Gewerbeanmeldung um Gewährleistungspflicht des Installateurs bei PV-Bau teilweise zu umgehen - Auswirkungen?

  • Hallo Forum,


    ich hab' mal eine vermutlich ziemlich kurios anmutende Frage...


    Ich habe die Unterkonstruktion für eine zweite PV-Anlage auf dem Carport vorbereitet, weil der Untergrund baulich schwierig ist und keinen Standards entspricht. Das auch, weil der bevorzugte Installateur bei einem von ihm gelieferten Gestell monatelang nicht in die Puschen kam. Nun stellt sich heraus, dass er die Module nicht montieren möchte, da er dafür keine Statikberechnungen durchführen kann und deswegen keine Gewährleistung dafür übernehmen möchte. Kann ich soweit verstehen und nachvollziehen. Er bot mir an, nur die Elektrik ab den Modulen zu machen, aber für die Eigeninstallation fehlt mir Knowhow im Bereich Befestigungssystem SOL-50, Solaredge, Verkabelung und generell Zeit, Werkzeug usw.

    Ich halte meine Konstruktion aber für stabil genug und habe dem Installateur angeboten auf die Gewährleistung für die Statik zu verzichten, meinem Willen nach würde er also nur für die Elektrik haften müssen. Jetzt habe ich nachgelesen, dass das das BGB aber nicht zulässt zwischen einem Unternehmen und einer Privatperson, selbst wenn ich das möchte.


    Meine erste (und bisher einzige) Idee war nun als eigentlich Angestellter für nur ein paar Wochen ein Gewerbe als Selbstständiger anzumelden, da der Gewährleistungsausschluss per Vertrag zwischen Unternehmen möglich ist. Als Unternehmensziel würde ich halt Stromerzeugung angeben. Allerdings kann ich die Auswirkungen nicht so ganz überblicken - hat jemand ne Idee, wie das das Finanzamt aufnehmen würde? Könnte ich trotzdem mit Vorsteuererstattung, Umsatzsteuer(voranmeldung) und EÜR dann die zweite Anlage mit der ersten zusammen abrechnen? Bei Gewerbeabmeldung würde dann das Betriebsvermögen wieder an mich als Einzelperson übergehen? Oder ist das als Selbstständiger sowieso alles dasselbe? Also manche melden ja mit dem Bau einer privaten PV-Anlage auch sowieso ein Gewerbe bei der Stadt an...


    Ich weiß, klingt ziemlich wirr, aber mir fällt gerade nichts anderes ein. Hat jemand ne andere Idee? Würde halt gerne beim gleichen Installateur bleiben, so von wegen alles aus einer Hand (zumal der WR der zweiten Anlage am gleichen Speichersystem wie die erste Anlage angeschlossen werden soll), sonst schiebt die eine Firma ein potenzielles Problem auf die andere Firma und andersrum...


    Viele Grüße, Steffen

    9,93 kWp Aleo (180° Süd, 40° Neigung) mit 13 kWh E3/DC-Speicher S10 E PRO

  • Stevie77

    Hat den Titel des Themas von „Gewerbeanmeldung um Gewährleistungspflicht des Installateurs bei PV-Bau zu umgehen - Auswirkungen?“ zu „Gewerbeanmeldung um Gewährleistungspflicht des Installateurs bei PV-Bau teilweise zu umgehen - Auswirkungen?“ geändert.
  • Kann der Solateur die Installation der Elektrik nicht parallel zur Modulmontage machen? Auf dem Papier hat er dann die Elektrik installiert, kann dich aber bei Fragen bzw. generell unterstützen. Abrechnung im Zweifel dann nach tatsächlicher Arbeitszeit.


    Gruß Markus

  • In die Richtung hab' ich auch schon gedacht. Ich stell' mich mit aufs Dach und fasse pro forma ein bisschen mit an und im Vertrag und auf der Rechnung würde stehen, dass der Betrieb nur das Material geliefert und die Elektrik installiert hat (zu einem sehr hohen Preis) und zusätzlich dran steht, dass der Kunde die Unterkonstruktion, Module und Optimierer selbst installiert. Das wäre aber ein Graubereich und ich weiß nicht, ob das zuverlässig die Möglichkeit ausschließt, dass ich den Betrieb in Gewährleistung nehmen könnte.

    9,93 kWp Aleo (180° Süd, 40° Neigung) mit 13 kWh E3/DC-Speicher S10 E PRO

  • auf der garage könnt ihr beide zusammen problemlos rumlaufen und die module und optimierer drauf legen... material ist ja bestandteil des angebots... soll er Dir die klemmen geben und Du baust die an die module... bei der verkabelung muss er eh noch mal ran an die dinger und kann seinen fachkundigen blick schweifen lassen... auf der rechnung einfach der vermerk des solarteurs: unterkonstruktion und modulmontage erfolgte auf dem carport bauseits vom auftraggeber... dann hat er es nicht getan und schon ist er raus aus der haftung... und Du bleibst privat... so wäre meine idee...

  • Ja, wäre mir natürlich auch viel lieber. Deutlich weniger Aufwand und was bei ner Gewerbegründung sonst noch mit dranhängt überschaut ja auch keiner so auf Anhieb - ich zumindest nicht. Wer weiß, was das Finanzamt dann macht...
    Ich werde wohl morgen mal versuchen mit der Firma zu telefonieren und das so vorschlagen...

    9,93 kWp Aleo (180° Süd, 40° Neigung) mit 13 kWh E3/DC-Speicher S10 E PRO

  • Die Situation ist bescheiden.


    Die Haltung des Solarteurs ist nachvollziehbar und basiert auf der Sorgfalt und der Vorsicht eines ordentlichen Kaufmanns.


    Er sieht einerseits die Problematik, dass er im Rahmen des Werkvertragsrechts als aufbauendes Gewerk durchaus in die Haftung für die Vorleistungen gerät.

    Andererseits fürchtet er, dass die möglicherweise Einordnung eines PV-Betreibers als Verbraucher auch einen Haftungsausschluss unmöglich macht. Auch die Variante über eine Bedenkenanzeige ist kritisch, da aus gleichem Grunde (mögliche Stellung als Verbraucher) die VOB/B möglicherweise nicht anwendbar ist.


    Sein "Feind" ist dabei regelmäßig nicht der Auftraggeber selbst - sondern die ihm heute völlig unbekannte, künftige Erbengemeinschaft des Auftraggebers. Der traut er nicht von der Tapete bis zur Wand - und das mit Recht. Völlig korrekt: Bestimmte Dinge sind kein dispositives Recht - sondern zwingend anzuwenden. Dazu gehört auch die Einschätzung als Unternehmer oder Verbraucher; bzw. die Einschätzung, ob man ein Rechtsgeschäft in Ausübung einer gewerblichen Tätigkeit handelt.


    Die Variante ein "Unternehmen kurzzzeitig zu gründen" ist m.E. völlig verfehlt.

    Ein Unternehmen gibt es ja im Zweifel schon. Aber eben nur im Zweifel. Ob ein PV-Betreiber der nur eine Anlage auf dem Dach des eigenen Hauses betreibt, ein Unternehmer ist - ist halt umstritten. Ob zwei Anlagen schon etwas ändern? Keine Ahnung.
    Hier gilt: Auf hoher See und bei Gericht ist man in Gottes Hand.


    Sämtliche Lösungen die darauf basieren, irgendetwas "in der Rechnung" zu gestalten, sind ebenfalls verfehlt.
    Rechnungen gestalten keine Sachverhalte - sie dokumentieren Sachverhalte. Eine falsche Dokumentation ist nichts anderes als eine falsche Dokumentation. Für nix gut. Allenfalls sogar noch ein steuerliches Risiko.


    Die einzige Lösung ist die eigentlich naheliegende:
    In diesem Fall ist doch endlich mal das möglich, was sonst eben schier unmöglich ist: Die Individualabrede.

    Hier geht es doch definitiv nur um einen Einzelfall. Gerade weil der PV-Betreiber nicht in der Absicht der Wiederverwendung von Vertragsklauseln handelt, handelt es sich hier doch gar nicht um AGB.

    Nur der AGB-mäßige Ausschluss von Gewährleistungsverpflichtungen ist ja ausgeschlossen.

    Wenn gar keine AGB vorliegt.. gibts auch keinen Verbotsgrund.

    Wenn eine Individualabrede vorliegt - hat die Vorrang.

    (Das ist halt in der Praxis sonst nicht möglich... weil eigentlich jeder Unternehmer immer in der Absicht handelt, noch weitere Geschäfte zu tätigen. Alles was er schreibt (oder denkt!!!!!) ist immer gleichzeitig AGB. Hier ist endlich mal der Ausnahmefall)



    Das problem ist m.E. allerdings ein ganz anderes:
    Der arme Kerl tickt ja nicht so, weil er - wenn andere Rosamunde Pilcher lesen - im BGB geblättert hat.
    Irgendwer hat ihm entsprechendes Wissen vermittelt. Der Versicherer, der Versicherungsmakler, Seminarinhalte bei HWK oder IHK, der Handwerkerstammtisch, der Anwalt... oder.... eine schlechte Erfahrung.


    Aus der Ecke holt ihn - wenn er schlüssig handelt - nur sein eigener Anwalt im Rahmen eines Mandats und mit der Folge der Haftung des Anwalts wieder raus.

    Womit die Frage ist: Wer zahlt den Anwalt?

    Insbesondere... wenn nach allen Bemühungen, der Solarteur einfach nicht aus seiner Ecke raus will. Ihn kann ja keiner zwingen.


    Speziell für den Fall, dass der Solarteur doch nicht die Ausnahmeerscheinung unter den Handwerkern ist, der hier wirklich sorgfältig nachdenkt und abwägt.... sondern schlicht und einfach keinen Bock auf Deinen Auftrag hat.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • auf der garage könnt ihr beide zusammen problemlos rumlaufen und die module und optimierer drauf legen...

    ja, das war unscharf von mir formuliert... *grummel*... barverkauf oder zweite vorabrechnung für das material car port modul selbstmontage... pv-anlagenrechnung exklusive dieser positionen... reicht das dann immer noch nicht?

    irgendetwas "in der Rechnung" zu gestalten, sind ebenfalls verfehlt.

    die nicht erfolgte carport dachmontage erscheint natürlich NICHT auf der pv-anlagen-gesamtrechnung... weil ja nicht vom solarteur ausgeführt... ich würde als handwerker eine zweite rechnung schreiben: klemmen, schrauben, muttern... dann ist doch klar das der kunde damit selber in eigenleistung was "basteln" möchte... hier die montage von modulen auf einen car port... und in der gesamtrechnung werden eben diese positionen gar nicht fakturiert... oder muss ich als solarteur für das gesamtwerk haften wenn teile davon nicht durch ihn ausgeführt wurden? er macht doch nur den elektrischen anschluss... und eine mündliche nebenabrede hat ja statt gefunden... und ist über zwei rechnungen dokumentiert...


    ist das für den solarteur immer noch nicht ausreichend um etwas mehr luft hinter die tapete zu bringen?

  • Eine Solaranlage aufs Dach zu bauen ist auch für den Hobbybauer kein Lebenswerk und an drei Wochenende geschafft.

    Wenn wie hier sogar schon das Gestell errichtet ist dauert das Belegen ein Wochenende.

    Sollte der Solateur die Panels nicht liefern will, dann kauft man sie da wo sie günstig(er) sind.

    Dann muss er eben nur noch anschließen, das war scheinbar kein Problem.

    Sollte er auch das nicht wollen, mache alles selber.

    Bei der Zweitanlage braucht man keinen eingetragenen Elektriker mehr, da reicht die fachkundige Person.

    Anlagenstandort Köln. in allen Strings verteilt insgesamt 12x TIGO TS4-O mit Monitoring

    2018 31x 320W Q-Cells an Kostal Piko 8.3

    2019 30x 325W Q-Cells an Kostal Plenticore plus 7.0

    2019 2x 325W Q-Cells plus 1x 320W Q-Cells mit je einem Tigo direkt per DC am WW Boiler.

  • Du baust ein Carport und die PV-Unterkonstruktion, aber zur Modulmontage bei einem Einlegesystem fehlt Dir das Know-How?

    Da wäre ich als Solarteur aber auch vorsichtig.

  • Etwas was nicht passiert ist, in der Rechnung auch nicht zu dokumentieren.... da spricht nichts gegen.


    Teilweise kamen allerdings oben auch Vorschläge, die die Kampfrichtung hatten, etwas was passiert ist - nicht in der Rechnung auftauchen zu lassen.

    a) Das kann steuerlich schon böse sein. Muss es aber nicht. Nicht jedes Fuzzelsdetail gehört in eine Rechnung
    b) Zu glauben, weil eine Leistung in einer Rechnung nicht auftaucht, dafür nicht haften zu müssen, ist ein Irrglaube.

    Wie wir alle wissen, haftet auch der Schwarzarbeiter für Mängelansprüche.


    Das Problem ist, dass das aufbauende Gewerk immer auch faktisch für die Folgen vorangegangener Gewerke haftet oder haftbar sein könnte. Der Solarteur muss sich sehr wohl kundig machen, ob die Unterkonstruktion überhaupt für eine PV-Anlage taugt. Ob das Dach überhaupt taugt.

    Du hast es halt als Handwerker nicht nur mit Gutmenschen wie Dir zu tun - sondern auch mit Arschlöchern wie mir, die bei der Ausschreibung schon wissen, wie sie dem Unternehmer ein teures Erwachen bereiten.


    Das Problem ist.... dass er zu Recht befürchtet..... egal was er macht.... er KÖNNTE immer irgendwie am Ende in die haftung gezogen werden.... wenn es nur hinreichend doof läuft.
    Nichts anderes, als wenn Du nur mit Stahlhelm läufst... weil es KÖNNTE ja eine Kugel geflogen kommen.


    Von daher.. ich bleibe dabei: Wirklich zuverlässig kann ihn nur sein eigener Anwalt mit einer verhafteten Aussage aus seiner Ecke holen. Von allem anderen kann er sich am Ende des Tages nichts kaufen.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung