Wäre Speicher nicht doch besser gewesen?

  • Also die pauschale Aussage, dass hier keine Wissenschaftler am Werk sind, ist schon etwas steil... Vielleicht ist nicht jeder einer, aber manche schon. Und das vielleicht nicht immer jeder Beitrag wissenschaftlichen Ansprüchen genügend ist ja wohl klar,... Das ist hier ein Forum, wo alle ihre private Zeit investieren, und keine Veröffentlichung im peer-review.


    Aber die Grundrechtenarten und Dreisatz kann man dann doch schon voraussetzen ohne jedesmal nen Beweis zu erbringen, oder? ;)

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)


  • Und ich versuche es auch :-)


    So rechnen Speichergegner


    Ein 10 kWh-Speicher für meine oben beschriebene Anlage kostet mich netto 7.250 EUR. Durch die Erhöhung des Eigenverbrauchs reduziert sich meine Stromrechnung – aber auch meine Einspeisevergütung. Verrechnet man das, liegt der Vorteil des Speichers pro Jahr bei etwa 216 EUR. 7.250 EUR geteilt durch 216 EUR ergibt: Rund 33 1/2 Jahre, die es dauern würde, den Speicher zu refinanzieren.


    So rechnen Speicherfreunde


    Die 7.250 EUR Mehrkosten werden zu den Kosten der Anlage addiert. Ohne Speicher hatte sie 13.320 EUR netto gekostet, jetzt sind es 20.570 EUR. Einspeisevergütung und Einsparung beim Strombezug bringen einen jährlichen Vorteil von 1.536 EUR. 20.570 EUR durch 1.536 EUR ergibt: Rund 13 Jahre, die es dauert, die Anlage zu refinanzieren. Das sind drei Jahre länger als ohne Speicher.


    Erhöht sich der Stromverbrauch weiter, etwa durch ein weiteres E-Auto oder eine Wärmepumpe, geht es sogar noch schneller.


    Welche Rechnung gilt?


    Die Speichergegner sagen, die Rechnung der Speicherverkäufer bedeute einfach nur, dass die profitable PV-Anlage den nicht so profitablen Speicher quersubventioniert. Und sie haben recht.


    Die Speicherfreunde sagen, eine Anlage mit Speicher sei einfach ein anderes System, eines, das auf maximale Autarkie und minimalen Strombezug von außen abzielt. Käufer, die so etwas haben wollen, hätten dafür ebenso ihre idealistischen Gründe wie die Käufer von „normalen“ PV-Anlagen. Ein solches System amortisiert sich dann halt nach 13 Jahren statt nach zehn.


    Und sie haben auch recht.


    Fazit


    Die erbittertsten Auseinandersetzungen gibt es erfahrungsgemäß, wenn beide Seiten recht haben.


    Das ist eigentlich schade, denn beide Seiten haben sehr ehrenwerte Absichten: Indem sie mit dem Kauf einer PV-Anlage, trotz aller Arbeit und Bürokratie, die damit einhergeht, ein Zeichen dafür setzen, dass es sich lohnt, ein Teil der Lösung zu sein, und nicht Teil des Problems.


    (Sorry, das war jetzt etwas umständlich ausgedrückt...)

  • Wer richtig rechnet, ist doch deshalb noch lange kein Speichergegner, sondern weiß, dass er sich nicht refinanziert.

    Wer sich seinen Speicher schön rechnen will, rechnet falsch. Für letzteres mag es aber auch noch andere Gründe geben.

  • Erhöht sich der Stromverbrauch weiter, etwa durch ein weiteres E-Auto oder eine Wärmepumpe, geht es sogar noch schneller.

    Das ist neben der Rechnung ein weiterer Fehler. Wenn man eine Wärmepumpe besitzt, wird die Anschaffung eines Speichers noch unrentabler.


    Im Dezember und Januar produziert eine 10 kWp Anlage ca. 200 kWh pro Monat, davon werden 100 kWh schon direkt verbraucht, es bleibt also fast nichts übrig für den Speicher. Davon ab, dass eine Wärmepumpe bei kalten Temperaturen gerne mal 20 kWh pro Tag verbraucht …


    Aber wie hier schon geschrieben, wenn man gerne einen Speicher hätte, muss man den sich doch nicht auf Biegen und Brechen versuchen schön zu rechnen. Das macht man bei Alufelgen fürs Auto ja auch nicht.

  • Im Dezember und Januar produziert eine 10 kWp Anlage ca. 200 kWh pro Monat, davon werden 100 kWh schon direkt verbraucht, es bleibt also fast nichts übrig für den Speicher. Davon ab, dass eine Wärmepumpe bei kalten Temperaturen gerne mal 20 kWh pro Tag verbraucht …

    Hinzu kommt, dass wohl keiner auf die Idee kommt, den erzeugten Strom mit 20% Verlust über den Umweg Speicher und nicht zeitversetzt direkt an die Wärmepumpe abzugeben.

    Oder doch...?


  • Danke Maria, 1A-Beitrag, gut beobachtet und sehr gut analysiert, ich teile deine Meinung vollumfänglich. :thumbup:;):thumbup:

  • Im Dezember und Januar produziert eine 10 kWp Anlage ca. 200 kWh pro Monat, davon werden 100 kWh schon direkt verbraucht, es bleibt also fast nichts übrig für den Speicher. Davon ab, dass eine Wärmepumpe bei kalten Temperaturen gerne mal 20 kWh pro Tag verbraucht …

    Hinzu kommt, dass wohl keiner auf die Idee kommt, den erzeugten Strom mit 20% Verlust über den Umweg Speicher und nicht zeitversetzt direkt an die Wärmepumpe abzugeben.

    Oder doch...?

    Danke für die Infos und die Korrektur zur Wärmepumpe. Ich habe selbst keine und dachte nur an die Erhöhung der Eigenverbrauchsquote...