Neue PV Anlage im Norden (24xxx) mit steilem Dachwinkel

  • Hallo


    ich lurke bereits seit einiger zeit in diesem Forum und sammele Infos zu einer PV auf dem Eigenheimdach. Ich habe diverse FAQs und Artikel auf dieser Seite bereits konsultiert und befinde mich derzeit in der Planungsphase für unsere PV. Das in das Foto gemalte verlängerte Dach ist die durch den Anbau neu hinzukommende Dachfläche. Da würden sicher noch 1 oder 2 Dachfenster reinkommen, aber wenn dann nach Norden.


    Hier ein paar Eckdaten dazu:

    - Das Haus steht nördlich von HH ( 53,7° nördliche Breite)

    - Wir bauen am Haus an, diesen Herbst und in dem Zuge wollen wir auch die PV mit installieren.

    - Teile des Daches sind recht gut nach Süden ausgerichtet (2 °) aber der Dachwinkel ist leider sehr steil (58°), so das wir gerade nach Norden dann auch viel Dachfläche haben, die sich aber so gar nicht lohnt scheinbar. (Dachteile A und B)

    - Generell durch das Kreuzdach haben wir große Schrägen, die Platz klauen.

    - Das Westdach ist auch recht groß, aber durch einen großen Baum mindestens zur Hälfte deutlich verschattet, wenn die Sonne eigentlich gerade drauf scheinen sollte. (C)

    - Das Ostdach ist durch eine große Gaube stärker fragmentiert. (D)

    - Ein kleines Wintergartendach, was sehr flach ist könnte noch bestückt werden wohl. (E)


    Ich habe noch keinen Überblick, welche nicht Standardgrößen wie verbaut werden könnten und habe noch nicht mit dem PV*SOL rumgespielt aber mit dem stromrechner.ibc-solar.de Rechner grobe Schätzungen für die installierbare KWP der für einzelnen Dachtteile angestellt und mit PVGIS den Ertrag abgeschätzt. Ich rechne gern immer am Worst Case entlang, gerade wenn man nur grob schätzt und nehme deshalb untere Schranken für den Ertrag und obere Schranken für Kosten.


    Hier was ich soweit an Rechnungen/ Schätzungen habe:

    - Norddach nach Anbau → max 25 Module (quer)→ 8 KWP → jährlich 2700 KWH

    - Süddach nach Anbau → max 20 Module (quer)→ 6,7 KWP → jährlich 5800 KWH

    - Westdach → max 21 Module (quer)→ 7 KWP → jährlich 4400 KWH (aber deutlich verschattet daher vielleicht nur die Hälfte davon, ist mir unklar wie ich das bewerten soll)

    - Ostdach mit Gaube → max 6 Module → 2 KWP → jährlich 1400 KWH

    - Wintergarten Dach → 6 aufgerichtete Module nach Süden → 2 KWP → jährlich 1700 KWH


    Insgesamt bis zu 27 KWP mit 16000 KWH im Jahr, roundabout

    ohne Norddach noch 18 KWP mit 13300 KWH im Jahr.


    Bei angenommenen 1250 € Netto je KWP und nur noch 8 cent Einspeiseertrag (Bau kommt ja erst im Herbst etc.) rechnet sich irgendwie nichtmal das Süddach allein, wenn der Eigenverbrauch 0% wäre, aber ab so 1100€ pro KWP kommt man langsam in profitable Bereiche (Gerechnet auf 20 Jahre).

    Aber ich habe noch keine außerplanmäßigen Reparaturen mit drin. Wir haben vor uns ein Elektroauto zuzulegen also kann man vielleicht doch substanziell auch Eigenverbrauch haben, aber ich rechne gern worst case Szenario, mit dem was sicher ist.


    Mein nächster Schritt wäre natürlich lokale Angebote für maximal Große PV ohne Norddach einzuholen, wäre das sinnvoll?


    Meine Fragen sind im Wesentlichen:

    - Ist das so halbwegs sinnvoll durchgerechnet oder hab ich was übersehen?

    - Wieviel könnte so eine deutliche Baumverschattung wohl vom Vollertrag wegnehmen für das Westdach?

    - Mit welchem Installationspreis könnte ich bei 18 KWP brutto/netto etwa rechnen?

    - Ich habe den Steuerteil gelesen aber bin nicht ganz sicher ob ich das schon richtig durchblickt habe. Kann man die Mehrwertsteuer der Anlage im wesentlichen wiederbekommen, wenn man es über Kleinunternehmerregelung in den ersten 5 Jahren richtig anstellt?

    - Brauche ich Norddach Module um 70% Drosselung zu umgehen, bzw. lohnt sich das überhaupt oder erledigen Ost/West das für mich?


    Angehängt habe ich ein Photo mit bunten Maßen und eine bemasste Skizze, falls das weiterhilft.

    Bin über alle Tipps und Anmerkungen dankbar!


  • yedoin

    Hat den Titel des Themas von „Neue PV Anlage in 42xxx mit steilem Dachwinkel“ zu „Neue PV Anlage im Norden (24xxx) mit steilem Dachwinkel“ geändert.
  • Nur auf die Schnelle: Das steile Norddach in Norddeutschland: Keine Chance, weglassen, das Süddach ist gut, das Ostdach geht noch, vor allem die Gaube, ist jedoch so klein, dass es dich zu SE zwingt, Westdach ist zum gröten Teil zu stark verschattet. Wenn du ohnehin bei SE bist, kannst du natürlich den Wintergarten noch mitbetrachten, aber auch der hat ganz ordentlich Schatten von Westen. Am besten du arbeitest dich in PVSOL ein und simulierst das alles mal vorher. Vermutlich wird das kleiner als du denkst. Ist echt schade drum, wenn man sieht wie häufig großes Potential auf fehlende Motivation trifft, und bei dir ist es eher umgekehrt.

    Wie hast du dir Erträge der Flächen berechnet? Am besten bestimmst du noch mal unabhängig die spezifischen Werte mit PVGIS

    Steuer: Wenn du MWSt zurück willst gerade keine (!) KUR

    70%: Dazu brauchst du kein Norddach, die steilen und verschatteten OW-Dächer lassen dich sicher nie über 70% kommen.

    "1.21 Gigawatt - Tom Edison, wie erzeugt man soviel Strom? Das ist unmöglich! Unmöglich!"

  • Wie hast du dir Erträge der Flächen berechnet? Am besten bestimmst du noch mal unabhängig die spezifischen Werte mit PVGIS

    Ich habe tatsächlich alle Einzelflächen mit der entsprechenden Ausrichtung und den Winkeln einzeln berechnet und dann aufsummiert. Aber ich werde mich nochmal in PVSOL einarbeiten und das genauer simulieren. Die Verschattung durch den Baum ist übel ja :( Werde ich dann wohl lassen, oder muss den Baum loswerden...aber ich glaube den dürfen wir nicht Fällen, der ist geschützt.

    Steuer: Wenn du MWSt zurück willst gerade keine (!) KUR

    70%: Dazu brauchst du kein Norddach, die steilen und verschatteten OW-Dächer lassen dich sicher nie über 70% kommen.

    Alles klar, dann gar kein Norddach und vermutlich auch den Westen weg.

    Das mit der KUR hatte ich dann wohl verdreht, aber das schau ich mir definitiv nochmal genau an.
    MWSt sparen macht nen Unterschied deutlichen Unterschied in der Rentabilität.


    Darf ich Fragen ob du mit SE - SolarEdge meinst? Könntest du da vielleicht noch kurz elaborieren, warum das in diesem Fall dann die einzige Alternative wäre?


    Vielen Dank schonmal!

  • SE=SolarEdge, ja. Du hattest Ausrichtungen aufgezählt, die nur mit 6 Modulen belegt waren. Das ist zu wenig für einen String, deswegen bräuchtest du dafür entweder einen zusätzlichen einphasigen WR oder eben SE. Umgehen könntest du das eventuell mit einer Ostaufständerung des Wintergartens, der Neigungsunterschied ist allerdings erheblich und das würde auch Reihenabstände erfordern, insgesamt unschön. Hat denn der Wintergarten eine Dachneigung? Ist das ein Glasdach? Da willst dann ja eher keine Module drauf, oder?

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  • SE=SolarEdge, ja. Du hattest Ausrichtungen aufgezählt, die nur mit 6 Modulen belegt waren. Das ist zu wenig für einen String, deswegen bräuchtest du dafür entweder einen zusätzlichen einphasigen WR oder eben SE. Umgehen könntest du das eventuell mit einer Ostaufständerung des Wintergartens, der Neigungsunterschied ist allerdings erheblich und das würde auch Reihenabstände erfordern, insgesamt unschön. Hat denn der Wintergarten eine Dachneigung? Ist das ein Glasdach? Da willst dann ja eher keine Module drauf, oder?

    Der Wintergarten hat eine sehr kleine Neigung, vielleicht 5° von West nach Ost abfallend und das Dach ist Kunststoffzeug, so halbtransparent. Es wär für mich vermutlich okay das zu nutzen und da etwas Licht rauszunehmen, da war eh lange zeit eine Marquise drüber, die festgefahren war und das hat keinen wirklich groß gestört.


    Ich hab mich gestern mal noch in PVSOL Premium (Testversion) reingefuchst bis viel zu spät in die Nacht ;( und es war auch leider recht ernüchternd. Hat auch ne ganze Weile gebraucht das Haus aus den sehr simplen tools manuell zusammenzubasteln. Die Verschattungen sind doch recht massiv scheinbar und drücken den Ertrag deutlich nach dem was ich sehe. Da ich von der Elektronik noch zu wenig Ahnung im Detail habe, musste ich eine ganze weile mit den Example 300w panelen und den Example Wechselrichtern rumbauen bis ich die Verschaltung zumindest akzeptiert bekommen habe. ich geh mal davon aus, dass das ziemlich trash ist derzeit aber es gibt mir zumindest eine Hochrechnung. Leider weis ich nicht, was sinnvolle Werte für "Kabelverluste" sind, wenn mir da jemand weiterhelfen kann wäre das cool.


    Unterm Strich sieht das derzeit so aus, das das Kreuzdacht mit den steilen Winkeln und Gauben und dem Baum vorm Haus das echt blöde Vorraussetzungen sind. Das Dach verschattet sich im Laufe der Zeit ja von allein, durch die Winkel und das reduziert die sinnvollen Flächen selbst auf Ost und Süddach nochmal leicht. Unterm Strich kam da erstmal folgendes raus:



    Wenn ich das Westdach mit bebaue komme ich ja auf 24 KWP nominell aber kriege nur 14000 kwh jährlich raus ich dürfte dann nicht mehr als 900€pro KWP oder so zahlen, damit sich das rechnet. Ist also alles extrem unrealistisch.

    Ich hab dann nochmal das was am stärksten vom Baum verdeckt wird natürlich weggenommen und nur weiter hinten auf der Westseite Module gelassen, dann könnte ich mit 1000€ pro KWP noch durchkommen.


    Hab dann das Westdach mal ganz geknickt und nur noch OST gemacht und stark verschattetes (z.b. Wintergarten und Gaube und an den Rändern) auch weggeschnitten und dann sinds nur noch so 13 KWP aber ich komm immernoch nur so auf 1100€ pro KWP vielleicht, was es kosten darf.


    Also hab ich letzten Endes mal nur Süddach ohne den Schattenrand nah am Dachkreuz gemacht und das sind dann nur noch so 8,7 KWP wären aber bis um die 1250€ pro KWP noch rentabel.


    Also ich würde ja gern so groß wie möglich nehmen aber wenn ich nicht lächerlich gute Preise kriege, kann es gut sein, dass nicht mal das OST Dach wirklich lohnenswert beisteuert. Ich glaub da kann man nicht viel machen.


    Habe mal über SolarEdge und Schattenmanagement gelesen und das würde man wohl definitiv so oder so mitnehmen, keine Ahnung derzeit wie das den Preis gestaltet. Und wie gesagt meine Schaltung ist ziemlicher Murks und nur mit dem Example Modulen und Richtern zusammengeschustert, damit das Programm erstmal überhaupt was berechnet. Keine Ahnung wie weit das von einer realen Anlage entfernt ist, da bräuchte man glaub ich dann deutlich mehr Fachwissen über die Schaltung und die einzelnen Firmen, das werd ich nicht mal eben so zusammenkratzen.


    Wenn noch irgendwer Anmerkungen oder Gedanken zu dem Ganzen hat immer gern her damit!

  • Meines Erachtens hast du die Dachneigung zu steil modelliert (zumindest optisch sieht das sehr danach aus). Wenn du dir mal die Giebelseiten azeigen lässt, kannst du das kontrollieren.


    Aber die Grunderkenntnis, dass du leider viele nicht gut geeignete Flächen hast, das habe ich befürchtet.

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  • Ja kann man nix machen, ich habs nochmal Laeienhaft mit SolarEdge verdrahtet und die Maße alle nochmal korrigiert und je nachdem was die Verluste von Verkabelung und co sind könnte ich glaube ich eine insgesamt 15-20 KWP Anlage mit Ost+Süd+West(der Rest mit wenig schatten) zusammenbauen, die sich grob rechnen könnte, sprich +/- 0 nach ca 20 Jahren, wenn die Anlagenkosten in dem Bereich sind, der hier im Forum so genannt wird (max 1250€ netto pro KWP). Und das bei 100% Einspeisung.

    Gut da sind einige Unbekannte dabei, aber auf der haben Seite kann ich mein Elektroauto dann mitladen (am Wochenende die Peaks abgreifen tagsüber und der akku reicht für die gesamt 200km Arbeitsweg unter der Woche). Das würde zumindest April bis September ganz gut gehen und klar in den dunkelmonaten läd das auto bei weitem nicht voll, aber es drückt immernoch kosten ein wenig. Das plus anderer Eigenverbrauch (wir sind ein 6000kwh haus, das nebenbei noch mit gas heizt und das E Auto kommt mit 1500 kwh noch obendrauf).


    Bedeutet, unterm Strich sollte die Anlage - wenn sie so bereits +/- Null macht mit Volleinspeisung zu nur noch 8 cent, selbst bei kleineren Fehlkalkulationen mit dem echten Eigenverbrauch hoffentlich nicht ins Minus rutschen. Und solange sie das nicht macht, hab ich halt nach 20 Jahren ne größere PV kostenlos bekommen, als wenn ich nur auf max. Gewinn und Süddach gehe.


    Das ist so momentan mein Gedankengang. Ich werd mal mit meiner Skizze aus PVSOL zu echten Solateuren gehen und mir da Angebote und Meinungen einholen, mal gucken was dabei rauskommt.


    Meine letzte Überarbeitete Anlage (Konzeptionell):


    Laut Simulation etwa 15300 KWH im Jahr und insgesamt 20,4 KWP.

    Mir ist schon klar, dass man in Echt vermutlich nicht kreuz und Quer zwei Module extra einfach so irgendwo anheftet aber mal gucken was die Installateure so Vorschlagen.



    Vielen Dank schon einmal für das Feedback und bin immer offen für noch mehr, wenn es was gibt :)

  • Hi,


    die letzte Grafik von Dir finde ich nicht schlecht.


    Was den Baum betrifft, kannst Du den so beschneiden, dass er unterhalb der PV-Anlage bleibt mit dem Schattenwurf?

    Wenn man den nicht gleich ganz fällen muss sondern mit beschneiden hinkommt ist das vielleicht die Lösung.

    Ich mache das so bei unseren Bäumen, mit großem Erfolg.

    Vielleicht bekommst Du auf die Westseite so doch noch einen 20er String.


    Evtl. kannst Du auch einen großen WR mit 3 MPP-Trackern für die Anlage nehmen, sofern Du Strings hinbekommst, die lang genug sind.

    Die Ostseite würde ich dabei gnadenlos trotz verschiedener Neigungen in einen String hängen, ist trotz der Mismatchingverluste imho preiswerter wie SE.

  • Vielen Dank für die Antwort.
    Meinst du dann quasi 3 Strings für jeweils eine Dachseite an einem WR mit 3 Trackern? Also Ost, Süd, West?
    Ich kann leider Missmatchingverluste schwer einschätzen, da mir ja Erfahrung und Detailwissen da ein wenig fehlen.

    Für Stringlänge, wann man parallel und wann in Reihe schaltet und wie man welche Wechselrichter verwendet und ob man Optimierer braucht ist für mich leider noch nicht ganz durchsichtig. Die elektrotechnischen Grundlagen sind mir größtenteils klar, aber mir fehlt eine gute Übersicht über die Preise der einzelnen Teile (Was kostet ein großer WR mit 3 Trackern im Vergleich zu mehreren WRs im Vergleich zu den Kosten der Gesamtanlage etc).


    Wie lang kann man denn normalerweise so einen String machen? Ist 20 da eher das Maximum oder normal?
    inb PVSOL Prem kann ich ja verschiedenste Verstringung testen, weis jemand wie gut die Simulation da ist? Also würde

    er die Missmatchingverluste irgendwie mit simulieren? Dann könnte ich mir das im Vergleich ja mal ansehen.


    Ich hab auch noch keine gute Vorstellung was SE im Vergleich zu "normalen" PVs kosten. Aber deswegen ist es so wertvoll, das einen mal jemand darauf hinweist, dann kann man unterschiedliche Angebote und Meinungen der Firmen dann besser bewerten. Ich glaub ich muss mal die Materialpreise rausfinden um ne Idee zu bekommen.


    Vielen Dank also dafür!

  • Mismatching Ost-Dächer: schätze ich mal auf maximal 5%

    Mit drei Trackern gibts die WR von Kostal, die mögen aber (wie eigentlich jeder dreiphasige WR) keine kurzen Strings, erst recht nicht, wenn Schatten drauf ist. Unter 12-15 Modulen würde ich das keinesfalls machen.

    Stranglänge: Je nach Modulspannung ist fast immer 22 das Maximum und gleichzeitig (vor allem bei Verschattung) das Ideal.

    SE: Manchmal wird das sogar billiger angeboten als normal, und dann haben die Leute ein Problem, die das eigentlich gar nicht wollen. Das hängt echt total vom Solarteur ab.

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