Mein erstes Mal Umsatzsteuervoranmeldung

  • Hallo liebe Mitleser und Helfer,


    mein Name ist Karl und ich bin 64. Weil meine beiden Enkel bei den FrideysForFuture mitmachen, haben wir uns eine Solaranlage montieren lassen. Wir haben zwar nur ein kleines Häuschen und keine großen Ersparnisse, aber ich finde, daß unsere Generation viel zu lange nichts gemacht hat, und ich will daß unsere Enkel noch eine Zukunft haben!!


    Ich muß jetzt zum ersten Mal über die Elster Internet Seite die Steuervoranmeldung machen. Ich habe viel dazu gelesen, aber nicht alles so richtig verstanden und möchte daher nochmal nachfragen, bevor ich etwas Falsches zum Amt schicke! Bitte reißt mir für blöde Fragen nicht den Kopf ab. Ich möchte das alles gerne verstehen und nicht blind die Daten in ein Programm eingeben!


    1. Von mir bezahlte Umsatzsteuer auf den Kaufpreis der Anlage (oder Gebühr für neuen Zähler und solche Dinge) würde ich eintragen auf Seite 8 Nr. 53 ("Vorsteuerbeträge aus Rechnungen von anderen Unternehmern"), aber nur die Steuern, nicht den Gesamtpreis. Richtig? Muss der Gesamtpreis auch irgendwo eingetragen werden?


    2. Steuer auf eigenen Verbrauch: berechne ich aus Eigenverbrauch * 0,19 * (Netto-Preis pro kWh für Strombezug + Netto-Grundgebühr/Jahresverbrauch), bei 100 kWh also so ca. 6 Euro (muss ich Sonntag genau ausrechnen, wenn ich den Zähler ablese). Ich habe aber kein passendes Feld in Elster gefunden, wo gebe ich die 6 Euro an?


    3. Wenn ich von meinem Stromnetzbetreiber einen Abschlag für die Solarstromvergütung bekomme - wo trage ich das ein? Mit oder ohne Steuer?


    4) Wenn ich vom Finanzamt Umsatzsteuer erstattet bekomme - muss ich das auch in der Voranmeldung angeben? Oder nur in der Jahres-Umsatzsteuer-Erklärung?


    5. Habe ich vielleicht noch etwas vergessen, was ich eintragen muss?


    Vielen Dank für Eure Hilfe!


    Euer Karl

  • Hallo Karl,

    herzlich willkommen im Forum. Hier wird dir niemand den Kopf abreißen. Es gibt nämlich keine blöden Fragen - höchstens doofe Antworten :).


    Zu 1:

    Zeile 53 stimmt. Ebenso deine Annahme, hier nur die Vorsteuern einzutragen. Der Gesamtpreis (Bruttopreis) ist nirgends anzugeben. Der Nettopreis hingegen schon: Die Herstellungskosten der Anlage dienen als Bemessungsgrundlage für die Abschreibung der Anlage. Bei sonstigen Kosten: Da sind die Nettobeträge Betriebsausgaben und kommen in das jeweilig passende Konto.


    zu 3 (passt erklärungstechnisch besser hier):

    Vergütungen kommen in der USt-VA in Abschnitt 4 - Lieferungen und sonst. Leistungen (steuerpfl. Ums.), Zeile 26. Du trägst hier den Nettowert ein (Umsatzsteuer wird immer aus dem Nettowert berechnet).


    Zu 2:

    Du hast einen ungewöhnlich günstigen Strompreis, wenn die 19 Cent/kWh tatsächlich alle Nebenkosten enthalten. Wie du auf die 6 € kommst, erschließt sich mir nicht ?(

    Grundsätzliches:

    Es gibt im Formular USt.Voranmeldung kein eigenes Feld für "unentgeltliche Wertabgaben" (ueWA = Nettowert des Eigenverbrauchs für die Umsatzsteuer).

    Du berechnest die ueWA mit der Formel Eigenverbrauch-kWh * Nettostrombezugspreis. Den Wert der unentgeltlichen Wertabgabe addierst du zu dem Vergütungsbetrag in Zeile 26.


    Zu 4: Die Rückerstattung wird in der USt-VA nicht angegeben. Das ist ein Wert für die EÜR.


    mfg

    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise-, Direktverbrauchs-Anlagen und Kombinationen beider Arten
    DV-Tools auch für MAC OS - DV-Tools für je 1 Anlage auch mit KUR
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

  • Hallo Paulchen,


    vielen Dank, daß Du mir so nett und so ausführlich geantwortet hast!


    Zu 1. Die Herstellungskosten der Solaranlage und sonstige Ausgaben (netto) sind aber für die Voranmeldung nicht relevant, sondern erst bei der jährlichen Steuer, oder? Ich habe zumindest kein Feld für den Eintrag gefunden, sondern gebe nur die Steuer an?

    Zu 2. Meine Stromkosten liegen mit umgelegter monatlicher Gebühr bei circa 30 Cent netto pro kWh. Also eine Steuer von 0,19 * 100 kWh * 0,3 Euro pro kWh ~ 6 Euro. Wenn ich Dich richtig verstehe war aber mein Fehler, daß ich bereits die Steuer (* 0,19) ausgerechnet habe, aber stattdessen den Netto-Preis (100 kWh * 0,3 Euro pro kWh = 30 Euro) zu Zeile 26 addieren muss?


    Also nochmal an meinem Beispiel mit gerundeten Zahlen:

    * Anlage netto 6000 Euro + 1140 Euro Steuer

    * neuer Zähler vom Stromnetzbetreiber 150 Euro + 28,50 Euro Steuer

    * eigener Stromverbrauch 100 kWh zu 30 Cent = 30 Euro

    * Abschlag vom Stromnetzbetreiber 35 Euro


    Zeile 26: 30+35 = 65 Euro (Abschlag + eigener Verbrauch) trage ich ein, die Internet Seite vom Amt berechnet dann die Steuer

    Zeile 53: anders als in Zeile 26 trage ich hier 1140+28,50 = 1168,50 Euro (Steuer auf Anlage + Steuer auf Stromzähler) direkt ein.


    Bei Kennzahl 83 steht dann als Ergebnis -1156,15, also kriege ich diesen Betrag erstattet?


    Sonnige Grüße


    Karl

  • Die VSt gehört vereinfacht gesagt in die USt des Monats der Zahlung (der VSt).


    Gute und faire EVU in meiner Signatur. Wenn dein Grundpreis Mengenunabhänig ist nimmst du den NETTO-Strompreis. Die 19% darauf * Eigenverbrauch sind die unentgeltliche Wertabgabe. Dieser Wert kann bis zur UStE zurückgehalten und jährlich gemeldet werden.


    Netto-Abschlag ist als Netto-Umsatz anzugeben. Den EV wie gesagt in der Jahreserklärung machen, sonst ist das zu viel Gefummel wegen ein paar Euro.

  • Deine Berechnungen sind richtig. Ich habe sie testweise in mein Programm eingetragen und bekomme das gleiche Ergebnis.



    Das FA zahlt dir den negativen Betrag aus. Du solltest dem FA Kopien der Rechnungen über die PV-Anlage und auch über den Stromzähler zusenden, dann sollte die Rückerstattung etwas schneller gehen. In Zukunft bekommt das FA aber keine Belege mehr!


    Zum Vorschlag von pflanze, den EV erst in der Umsatzsteuererklärung abzugeben:


    Die "reine Lehre" ist: Der EV ist in dem Monat anzugeben, in dem er anfällt. Bei den Steuerbeträgen, um die es hier geht, hat der Sachbearbeiter aber sicher nichts dagegen, wenn man den EV jährlich angibt.


    Aber: Den Jahres -EV erst in der Umsatzsteuererklärung anzugeben, würde ich nicht empfehlen. Dann unterscheiden sich nämlich Voranmeldungen und Erklärung von den Beträgen her und das veranlasst die Sachbearbeiter, ganz genau hinzusehen...


    Wenn man den EV in einem Betrag deklarieren will, dann bitte unbedingt in der Dezember-Voranmeldung! Dann stimmen Voranmeldungen und Ust-Erklärung nämlich zusammen und der "Oha!-Effekt" beim SB bleibt aus, weil die Zahlen passen.


    mfg

    Paulchen

    Excel-Tools mit VBA-Makros zu Buchführung und Steuer für PV-Anlagen:
    Einspeise-, Direktverbrauchs-Anlagen und Kombinationen beider Arten
    DV-Tools auch für MAC OS - DV-Tools für je 1 Anlage auch mit KUR
    Informationen unter https://www.pv-steuer.com

  • Volle Zustimmung!

    EV gehört bei Abweichung von der "reinen Lehre" in den Dezember bzw. Q4 statt in die UStE.

  • Ähnliche Frage daher hänge ich mich hier ran:


    Ich habe auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet und mich der Umsatzsteuerpflicht unterworfen. Das wurde mir auch genehmigt. Nun soll ich für die letzten Monate Mai und Juni meine Umsatzsteuer angeben. Da ich noch keine Vergütung vom VNB bekommen habe muss ich in die Umsatzsteuer-Voranmeldung überall 0€ eintragen, richtig?


    Die Steuern, die ich für die Herstellung bezahlt habe muss ich nicht in die USt-VA sondern in die normale Umsatzsteuererklärung eintragen? Kann ich die mehrmals im Jahr machen oder muss ich da bis zum Ende des Jahres warten? Wäre schön die Erstattung noch vor dem Jahresende zu haben.


    Das FA fragt auch nach meinem Stromvertrag, also nicht nach dem Einspeisevertrag sondern nach dem des Bezugs. Muss ich den liefern? Brauchen die das wegen der Eigenverbrauchsrechnung?

  • Also die Umsatzsteuer kannst du auch bei der USStVoranmeldung gleich mit rein nehmen und einige Tage später ist das Geld dann wieder bei dir.

    Meine Anlagen:
    1.) 31 x NeMo 60P-260W, poly. DN 32 Grad, 17xOst/14xWest,
    WR Symo 8,2; 3-phasig, 2 MPP- Tracker.
    2.) 6 x NeMo 2.0 60M-300W, mono, DN 26 Grad, Süd, WR Galvo 1,5; 1-phasig
    SENEC. Home V2.1 LI 7,5 Speicherkapazität

  • Also die Umsatzsteuer kannst du auch bei der USStVoranmeldung gleich mit rein nehmen und einige Tage später ist das Geld dann wieder bei dir.

    Ah super, in welcher Zeile gebe ich die Umsatzsteuer an? Ich hatte im ersten Beitrag vergessen, dass ich ja noch dein Eigenverbrauch in den ersten zwei Monaten angeben muss, die hatte ich ja trotz noch fehlender Einspeisevergütung.