Kurze Strings (6-8 Module), 3 Ausrichtungen: Solaredge alternativlos?

  • Hallo,

    Da ich kurze Springs (6-8 Module) auf 3 Ausrichtungen habe bin ich auch bei Solaredge etwas skeptisch, ob die 750V Stringspannung zuverlässig erreicht werden.

    Bei SE kommen ALLE Ausrichtungen mit Optimierern in EINEN String. Das wären in deiner Anfangsüberlegung 22 Stück, also perfekt für SE. Das ist ja gerade der Clou.


    Mehr zur Funktion siehe meine Signatur.


    Wobei... ich habe deinen Text gerade nochmal gelesen... ich denke, dein Punkt war: Ob die 10 Module mit SONNE dann genug Spannung beitragen - richtig? Rechne das mal anhand der Beispiele aus meinem in der Signatur verlinkten Thread durch und setz die Spannungen der neueren Optimierer ein (also die 80V). Du musst bedenken, dass die Module ohne Sonne eben nicht bei 0 liegen und die mit Sonne nur dann auf 100%, wenn die Sonne quasi senkrecht auf das kalte Modul trifft. Damit hast du vielleicht ein 1:5 bis 1:7 Verhältnis zwischen Sonne und Schatten, wobei es ja kaum vorkommen wird, dass eine der drei Richtungen SENKRECHT (oder fast senkrecht) Sonne hat und die anderen gar nichts. Bei 6 Sonnenmodulen hätten wir 16 Schattenmodule, die dann 2-3 Sonnenmodule quasi ersetzen könnten (das kann man bei SE so rechnen, weil durch den identischen Strom die Spannung hinter dem Optimierer proportional zur Leistung des Moduls ist). Das wäre dann grenzwertig von der Spannung her (9x80=720), aber wenn das nicht oft vorkommt, nicht so schlimm. Mit etwas weniger Strom und damit leichtem Verlust werden die 750V ja erreicht.


    Müsste man also fallweise schauen und dann gegebenenfalls auf einphasig wechseln, falls das zu oft passieren sollte.


    6-8 Module in einem String an einem 1000V-String-WR fände ich grenzwertig niedrig.


    Viele Grüße,


    Jan

  • Das spricht aber nicht FÜR das Sunpower-Angebot, sondern GEGEN die anderen Angebote...

    Ja, das ist wohl richtig. Wahrscheinlich haben die alle keine Lust auf so einen Flickenteppich und daher "Schmerzensgeld" mit eingerechnet.


    JanR


    Ja, bei Solaredge ist alles in einem String. Deinen Beitrag zu Optimierern und Schattenmanagement kenne ich bereits. Der hat mir sehr fürs Verständnis geholfen!


    Genau, meine Frage war, ob bei wenigen Module in der Sonne die 750V überhaupt erreichbar sind.

    Aber momentan ziehe ich eh die einphasige Variante vor.


    Viele Grüße

    Thomas

  • Noch mal eine Frage:


    Wenn ich das Süddach mit 8 Modulen auf den flachen Gauben und zusätzlich 3 Modulen auf dem steileren Dach unter den Gauben belege (Neigungsunterschied 14°): Geht das mit einem normalen Stringwechselrichter?


    Was passiert dann, wenn die Sonne tief steht und die unteren 3 Module gut beschienen werden, während die Gauben nur im spitzen Winkel Sonne abbekommen oder gar keine direkte mehr?


    Schlägt dann das Schattenmanagement zu und die 8 Gaubenmodule werden überbrückt? Das würde bedeuten, dass nur die unteren drei Module liefern und die bringen zusammen bei angenommenen 35V gerade mal 105V zusammen, was für einen normalen Strinwechselrichter zu wenig ist.


    Oder findet sich dann ein MPP dazwischen?

  • Hallo,


    Wenn ich das Süddach mit 8 Modulen auf den flachen Gauben und zusätzlich 3 Modulen auf dem steileren Dach unter den Gauben belege (Neigungsunterschied 14°): Geht das mit einem normalen Stringwechselrichter?


    Verlustfrei wird es nicht laufen, aber funktionieren schon. 14 Grad sind eine ganze Menge. Bei ein paar Grad Abweichung wäre es sicher besser. Ich weiss aber, dass es im Forum diverse Nutzer gibt, die sowas betreiben - vielleicht äußert sich da ja jemand.


    Oder findet sich dann ein MPP dazwischen?

    "Dazwischen" eher nicht.... was genau passiert, wird von den genauen Leistungsverhältnissen abhängen. Ich vermute aber, dass das System bei voller Spannung und dem Strom der schwachen Module hängen bleibt.


    Es gibt ja nur die beiden Optionen in dem Fall: Entweder geringe Spannung und hoher Strom oder hohe Spannung und geringer Strom. Der erstgenannte Punkt liegt außerhalb des Spannungsbereiches, also kann er nur den zweiten finden.


    Ob der Verlust dadurch relevant ist, ist die spannendere Frage, denn das wird sicher nur in Tagesrandzeiten oder im Winter vorkommen, also nicht, wenn wirklich Ertrag gemacht wird.


    SE ist die einfachste Lösung hier... oder die Kombination aus String-WR und Modulwechselrichter. Letzteres wird aber nicht unbedingt billiger und könnte kritisch sein von der Blindleistungsbereitstellung her.


    Viele Grüße,


    Jan

  • Das Schattenmanagement wird in deinem Fall durch die abweichende Neigung NICHT aktiviert.

    Wenn die Gaubenmodule gegen Abend keine Sonne mehr bekommen dann steht die bereits so tief daß auch von den Modulen unter der Gaube nicht mehr viel kommt.

    Oder findet sich dann ein MPP dazwischen?

    Genau so ist es.

    Die durch die unterschiedliche Neigung entstehenden Missmatchingverluste sind bei wenig Unterschied in der Neigung auch nur gering, sie steigen je mehr sich die Neigung unterscheidet. Wie groß die Missmatching Verluste bei dir tatsächlich wären kann man mit Pvsol ganz gut vorher ermitteln.


    Trotzdem macht es manchmal Sinn Module mit geringfügig unterschiedlicher Neigung unter Inkaufnahme von Verlusten in einen String zu legen, zB dann wenn sehr wenige Module mit eingebunden werden sollen und der Aufpreis für Solaredge (oder Modulwechselrichter, Tigo Optimierer) höher ist als die durch das Missmatching zu erwartenden Verluste.

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Hallo,


    Das Schattenmanagement wird durch die abweichende Neigung NICHT aktiviert.


    In dem nachgefragten Fall sicherlich nicht, dazu ist der Unterschied der Modulanzahl zu gering. Im allgemeinen Fall kann es aber sehr wohl passieren, dass das Schattenmanagement auch in dem Fall eingreift.


    Beispiel: 19 Module mit 30V 8A und eines mit abweichender Neigung mit 30V 7A (bei irgendeiner Beleuchtungssituation). Hier gibt es zwei lokale Maxima: 600V 7A -> 4200W und 570V 8A -> 4560W. Das globale Maximum ist der zweite Betriebspunkt und hier ist das anders geneigte Modul (mit 1/8 weniger Strom) dann ausgeblendet.


    Im nachgefragten Fall könnte sowas nur dann passieren, wenn die 8 Module deutlich (!) mehr Licht als die drei Module bekommen, was ja eher ausgeschlossen scheint.


    "MPP dazwischen" bedeutet im Mischbetrieb, dass beide Neigungen nicht ganz genau im MPP betrieben werden. Die ertragsmäßig schwächere Neigung gibt dabei den Strom vor, so dass im Endeffekt die schwächere Neigung etwas unterhalb ihrer MPP-Spannung (-> etwas mehr Strom) und die stärkere Neigung etwas oberhalb ihrer MPP-Spannung (weil der Strom niedriger ist als der mögliche MPP-Strom) betrieben wird.


    Trotzdem macht es manchmal Sinn Module mit geringfügig unterschiedlicher Neigung unter Inkaufnahme von Verlusten in einen String zu legen


    Die spannende Frage ist damit, ob 14 Grad Abweichung noch geringfügig sind. Auf das PVSol-Ergebnis bin ich gespannt.


    Viele Grüße,


    Jan

  • Vielen Dank! Auf Euch ist echt Verlass! :thumbup:


    Genau so hab ich das mit "MPP dazwischen" gemeint.

    Auf das PVSol-Ergebnis bin ich gespannt.

    Und hier ist es:


    Folgende Module:

    8 (bei 42°) und 3 (bei 28°) mal Axitec AC-330P/72S, Polystring in Reihe, keine Verschattung


    Habe absichtlich ein 72-Zeller gewählt, aufgrund der höheren Umpp.



    Szenario 1:


    An einem Fronius Primo 3.0-1


    Ergebnis „Energiebilanz PV Anlage“ (falls ich andere Zahlen interessant sind bitte nochmal melden):

    • PV Nennenergie: 4549,16kWh
    • PV-Energie (DC) ohne Wechselrichter-Abriegelung: 4199,17kWh

    Unter den Verlusten:

    • Mismatch (Herstellerangaben): -2%
    • Mismatch (Verschalung/Abschaltung): -1,69%



    Szenario 2:


    Gleicher WR, alle Module mit Tigo TS4-R-O Optimierer an allen Modulen


    Ergebnis „Energiebilanz PV Anlage“:


    • PV Nennenergie: 4549,16kWh (natürlich die gleiche)
    • PV-Energie (DC) ohne Wechselrichter-Abriegelung: 4314,84kWh (+115,67kWh)

    Unter den Verlusten:

    • Mismatch (Herstellerangaben): 0%
    • Mismatch (Verschalung/Abschaltung): 0%
    • Leistungsoptimierer (DC-Wandlung, Abregelung): 1%


    Szenario 3:


    Solaredge SE3000-H mit P370 Optimierer an allen Modulen


    Ergebnis „Energiebilanz PV Anlage“:

    • PV Nennenergie: 4549,16kWh (natürlich die gleiche)
    • PV-Energie (DC) ohne Wechselrichter-Abriegelung: 4309,65kWh (+110,48kWh)

    Unter den Verlusten:

    • Mismatch (Herstellerangaben): 0%
    • Mismatch (Verschalung/Abschaltung): 0%
    • Leistungsoptimierer (DC-Wandlung, Abregelung): 1.12%


    Interessante Ergebnisse. Für ein mehr an Einspeisevergütung (sagen wir 10ct/kWh) von 110kWh p.a. bekomme ich in 20 Jahren 220€. Die 11 Optimierer, die dafür nötig sind, kosten zusammen ca. 550€.


    Bleibt natürlich die Frage, wie gut die PVSol Simulation die realen Bedingungen wiedergibt. Verschattungen sind auch nicht mit eingerechnet.


    Gruß

    Thomas

  • Hallo,


    klingt realistisch. Die Tigos werden sicher nicht so gut laufen wie prognostiziert (siehe Erfahrungen von @Broadcastechniker), aber da die SE quasi gleichauf liegen, könnte das hinkommen. Auch mit dem billigeren SE-WR wird das vermutlich nicht profitabel. Da ist der Mismatch wohl die sinnvollste Alternative, zumal die drei fehlausgerichteten Module deutlich mehr bringen, als sie den Rest runterziehen.


    Um zu schauen, ob und wie PVSol die WR-Kennlinien beachtet, kannst du ja mal statt des 3er Primo einen 3er Symo nehmen. Dessen Bemessungsspannung ist niedriger als die des Primo, also müsste er etwas besser laufen.


    Viele Grüße,


    Jan

  • Ja, das war erstmal ohne WR um alleine die Unterschiede DC-seitig zu sehen.


    Mit WR bekomme ich folgendes Ergebnis:



    Primo 3.0-1 ohne Optimierer:


    PV-Energie (DC) ohne Wechselrichter-Abriegelung: 4199,17kWh (s.o.)


    Unter den Verlusten:

    • Unterschreitung der DC-Startleistung: -0.09%
    • Abregelung wegen MPP-Spannungsbereich: 0%
    • Abregelung wegen max. AC-Leistung/cos-phi: -0.14%

    -> PV-Energie (DC): 4189,38kWh


    Unter den Verlusten:

    • Energie am WR-Eingang: 4189,38kWh
    • Abweichung der Eingangs- von der Nennspannung: -1,76%
    • AC/DC Wandlung: -3,9%

    -> PV-Generatorenergie (AC-Netz): 3949,83kWh



    (Mir fällt gerade auf, dass es auch einen 3.5-1 gibt, der passen würde. Aber jetzt bleiben wir beim 3.0er und somit auch beim 3.0er Symo)



    Symo 3-0.3-M


    PV-Energie (DC) ohne Wechselrichter-Abriegelung: 4199,17kWh (s.o.)

    • Unterschreitung der DC-Startleistung: -0.22%
    • Abregelung wegen MPP-Spannungsbereich: 0%
    • Abregelung wegen max. AC-Leistung/cos-phi: -0.14%


    -> PV-Energie (DC): 4183,8kWh

    • Energie am WR-Eingang: 4183,8kWh
    • Abweichung der Eingangs- von der Nennspannung: -1,5%
    • AC/DC Wandlung: -3,58%

    -> PV-Generatorenergie (AC-Netz): 3971,70kWh (+21,87kWh im Vergl. zum Primo 3.0)

    (Beim Symo 3-7.3-M: 3977,19kWh (+27,36kWh))




    Symo 3-0.3-M mit Tigos:


    PV-Energie (DC) ohne Wechselrichter-Abriegelung: 4314,84kWh (s.o.)

    • Unterschreitung der DC-Startleistung: -0.21%
    • Abregelung wegen MPP-Spannungsbereich: 0%
    • Abregelung wegen max. AC-Leistung/cos-phi: -0.19%

    -> PV-Energie (DC): 4297,46kWh

    • Energie am WR-Eingang: 4297,46kWh
    • Abweichung der Eingangs- von der Nennspannung: 0%
    • AC/DC Wandlung: -3,46%

    -> PV-Generatorenergie (AC-Netz): 4146,96kWh (+175,26kWh im Vergl. zum Symo 3.0 ohne Opt.)




    Solaredge SE3000-h mit P370:


    PV-Energie (DC) ohne Wechselrichter-Abriegelung: 4309,65kWh (s.o.)

    • Unterschreitung der DC-Startleistung: 0%
    • Abregelung wegen MPP-Spannungsbereich: +0.01%
    • Abregelung wegen max. AC-Leistung/cos-phi: -0.25%

    -> PV-Energie (DC): 4299,31kWh

    • Energie am WR-Eingang: 4299,31kWh
    • Abweichung der Eingangs- von der Nennspannung: 0%
    • AC/DC Wandlung: -2,02%

    -> PV-Generatorenergie (AC-Netz): 4206,45kWh (+234,75kWh im Vergl. zum Symo 3.0 ohne Opt.)



    Bei einem Mehrertrag von 234,75kWh kommt nach 20 Jahren immerhin ein Plus von 469,5€ an Vergütung raus.