Umsatzsteuervoranmeldung Monate nach Inbetriebnahme

  • Hallo liebe Forumteilnehmer,


    ich verzweifle ein wenig mit meiner Umsatzsteuervoranmeldung. Vielleicht kann mich hier jemand "an die Hand nehmen" und mir sagen was ist wo einzutragen habe.

    Meine PV Anlage mit PV Speicher und teilweiser Einspeisung des Stroms ist bereits seit November letzten Jahres in betrieb. Ich bin Umsatzsteuervoranmeldepflichtig und ich habe die Steuererstattung meines Anschaffungspreises bereits geltend gemacht, sowie die Umsatzsteuervoranmeldung für November und Dezember 2018 eingereicht. Hier bin ich aber nicht sicher, ob ich das richtig gemacht habe und es liegt aktuell beim Finanzamt zur Prüfung. Für 2019 habe ich noch keine gemacht, würde aber hier dann auf Nummer Sicher gehen wenn ich jetzt alle Monate in 2019 melde, da ich ja verdammt spät dran bin.


    Folgende Parameter sind vorhanden:

    - Ich produziere eigenen Strom den ich teilweise einspeise

    - Ich nutze vom selbst produzierten Strom welchen für den Eigenverbrauch

    - Ich beziehe Strom aus dem Netz wenn der eigene nicht ausreicht

    - Ich bekomme bereits einen monatlichen Abschlag vom Netzbetreiber in Höhe von 25 EUR (incl. Steuern)


    Für den Januar habe ich mal eine Tabelle angehängt mit den übertragenen Daten lt. meiner PV App.


    Meine Fragen sind nun:


    1.) Gebe ich in der Voranmeldung den tatsächlich produzierten Strom an, den ich ja monatlich genau ausrechnen kann oder nehme ich die 25 EUR Vorauszahlung vom Netzbetreiber? An welcher Stelle trage ich diesen Posten ein?

    2.) Was und wo gebe ich von meinem selbstproduzierten und selbstgenutzten Strom an?

    3.) Was und wo gebe ich von meinem aus dem Netz bezogenen Strom an?

    4.) Sind in der Umsatzsteuervoranmeldung Abschreibungen auf die PV Anlage anzugeben?

    5.) Ist der Posten "Versicherung" in der Umsatzsteuervoranmeldung relevant?


    Die in der Tabelle angezeigten KWh Werte aus der App von bezogenem Strom und verbrauchten Strom sind nicht 100% stimmig. Ich vermute hier Spannungsverluste durch den Batteriespeicher? Aber das ist ja erst mal nebensächlich für die Steuer.


    Es wäre super, wenn jemand anhand der in meiner Tabelle aufgeführten relevanten Zahlen sagen würde wo ich es einzutragen habe.


    Vielen Dank für die Hilfe.


  • 1.) Gebe ich in der Voranmeldung den tatsächlich produzierten Strom an, den ich ja monatlich genau ausrechnen kann oder nehme ich die 25 EUR Vorauszahlung vom Netzbetreiber? An welcher Stelle trage ich diesen Posten ein?

    Du gibst den Umsatz an. Bei Umsatz zu 19 %.


    2.) Was und wo gebe ich von meinem selbstproduzierten und selbstgenutzten Strom an?

    Schlag einfach pro Monat 5 € auf deinen Umsatz rauf und in der UStE ziehst du es glatt.


    3.) Was und wo gebe ich von meinem aus dem Netz bezogenen Strom an?

    Nix.


    4.) Sind in der Umsatzsteuervoranmeldung Abschreibungen auf die PV Anlage anzugeben?

    Nein.


    5.) Ist der Posten "Versicherung" in der Umsatzsteuervoranmeldung relevant?

    Nein. Versicherungen haben keine Umsatzsteuer. Die haben Versicherungssteuer.

  • Zu 2.) Wenn du im Januar bereits 15€ EV hast (=73kWh*0,21ct/kWh, wobei da noch die anteilige GG dazu muss) reichen 5€ Umsatz draufzuschlagen wohl nicht ganz... Ich würde einfach 1/10 des Eigenverbrauchs (mal virtueller/effektiver Bezugspreis) von Januar bis Oktober jeden Monat auf die 25€ Abschlag vom VNB draufhauen und 10x auf Senden drücken.


    Wobei du in irgendeinem Monat statt der 25€ bestimmt die Ausgleichsrechnung des VNB gekriegt/bezahlt hast und dann natürlich diesen Betrag melden solltest.

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • "Verdammt spät" ist noch ziemlich verharmlosend für deine Situation:

    - Für 2018 liegen 2 Umsatzsteuervoranmeldungen am FA, es fehlen die Umsatzsteuererklärung und die EÜR für dieses Jahr.

    - Für 2019 fehlen insgesamt 10 Umsatzsteuervoranmeldungen...


    Bringen wir etwas Licht in dein ziemlich tiefes Steuerdunkel:


    - In einer Steuervoranmeldung müssen die tatsächlichen Einnahmen und der Gegenwert der unentgeltlichen Wertabgabe für den privat entnommenen Strom erfasst und abgerechnet werden, zudem kann bezahlte Mehrwertsteuer aus Rechnungen anderer Unternehmer für die PV-Anlage als Vorsteuer gegengerechnet (abgezogen) werden.


    Monatliche Einnahmen sind die 25 € Brutto-Zahlung des Netzbetreibers. Berechnet wird die Umsatzsteuer aus dem Nettobetrag. Berechnung: 25 € : 119 % = 21,01 €


    Dazugezählt wird die unentgeltliche Wertabgabe für den EV. Pro kWh muss (etwas vereinfacht gesagt) der Nettopreis des Stroms inkl. aller Nebenkosten (also Arbeitspreis + Anteil des Grundpreises + Anteil der Stromsteuern und -abgaben) berechnet werden. Der von dir angegebene Preis von 0,212 €/kWh kommt mir etwas niedrig vor - würde er stimmen, müsstest du für Januar berechnen: 73,74 kWh * 0,212 €/kWh = 15,63 € als unentgeltliche Wertabgabe,




    In das UST-VA-Formular müsstest du also eintragen:

    Bemessungsgrundlage [21,01 € + 15,63 € =] 36,64 € - davon wird nur der Ganzzahlwert zur Berechnung verwendet: 36 € ergibt eine USteuer von 6,84 €.


    Die unten angehängte Tabelle zeigt dir die Zeilen, wo die Zahlen ins USt-VA-Formular eingetragen bzw. berechnet werden.

    So geht das für alle Monate.


    Ob du Vorsteuer im Januar bezahlt hast, ist nicht bekannt. Der Posten Versicherung enthält keine Mehrwertsteuer, sondern Versicherungssteuer, darum ist er für die USt-Voranmeldung nicht relevant. Die Versicherungskosten (brutto) kommen wie auch die Abschreibung der Anlage in die EÜR. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte ;-).


    Der zugekaufte Strom hat in keiner Steuererklärung etwas zu suchen.






    mfg

    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise-, Direktverbrauchs-Anlagen und Kombinationen beider Arten
    DV-Tools auch für MAC OS - DV-Tools für je 1 Anlage auch mit KUR
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

  • PV-Andreas

    Richtig. Drum schreibe ich ja:

    "Der von dir angegebene Preis von 0,212 €/kWh kommt mir etwas niedrig vor"

    und im Konjunktiv weiter:

    " würde er stimmen..."


    Ich habe ihn dennoch verwendet, um die Berechnungsform klar zu machen.


    mfg

    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise-, Direktverbrauchs-Anlagen und Kombinationen beider Arten
    DV-Tools auch für MAC OS - DV-Tools für je 1 Anlage auch mit KUR
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

  • Super, vielen Dank für die Hilfe und ausführliche Erklärung!!!


    Der angegebene kWh Preis war in der Tat ohne Grundpreis und Zählerpreis angegeben. Diese beiden Posten habe ich nun hinzugefügt.

    Dann werde ich jetzt mal schnell dem Finanzamt die Zahlen schicken damit ich nicht doch noch einen auf den Deckel bekomme und mich schon mal mental auf die EÜR vorbereiten ;-)