Kleinunternehmerregelung oder Umsatzsteuerpflicht?

  • Unsere (neue) Anlage hat 9,4kWp (Der Rest des Daches wäre verschattet).


    Aufgrund der Vorteile bei der Mehrwertsteuererstattung tendiere ich dazu nicht die Kleinunternehmerregelung zu wählen, sondern die Umsatzsteuerpflicht, und erst nach 5-6 Jahren auf die Kleinstunternehmerregelung umzuschwenken. Richtig sicher bin ich mir aber nicht, daher meine Fragen:


    • Die Mehrwertsteuererstattung wäre ca. 1.700 Euro.

      Die abzuführende Umsatzsteuer in den nächsten 5 Jahren wäre ca. 500 Euro für Eigenverbrauch und ca. 600 Euro für eingespeisten Strom.
      Die 500 Euro abzuführende Umsatzsteuer für Eigenverbrauch muss ich bei der Entscheidung "Kleinstunternehmer oder nicht?" mit berücksichtigen, richtig?
      Die 600 Euro auf eingespeisten Strom sind aber nur ein "Durchlaufposten", da ich diese dem Netzbetreiber ja auf die Einspeisevergütung draufschlage, richtig?


    • Die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch wäre in 5 Jahren etwa 5*2300kWh*0,0675 ct*1,19=924 Euro. Laut EEG§61a entfällt diese,

      "wenn Strom aus Stromerzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung von höchstens 10 Kilowatt erzeugt wird, für höchstens 10 Megawattstunden selbst verbrauchten Stroms pro Kalenderjahr"


      Gilt diese Regelung bezüglich "Eigenverbrauch" auch bei Umsatzsteuerpflicht (also nicht Kleinstunternehmer)? Schließlich verkauft man den Strom ja dann als juristische Person an sich als Privatperson. Ist das noch Eigenvebrauch?


    • Der Vergleich "Vorsteuerpflicht vs. Kleinstunternehmer" ergäbe dann vereinfacht:
      1700 Euro Mehrwertrückerstattung-500 Euro Umsatzsteuer Eigenverbrauch = 1200 Euro Gewinn.
      Im Gegenzug müsste man dafür aber:

      - die ersten zwei Jahre monatlich eine Vorsteueranmeldung für die Umsatzsteuer abgeben
      - ggf. eine jährliche Bilanz abgeben und nicht nur eine einfache Gewinn-Verlust-Rechnung
      - Umsatzstsuer-Rechnungen an den Netzvetreiber ausstellen

      Habe ich da wesentliche Teile vergessen?
    • In der Wohnung leben noch 2 Mietparteien und wegen der Heizungstechnik gibt es einen relativ hohen Posten "Allgemeinstrom" (ca. 400 Euro pro Jahr)
      Zumindest beim Allgemeinstrom überlegen wir, diesen im "Mieterstrommodell" an uns selbst zu verkaufen. Unseren Mietern würden wir das Mieterstrommodell evtl. anbieten. Dazu meine Fragen:
      • Müssen wir dann nicht sowieso die Umsatzsteuerpflicht wählen?
      • So wie ich das verstehe wären dann ein geeichter Erzeugungszähler zusätzlich fällig und für jede Wohneinheit und den Allgemeinstrom je ein Zweiwegezähler, richtig?
      • Wäre unser Anteil am Allgemeinstrom (ca. 50%) dann wieder Eigenverbrauch?


    Vielen Dank vorab für die Antworten!

  • EEG Umlage auf Eigenverbrauch gilt nur bei mehr als 10 kWp.

    Du zahlst nur die unentgeltliche Wertabgabe, die ist aber glaube ich von der Besteuerung unabhängig.

    Grob stellt sich die Frage ob du 19% sparen willst und dafür etwas Bürokratie in Kauf nimmst oder nicht, der Rest ist nur Kleinkram.

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  • Der erste Punkt oben ist richtig.


    Der 2. nicht: EEG-Umlage auf Eigenverbrauch wäre in 5 Jahren etwa 5*2300kWh*0,0675 EUR * 0,4 (das sind 40%) => 310

    Bei deiner Anlagenkonstellation fällt eh keine Umlage an. Die hat mit KUR bzw. Verzicht auf KUR aber eh NIX zu tun!


    Zu 3.

    - ggf. eine jährliche Bilanz abgeben und nicht nur eine einfache Gewinn-Verlust-Rechnung
    - Umsatzstsuer-Rechnungen an den Netzvetreiber ausstellen

    Die GUV ist heute mittels EÜR zu erledigen. Simpel mit pv-steuer.com!

    Das Netz wird nicht vertrieben. Die meisten VNB rechnen für ihre Lieferanten ab und das korrekt, transparent, übersichtlich - ich nehme das gerne an.

    Steuern und Finanzamt => Fristverlängerung, Login nur alle 2 Monate, FA fragen ob vierteljährlich von Anfang an in Ordnung geht. Die Orgel in Berlin hat doch da gestern eh was beschlossen.

    Zumindest beim Allgemeinstrom überlegen wir, diesen im "Mieterstrommodell" an uns selbst zu verkaufen

    Ohje, für 2 Parteien nimmt man keinen "Mieterstrom" sondern löst das intern.

    Das ist aber ein ganz anderes Thema. Habe in meinen FAQ einen Link dazu. Bitte lies den verlinkten Thread erstmal.

    Solange Betreiber PV und Betreiber Allgemeinstromanlage dieselbe Person sind kann der GESAMTE Allgemeinbedarf bzw. dessen PV-Anteil als EIGENverbrauch angesetzt werden, hier fällt keine erhöhte Umlage an. => Kein Unterschied zu dem was du privat verbrauchst!


    Allerdings ist die korrekte Abrechnung bezügl. Betriebskosten ein Thema.

    Hier empfiehlt sich eine (private) Kaskade:


    10 kWP Anlage + dein Verbrauch

    (ggf. geeichter) privater Zweirichtungszähler

    Allgemeinbedarf

    2RZ

    Netz


    So wird vorrangig der HAushalt mjit PV bedient, nachrangig der Allgemeinbedarf. Es entfällt ein Grundpreis da kein eigener Zähler am Netz.

    Der Allg.bedarf wird durch Simple Substraktion und Addition der beiden Summen (Netzbezug, PV-Bezug) ermittelt.


    Die Einbindung der Mieter ist ein eigenes Thema, dazu bitte die Sufu nutzen. Grundsätzlich ist es möglich.


    Du zahlst nur die unentgeltliche Wertabgabe, die ist aber glaube ich von der Besteuerung unabhängig.

    Das ist falsch. Ich halte mich mit steuerlichem "Glauben" zurück.

  • EEG-Umlage hat nichts mit USt auf Eigenverbrauch zu tun.


    USt. hat grds. nichts mit Ertragssteuern zu tun. Einnahme-Überschussrechnung muss man für die ESt-Erklärung also machen, unabhängig von der USt.

  • Vielen Dank für die Antworten, die helfen mir schon viel weiter.

    Der Bereich "Steuern und Finanzamt" im Wissenbereich ist mir tatsächlich entgangen. Vielen Dank nochmal für den Hinweis.

  • Müssen wir dann nicht sowieso die Umsatzsteuerpflicht wählen?

    Nein, vor allem wenn deine Mieter Privatleute sind, haben mit KUR auch die den Vorteil keine Mehrwertsteuer auf den von dir selbst erzeugten strom zahlen zu müssen. Bei Unternehmern wäre das egal, weil es Vorsteuer ist.

  • Die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch wäre in 5 Jahren etwa 5*2300kWh*0,0675 ct*1,19=924 Euro. Laut EEG§61a entfällt diese,

    die EEG Umlage ist umsatzsteuerfrei :-)

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Vielen Dank für die Antworten. Jetzt bin ich aber (leider oder glücklicherweise) noch auf einen Punkt gestoßen, der in meinen Augen die Favoritenrolle der Regelbesteuerung (Verzicht auf KUR) wieder relativiert:

    Laut mehrerer Quellen kann ein Kleinunternehmer bei der Abschreibung (Afa) den Brutto-Einkaufswert als Anlagenwert ansetzen, sh. z.B. hier:

    https://www.invoiz.de/gwg-sond…ng-fuer-kleinunternehmer/

    oder hier:
    https://www.passives-einkommen…-abschreiben-beispiel-pc/


    Heißt, wenn ich die beiden Modelle vergleiche, sieht die Rechnung nicht mehr so günstig aus für das Modell Regelbesteuerung:

    Anlagenkosten netto: 8.800

    Anlagenkosten brutto: 10.472
    Steuersatz durchschnittlich etwa 30%
    Erzeugung pro Jahr: 8800 kWh (Ost-West-Lage)
    Eigenverbrauch pro Jahr: 2300 kWh


    Regelbesteuerung mit Wechsel
    auf Kleinunternehmer nach 5 Jahren
    Kleinunternehmer
    MWst-Erstattung 1.670 0
    zu zahlende Umsatzsteuer
    auf Eigenverbrauch in den ersten 5 Jahren
    -5*2300kwh*0,3EURO/kWh/1,19*0,19=550 Euro
    Afa in den nächsten 20 Jahren
    8.800 10.472
    Steuerersparnis durch Afa
    0,3*8800 Euro=2.640 Euro
    0,3*10.472 Euro=
    3.141 Euro
    Steuerersparnis insgesamt:
    1.670-550+2.640=3760 =3.141


    Das wären dann also "nur" noch 600 Euro Unterschied zu Gunsten des Models mit Regelbesteuerung. Also ca. 7% von der netto-Investitionssumme (was bei größeren PV-Anlagen einen größeren Geldbetrag ergäbe). Ist das so in etwa richtig?

    Um in den Genuss dieser 600 Euro zu kommen müsste man dann neben anderen Dingen die ersten zwei Jahre jeden Monat zuverlässig eine Umsatzsteuermeldung an das Finanzamt absenden.

  • Hallo in die Runde,

    .......
    USt. hat grds. nichts mit Ertragssteuern zu tun. Einnahme-Überschussrechnung muss man für die ESt-Erklärung also machen, unabhängig von der USt.

    Das ist so nicht korrekt. Generell bei Ergebnisermittlungen via EÜR oder allg. nach §4(3) EStG - Methode + Verzicht auf die Kleinunternehmer, gilt die Umsatzsteuer als Einnahme bzw. Ausgabe!


    Gerade wenn man auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, dann ist z.B. die Umsatzsteuer (Vorsteuer) die das Finanzamt aus dem Kauf der PV-Anlage erstattet dann als Einnahme anzusetzen und wirkt sich damit auch auf die Einkommensteuer aus!


    Grüße


    Thomas