Planung SSW Dach o. Speicher, Solaredge ja/nein, Schatten ab 17:30 Uhr

  • Hallo zusammen,


    bin derzeit in der Anlagenplanung und bin mittlerweile unsicher, weil ich viele Eindrücke / Meinungen von mehreren Anbietern & diesem Forum bekommen habe und am Ende unsicher bin was ich tun soll.


    Hier grob die Faktenlage:

    • Süd bis leicht Süd-West Dach
    • Auf dem Dach haben ~27-29 Module Platz, bei 340 Watt Modulen käme man also auf bis zu 9,9 kWp
    • Mein bisheriger Verbrauch: 3500 kWh
    • Seit 2 Monaten ein E-Auto hinzugekommen, angenommener Verbrauch: 1500 kWh
    • Somit angenommener Totalverbrauch: 5000 kWh
    • Auf gegenüber liegender Straßenseite sind knapp 8-10m hohe Bäume, die ab 17:30 Uhr anfangen Schatten auf das Dach zu werfen (angefangen am First) und spätestens um 18:30 Uhr alles verschattet haben
    • Einkauf bisheriger Strom: 27,5 Cent/kWh, aber durch Neukundenbonus durch jährlichen Wechsel komme ich auf 22 Cent/kWh inkl. reingerechneter Grundgebühr


    Im Anhang ist eine Simulation eines Anbieters (9,9 kWp, ohne Speicher, Solaredge). Bei einem Anbieter schaffe ich es inkl. aller Förderungen & Installation einer PV fähigen Wallbox auf 10.500€ netto zu kommen. Das spiegelt die Simulationsrechnung nicht ganz wieder, da sind keine Förderungen drin, leider 27,5 Cent/kWh anstatt meiner 22 Cent/kWh angenommen, Wallbox ist da natürlich nicht reingerechnet (hat ja mit der PV nichts zu tun) und ich überlege erst gar keinen Kredit dafür aufzunehmen.


    Fragen:

    1. 1 von 3 Anbietern meint mir eine Anlage mit 5,7 kWp + ~5 kWh Speicher anbieten zu müssen. Das reiche für meinen Eigenverbrauch. Einspeisen mache gar keinen Sinn, da durch die "Gestehungskosten" die produzierte kWh 10-12 Cent koste und es deswegen keinen Sinn macht für ~8 Cent/kWh zu verkaufen. Er rechnet einen Batterie-Zellaustausch nach 15 Jahren sowieso einen Wechselrichter Tausch zwischen 10 und 20 Jahren ein. Was meint ihr dazu?
    2. 2 von 3 Anbietern, die mein Dach maximal belegen wollen (u.a. einer, dessen Simulation im Anhang ist), raten mir auf jeden Fall zu Solaredge, um den Verlust der Verschattung so minimal wie möglich zu halten. Aussage: Es rentiere sich über Laufzeit in jedem Fall. Denn beim Solaredge Wechselrichter bekomme ich von Haus aus 12 Jahre Garantie und wenn man bspw. ein Kostal System mit ähnlicher Garantie daneben legt, wäre die Anlage nur 500€ günstiger. Ich frage mich was es mir bringt, wenn ich in der einen Stunde (17:30 - 18:30 Uhr im September), die es dauert, bis der komplette Schatten über mein Dach hinweg zieht, einige der Module wg. Solaredge Leistungsoptimierer noch auf voller Leistung fahren? So viel wird doch zu der Zeit auch nicht mehr produziert, oder? Wenn ich mein Dach in 4 Quadranten einteilen würde, würde oben links als erstes schattiert werden, dann unten links und dann zieht es auf die rechten Seiten oben + unten über. Das ist meine jetzige Beobachtung im September Monat.
      Ich bin auch etwas besorgt 29x Leistungsoptimierer (also Sensoren) an den Modulen zu haben, die potentiell kaputt gehen können.
    3. Niemand kann es prophezeien, aber was sagt man - Stand heute - was man in 20 Jahren an zusätzlichen Kosten / Reparaturen / Austausche innerhalb der ersten 20 Jahre einrechnen muss?

    Vielen Dank vorab für Euer Feedback.

  • 1 von 3 Anbietern meint mir eine Anlage mit 5,7 kWp + ~5 kWh Speicher anbieten zu müssen. Das reiche für meinen Eigenverbrauch. Einspeisen mache gar keinen Sinn, [...] Was meint ihr dazu?

    Grober Humbug.

    Das erzaehlt er nur, damit er den ueberhoehten Preis des Angebots rechtfertigen kann. Normalerweise sind die Gestehungskosten niedriger und unter der Einspeiseverguetung, weshalb sich die Anlage auch voellig ohne Eigenverbrauch noch rechnet. Das ist das Schoene an PV. Deshalb ist der eigene Stromverbrauch in der Planung der PV Anlage uebrigens auch erstmal irrelevant.


    Deine Bedenken zu SolarEdge kann ich nachvollziehen. Ich wuerde das nicht verbauen, wenn ich nicht muss. SE hat vor allem Vorteile bei vielen unterschiedlichen Ausrichtungen, die man schlecht an einem normalen String-WR unterbringt.


    Ansonsten haben moderne String-WR Schattenmanagement. Module lassen sich damit ueberbruecken, d.h. wenn an einem String mit 20 Modulen 6 verschattet sind, laufen 14 Module noch normal und die anderen 6 sind "aus". Vorteil bei SE waere dann noch der zusaetzliche (geringe) Ertrag der verschatteten Module - nicht der hohe Ertrag der unverschatteten.


    Ich denke, einen Ersatz-WR sollte man in den 20 Jahren schon einplanen.


    Wissenswerte Infos fuer den Anfang sind hier gesammelt: FAQ - wertvolle Informationen zu PV-Anlagengröße, Stromspeicher, Wirtschaftlichkeit, Eigenverbrauch, Optimierung, Simulation, erwartbarer Ernte, Auslegung, Wärmepumpe, rechtlichen und steuerlichen Grundlagen, Netzanschlussbegehren zwecks EEG-Vergütung uvm



    Du kannst auch selbst eine Schattensimulation machen. Suche in der verlinkten Sammlung nach PV*SOL Premium, von der Software gibt's eine kostenlose Testversion.

  • Ist die Schattensimulation im pdf mit den Bäumen? Dann kannst du diese komplett vergessen, sie sind bei 1-2% Schatten völlig irrelevant.

    Ist der Schatten jetzt im September um 17:30 Uhr auf dem Dach oder im Hochsommer? Kann ja bei Bäumen im Süden kaum sein, da steht die Sonne doch seitlich? Wenn es Septemberschattten ist, dann ist der um 17:30 völlig irrelevant.

    Ich bin mir fast sicher, dass du keine Optimierer brauchst. Mach morgen mal ein paar Photos oder stell ein GM-Bild ein.


    Vergiss den ersten Anbieter, der will dich abziehen. Auf jeden Fall 10 kWp bauen bei dem Süddach. Speicher nur, wenn du Bock drauf hast, finanziell zahlst du da drauf und auch für die Energiewende bringt der nichts, solange noch so viel fossil erzeugter Strom im Netz ist.


    Was die Kosten betrifft, rechnet man normal einen neuen WR mit ein, obwohl ich persönlich noch keinen kenne, der kaputt gegangen ist.

    "1.21 Gigawatt - Tom Edison, wie erzeugt man soviel Strom? Das ist unmöglich! Unmöglich!"

  • Vielen Dank für Eure Antworten.


    Die Bäumen stehen gegenüberliegend zum Haus quasi "im Westen". Und der Schatten fängt jetzt im September bei ca. 17:30 Uhr. Ich habe mal zwei Bilder angehangen, um das zu zeigen. Ich vermute, dass es in früheren Monaten durch eine höher stehende Sonne erst später zum Schatten kommt, oder?


    Die zuvor angehange Simulation berücksichtigt die Bäume bereits.


    Welche WR empfiehlt ihr mir? Ich wüsste jetzt überhaupt nicht worauf ich zurückgreifen würde. Ich muss die Anbieter ja nun in eine Richtung lenken, die ihnen nicht gefällt und konkret einen Vorschlag machen. Die wollen ja eigentlich Solaredge. Ein Anbieter sagte mir, dass Kostal nur 5 Jahre Garantie hat, eine Art Energiemanager oder so (App Anbindung) benötigt, der WR an sich teurer als bei Solaredge ist und somit unter'm Strich nur 500€ günstiger sei.


    Was haltet ihr von der Garantieverlängerung? Wenn ich sowieso einen WR Tausch in 20 Jahren einplane, dann soll er halt nach z.B. 10 Jahren kaputt gehen bzw. eine Reparatur kriegen. Ist dann halt so. Bevor ich da 400€ oder so in eine Garantieverlängerung stecke, bezahle ich lieber einmal 1400€ und der WR Lebenszeit Zähler fängt wieder bei 0 an :)

  • Also wie gesagt, Schatten um 18:00 Uhr im September ist kein Problem, das ist ja quasi Sonnenuntergang. Du kannst praktisch jeden beliebigen WR nehmen, das ist alles völlig problemlos bei dir. Solaredge bringt dir keine Vorteile, die Wahrscheinlichkeit, dass da einer von den 30 Optimierern kaputt geht ist weit größer als bei nur einem WR. Und auch, wenn du Garantie drauf hast: Es erstmal feststellen und dich dann drum kümmern musst du erst mal selber. Und wie machst du das, sollte es deinen Solarteur oder SE in 10 oder 15 Jahren gar nicht mehr geben? Versteh mich nicht falsch, SE ist super, denn es ermöglicht Anlagen, die man sonst gar nicht bauen könnte, aber auf deine trifft das nicht zu.

    "1.21 Gigawatt - Tom Edison, wie erzeugt man soviel Strom? Das ist unmöglich! Unmöglich!"

  • Kann mich meinem Vorredner nur anschließen.

    Der Schatten jetzt Ende September ist kein Problem bei dir.


    lg

    citystromer

    Sanyo 18 X HIt N 235 SE 10, Sunways WR NT 4200, Westausrichtung, Standort: 3045x

  • Vielen Dank für die Infos, das bringt mir echt viel.


    Noch zwei Fragen:

    1) Gibt es beim WR etwas zu beachten, falls ich bspw. in 10 Jahren doch eine Batterie anschließen möchte? Falls der WR das von Haus aus nicht kann, wird die doch sicher AC am WR und über irgendeinen smarten Energieverteiler Gerät angeschlossen, oder?


    2) Ich überlege mir den „VW ID Charger Connect“ als Wallbox zu holen. Diese hat LAN und WLAN. Diese kann mit dem kommenden SW Update auch EEBus. Wie läuft das dann mit der Kommunikation zum WR ab? Verständigen die sich über ein standardisiertes Protokoll selbstständig oder ist da bspw. noch ein extra Gerät notwendig? Und können das nur bestimmte WR oder quasi jedes gängige Modell von Kostal, SMA, Solaredge, etc.?

  • M.W. gibt es kein standardisiertes Protokoll. Manche wie OpenWB, EVCC oder kommerzielle Anbieter implementieren die Schnittstellen der vorhandenen WR/smartmeter Hersteller. VW wird sicherlich eine Liste veröffentlichen, welche Geräte kompatibel sind.


    Also entweder das oder eine simple Lösung mit einfachem Schaltkontakt.

  • Ich muss leider nochmal auf meine Anlage eingehen, weil ich noch eine Frage habe.


    Mittlerweile bin ich bei folgendem Setup:

    - 10kWp

    - Kostal Plenticore 8.5+

    - OpenWB Series2 Standard+ Wallbox


    Nun meine abschließende Frage, obwohl hier im Forum immer vom Speicher abgeraten wird:

    Angenommen ich kriege einen 10kWh BYD Speicher für 6000€ brutto. Die MwSt. kann ich wegen des Gewerbes abführen, deswegen kostet er mich nur noch knapp 5200€ (netto). Die gesamte Anlage schreibe ich ja steuerlich ab und kriege vielleicht 30% wieder. Somit bin ich bei knapp 3600€. In NRW erhalte ich pro kWh 200€ Förderung und somit in Summe 2000€. Also kostet mich der Speicher unter‘m Strich 1600€ und hält vielleicht 15 Jahre, danach mal sehen was daran gemacht werden muss.


    Wenn ich nun sage, dass ich bspw. 30% mehr Eigenverbrauch hinkriege (ich fahre ein E-Auto, bald vielleicht ein zweites), sind das bei 5000kWh Gesamtverbrauch vielleicht 1500kWh, die ich selber mehr verbrauchen kann und spare mir ein Delta von knapp 19 Cent (27 Cent heutiger Einkaufspreis - 8 Cent Einspeisevergütung). Das macht jährlich 285€ und auf 15 Jahre über 4000€.


    4000€ - 1600€ tatsächliche Kosten = 2400€ Benefit.


    Wieso soll sich nun ein Speicher nicht rechnen?


    Die Zellen können gerne nach 15 Jahren schlapp machen, dann hole ich mir halt neue, die bis dahin sicher nur noch einen Bruchteil des heutigen Preises kosten.