist als der aus dem Speicher.

    Es werden viele Horrorstorries über das Bürokratiemonster erzählt, aber ehrlich gesagt kann ich das kaum nachvollziehen. Die anfängliche Anmeldung und Kommunikation mit dem Netzbetreiber macht dein Solarteur, das kassieren der EEG-Umlage beschränkt sich vom Aufwand her auf einmal im Jahr Zähler ablesen, wie du es für den Bezug ja sowieso musst. Der Aufwand mit dem Finanzamt, nun ja, das ist ja sowieso kein Vergnügen. Das dauert dann wenn es eingesppielt ist eben maximal eine Stunde zusätzlich, wenn man sowieso gerade Steuererklärung macht.

    "1.21 Gigawatt - Tom Edison, wie erzeugt man soviel Strom? Das ist unmöglich! Unmöglich!"

  • Moeglich ist es schon, sinnvoll nicht. Aus ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten.


    Eine Anlage mit 45 kWp, je nach Ausrichtung usw. wird locker 35.000 kWh im Jahr erzeugen. Da du nur insgesamt 19.000 kWh verbrauchst, kannst du rein rechnerisch schon gar nicht alles selbst verbrauchen. Die restliche Energie ist aber nicht wertlos - eingespeist ins oeffentliche Netz wuerde sie sowohl dabei helfen, fossile Energietraeger aus dem Strommix zu verdraengen, als auch die komplette Anlage bezahlen.


    Natuerlich kommt dazu, dass der Verbrauch sich zeitlich nicht mit der Erzeugung deckt. Tageszeitlich laesst sich begrenzt was machen (Verbraucher in den Tag legen), jahreszeitlich nicht. Speicher hilft da auch nicht weiter.


    Nur nochmal kurz rein rechnerisch:


    19.000 kWh/Jahr Verbrauch, also 52 kWh pro Tag im Schnitt(!). Mit einer optimal ausgerichteten 45 kWp Anlage (alles voll nach Sueden, gute Neigung) bekommst du aber im Dezember den kompletten Monat nicht mal 1000 kWh erzeugt, durchschnittlich also <32 kWh/Tag. Selbst wenn du einen sehr grossen Speicher mit 20 kWh haettest und er waere zum 1. Dezember noch prall gefuellt waere er also bereits am 2. Dezember leer. Und wird auch bis zum Sommer nicht mehr voll, da viel zu wenig erzeugt wird.

    Dass du im Winter nicht gleich viel, sondern viel mehr als im Sommer verbrauchst, geschenkt. Dass man keinen gleichmaessigen Ertrag hat, sondern auch mal ein paar Tage hintereinander fast gar nichts runter kommt, ebenso.

    Ich denke du siehst, worauf es hinaus laueft.


    Vollstaendige Autarkie wirst du nicht erreichen. Die Kosten dafuer sind immens und das rechnet sich niemals.


    Speicher sind grundsaetzlich ein Verlustgeschaeft, da die kWh aus dem Speicher mehr kostet als aus dem Netz.


    Das einzige was sinnvoll ist, ist es, die Daecher moeglichst komplett zu belegen (wird pro kWh bei einer grossen Anlage auch um so guenstiger), Strom nach Moeglichkeit tags direkt zu verbrauchen und den Rest einzuspeisen. Die Einspeiseverguetung bezahlt die komplette Anlage und mit dem Eigenverbrauch sparst du noch weiteres Geld.


    Wenn du eh schon Unternehmer bist und Steuerberaterin hast sollte die PV wirklich kein Problem darstellen.



    Mit Kleinwindanlagen haben auch schon Leute aus dem Forum Erfahrungen gemacht. Das rechnet sich idR. auch nicht und ist halt eine nette Spielerei, wenn man denn will. Haette ich die Moeglichkeit dazu, wuerde ich es mir auch ueberlegen. Dazu muss man aber vorher wissen, ob man das genehmigt bekommt und wie die Windverhaeltnisse genau sind. Da ist eine Messung am Standort ueber einen laengeren Zeitraum (eigentlich mind. 1 Jahr) notwendig.



    Nur noch ein Wort hierzu:

    Keine Verpflichtung = Kein Ärger

    Das EEG raeumt uns als Anlagenbetreiber erstmal umfassende Rechte ein. Verpflichtungen haben wir zwar auch, die Netzbetreiber aber viel mehr. Und wenn die Anlage mal laeuft, hat man damit auch keinen Aerger.

  • Wenn du mit keiner Institution etwas zutun haben möchstest, bleibt nur eine Inselanlage.

    Nur ... Geld sparen wirst du damit jedenfalls nichts. Gar nichts.

    Im Gegenteil ... das wird teuer.

    Bau eine Einspeiseanlage. Den Steuerkram dafür machst du selbst.

    Wenn das dein Steuerberater macht, wird das aber auch nicht wirtschaftlich.

    Also Steuerkram selber machen. Ist kein Hexenwerk.

    Machen vermutlich fast alle, die eine PV auf dem Dach haben.


    lg

    citystromer

    Sanyo 18 X HIt N 235 SE 10, Sunways WR NT 4200, Westausrichtung, Standort: 3045x

  • Ich will den Bürokratischen Wahnsinn nicht. Ich will nicht vom Finanzamt/EEG/BNA oder irgendeinem anderen Verein drangsaliert werden.

    Hmm, und warum bauen dann tausende eine PV mit Überschusseinspeisung?

    Kannst du mal auflisten inwieweit du da drangsaliert wirst?

  • Ich kann ja verstehen, dass man da erst einmal etwas Respekt vor hat, den Bürokram dafür zu machen.

    War bei mir auch so.

    Erst, als mein Nachbar sich eine aufs Dach gesetzt hat, hatte ich den Entschluss gefasst, auch zu bauen.

    Ich dachte, notfalls fragst du deinen Nachbarn ...

    Heute ist es eher andersrum, im Zweifel erkläre ICH ihm die Dinge ...


    Nur Mut, das wirst auch DU schaffen. Hilfe bekommst du auch hier im Forum unter "Finanzen/Steuern".

    Musst nur mitlesen ... DEINE FRAGEN haben die Anderen ja auch. Wirst du schnell merken.


    lg

    citystromer

    Sanyo 18 X HIt N 235 SE 10, Sunways WR NT 4200, Westausrichtung, Standort: 3045x

  • Hallo zusammen,

    vielen lieben Dank für eure Kommentare, die haben wirklich sehr geholfen. Als bereits selbstständiger ist die Steuerlast bereits sehr hoch und ich kann kein Kleinunternehmen gründen, bzw. kann nicht "Liebhaberei" angeben da Firmen in diesem Fall zusammen veranschlagt werden (so der Steuerberater). Die Steuerlast wird sehr "ungünstig" sein. Das ist mein Hauptproblem. Ich will am Ende nicht noch drauf zahlen, das ist meine Sorge. Bitte versteht mich nicht falsch. Wenn es nach mir geht haue ich die Dächer voll. Vielleicht wäre es erst einmal sinnvoll sich eine 2. Meinung eines PV Steuerberaters einzuholen, bzw es sich einmal erklären lassen, was alles zutun ist.


    Gruss Uli

    Viele Grüsse aus Hamburg,

    Uli


    ----------------------------------------------------

    73 x Q.PEAK DUO BLK-G8+ 340 ** SMA STP 20000TL-30 ** 24,48kw/p

  • Eine Frage hab ich dann doch noch. Hat sich schon einem jemand die Mühe gemacht, sich auszurechnen wieviel Cent er für eine 1wh bezahlt mit der PV-Anlage im Durchschnitt pro Jahr? Eingerechnet aller kosten...also Betrieb, EEG, Steuer etc? Hängt natürlich davon ab, wie viel man verbraucht...


    Gruss Uli

    Viele Grüsse aus Hamburg,

    Uli


    ----------------------------------------------------

    73 x Q.PEAK DUO BLK-G8+ 340 ** SMA STP 20000TL-30 ** 24,48kw/p

  • Ich will am Ende nicht noch drauf zahlen, das ist meine Sorge.

    Warum soltest du am Ende draufzahlen? Versteuert werden die GEWINNE der Anlage. Also das Geld, was du ohne die Anlage nicht hättest. Netto wirst du mit Anlage mehr Geld haben.

    Du zahlst nur drauf, wenn die Anlage keine Gewinne erzielen kann, weil du nicht einspeisen willst.

    9,99kWp 110°; 20°DN; 37x 270W Trina Honey PD05 an SMA STP 8000TL-20, HM 2.0 und SAE,

    Nibe F1155-6 mit RGK im sanierten Altbau von 1909

  • Wie Larry sagt, du zahlst bei Steuern niemals drauf, du musst nur einen kleinen Teil des Gewinns (!) abgeben. Der ergibt sich ja aus den Einnahmen minus aller Kosten und vor allem der Abschreibung. Kann gut sein, dass du damit deine Steuerlast anfangs sogar senkst. Wenn du dann gegen Ende schon im Ruhestand sein solltest, dann profitierst du sogar von der "Steuer".


    Was eine selbsterzeugte kWh kostet, das hängt natürlich stark von den Erträgen deiner Dachflächen und den Kosten ab, für die du die Anlage bekommst. In der Spannbreite 4-10 ct/kWh kann da alles dabei sein.

    "1.21 Gigawatt - Tom Edison, wie erzeugt man soviel Strom? Das ist unmöglich! Unmöglich!"