Solarspeicher wegen Netznutzungssteuer

  • Hallo,
    ich möchte mich kurz vorstellen.
    Ich wohne in Belgien betreibe seit 2 Jahren eine PV Anlage auf dem eigenen Einfamilienhausdach.
    Ich lese seit längerem hier im Forum mit, habe mich aber erst heute angemeldet.
    Ich habe vor 4 Jahren unseren Wohnwagen auf Solar umgebaut mit Victron Komponenten und bin seit dem von der Solartechnik begeistert.


    Meine Beweggründe:
    In Belgien gibt es keine Einspeisevergütung, dessen waren wir uns stehts bewusst, jetzt soll aber eine "Netznutzungssteuer" erhoben werden.
    Den Teil der Energie, die meine Anlage einspeist, nimmt man dankend kostenlos an.
    Von dem Teil den ich wieder raus ziehe, von dem was ich vorher verschenkt habe, soll ich aber nun bis auf den Strom selbst alle Gebühren zahlen, was bei uns in Belgien rund 90% des gesamten Strompreises ausmacht. Bespiel meine Anlage produziert 6000 kWh im jahr, davon nutze ich 1/3 sofort und 2/3 gehen ins Netz und wieder raus. Auf diese 2/3 soll ich nun 90% von 30ct/kWh zahlen also rund = 6000/3*2*0.3*0.9 = 1080€/Jahr.
    Nun geht es darum, den Eigenverbrauch zu maximieren die Einspeisung zu minimieren.


    Meine aktuelle Konfiguration:
    1 x SMA STP 6000 TL
    21 x LG320NiK - A5 (alle gleiche Ausrichtung)
    Hauseingang ist mit 40 amp dreiphasig abgesichert da altes Industriegebäude.
    Elektroauto muss auch mal mit 17 KW zu Hause geladen werden können. (Wird in der Regel auf der Arbeit geladen)


    Die Anlage hat in den beiden letzten Jahren rund 6.000 kWh erbracht, was ziemlich genau meinem Bedarf entspricht.
    Ich hatte damals zeitgleich eine Warmwasserwärmepumpe angeschaft, die über einen noch nicht benutzten (da noch kein Bedarf) Schalteingang verfügt, um überschüssigen Strom in Wärme umzuwandeln sprich, das Wasser wärmer als gewöhnlich zu heizen. Stiebel Eltron WWK 301 electronic


    Mein Wunsch:

    Ich möchte einen PZS Batteriespeicher von rund 48 kWh (brutto) in den Keller setzen, der es mir ermöglicht, meinen Eigenverbrauch zu maximieren.

    Meine Gegebenheiten und Voraussetzungen:
    Ich habe viel Platz zur Verfügung
    Ich kann günstig an Gabelstaplerbatterien kommen daher müssen die Komponenten mit "älteren" Batterietypen umgehen können.
    Der bestehende Wechselrichter muss nicht zwingend beibehalten werden.


    Meine Idee:

    Das Haus wird von der PV Anlage 3 phasig per Wechselrichter mit AC beliefert.
    Der überschüssige Strom wird direkt in DC Form in die Batterie eingespeist ohne vorherige Umwandlung.


    Und nun kommen wir auch schon zum Problem:

    Welches Gerät kann das?


    Welche Geräte können AC ans Haus und zeitgleich DC in den Akku, ohne vorher AC/DC Wandlung für den Akku betreiben.

    Nun könnte man auch alles in die Batterie per DC und von da aus über Wechselrichter in AC Form ins Haus.

    Das würde der Batterie aber sehr schnell sehr viel mehr Zyklen auf den Zähler bringen, was man vermeiden könnte.


    Mir gefällt der Gedanke nicht, erst von Paneele DC durch Wechselrichter AC und dann wieder DC für die Akkus.

    Da die Akkus ja täglich genutzt würden und nicht nur zu Notstromzwecken dienen sollen möchte ich dir Verluste so klein wie möglich halten.


    Freu mich auf eure Antworten.

  • Hallo und Willkommen im Forum,

    was bei uns in Belgien rund 90% des gesamten Strompreises ausmacht.

    bei uns in D sind es nur um die 80%, aber dafür ist der Strom deutlich teurer.

    Ohne es zu rechnen, wenn es wirtschaftlich bleiben soll, vergiß den Speicher, senke mit dem Geld erst mal deinen Stromverbrauch und schau dann weiter. Wenn der Hauptteil/die Hälfte deines Verbruachs aus der WP kommt, ist da mit PV odr Speicher wenig zu machen, da der halt in der sonnenarmen Zeit anfällt. Fürs Warmwasser wirst du jetzt schon so eingestell haben, daß das im Sommer tagsüber breitet wird um möglichst PV-Strom zu nutzen.

    Wenn du beruflich mit Bleibattrien zu tun hast, weißt du sicher auch, was Speicherverluste sind.


    Wenn du es trotzdem angehen willst, gibt es von Victron alles was du brauchst. Da du damit schon (hoffentlich gute) Erfahrung hast, würde ich das in dem Fall bevorzugen, billig ist was andres, das weißt du sicher schon.

    SMA hat abar auch alles, was du willst, dort aber vorwiegend AC-gekoppelt. Nach dem, was hier an Erfahrungen mit Speichern berichtet wird, ist das aber relativ egal, auch wenn es in der Theorie anders aussieht, praktisch kommt der Vorteil nicht an.


    Um es einfach zu halten wäre mien Vorschlag aber eine kleine Batterie (bei Blei 3-5kWh brutto) an die um die 1-2kWp PV per Laderegler angeschlossen werden und mit einem kleinen WR (Made in China, sofern das die Normen erfüllt, für genaue Typen mit gutem Wirkungsgrad in dem Bereich müssen andre ran) um die 100W dauernd (unter lBeachtung daß die Batterie nicht zu tief entladen wird) eingespeist werden um die Grundlast zu kompensieren. Aufwändiger hann man das immer machen, macht es aber auch erheblich teurer.

  • Die Sichtweise "Von dem Teil den ich wieder raus ziehe, von dem was ich vorher verschenkt habe, soll ich aber nun bis auf den Strom selbst ..." ist zwar irgendwie verständlich, aber trotzdem falsch - du erhältst ja nicht den gleichen Strom zurück, sondern ganz anderen, zu einer ganz anderen Zeit und in einer ganz anderen Angebots-Nachfrage-Situation, als sie bei deiner Einspeisung bestanden hat. Eine wesentliche Eigenschaft des Stroms ist Gleichzeitigkeit von Erzeugung und Verbrauch, denn das Stromnetz ist kein Speicher.


    Dafür sind Zusatzaufwendungen notwendig, wie zum Beispiel für deinen eigenen Stromspeicher, oder aber für andere Marktteilnehmer, wenn du den Strom zeitversetzt (z.B. nachts) wieder haben möchtest - irgendwer wird ihn dann für dich erzeugen müssen. Dass er dir dann nicht geschenkt wird, sollte logische Konsequenz sein :thumbup:


    Deine 6 kWp-Anlage ist recht klein für einen 48-kWh-Speicher, sodass dieser oft nur ungenügend geladen werden kann, vor allem mit zu geringem Strom. Im Sommer mag es gehen, aber schon in der Übergangszeit läuft die Anlage nur selten mit Maximalleistung, vom Winter ganz zu schweigen - da steht sich ein Blei-Speicher tot.


    Ansonsten kann ich Victron sehr empfehlen. Gute, effiziente Komponenten, die sich auch zu einem Dreiphasen-System verschalten lassen.


    Geld sparen wirst du damit sicher nicht, da bist du mit den 90 % von 30 Cent pro kWh allemal besser dran, falls es dir darum geht.

  • Hallo Bastel,
    danke für deine Einschätzung.


    Ich bin mit den oben genannten Argumenten vollkommen einverstanden.

    Es ist die Art, wie der belgische Stadt das System einführt, der viele Leute, mir inklusive verärgert. (Rückwirkend Verträge zu seinen Bürgern anulieren etc. ist aber eine ganz andere seeehr lange Geschichte)


    OK, das mit der Kapazität verstehe ich, ist einleuchtend.
    Ja ich habe im WW Victron verbaut und finde die Komponenten super.


    Habe nun raus gefunden, das es DC seitige Anbindung an Batterie gibt, die man zwischen die PV Panele und den bestehenden Wechselrichter hängen kann und lese mich gerade dort ein. So etwas hat Victron aber aktuell nicht im Programm, es sein denn ich hätte es übersehen.


    Um noch einmal zur Kapazität zurück zu kommen, es wäre dann wohl sinnvoll, einen kleinen Speicher an zu schaffen, der jede Nacht den Grundbedarf deckt.? Da wäre ich mit einem 5-8 kwH Akku (Nutzbare Kapazität) schon sehr gut bedient.


  • Deine Verärgerung über die Stadt verstehe ich gut - hier in Deutschland sind wir ja auch noch recht privilegiert mit der garantierten Einpeisevergütung. Die Zeiten ändern sich, und dann werden auch hier Eigenverbrauchslösungen immer attraktiver :-)


    Wenn du aus den PV-Modulen den Akku direkt laden willst, brauchst du nur einen klassischen Laderegler. Auch da würde ich aus persönlicher Erfahrung Victron empfehlen (such mal nach Victron MPPT). Nachteil ist, dass du damit relativ kurze Strings aufbauen müsstest, zum Beispiel 3 Module in Reihe (< 150 Volt) und davon mehrere parallel.


    Aus meiner Sicht optimal ist eine Mischung aus AC-Kopplung (ein Teil der Module geht über einen Netzwechselrichter) und DC-Kopplung (ein Teil geht per Laderegler direkt auf die Batterie). Somit kannst du von den Vorteilen beider Varianten zugleich profitieren (AC ist besser für Direktverbrauch, DC ist effizienter beim Laden).


    Was die Akkugröße angeht, kommt es eher darauf an, was man erreichen will. "Sich rechnen" tut sich heutzutage kaum eine netzgekoppelte Anlage mit Speicher, aber Spaß macht es ja trotzdem, und bevor man den Strom verschenkt ... der ideelle Wert zählt ja auch was und gibt ein gutes Gefühl. Darum habe ich auch einen Speicher ;-)


    Sinnvoll kann alles von "ich komme damit im Sommer gerade so über die Nacht" sein, was meist so 4-5 kWh nutzbar entspricht, oder auch deutlich mehr, wenn man genügend PV-Power zum laden hat, große Verbraucher damit versorgen möchte und auch in der Übergangszeit mal mehrere Tage lang quasi-autark sein möchte. Das käme dann eher in Richtung 15-25 kWh nutzbar wie bei deiner angedachten 48-kWh-Batteriebank.

  • Das mit dem MPPT Laderegler von Victron habe ich so genau im WW gemacht.
    Die Geräte und deren Funktionalität sind mir gut bekannt, das würde mir viel Leserei ersparen...

    Ich habe ja eine Bestandsanlage. Ich muss mir anschauen, in wie viele Strings die Anlage unterteilt ist.


    Im Wohnwagen speise ich die ganze Energie in den Akku, alle Geräte werden dann von dort aus mit Energie versorgt, auch tagsüber. Bei meinem Haus soll nur Energie aus dem Akku entnommen werden, wenn nicht "genug vom Dach kommt".


    Dazu müsste dann ein weiteres Gerät in die Kette, was dies Steuert? Oder wird ständig eingespeist?
    Denn sonst ist ja die Energie dieser Paneele futsch, wenn der Akku voll ist !?

  • Wenn ich dich richtig verstanden habe, willst du gar nicht (unbedingt) einspeisen - dann wäre es ja egal, wenn überschüssige Energie "futsch" ist. Du kannst sie nicht verbrauchen, Akku voll --> alles, was jetzt noch produziert werden könnte, geht verloren, wie im Wohnwagen.


    Mit einem "klassischen" Setup mit Bleibatterien steuert allein die Ladespannung der Batterien, welches Gerät wie viel lädt. Die anliegende Verbraucherlast bestimmt, wie viel entladen wird. Deshalb müssen der beteiligte Insel- oder Hybrid-Wechselrichter (AC) sowie der/die Laderegler (DC) nicht zwingend miteinander kommunizieren. Sie wissen aufgrund der DC-Spannung, was los ist und was sie zu tun haben.


    Ich gehe bei den folgenden Gedanken davon aus, dass in deinem AC-Netz ein Hybrid-WR oder auch mehrere (z.B. Victron Multiplus/Multigrid) werkelt.


    Es gibt dann nur drei mögliche Situationen:

    • Verbrauch > PV-Erzeugung --> die Differenz nimmt sich der Hybrid-WR aus dem Akku.
    • Falls der Akku weiter als X entladen ist (einstellbar), schaltet der WR um und bedient sich nur noch aus dem Stromnetz.
    • Verbrauch < PV-Erzeugung --> die Differenz wird in den Akku geladen oder abgeregelt, wenn der Akku voll ist.

    Die neueren Victrons können darüber hinaus prinzipiell auch noch ins Stromnetz einspeisen, dann müsste gar nichts abgeregelt werden.


    Das geht so aber nur mit einem "klassischen" Insel-(Halbinsel-)System. Keine modernen Lithium-Speichersysteme, weil die alle eine intelligente Kommunikation der Komponenten untereinander voraussetzen und grundsätzlich nur dafür vorgesehen sind, von einem zentralen, netzgekoppelten Wechselrichter geladen zu werden. Einen MPPT-Laderegler kann man damit vergessen, Inselbetrieb einschließlich Nutzung der verfügbaren PV-Energie auch. Vielleicht gibt es inzwischen Systeme, die das auch können, aber die sind vermutlich noch recht teuer, zumindest kenne ich keins.

  • Ok verstanden.
    Vorstellbar wäre demnach bei mir:
    Einen String an einen Victron MPPT Laderegler, von dort an die Batterie.
    Mit dem Multiplus 2 könnte ich den gesamten Stromfluss (Netz rein/raus, Batteriekapazität nutzen ja/nein) steuern, so dass ich sowohl die Einspeisung als auch die Batterienutzung steuern kann.
    Vielleicht kommuniziert er ja auch noch mit dem MPPT regler von Victron, was weitere Konfigurationen ermöglichen würde!?


    Das wäre ein denkbares Szenario, und bei der Batteriewahl wäre ich wie von dir bereits geschrieben immer noch frei.

  • Fertig verkabelt in einer Kiste wäre die alternative der EasySolar von Victron.
    Schaue mir die Daten mal an und melde mich ggf. noch mal.
    Aber schon mal vielen Dank für eure Hilfe.