Hilfe gesucht: Anlage installiert, Fehlplanungen, Wechselrichter zu klein

  • Hallo,


    ich brauche dringend Hilfe, meine PV-Anlage wurde vergangene Woche (endlich) installiert und u.a. aufgrund von Fehlplanungen ist meiner Meinung nach der Wechselrichter deutlich zu klein. Ich habe nun die Rechnung des Installateurs erhalten und bin mir nicht sicher, wie ich am besten vorgehen soll.


    Aber zunächst meine Daten:


    PV-Module:

    25 x Heckert NeMo 315 (6/2019)

    davon 13 Stück auf der Südseite (1 String) und 12 auf dem Giebel (6 nach Osten, 6 nach Westen -> Doppelstring)

    macht insg. 7,88 kWp.

    Die Dachneigung beträgt 32 °


    Wechselrichter:

    SMA Sunny Boy 5.0 (einphasig) + Sunny Storage 3.7 - 10 + 10 kWh Li-Batterie


    Es gab ein wenig Hick-hack in der Planung und während der Durchführung, hier aber nur das Wesentliche:

    Ursprünglich wurde nur mit insg. 23 PV-Modulen geplant, 15 auf der Südseite und je 4 auf den Giebelseiten. Vor Ort wurden dann aber nur 13 Module auf der Südseite, dafür aber je 6 Module auf den Giebelseiten installiert (die Gründe sind nach meiner Einschätzung schlampige Planung und aus meiner Sicht würden auch die gewünschten 15 Module auf die Südseite passen).

    Im Nachgang stellte ich nun fest, dass selbst für die ursprünglich geplanten 23 Module der SMA SB 5.0 recht klein gewählt ist, für 25 Module ist dieser nach meiner Recherche aber nun viel zu klein ausgelegt. Ich stellte noch während der Montage entsprechende Fragen an den Projektleiter, diese wurden jedoch nicht zufriedenstellend beantwortet.


    Nun habe ich die Rechnung im Briefkasten (zunächst 95 % des Endbetrags, da noch keine offizielle Inbetriebnahme war). Ich bin unsicher, was ich tun soll. Ist der gewählte Wechselrichter eventuell gar nicht so verkehrt?


    Reichen die von mir gemachten Angaben für eine Beurteilung aus?


    Vielen Dank für Ratschläge!

    Matthias

  • Ja, das ist ein Mangel bereits in der Planung.

    Der SunnyBoy 5.0 ist einphasig und kann nur mit 4,6kVA einspeisen.

    Das wären 58% der Generatorleistung, bei cosPhi 1 des WR.

    Ist ein anderer cosPhi festgelegt, verschlimmert das das ganze weiter.

    Ist die Anlage mit Ersatzstromfunktion gebaut wordern? Also, daß bei Stromausfall das Haus aus dem Speicher versorgt wird und die PV-Anlage den Speicher laden und das Haus versorgen kann?

    Falls ja, sollte ein zweiter einphasiger Wechselrichter verbaut werden.

    Auch wenn nicht: ein dreiphasiger wird aber wahrscheinlich keinen Sinn ergeben, da 6 Module pro String eine zu geringe Spannung für ein dreiphasiges Gerät ergeben.


    Im Datenblatt des SB 5.0 steht übrigens max. Generatorleistung 7,5kWp.

    Allein das reicht bereits, eine Nachbesserung in Form anderer WR zu verlangen.


    Wie sind die 2x6 Module für Ost und West verschaltet?

    Zwei Strings parallel an einem Tracker?

    Wenn dem so ist, liegt der nächste Mangel vor.

    Abgesehen von den unterschiedlichen Ausrichtungen, erfordert der SB5.0 mind. 175V, damit der MPP arbeiten kann.

    Unter STC sind es aber bereits nur 197V. Wenn die Module heißt werden, wird die Mpp-Spannung des Strings wahrscheinlich die 175V unterschreiten.

    Der nächste Punkt wären die max. 15A pro Tracker.

    I(Mpp) liegt bei den Module bei 9,65A. Mit zwei Strings parallel wäre man aber deutlich über den 15A.

    Auch wenn die Module nach ost und west schauen, so werden diese gegen Mittag die 15A in Summe reißen können.


    Also, meine Empfehlung:

    Den SB5.0 für die 13 Süd-Module in einem String.

    Für die 2x6 Module einen SB4.0, da bei diesem der MPP ab 140V läuft. Dazu hat man dann pro 6er-String einen Tracker.

    Bei der WR-Größe nicht vergessen, daß diese auch Blindleistung bereitstellen müssen.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 38kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Vielen Dank für die Schnelle Antwort! Zu den Fragen im Einzelnen:


    - Ja, es ist eine Notstromlösung installiert (ich verstehe: das spricht also bereits für einen zweiten WR anstatt eines 3-phasigen)

    - Das mit den max. 7,5 kWp Generatorleistung ist mir auch aufgefallen

    - Ja, die 2x6 Module Ost/West sind parallel an einem Tracker.


    Dann werde ich morgen nur einen Teil der Rechnung überweisen und Nachbesserung fordern. Hoffentlich passt ein zweiter WR noch in den Raum, die Wände sind schon recht gut belegt inzwischen...

  • die 13 Südmodule an einen SB4 mit z.B (genau simulieren) 3250W

    die 6O/6W an einen SB3 mit 2438W?

    Wie kommst Du auf 3250W und 2438W?

    Das sind 315W-Module.

    Da ein Speicher vorhanden ist, würde ich die WR auf max. Leistung + etwas Luft für Blindleistung auslegen.


    Wenn man das sauber aufbaut muss der Sunny Storage übrigens auf die dritte "freie" Phase.

    Da streiten sich oft die Geister.

    Wenn viel PV-Leistung, wird der Speicher eher laden als entladen.

    Somit würde eine Installation auf die freie Phase die Schieflast noch verschlimmern.

    Ich würden den Speicher dann auf die Phase des Südfelds hängen.

    Die Wahrscheinlichkeit ist gering, daß mehr als 4,6kVA Schieflast auftreten werden.

    Da müßte im Haus schon viel laufen.

    Und wenn im Haus ein Teil der großen Lasten auf der "Speicherphase" hängt ist das egal.

    Die Schieflastregel gilt am Netzübergabepunkt, nicht innerhalb des Haushalts.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 38kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
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    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Dann werde ich morgen nur einen Teil der Rechnung überweisen


    GAR NICHTS BEZAHLEN

    Da muß ich Green_Pirate zustimmen.

    Nichts bezahlten, bis das geklärt ist.

    Sonst verliert man das einzig wirksame Druckmittel.

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  • Ich bin kein Jurist, aber ich möchte dazu noch einwerfen, dass du vermutlich keinen Anspruch auf eine 100% korrekt geplante Anlage hast. Du hast einen Vertrag über und deshalb Anspruch auf die Anlage, so wie sie geplant war. Das mit der Fehlplanung sehen Gerichte regelmäßig wesentlich lockerer als die Profis hier im Forum. Sonst wäre jeder verkaufte Speicher "illegal", weil falsch beraten.

    Also Versuche ein möglichst konstruktives Gespräch mit deinem Solarteur.

    Grüße

    Ben

  • Man hat Anspruch auf eine einwandfrei funktionierende Anlage.

    Wenn nur max. 58% der installieten Leistung überhaupt nutzbar sind, ist das ein erheblicher Mangel.

    Dann haben wir noch die Punkte Blindleistung und MPP-Bereich.

    Dadurch schätze ich max. 4,2 bis 4,3 kW Wirkleistung sind möglich.

    Das sind Ertragsverluste, die richtig schmerzen. (ca. 20% Minderertrag übers Jahr)

    Auch legt man nicht zwei unterschiedliche Ausrichtungen parallel auf einen Tracker.


    Dazu wird der WR außerhalb seiner Spezifikationen betrieben (P-peak, I-peak).

    Das führt i.d.R. zum Ausschluß der Herstellergarantie.


    Es geht beim Thema Fehlplanung nicht darum, was wirtschaftlich richtig wäre, sondern was technisch erforderlich ist.

    Und technisch ist das eine Fehlplanung.

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