Haben Solargenossenschaften noch eine Zukunft?

  • Mich würde eure Meinung zur Zukunft von Solargenossenschaften interessieren. Als Vorstandsmitglied einer Solargenossenschaft (Schweiz) machen wir uns seit einiger Zeit viele Gedanken zu verschiedenen Geschäftsmodellen. Gibt es unter euch solche die sich ebenfalls zur Zukunft von Solargenossenschaften Gedanken machen? Wie ist die Situation in DE, AT und CH? Gemäss einer Studie (leider habe ich den Link nicht mehr) hat die Gründung von Slrgenossenschaft set 2015 stark abgenommen. Gründe sind die zunehmend schwierigen Umstände am Markt und die zunehmende Konkurrenz durch EVUs, EWs usw..


    Bislang haben wir nur eine 27kWp Anlage in Betrieb. Nachdem wir einen negativen Entscheid für die KEV (kostendeckende Einspeisevergütung) erhalten haben, sind wir nun auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Lösungen sind schwierig.

    M.E. stellen sich folgende Herausforderungen/Problem:

    - Kleinere Genossenschaften welche keine Mitarbeiter auf der Gehaltsliste haben (freiwillige Mitarbeit), sind im Vergleich zu EVU's oder Energie-Unternehmen eher langsam und träge, d.h. es ist schwieriger auf Veränderungen zu reagieren
    - Oftmals mangelndes Know How und Ressourcen
    - Teils sehr günstige Strompreise erschweren den Absatz (Eigenverbrauch weniger lukrativ, längere Amortisationszeiten)
    - Wartungsdienstleistungen müssen extern einkauft werden


    Wie seht ihr die Zukunft für (kleinere) Solargenossenschaften? Eher ein Auslaufmodell oder eine Gesellschaftsform mit viel Potential?

  • In D keine Chance. Wenn man sich schon den Aufwand einer Genossenschaft antut, dann für mehrere MWp aufwärts. Da haben "die Großen" den Vorteil leichter an die Flächen zu kommen, weil sie für den Eigentümer solventer erscheinen (meist wird aber eine GmbH pro Anlage gemacht, wen die Pleite geht, ist der Mutterkonzern auch fein raus).

    Kleine Anlagen auf Hausdächern nicht von den Bewohnern zu betreiben, bedeutet 100% EEG-Umlage auf den Strom und entsprechende zusätzliche Meßtechnik, was es nicht besonders attraktiv macht.

    Auf Mehrfamilienhäusern scheitert es typisch an der Eigentümergemeinschaft überhaupt bauen zu können - man braucht 100% Zustimmung, irgendwer stellt sich erfahrungsgemäß aber immer quer (ohne persönlich bei der Versammlung zu erscheinen, sonst könnte man ja nochmal drüber reden) :(

  • alterego - vielen Dank für deinen Kommentar. Diese Einschätzung habe ich für DE vermutet. Auch in der Schweiz ist ein Trend hin zu grösseren Organisationen (GmbHs, Energie-Unternehmen) erkennbar. Für kleinere Genossenschaften wird es daher auf dem Markt zunehmend schwieriger. Mögliche Lösungen sind Kooperationen mit Energielieferanten.

  • M.E. sollten sich die vielen kleinen Bürgeranlagen mit solchen alternativen "Energielieferanten" zusammentun, die einen EIGENEN BILANZKREIS aufbauen wollen. D.h. sie beziehen den PV- und Windstrom von den Bürgeranlagen (soviel wie möglich) und vermarkten diesen selbst an möglichst viele unterschiedliche eigene Abnehmer/Kunden. Bilanziell belastet es dann nicht das Stromnetz +-Null und mit entsprechender SW dann auch technisch nicht.


    Mittlerweile gibt es einige UN die das erfolgreich versuchen. Nur so kommt man m.E. aus den Fängen der alten Netzbetreibermacht/-lobby heraus. In diese Richtung geht auch die Autobidder-SW von Elon, der das aktuell in England testet. Er hat hier die "Macht" der vielen Speicher - und Tesla ist ja kein Autobauer sondern eine SW-Schmiede!


    https://efahrer.chip.de/news/a…omversorger-werden_102319

    https://electrek.co/2020/05/03…product-electric-utility/


    :)