Probleme mit Fragebogen zur Errichtung und zum Betrieb einer Photovoltaikanlage unter Berücksichtigung der Eigenverbrauchsprognose

  • Nachdem unsere PV-Anlage Ende August letzten Jahres fertiggestellt wurde, kommt nun langsam das Finanzamt hinterher, und hat mir einen entsprechenden Fragebogen zugesendet.


    Bin normaler Angestellter; mit der unternehmerischen Seite, die die ganze Geschichte hat, hatte ich bisher null Berührung, und bin deshalb ziemlich am Kämpfen.


    Mit den technischen Daten habe ich ja keine Probleme... Die Anlage hat 6,46kWp, Batteriespeicher 6,4kWh, prognostizierter jährlicher Ertrag sind 6013 kWh, prognostizierte Eigenverbrauchsquote sind 40%.


    Mit Frage 5 und 6 gibt es Unsicherheiten...


    Frage 5: "Zu welchem Zweck wird der erzeugte Strom verwendet?"

    Vermutung wäre 60% Abgabe an das örtliche Energieversorgungsunternehmen, 40% nichtunternehmerische Zwecke. Basierend auf der von meinem Solarteur gelieferten Prognose. Richtig so?

    (Direktvermarktung nach §33a-f EEG kann aufgrund der Anlagengröße eigentlich nicht in Frage kommen, wenn ich das Legalesich dort richtig verstanden habe, Landwirt bin ich nicht...)


    Frage 6: Zuordnungswahlrecht

    Könnte die Anlage zu 100% dem Unternehmensvermögen zuschlagen - oder zu 60%, da ich ca. 40% des Stroms ja selber nutzen will... Hier sind nur "weitreichende steuerliche Folgen" angedroht - habe aber überhaupt keine Idee, was das für Konsequenzen haben wird. :/


    Denke mal, bin ja nicht der erste mit so einer Konstellation - habe hier auch schon im Forum fleißig gestöbert,, aber irgendwie nicht so richtig fündig geworden...


    Denke, ich werde deshalb Anfang nächster Woche noch mit dem Finanzamt telefonieren müssen...


    Also vorsichtshalber schon mal ein :danke: im Vorraus... :saint:

  • Waterkant

    Hat den Titel des Themas von „Probleme mit Fragebogen zur Errichtung udn zum Betrieb einer Photovoltaikanlage unter Berücksichtigung der Eigenverbrauchsprognose“ zu „Probleme mit Fragebogen zur Errichtung und zum Betrieb einer Photovoltaikanlage unter Berücksichtigung der Eigenverbrauchsprognose“ geändert.
  • Frage 6: Unbedingt zu 100 % dem Unternehmen zuordnen - es sei denn, du schaffst es jedes Jahr (ob mit vielen Sonnentagen oder wenigen) genau 40 % des erzeugten Strom privat zu verbrauchen - ansonsten geht die Rechnerei nämlich los =O


    mfg

    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise-, Direktverbrauchs-Anlagen und Kombinationen beider Arten
    DV-Tools auch für MAC OS - DV-Tools für je 1 Anlage auch mit KUR
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

  • Bin gerade an der gleichen Stelle und war bis heute der Meinung, dass 100% Zuordnung vorteilhaft ist, weil es im Ergebnis keinen Unterschied macht und für die Betrachtung am einfachsten ist.


    Bei 100% Betriebsvermögen gilt der Eigenverbrauch ja als Entnahme. Ich bin bislang davon ausgegangen, dass ich den Wert dieser Entnahme mit den "Gestehungskosten" ansetze, also z.B. 7 ct/kWh und dass dies dann auch die Basis für die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch ist, die ich abführen muss.

    Das wäre für mich logisch, weil man dann über die 20 Jahre genau den prozentualen Anteil der erstatteten Vorsteuer, der auf den Privatanteil entfällt, wieder abführen würde. (USt = 1,3 ct/kWh)


    Nun habe ich mal fiktive Daten in das Programm SteuerSparErklärung (Modul Photovoltaik 2020) eingegeben. Da wird für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung der Wert so angesetzt, wie ich oben geschrieben habe. Für die Umsatzsteuer wird aber ein fiktiver Wiederbeschaffungswert als Basis genommen, z.B. der Preis, zu dem ich den Strom beziehe. Bei aktuell z.B. 28 ct/kWh also ca. 4,5 ct/kWh Umsatzsteuer. Das ist ein deutlicher Unterschied von aktuell 3,2 ct/kWh. Wenn der Strompreis=Wiederbeschaffungswert zukünftig steigt, wird es noch mehr.


    Ist der Ansatz im Programm SteuerSparErklärung richtig?

    Dann wäre die Zuordnung im geschätzten Nutzungsverhältnis aus meiner Sicht im Ergebnis vorteilhafter. Wobei ich aber keinen Schimmer habe welchen Aufwand die Schwankung der prozentualen Nutzung bedeutet...

  • Das wäre dann (bei angenommenen 6000kWh/a - keine Ahnung, was Du für Werte eingegeben hast) ein mehr von mindestens 78€ pro Jahr. Ist Geld - wäre allerdings wieder interessant zu sehen, welchen zusätzlichen Zeitaufwand die dafür notwendige Datenermittlung und -verarbeitung im Jahr mit sich bringt. ;)

  • Für die Umsatzsteuer wird aber ein fiktiver Wiederbeschaffungswert als Basis genommen, z.B. der Preis, zu dem ich den Strom beziehe.

    ...

    Dann wäre die Zuordnung im geschätzten Nutzungsverhältnis aus meiner Sicht im Ergebnis vorteilhafter.

    Einfach mal die Suchfunktion des Forums benutzen. Wurde gefühlt eine Mio mal erklärt. Wenn du masochistisch veranlagt bist, nimm Tor zwei. :evil:

  • Nach 5 Jahren geht ihr in die KUR und dann seit ihr die uWa / USt auf EV wieder los (und ja es ist der NETTO-Bezugstrom Preis incl. Grundgebühr) ... Natürlich 100%, oder glaubt ihr die Forumsuser machen das seit Jahren falsch? OK, mit Akku ist das etwas mehr (da kommen mir die nur 40% recht unrealistisch vor, ich hab ohne Akku 45% Autarkiequote... Aeh... Du meintest EVquote und nicht Autarkie, gell?).

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • ....


    Bei 100% Betriebsvermögen gilt der Eigenverbrauch ja als Entnahme. Ich bin bislang davon ausgegangen, dass ich den Wert dieser Entnahme mit den "Gestehungskosten" ansetze, also z.B. 7 ct/kWh und dass dies dann auch die Basis für die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch ist, die ich abführen muss.

    Das wäre für mich logisch, weil man dann über die 20 Jahre genau den prozentualen Anteil der erstatteten Vorsteuer, der auf den Privatanteil entfällt, wieder abführen würde. (USt = 1,3 ct/kWh)

    ....

    Bei der Berechnung der Steuer spielt nicht die "Logik des Steuerpflichtigen" eine Rolle, hier sind die bestehenden Steuervorschriften ausschlaggebend. Und das ist auch gut so, denn die "Logik des einen" unterscheidet sich oft eminent von der "Logik des anderen".


    Die bestehenden Vorschriften lassen sich im Schreiben des Finanzministeriums vom 19.Sept. 2014 unter dem Zeichen IV D 2 - S 7124/12/10001-02 auf Seite 4, Nr. 4, Bemessungsgrundlage, § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG nachlesen. Dort steht :


    "....

    Führt der dezentral verbrauchte Strom zu einer steuerpflichtigen unentgeltlichen Wertabgabe nach § 3 Abs. 1b Satz 1 Nr. 1 UStG, ist für die Bemessungsgrundlage der (fiktive) Einkaufs-preis im Zeitpunkt des Umsatzes maßgebend (§ 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG). Bezieht der Photovoltaikanlagenbetreiber von einem Energieversorgungsunternehmen zusätzlich Strom, liegt ein dem selbstproduzierten Strom gleichartiger Gegenstand vor, dessen Einkaufspreis als fiktiver Einkaufspreis anzusetzen ist. Sofern der Betreiber seinen Strombedarf allein durch den dezentralen Verbrauch deckt, ist als fiktiver Einkaufspreis der Strompreis des Strom-grundversorgers anzusetzen. Bei der Ermittlung des fiktiven Einkaufspreises ist ein ggf. zu zahlender Grundpreis mit zu berücksichtigen. Die Beweis- und Feststellungslast für die Ermittlung und die Höhe des fiktiven Einkaufspreises obliegt dem Photovoltaikanlagen-betreiber. Die Höhe des dezentral verbrauchten Stroms wird durch Abzug der an den Netzbe-treiber gelieferten Strommenge von der insgesamt erzeugten Strommenge ermittelt.

    ..."


    Alles klar?


    mfg

    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise-, Direktverbrauchs-Anlagen und Kombinationen beider Arten
    DV-Tools auch für MAC OS - DV-Tools für je 1 Anlage auch mit KUR
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

  • Alles klar?


    mfg

    Paulchen

    Ja. Der Ansatz im Programm SteuerSparErklärung ist also richtig. Danke für die ausführliche Antwort! :thumbup:


    Wie das immer so ist, man sucht erst tagelang und findet nichts. Jetzt habe ich die Antwort auch hier ganz oben angepinnt gefunden:

    Hilfe zu Steuerfragen für PV-Anlagenbetreiber


    ...


    Ich lese das mal zu Ende, vielleicht finde ich darin auch noch eine Antwort auf die Prozedur mit der Aufteilung.


    Sonnige Grüße!