Welche Steuerregelung wählen

  • Hallo. Meine Anlage 9,90 kWh für ein EFH kostet 12.100 Euro. 2000 Euro davon sind Steuern. Was meint ihr was dabei im Bezug auf Steuern die beste Regelung ist? Mehrwertsteuer auf den Kaufpreis zurück bekommen und nach 5 bzw. 6 Jahren in den Kleinunternehmer Status wechseln um die Umsatzsteuer nicht mehr zu zahlen? Die würde ich dann ja in den ersten 5 bzw. 6 Jahren bezahlen. Ich müsste also die USt. Aus den Jahren gegen die Mehrwertsteuer verrechnen oder?


    Die Berechnung sagt folgendes aus:

    577,40 Euro für Einspeisung jährlich und im Schnitt ca 500 Einsparung Strombezug. Wären 204,71 Euro an Steuern. Das x 5 bzw. 6 Jahre oder? Liege ich richtig?


    Was wäre die Alternative?

  • Ich fürchte Du liegst falsch.

    Die USt auf die Einspeisung spielt hier gerade KEINE Rolle.


    Die Vergütung ist ja netto definiert. Bei Anwendung der KUR bekommst Du halt auch nur den Nettobetrag. Nullsummenspiel.


    Wenn,... dann geht es hier um die nicht erhobene Steuer auf den Direktverbrauch.

    Also....bitte selbst mit individuellen Werten rechnen:
    2.000 kWh Direktverbrauch. 20 Cent Bezugsstrompreis netto. Macht 400 Euro Bemessungsgrundlage. Ergibt 76 Euro Steuern. Bei schlimmstensfalls 6 Jahren... über den Daumen: 480 Euro Steuer.


    480 < 2.000.... ==> Das fiskalisch bessere Ergebnis ergibt sich, wenn zunächst zur Steuerpflicht optiert wird - und frühestmöglich dann zur KUR gewechselt wird (nach 5 o. 6 Jahren).

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • 1. Frage

    Wenn ich das dann richtig verstehe, bekomme ich als Kleinunternehmer vom EVU nur noch den Nettobetrag überwiesen. Richtig soweit, oder?


    2. Frage

    Da ich jetzt keine Steuern mehr bekomme, kann ich auch keine Vorsteuern mehr ziehen. Dann stehe ich doch relativ schlecht da, oder? Denn ich bekomme keine Umsatzsteuer ausgezahlt und die Mehrwertsteuer kann ich auch nicht ansetzen (z.B. falls ich mal eine Investition leisten muss für die PV-Anlage).

  • Du hast es richtig erfasst. Keine Umsatzsteuer mehr auf die Vergütung, dafür brauchst du auch die entsprechende Umsatzsteuer nicht mehr zu bezahlen. Das bleibt also wie schon vorher ein Nullsummenspiel.


    Nachteilig für dich ist die fehlende Abzugsfähigkeit der Vorsteuer. Reparaturen und Ersatzbeschaffungen werden 19 % teurer. Du kannst zwar bei der KUR den Bruttobetrag als Betriebsausgabe ansetzen (ohne KUR ist es der Nettobetrag), doch damit stellst du dich finanziell schlechter als beim Abzug der Vorsteuer.


    Der große Vorteil bei der KUR aber ist der Entfall der Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch. Jedes Kilowatt muss mit der unentgeltlichen Wertabgabe als Bemessungsgrundlage angesetzt werden. Die ueWA entspricht in etwa dem Strompreis mit allen Nebenkosten bei deinem Energieversorger. Wenn du also viel Eigenverbrauch hast und der Strompreis immer weiter steigt, dann kannst du hier wirklich sparen.


    Abwägen und berechnen, was für dich günstiger ist, musst du selber....


    mfg

    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise- und Direktverbrauchs-Anlagen für Windows
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

    :!: Bei Anfragen bitte unbedingt den Programmnamen und die Programmversion angeben :!:

  • tjamaker


    Mich dünkt......


    Wenn Dein Beitrag von Tx-25 käme.. hätte ich gesagt: Jup. Du hast es verstanden.

    Ich hätte dann auch noch geschrieben: Aus den Zeilen klingt Verwunderung durch. Als hättest Du kein Verständnis dafür, warum um diese Frage so ein Eiertanz aufgeführt wird. Und ich hätte geschrieben: Jetzt hast Du es definitiv verstanden.


    Doch dann fiel mir auf, dass ein Stammmitglied eigentlich hier gar keine Überraschung zeigen dürfte......
    und mich überkam der Gedanke, dass ein Stammmitglied evtl. schon etwas länger dabei sein könnte.....

    und als ich gesehen habe dass Du seit 2010 dabei bist.... überkam mich der Gedanke, dass Du evtl. eine Anlage betreibst, die entweder noch gar keinen DV zulässt (vor 2009 oder so); oder aber Deine Anlage zwar DV zulässt.... aber vor dem 1.4.12 ans Netz ging.


    Dann wiederum magst Du das Thema zwar verstanden haben.... aber es betrifft Dich nicht.

    Bei Anlagen die vor dem 1.4.12 ans Netz gegangen sind, wird der DV noch vergütet.
    Da liegt schlicht und einfach keine unentgeltliche Wertabgabe vor. Hier greift noch eine Fiktion aus Volleinspeisung und Rücklieferung des DV durch den VNB an den Anlagenbetreiber.

    Da hat die KUR nun wirklich überhaupt keinen Sinn mehr. Die Besteuerung des DV erfolgt "fix" mit ca 16 Cent (Unterschiedsbetrag aus Einspeise- und DV-Vergütung). Mit der KUR kann man diese Besteuerung aber auch nicht umgehen. Dazu müsste schon der VNB die KUR wählen... wobei der an den subjektiven Voraussetzungen scheitern dürfte.

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  • kpr

    Vielen Dank dafür. Ja, meine Anlage ging im Jahr 2010 ans Netz. Und ich bekomme für den Eigenverbrauch die 16,83ct/kWh vergütet, was wiederum mit 19% USt beaufschlagt wird, die ich ans Finanzamt abführen muss.



    Trotzdem stelle ich mir die Frage, ob ich jetzt noch in die KUR wechseln sollte. Rein aus steuerlichen Gründen - wegen des Aufwands ist mir das egal - 4x im Jahr die USt-VA machen ist ja nicht so wild.


    Also hier noch meine weiteren Fragen:

    3. Frage

    Wenn ich bisher EUR 500,-- inkl. USt vom Energieversorgungsunternehmen (EVU) bekommen habe, bekomme ich dann in der KUR nur noch EUR 420,17 ausgezahlt? Oder bleibt es bei den EUR 500,--?


    4. Frage

    Wenn es bei den EUR 500,-- bleibt, dann muss ich ja im Endeffekt mehr an EkSt leisten, weil ich ja ca. EUR 80,-- mehr Einkünfte habe. Stehe ich mich dann nicht u.U. wieder schlechter (ich weiß hängt dann von der Progression ab ...). Aber vom Prinzip!?!


    5. Frage

    Was passiert mit den Abschreibungen, die ich bis jetzt auf die Anlage angesetzt habe? Damit wurde ja bisher immer meine Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb geschmälert. Das fällt ja dann auch weg, oder?

  • zu 3) Richtig. Es tut sich gar nichts. Du bekommst in der KUR keine Steuer - und brauchst keine abführen. Würdest du in der KUR USt fälschlich vereinnahmen, müsstest Du sie auch abführen.
    PV-Vergütung ist netto definiert. Da führt die KUR zu nix.
    Die KUR ist tendentiell für den Unternehmer vorteilhaft, wenn die Preise am Markt Brutto definiert sind. Wie z.B. beim Trauerredner oder die Prostituierte. Beide bekommen ihre 50 Euro (oder mehr)... da wird nicht gefragt... "bist Du Unternehmer? - wenn ja bekommst Du 119%.. sonst nur 100


    zu 4) die Frage verstehe ich von vorn bis hinten überhaupt nicht.
    Bei Anwendung der KUR zahlst Du sogar eher weniger Ertragsteuer - da die nicht abzugsfähige Vorsteuer ertragsteuerlichen Aufwand darstellt. (abzugsfähige Vorsteuer hingegen ist ergebnisneutral)


    zu 5) Nein. KUR ist ein rein umsatzsteuerliches Thema. Das hat damit überhaupt nichts zu tun.
    Sehe die hilfsweise Anmerkung zu Nr. 4



    Nochmal andersherum:
    Bei Anlagen die vor dem 1.4.12 ans Netz gegangen sind - macht die KUR absolut gar keinen Sinn.
    Die USt braucht man nicht abführen - bekommt sie aber auch nicht. Der Vorsteuerabzug hingegen ist weg.

    Steuer auf unentgeltliche Wertgabe kann nicht entfallen - weil es sie gar nicht gibt.


    Bei Anlagen die nach dem 31.3.12 ans Netz gegangen sind, gibt es den hübschen Nebeneffekt, dass die Steuer auf die unentgeltliche Wertabgabe unter den Tisch fällt. Alles andere bleibt gleich.

    Das muss jeder für sich selbst rechnen.

    Mehrheitlich scheint es aber immer noch so zu sein, dass sich die Option zur Steuerpflicht und frühestmöglicher Wechsel in die KUR der finanziell bessere Weg ist.


    Und nochmal: Bei Deiner Anlage (vor dem 1.4.12) eh alles bullshit. Da kann gar keine Steuer entfallen - weil es keine unentgeltliche Wertabgabe gibt.

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  • Mehrheitlich scheint es aber immer noch so zu sein, dass sich die Option zur Steuerpflicht und frühestmöglicher Wechsel in die KUR der finanziell bessere Weg ist.

    Genauer rechnen braucht man derzeit nur, wenn man über 60% des Stroms selbst nutzt oder die Anlage sehr billig (deutlich unter 1000€/kWp netto) bekommen hat. Kurz gerechnet: 1000€ netto machen 190€/kWp Mehrwertsteuer, durch maximal 6 Jahre sind 31€/kWp oder bei 30ct/kWh brutto Strompreis (Durchschnitt in D) etwa 650kWh/kWp im Jahr die man selbst nutzen kann um ohne KUR günstiger zu liegen.

    Da man 60% oder mehr in aller Regel nur mit Speicher schafft, braucht man auch nicht rechnen, wenn man daraus die Vorsteuer erstattet bekommt.

    Oder kurz - da muß der Strompreis schon noch deutlich steigen oder die Preise deutlich sinken, bis man sich über KUR von Anfang an in der Praxis ernsthaft Gedanken machen muß.

  • ... Jedes Kilowatt ...

    O, o, :roll: bevor mich da jemand wegen der falschen Benennung kritisiert:


    Das sind natürlich Kilowattstunden :oops:


    mfg

    Paulchen

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  • alterego

    Ich hatte mich nur um eine diplomatische Ausdrucksweise bemüht, um nicht das andere Lager aus dem Busch zu locken

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