'Bisschen Autarkie' genauso sinnlos wie 'bisschen schwanger'?

  • Hallo zusammen,


    im Thread "Anlagenplanung mit null Einspeisung" hat jemand meine im Aufbau befindliche PV-Anlage kritisiert, was nicht nur legitim, sondern sogar konstruktiv ist. Also alles gut.

    In dem Thread sagt jemand, dass meine Anlage viel zu klein ist für Autarkie und es gäbe genauso wenig 'bisschen Autarkie' wie 'bisschen schwanger'.


    Der Vergleich mit 'bisschen Schwanger' wird sehr häufig missbräuchlich verwendet.

    Nehmen wir mal an, ich schwängere ein Mädel, mit dem ich jedoch keine dauerhafte Beziehung möchte. Dann wird dieses Mädel mit Recht Unterhalt für das Kind einfordern. Wenn das Mädel dies in der dritten Schwangerschaftswoche tut, kann ich nicht sagen, sie bekommt keine 500€ dauerhaft monatlich sondern nur 30€ dauerhaft, weil sie ja im Moment des Einforderns nur ' bisschen schwanger' ist. Das Mädel wird sich damit mit Sicherheit nicht abspeisen lassen, dann in 9 Monaten ist ein voll entwickeltes Kind auf der Welt und damit der erforderliche Aufwand an Zeit und Geld. Es wird also spätestens nach der Geburt notwendig sein, den vollen Betrag von 500€ monatlich zu überweisen, obwohl das Mädel IM MOMENT nur ein bisschen schwanger ist.



    Zitat

    Autarkie bedeutet laut Wikipedia: "Autarkie ist grundsätzlich die vollständige oder teilweise Selbstversorgung eines Haushalts, einer Region oder eines Staates mit Gütern und Dienstleistungen. Der Begriff wird jedoch vorwiegend auf die eigene Güterbedarfsdeckung und wirtschaftliche Unabhängigkeit ganzer Staaten bezogen."


    Die Definition bezieht sich zwar auf alle Gütern und Dienstleistungen, aber wenn wir das so weit sehen, können wir Autarkie mit PV niemals erreichen, denn aus den PV-Modulen kommt nichts essbares heraus und auch kein Klopapier.


    Wir PV-Ler beziehen uns bei Autarkie also auf die reine Stromversorgung.

    Wir sind also Autark, wenn wir uns mit Strom selbst versorgen können. Was heißt das? MEINER Meinung nach heißt es nicht, dass wir mit PV zu jeder Jahres- oder Tageszeit den gleichen hohen Stromverbrauch haben können, wie wenn man am Netz hängt. Ansonsten könnten die meisten von uns Autarkie auch vergessen.

    Wer von den Insulanern hat schon 3-Phasenstrom mit Peakleistungen von über 20 KW und das je nach Lust und Laune 24/7?


    Ich denke, wie PV-er müssen den Autarkie-Gedanken weiter einschränken, damit er Sinn macht: Ich versuche es mal so: "PV-Autarkie ist die vollständige oder teilweise Selbstversorgung mit Strom, mit der Bedingung, dass man für einen längeren Zeitraum JEDERZEIT gleich viel oder mehr Strom zur Verfügung hat, als man UNBEDINGT braucht. "


    Wie viel Strom brauchen wir denn UNBEDINGT? Was müssen wir denn UNBEDINGT mit Strom versorgen? Braucht man eine warme Dusche? Braucht die Heizung Strom? Braucht man einen Kühlschrank, Gefriertruhe, Fernseher in jedem Zimmer, Radio, Computer, Beleuchtung, Router, Telefon, NAS, Elektroheizung, Klimaanlage, Wärmepumpe?


    Ich bin als Kind auf einem Bauernhof aufgewachsen und weiß aus Erfahrung, wie wenig man wirklich braucht. Wenn es hoch kam, hat unsere wirklich große Familie im Jahr 2000 KWh (geschätzt) verbraucht. Wir haben mit Holz geheizt, hatten einen Holz betriebenen Badeofen und sogar gekocht wurde fast immer auf dem Küchenholzofen. Auch das Wasser für die 'Handwaschmaschine' (so ein Drehteil mit Kurbel) wurde auf dem Holzofen erwärmt. Wir hatten eine Menge Lampen im Haus, die aber meistens aus waren, sonst gab es Schimpfe) , eine Melkanlage mit paar hundert Watt für die Vakuumpumpe, eine Milchkühlung, die wohl auch paar hundert Watt brauchte, solange die Milch noch Körperwarm war, einen Schwarzweiß-Fernseher, der am Tag vielleicht 1 Stunde lief, ein Transistorradio und einen Kühlschrank.


    Heute habe ich natürlich volle Hütte, was Elektrik und Elektronik betrifft, aber auf das allermeiste davon könnte ich notfalls verzichten. Im Winter bräuchte ich nicht unbedingt einen Kühlschrank. Dann wurden alle Lampen durch LED ersetzt, der Imac verbraucht gerade im Moment 23,7 Watt, auf den könnte ich notfalls auch verzichten, dann muss halt das Tablett herhalten, das nur geschätzt 1-2 Watt verbraucht, Fernsehen und Radio benutze ich seit Jahren nicht mehr. Geheizt wird immer noch mit Holz, allerdings mit um 80% reduziertem Verbrauch dank Wärmedämmung. Ich muss im Notfall auch nicht jeden Tag duschen - für eine gesunde Grundhygiene reicht auch ein halber Eimer warmes (Küchenofen) Wasser. Wäsche waschen ist ein bisschen problematisch, aber bei einem wochenlangen Blackout stinken alle mehr oder weniger - warum sollte ich dann als einziger nach Weichspüler duften? Die Klimaanlage ist natürlich auch aus und die Lüftungsanlage braucht auf kleinster Stufe genau 7 Watt. Das NAS und den Router kann ich bei Bedarf ein- und ausschalten, wobei ich auf das NAS eventuell sogar komplett verzichten könnte.

    Ich denke, wenn ich mich auf ein Minimum einschränke, komme ich mit 1 KWh pro Tag gut aus. Werde das irgendwann mal ausprobieren.


    WENN mir das gelingt, lebe ich zwar eingeschränkt, aber ich lebe und dies ohne Strom von außen beziehen zu müssen. Also könnte man sagen, ich wäre autark im Sinne obiger Definition. Aber es ist klar, dass das eine eingeschränkte Autarkie ist. Und was spricht dagegen, neben Schwarz (völlig stromlos) und weiß (kann ohne Netz ohne Einschränkungen genauso weiter leben wie mit Netz) beliebige Zwischenstufen der Autarkie zu akzeptieren? DAS nenne ich 'bisschen Autark' und DAS macht meiner Meinung nach durchaus Sinn.

  • Hallo Karokaffee,

    schön das du wegen Rückfragen im anderen Thread deine Beweggründe hier darstellst, damit landen wir dort nicht OT.


    Was mich allerdings interessieren würde ist die Frage warum willst du nicht einspeisen?


    Liegt es nur am Steuerkram, den monetär sehe ich keine Vorteile bei deinem Plan.


    Wenn du (Not-)Autarkie haben willst erklärt das einiges aber auch damit trägt eine Einspeisung zur Rentabilität der Anlage bei solange es EEG-Vergütung gibt.

    Grüße
    Didi


    2015: 1052 kWh/kWp; 2016: 1036 kWh/kWp; 2017: 1102 kWh/kWp; 2018: 1162 kWh/kWp; 2019: 1137 kWh/kWp

    "Handle so, wie du auch von anderen behandelt werden willst" (frei nach Kant)

  • Eine netzparallele Anlage musst du bei deinem VNB anmelden (aber nicht bei deinem EVU). Es beginnt mit dem Netzanschlussbegehren dann bekommst du meist die weiteren Formulare und Abläufe übermittelt.

    Bei mehr als 600Wp bzw. 600VA brauchst du einen konzessionierten Elektriker der die Papiere mit unterschreibt bzw. weis was die Felder in den Formularen bedeuten.


    Mit IBN ist die Anlage im Marktstammdatenregister zu registrieren. Wer es nicht macht begeht eine Ordnungswidrigkeit.

    Auch Speicher ist zu melden.


    Wie schwierig es wird dem VNB zu erklären das du nichts einspeist und/oder keine Vergütung haben willst damit du dir das Finanzamt nicht ins Boot holst weis ich nicht. Es ist aber vermutlich mit Schriftverkehr verbunden weil es nicht zu den Standardabläufen beim VNB gehört.


    Der VNB wird vermutlich trotzdem auf einen Zählerwechsel bestehen wegen einer Rücklaufsperre und ggf. Zweirichtungszähler weil der VNB zur Bilanzierung der kWh im Netz sorgen muss.


    Umgang mit Finanzamt wäre danach eigentlich auch nur Kleinkram. ;)


    Obiges und auch technisches hatte ich im Kopf als ich im anderen Thread nachgefragt hatte mit dem Hinweis du seist auf dem Holzweg wenn du glaubst das wird so einfacher. :)

    Grüße
    Didi


    2015: 1052 kWh/kWp; 2016: 1036 kWh/kWp; 2017: 1102 kWh/kWp; 2018: 1162 kWh/kWp; 2019: 1137 kWh/kWp

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