Planung PV Anlage für EFH Neubau

  • Vielen Dank nochmal für deine Hilfe!


    Meine Planung sieht nun folgendermaßen aus:

    - Das Haus bekommt keinen Blitzschutz, da baurechtlich (bzw. gesetzlich) nicht für das Haus gefordert

    - Ich suche eine PV-Versicherung, welche die Anlagengröße ohne Blitzschutz versichert.

    - Da ich sowieso zwei dicke LR zu den Dachseiten gezogen habe, werde ich 16 mm² Leitungen mit den Strings einziehen

    - Die Poti Schiene soll 100 kA aushalten können, ggf. tausche ich die aus

    - ein zweites Erdungskabel an/unter der Fassade entlang wird NICHT gelegt, um Schleifen zu vermeiden

    Damit wäre die PV-Anlage fertig.


    Bei der Antenne verstehe ich den folgenden Satz nicht:

    Allein Außenableitung der Antennenerdung, womit über nicht ausgesteckte Endgeräte eine Schleife gebildet wird, ist m. E. eine blitzschutztechnische Nullnummer aber hier aufgrund konfuser Planung die einzige noch verbliebene Option. Nachträglich wird auch ein bei Direkterdung von Antennen innen mit den Koaxkabeln zu verlegender PA-Leiter aus mind. 2,5 mm² Cu (geschützt) bzw. 4 mm² Cu (ungeschützt) nicht mehr möglich sein.

    Soll ich die Antenne nun nach außen ableiten ("die einzige noch verbliebene Option") oder lieber lassen ("blitzschutztechnische Nullnummer"). Ich habe von der Antenne, welche neben der Hauswand auf der Garage steht, 2x M32 LR und 1x M25 LR durch den Estrich OG zum Technikraum verlegt. Ich könnte somit die Erdung mit 16 mm² nach außen legen und gleichzeitig ein 6 mm² parallel zu den Koax Kabeln durch den Estrich. Alternativ könnte ich nur die Außenerdung machen bzw nur innen durch. Dies verstehe ich leider nicht. Die von dir beschriebenen Anforderungen an die Vernindungen würde ich sicherstellen.


    Eine gebäudeeintrittsnahe Erdung kann ich ja aufgrund der Direktverlegung im Estrich nicht durchführen. Bringt es etwas, ein kleines Edelstahlgehäuse hoch unter dem Dachvorstand anzubringen, in dem die SAT Kabel noch einmal geerdet werden?


    Ursprünglich wollte ich noch auf dem Dachfirst einen Kunststoffstab mit einer Wetterstation anbringen, welche ca. 0,5 m über jedem anderen Punkt des Daches hinausragt. Aufgrund des komplizierten Blitzschutzthemas lasse ich dies jedoch lieber ;)

  • Soll ich die Antenne nun nach außen ableiten ("die einzige noch verbliebene Option") oder lieber lassen ("blitzschutztechnische Nullnummer"). Ich habe von der Antenne, welche neben der Hauswand auf der Garage steht, 2x M32 LR und 1x M25 LR durch den Estrich OG zum Technikraum verlegt. Ich könnte somit die Erdung mit 16 mm² nach außen legen und gleichzeitig ein 6 mm² parallel zu den Koax Kabeln durch den Estrich. Alternativ könnte ich nur die Außenerdung machen bzw nur innen durch. Dies verstehe ich leider nicht. Die von dir beschriebenen Anforderungen an die Vernindungen würde ich sicherstellen.

    Wenn die Antenne auf der Garage max. 1,5 m Abstand zur Gebäudefassade überschreitet und nicht mind. 2 m Distanz lotrecht unterhalb Dachrinne bzw. rechtwinklig zu den Dachkanten einhält, ist eine Blitzschutzerdung nach Klasse H mit min. 16 mm² Cu oder 50 mm² St UND zertifizierten Verbindern an den RE vorgeschrieben. Verwahrungen und z. B. das Regenfallrohr sollten bei zu geringem TA mit angeschlossen werden.


    Blitzströme sind auf Erdungsleitern von Antennen ebenso gefährlich wie auf Ableitungen von Blitzschutzanlagen. Die Einhaltung ausreichend isolierender Trennungsabstände ist auch für Antennenerdungen ein Gebot der Vernunft, die Vermeidung von Näherungen aber normativ inkonsequent NICHT gefordert. Bei Dachantennen ist eine senkrechte Innenverlegung mit Näherungen zu Elektroleitungen leider zulässig, mit Querführung eines Erdungsleiters im gleichen Leerreohr unter dem Estrich wären die Folgen eines Direkteinschlags vermutlich schlimmer.


    Bei einem Direkteinschlag werden aber auch Teilblitströme über die Koaxleitungen und einen dazu möglichst abstandslos verlegten PA-Leiter aus üblicherweise 4 mm² Cu gegen Erde fließen. Ein Konzept mit einer Dachantenne, deren Koaxleitungen und Erdungsleiter gebündelt mit den DC-Leitungen auf gleicher Trasse nach unten geführt werden, wäre m. E. sicherer gewesen.


    Das Wissen über Koaxleitungen zu laufen, die im Falle eines seltenen Direkteinschlags auch bei einer sehr kurzen und niederimpedanten Erdung des Antennenträgers zum RE noch Teilblitzströme abbekommen, dürfte bei Gewitter kein Wohlfühlfaktor sein. Ob die Antennenanlage einschließlich der Leitungen zu einschlaggefährdeten Blechverwahrungen und Regenrohr auseichenden TA einhalten und ausnahmsweise ein auf die Antenne beschränkter isolierter Blitzschutz Sinn macht, ist beim gegenwärtigen Input ohne Foto nicht zu beurteilen.


    Zitat von Tobias1989

    Eine eintrittsnahe Erdung kann ich ja aufgrund der Direktverlegung im Estrich nicht durchführen. Bringt es etwas, ein kleines Edelstahlgehäuse hoch unter dem Dachvorstand anzubringen, in dem die SAT Kabel noch einmal geerdet werden?

    PA von Kabelschirmen ist innen nahe der Gebäudehülle am besten, kann aber auch in einem Wetterschutzgehäuse außen erfolgen. Unter dem Dachvorsprung würde ja bedeuten, dass die Kabel an der Fassade einschlaggefährdet nach oben geführt werden. :thumbdown:

    Zitat von Tobias1989

    Ursprünglich wollte ich noch auf dem Dachfirst einen Kunststoffstab mit einer Wetterstation anbringen, welche ca. 0,5 m über jedem anderen Punkt des Daches hinausragt. Aufgrund des komplizierten Blitzschutzthemas lasse ich dies jedoch lieber ;)

    Warum ohne LPS für Edelstahlschornsteine, PV-Anlagen oder auch Wetterstationen - auch mit nichtmetallischem Mast - strenge Anforderungen einschließlich Blitzschutzpotenzailausgleich gefordert sind, ohne LPS aber nur für Antennen eine Blitzschutzerdung einschließlich Schutzpotenzialausgleich, ist niemand schlüssig vermittelbar. Das sind aber Anerkannte Regeln der Technik (= Norm-Minimum) deren Missachtung in Schadensfällen Konsequenzen hat.


    Immerhin wurden mit Inkrafttreten der DIN VDE 0100-443 und -534 die Diskrepanzen reduziert.

  • Warum ohne mit LPS für Edelstahlschornsteine, PV-Anlagen oder auch Wetterstationen - auch mit nichtmetallischem Mast - strenge Anforderungen einschließlich Blitzschutzpotenzailausgleich gefordert sind, ohne LPS aber ..

    Sorry für den Tippfehler, Edit nicht mehr möglich.

  • Die Sat Antenne kommt auf die Ecke der Garage, wo die drei Leerrohre (Bilder im Anhang) aus der Wand kommen. Als Befestigung werde ich einen Ständer für Flachdächer nehmen, auf den mehrere Steinplatten als Beschwerung gelegt werden.

    Die Entfernung zwischen Garage und Schieferplatten beträgt 1,04 m, die Höhe wo später die Antenne hinkommt ca. 1,4 m. Die Schüssel wird komplett unter dem Dach stehen.

    Wenn die Antenne auf der Garage max. 1,5 m Abstand zur Gebäudefassade überschreitet und nicht mind. 2 m Distanz lotrecht unterhalb Dachrinne bzw. rechtwinklig zu den Dachkanten einhält, ist eine Blitzschutzerdung nach Klasse H mit min. 16 mm² Cu oder 50 mm² St UND zertifizierten Verbindern an den RE vorgeschrieben. Verwahrungen und z. B. das Regenfallrohr sollten bei zu geringem TA mit angeschlossen werden.

    Müsste die Antenne direkt an den RE oder würde die Verbindung zur HES reichen. Da ich die 1,5 m Abstand zur Gebäudefassade nicht überschreite, muss ich somit die Verbindung nicht direkt an den RE vornehmen?

    Das Wissen über Koaxleitungen zu laufen, die im Falle eines seltenen Direkteinschlags auch bei einer sehr kurzen und niederimpedanten Erdung des Antennenträgers zum RE noch Teilblitzströme abbekommen, dürfte bei Gewitter kein Wohlfühlfaktor sein.

    Ich hätte jetzt gedacht, dass 8 cm Dämmung und 6 cm Estrich genügend Isolation bieten, um den Blitzstrom nicht durchschlagen zu lassen, wenn niederohmig geerdet ist.

    PA von Kabelschirmen ist innen nahe der Gebäudehülle am besten, kann aber auch in einem Wetterschutzgehäuse außen erfolgen. Unter dem Dachvorsprung würde ja bedeuten, dass die Kabel an der Fassade einschlaggefährdet nach oben geführt werden.

    Auf den Bildern vom Dach sieht man, wie weit die Antenne unter dem Vorsprung sitzt. Kann man hier dann die Erdungskiste setzen? Als Leie würde ich erstmal denken, dass ein Einschlag dort unten bei weitem unwarscheinlicher ist als in die PV Anlage auf dem Dach, oder?


    Was ich jetzt leider noch nicht verstanden habe ist, welche Variante der Erdung (nur durch die LR mit 16 mm² entlang der Koax Kabel oder durch die LR ein 6 mm² und an der Fassade entlang ein 16 mm² parallel) die geringsten Schäden im Falle eines nahen Blitzeinschlages verursacht? Durch meine KNX Verdrahtung sowie die gebündelte Führung vieler LR stehen die Chancen wahrscheinlich sowieso schlecht :/


    Warum ohne LPS für Edelstahlschornsteine, PV-Anlagen oder auch Wetterstationen - auch mit nichtmetallischem Mast - strenge Anforderungen einschließlich Blitzschutzpotenzailausgleich gefordert sind, ohne LPS aber nur für Antennen eine Blitzschutzerdung einschließlich Schutzpotenzialausgleich, ist niemand schlüssig vermittelbar. Das sind aber Anerkannte Regeln der Technik (= Norm-Minimum) deren Missachtung in Schadensfällen Konsequenzen hat.

    D. h., dass ich mir doch eine Wetterstation auf das Dach mit einem Metallpin montieren kann und den nur mit einem 6 mm² PA ausstatten müsste? Dann würde ich diese Station doch installieren, mit einem 16 mm² zur HES außen an der Fassade entlang und fertig. Der Nachteil wäre die parallele Verlegung der KNX Leitung, wobei der Blitz diese sowieso trifft wenn er die Wetterstation trifft.

  • Zitat von Tobias1989

    Die Sat Antenne kommt auf die Ecke der Garage, wo die drei Leerrohre (Bilder im Anhang) aus der Wand kommen. Als Befestigung werde ich einen Ständer für Flachdächer nehmen, auf den mehrere Steinplatten als Beschwerung gelegt werden.

    Die Entfernung zwischen Garage und Schieferplatten beträgt 1,04 m, die Höhe wo später die Antenne hinkommt ca. 1,4 m. Die Schüssel wird komplett unter dem Dach stehen.

    An der Stelle ist die Antenne bestens wettergeschützt aber bei einem Sat.-Einfallswinkel < 45° zur Hauswand ist eine Teilverschattung des Reflektors zu erwarten.

    Zitat

    Müsste die Antenne direkt an den RE oder würde die Verbindung zur HES reichen. Da ich die 1,5 m Abstand zur Gebäudefassade nicht überschreite, muss ich somit die Verbindung nicht direkt an den RE vornehmen?

    Unabhängig ob komplett mit LNB ein Wandabstand von 1,5 m eingehalten wird, ist die Antenne an dieser Stelle wegen Unterschreitung einer Distanz von 2 m unterhalb der Dachrinne erdungspflichtig.


    Dass der Anschluss des Erdungsleiters sowohl an einer normkonform geerdeten HES für Blitzschutzpotenzialausgleich als auch an einer mit der HES nach Klasse H blitzstromtragfähig verbundenen Anschlussfahne an den Ringerder verbunden werden darf, sollte längstens klar sein. Mit Verlaub: Man sollte sich DIY nur Arbeiten zutrauen, von denen man rechtzeitig genug Know-How gesaugt hat.

    Zitat von Tobias1989

    Ich hätte jetzt gedacht, dass 8 cm Dämmung und 6 cm Estrich genügend Isolation bieten, um den Blitzstrom nicht durchschlagen zu lassen, wenn niederohmig geerdet ist.

    Luft ist mit km 1 ein doppelt so guter Isolator wie Beton mit km 0,5. Rechne mal die Relation vom Blitz überwundenen 2 bis 5 km Atmösphäre gegenüber 0,14 cm Dämmung und Estrich bei gleichem km = 1 aus.

    Zitat von Tobias1989

    Auf den Bildern vom Dach sieht man, wie weit die Antenne unter dem Vorsprung sitzt. Kann man hier dann die Erdungskiste setzen? Als Leie würde ich erstmal denken, dass ein Einschlag dort unten bei weitem unwarscheinlicher ist als in die PV Anlage auf dem Dach, oder?

    Keine Frage, die PV-Anlage wird hier als ungewollte Fangeinrichtung für die Antenne fungieren, was aber formal keine Befreiung von der Erdungpflicht ergibt.

    Zitat von Tobias1989

    Was ich jetzt leider noch nicht verstanden habe ist, welche Variante der Erdung (nur durch die LR mit 16 mm² entlang der Koax Kabel oder durch die LR ein 6 mm² und an der Fassade entlang ein 16 mm² parallel) die geringsten Schäden im Falle eines nahen Blitzeinschlages verursacht? Durch meine KNX Verdrahtung sowie die gebündelte Führung vieler LR stehen die Chancen wahrscheinlich sowieso schlecht :/

    Je kürzer und niederimpedanter der Erdungsleiter umso weniger Teilblitzströme werden in die Antennenanlage eingekoppelt. Dass Erdungsleiter primär senkrecht zu verlegen ist sollte doch auch für einen Laien so einsichtig sein um sich nicht derart im Kreis zu drehen und laufend nachzufragen, was schon mehrfach beantwortet wurde.

    D. h., dass ich mir doch eine Wetterstation auf das Dach mit einem Metallpin montieren kann und den nur mit einem 6 mm² PA ausstatten müsste? Dann würde ich diese Station doch installieren, mit einem 16 mm² zur HES außen an der Fassade entlang und fertig. Der Nachteil wäre die parallele Verlegung der KNX Leitung, wobei der Blitz diese sowieso trifft wenn er die Wetterstation trifft.

    Wenn St. Florian versagt sind Direkterdungen Brandschutzmaßnahmen, die ohne energetisch koordinierte SPD 1 Blitzstromableiter als Grobschutz und SPD 2 Überspannungsableiter als Mittelschutz NICHT verhindern können, dass speziell empfindlicher Elektronik mit auf 1,5 kV begrenzter Spannungsfestigkeit trotzdem zerstört wird.


    Abschließend der praktische Rat die Koaxkabel durch eine mit Kunstoffscheiben thermisch von der Wand getrennte kopfstehende NIRO-Winkelwandhalterung (evtl. Schlosseranfertigung) auszuführen und an dieser auch die Antenne zu befestigen. Auch eine hängende Rohrbefestigung an einen Dachsparren wäre m. E. einem Flachdachständer vorzuziehen.


    Der PA der Antennenanlage ist normkonform, wenn er auch bei Komponentenausbau wie z. B. einem Multischalter an ALLEN Leitungen erhalten bleibt. Wenn die Wandhalterung über einen Erdungsleiter oder noch zusätzlich mit einem neben den Koaxleitungen verlegten 4 mm² Cu mit dem Schutzpotenzialausgleich verbunden ist, kann m. E. auf einen weiteren PA mittels Erdblock vor der Gebäudehülle verzichtet werden.