Liebhaberei PV-Anlage

  • Hallo zusammen,

    ich bin neu hier und aufgrund von Fragen zur steuerlichen Behandlung auf diese Seite gestoßen. Da ich ungefähr passende Antworten gefunden habe, welche aus 2018 waren, würde ich gerne nochmal mein Problem hier schildern (Ich hoffe, ich habe nichts übersehen und nerve hier niemanden=O)


    Ich habe eine PV-Anlage bestellt, diese soll im Juli 2020 in Betrieb gehen. Da ich möglichst wenig Aufwand mit dem Finanzamt haben möchte, werde ich die Kleinunternehmer-Regelung wählen und keine Vorsteuer ziehen. Jetzt geht es mir noch darum, um komplett ohne Finanzamt zu sein, habe aus Eurer Erfahrung oder Wissen die Chance eine Wirtschaftsprognose zu erstellen, welche mir das Finanzamt als Liebhaberei anerkennt und ich somit auch Ertragssteuerrechtlich raus bin?

    Ich versuche mal meine Daten komplett hier anzugeben.

    PV-Anlage Senec 9,72kWp (netto 7.921,80), Speicher Senec. Home V3 Hybrid Duo 5,0 (netto 6.100), zzgl. Elektroanschluss an das Niederspannungsnetz und Inbetriebnahme netto 1.100), Senec-Cloud (die kleinste, da ich unter 1.000kw Strom aus der Cloud benötigen werde).

    Stromverbrauch bisher zwischen 3.500 und 3.800 kw p.a., bei Berechnung 3.800kw angenommen.

    Ertrag: 900kWh je kWp p.a.= 8.748kW

    Autarkie PV + Speicher 77%

    Stromverbrauch 3.800

    Eigenverbrauch aus Anlage 2.922 = 77%

    Senec Cloud 878kW = Euro 15,95 p. Monat

    Einspeisevergütung von Senec 9,1 Cent netto für überschüssigen Strom


    Kann ich bei diesem Modell die Cloud-Kosten als Ausgaben ansetzen, denn das wären ja bei der vom Finanzamt gewünschten Prognose in 20 Jahren Euro 3.828 (ohne Preissteigerung, welche mit Sicherheit kommen werden!!)


    Jetzt ist demgegenüber noch zu klären, wie mein Eigenverbrauch als Einnahme bewertet werden muss, die schon erwähnten 20 Cent Durchschnitt (lt. Finanzamt, ich lebe in Bayern) oder doch auch mit den o.g. 9,1 Cent netto, Brutto 10,83)?


    Vielen Dank für Eure Hilfe


    Arjen


    P.S. Ich hoffe, ich habe nicht zuviel vergessen, um hier Antworten zu bekommen, ansonsten bitte nachsehen...

  • Du WILLST ja LIebhaber werden (im Gegensatz zu einem deiner Speicher-Kollegen letztens)... da wuerde ich natuerlich dann eher die niedrigere EEG-Verguetung zur Bewertung des EV nehmen, als diese fadenscheinigen 20ct vom bayrischen FA. Erstere kann man wenigstens auch ordentlich argumentatorisch begruenden...


    Wenn der Senecspeicher, wie bei dem oben erwaehnten Kollegen, der nen E3DC hatte, Teil des PV-Sytems ist, dann ist er wohl auch Betriebsvermoegens und kann abgeschrieben werden.

    Bei der Cloud bin ich mir aber nicht so sicher... die musst du ja nicht haben und bringt dem Unternehmen auch nix ein, oder?

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • Hallo ragtime,

    das mit der niedrigeren EEG-Vergütung sehe ich auch so. Nur hatte ich heute morgen Kontakt mit dem Finanzamt und der sagte erst, er sei sich hierzu nicht ganz sicher??? und nach kurzem Warten in der Warteschleife und Besprechen mit der Kollegin, sagte er dann, " ich denke, das können Sie so machen"... War jetzt also nicht so überzeugend, was, wenn der 3. Kollege es wieder anders sieht...


    Bei dem Speicher bin ich mir nicht ganz sicher, ob er Teil des Betriebsvermögens ist, hoffte, es hatte hier schon mal jemand die gleichen Gedanken...


    Auch die Cloudgebühren sind wohl eher eine private Geschichte, leider, aber auch da hatte ich Hoffnung auf einen Gleichgesinnten.


    Also vielen Dank erstmal

    Arjen

  • Die EEG-Verguetung kannst du wohl als einziges bis zu obersten Instanz begruenden, da das unbestritten der einzige Preis ist der die Bilanz des Unternehmens durch die Sachentnahme NICHT aendert (was das Besteuerungsziel bei Sachentnahmen ist!).


    Der Baecker hat da ein Problem und nimmt deswegen die noch guenstigeren Herstellungskosten... aber irgendeine Zahl dahernehmen, die fuer mich unguenstig ist und die sich ein FA-Fuzi aus dem Hintern gezogen hat, geht gar nicht (das ganze nennt sich "Teilwertvermutung", und es ist der Unternehmer der vermutet, nicht der FA-Beamte... letzterer muss es nur nachvollziehen koennen).

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • Danke schon mal für die Antworten!

    Hat hier schon mal jemand eine Wirtschaftsprognose zwecks Liebhaberei beim Finanzamt abgegeben und erfolgreich durchgesetzt?

  • aha,... von wegen 3 Brötchen am Tag darf man steuerfrei selber Essen, weil Aufwand für Sachentnahme zu gross. Macht Sinn...


    Arjen Bestimmt, die melden sich nur hinterher nicht mehr, weil sie dann keine Probleme mehr mit der Steuererklärung haben. Die Problemfreiheit hat man sich dann aber halt meist recht teuer erkauft...

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • (netto ....

    Wenn du KUR nimmst, musst du immer BRUTTO rechnen. 8)


    Bei ca. 9000 kWh im Jahr hast du steuerliche Einnahmen von ca. 900€.

    Wenn deine Anlage ca. 20.000€ kostete hast du allein durch die Abschreibung 1000€ Kosten pro Jahr.


    Das macht einen jährlichen Verlust von ca. 100€.


    Mit so einem einfachem 2 Zeiler teilst du dem FA mit das du keine Gewinnerzielungsabsichten hast.

    Damit sollte das Steuerthema EKSt/EÜR für dich erledigt sein.

    Die jährliche USt-Erklärung darfst du auch bei KUR machen. Darin erklärst du das du unter den Umsatzgrenzen liegst und du daher KUR machen darfst. Bei anderen Unternehmen als PV hat es mehr Vorteile mit PV ist der Unterschied Pipifax.

    Es soll angeblich FA geben die Verzichten irgendwann auf die USt-Erklärung.


    :ironie: Bis dahin hat es mit KUR nur den Vorteil das dich die Anlage ca. 4000€ mehr kostet abzgl. die UST für den EV in den ersten 5 Jahren.

    Grüße
    Didi


    2015: 1052 kWh/kWp; 2016: 1036 kWh/kWp; 2017: 1102 kWh/kWp; 2018: 1162 kWh/kWp; 2019: 1137 kWh/kWp

    "Handle so, wie du auch von anderen behandelt werden willst" (frei nach Kant)

  • Ich gehe davon aus, dass 99,9 % der hier im Forum vertretenen Betreiber kein Interesse an "Liebhaberei" haben, sondern stattdesseen eine möglichst wirtschaftliche PV-Anlage betreiben möchten.


    Aber vielleicht gibt es ja den ein oder anderen stillen Mitleser, der schon einen Antrag auf Anerkennung von Liebhaberei bei seinem FA gestellt hat. Wäre schön, wenn hier mal jemand über einen erfolgreichen Ausgang berichten könnte.


    Selbst Thomas Seltmann hält das bei Vorliegen von Unwirtschaftlichkeit für absolut berechtigt.

    Viele Grüße

    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)


  • Danke für die Beiträge. Okay, das mit der KUR überlege ich mir vielleicht doch noch mal.

    Aber die Rechnung bezgl. der Prognose ist "sehr arg überschlagen" und auch etwas vermischt. Netto 9,1 Cent Netto(Brutto 10,83) macht brutto ca. 975 Euro Einnahmen p.a., Kosten Brutto anhand meiner Zahlen macht 17.994,- Brutto, 20 Jahre sind 900, reicht nicht ganz. Denke, ich kann noch Kosten wie Reinigung, Versicherung oder Service ansetzen, deswegen ist es ja auch nicht so leicht, meiner Meinung nach, aber kann sein, dass ich irgendwo einen Denkfehler habe...