Einsteiger: Frage zur KUR und EÜR, wie sieht das praktisch aus?

  • Hallo zusammen,


    ich plane im kommenden Jahr eine PV-Anlage zu kaufen. Die Anlage soll auf meinen 3 Garagen (Flachdach) montiert werden. Da sich mein Hausanschluss, historisch bedingt, in der Garage befindet, sollte das auch bei der Installation keine Probleme bereiten. Mein Ziel ist es eine Anlage mit ca. 5kWp zu installieren. Ich hoffe, dass das mit der vorhandenen Fläche kompatibel ist. Ein Batteriespeicher steht noch zur Diskussion. Mein Ziel ist es möglichst viel vom erzeugten Strom zu verbrauchen und so wenig wie möglich einzuspeisen. Mein Jahresverbrauch liegt bei ca. 3200kWh für ein Einfamilienhaus mit 4 Personen. Ein E-Auto steht neben der PV-Anlage auch noch auf dem Wunschzettel.


    Technisch habe ich keine Bedenken, Bauchschmerzen bereitet mir aber das Thema Finanzamt, wie so Vielen ;). Mit diesem Verein möchte ich so wenig wie möglich zu tun haben, zumal das Thema Steuern echt nicht mein Thema ist und ich mit der Anlage auch kein Geld verdienen möchte. Nach vielem googeln und lesen denke ich, dass es das Beste ist von Beginn an in die Kleinunternehmerregelung zu gehen.


    Aber wie sieht das Ganze dann praktisch aus?


    Angenommen die Anlage wird im Frühjahr 2020 installiert. Wie oft werden die Zähler abgelesen?

    Der Zähler für den Bezug wie bisher?

    Der Zähler für die Einspeisung zum Jahresende 2020?

    Oder läuft das anders?


    Was gibt es dann sonst noch zu tun wenn ich die KUR gewählt habe?

    Im Frühjahr 2021 erstelle ich wie bisher meine Einkommensteuererklärung, nur mit dem Unterschied, dass ich dann noch die Anlage G anhand einer EÜR ausfüllen und aufzeigen muss wie viel Geld ich mit der Anlage „verdient“ habe. Ist das so richtig?


    Danke + Grüße


    drehstrom

  • Man kann Leuten, die nix mit Steuer und Ausfüllen von Formularen am Hut haben, von PV-Anlagen nur abraten. Die Anlage zur EST hast Du dir die mal genauer angeschaut? Offensichtlich nicht, sonst wüstet Du das die noch einige Anlagen mehr haben wollen, als nur ein Formular. Dem Zentralregister muss die Anlage auch gemeldet werden. Das Ablesen der Zähler ist da das geringste Problem und wird auch von Dir verlangt.

    Klar sollte Dir sein, das wenn man auf KUR geht, natürlich die Umsatzsteuer auf der Anlage nicht erstattet bekommst. Kannst ja mal überschlagen, welche Summe größer ist, Die Summe auf dem Kaufpreis/Herstellungspreis, evt. Reparaturen und die Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch. Ich verbrauche auch ca. 2000Kw/h/Jahr und erzeuge 7000Kw, wovon ich 1000Kw/h verbrauche. Der Gewinn durch den Eigenverbrauch ist kaum 50€/Jahr.

    Der wesentliche Vorteil von PV-Anlagen ist der Steuervorteil auch bei der Umsatzsteuer.

  • Du hast noch ein Formular vergessen: die Umsatzsteuererklärung. Auch wenn du die Kleinunternehmerregelung wählst, musst du dieses Formular abgeben. Allerdings sind darin bei KUR nur zwei, anfangs sogar nur eine Zahl einzutragen.


    Zu deinen "Zählerfragen":

    Der Bezugszähler hat mit deiner PV-Anlage nichts zu tun. Ablesung wie bisher in der Regel 1 mal Jahr.

    Die Einspeisung wird vom Netzbetreiber meist zum JKahresende erhoben - also ebenfalls 1 mal pro Jahr.

    In der Einnahmenüberschussrechnung musst du auch den Eigenverbrauch deklarieren. Als Entnahme aus deinem Gewerbe musst du ihn mit einem "Entnahmewert" in Höhe (Einspeisevergütung mal Anzahl der EV-kWh) ansetzen und auch die entsprechende Umsatzsteuer darauf berechnen.


    Den EV ermittelst du über Zählerstände deines Wechselrichters (er zählt die Gesamterzeugung) und deines Einspeisezählers. Die Differenz aus den beiden Werten ergibt die Anzahl der Eigenverbrauchs-kWh.


    Eine kleine Excel-Tabelle zur Erfassung der Zahlerstände findest du hier:

    https://www.pv-steuer.com/modu…llery/dlc.php?id=049CB991

    Im Gegensatz zu den darin enthaltenen Beispielen brauchst du in der KUR nur die Zählerstände des Jahresanfangs (Beginn der Produktion) und vom 31.12. - eine monatliche Erdassung ist bei KUR nicht nötig, aber vielleicht doch interessant für den späteren Jahresvergleich.


    Auch wenn du dich schon für die KUR entschieden hast - für die Mitleser möchte ich doch sagen, dass ich die Lösung --> Regelversteuerung für etwa 6 Jahre und anschließender Wechsel in die KUR finanziell besser finde.


    Aber das soll jeder so entscheiden, wie er glaubt, dass es für ihn am besten ist.


    mfg

    Paulchen

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    Informationen unter https://www.pv-steuer.com