Entscheidungshilfe zur Größe und Art der PV-Anlage

  • Hallo zusammen,


    seit ein paar Tagen hat mich das Thema Photovoltaik fest in seinen Bann gezogen. Ich habe versucht mich bestmöglich hier im Forum einzulesen, es stellen sich mir aber sehr viele Fragen, die ich einfach nicht selbst beantworten kann. Oft sind die Optionen klar, aber ich kann nicht wirklich abschätzen, wie diese zu bewerten sind.


    Zum Haus:

    Es ist ein freistehendes Haus (Baujahr 1975) mit Doppelgarage. Das Haus hat ein normales Satteldach mit Betonziegeln. Die Fläche beträgt ca. 11,5m x 7m für eine Hälfte, Dachneigung ca. 23°. Die Ausrichtung der vorderen Seite ist ungefähr 150° - 160°, also Süd-Süd-Ost. In der Mitte des Dach, ziemlich nah am First ist ein Schornstein. Ansonsten gibt es noch 2 Masten für Sat-Anlage (könnte an die Giebelwand verlegt werden) und Stromhausanschluss.

    Die Ausmaße der Garage betragen 7m x 10m (doppelte Länge). Es ist ein Flachdach mit Folie (Alwitra).


    Motivation:

    Eigentlich geht es mir darum, meinen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Irgendwie hat mich vor ein paar Tagen das Thema Autarkie und Speicher/Akku sehr fasziniert, obwohl ich schon vor Jahren zu dem Schluss kam, dass ein Speicher eigentlich nie sinnvoll sein kann, so lange es eine Einspeisevergütung gibt. Aber vielleicht hat sich das ja in der Zwischenzeit geändert, dachte ich.


    Ich bin also davon ausgegangen, dass ich eine nicht allzu große Anlage auf der nach Süden gerichteten Dachhälfte errichten könnte. Ein Speicher würde dafür sorgen, dass der selbst verbrauchte Strom zu großen Teilen selbst erzeugt worden wäre. Hörte sich eigentlich alles sehr gut an. Doch nachdem ich mich hauptsächlich hier eingelesen habe, bin ich nun anderer Auffassung, nämlich:

    • möglichst große Anlage
    • kein Speicher

    Neben der schlechten Wirtschaftlichkeit der Speicher hat mich vor allen Dingen das Argument, dass eine möglichst große Einspeisung auch ihren Beitrag zur Energiewende beitragen würde, überzeugt.


    Also wäre meine jetzige Variante eine möglichst volle Belegung aller Flächen. Es stellen sich aber ein paar Fragen:

    • Ist es sinnvoll, die nach Nord-Osten ausgerichtete Dachfläche voll zu belegen? Bringt die überhaupt genug?
    • Wenn schon fast vollständig belegt werden würde, dann frage ich mich, ob eine Dachsanierung vorher anzuraten wäre (Unterspannbahn ist überall brüchig), schließlich ist das jetzige Dach über 40 Jahre alt. Am liebsten wäre mir in diesem Fall eigentlich, dass die Solarmodule selbst das komplette Dach bilden würden. Es geht mir also schon ein wenig um die Ästhetik, insbesondere bei der nach vorne gewandten Dachhälfte (Garagendach und hinteres Dach sind nicht so wichtig, da man sie nicht wirklich sieht).
      Was ist hier sinnvoll?
      • Solardachziegel (SolteQ): eher suspekter Eindruck, sieht gut aus, hat aber viele Nachteile
      • Solarwatt EasyIn: überzeugt mich eigentlich, leider gibt es wenig Erfahrungen aus jüngster Zeit
      • Indachsysteme mit "normalen" Modulen ("Solrif"): Wie sind hier die Erfahrungen?
      • andere Vorschläge? (Aufdach mit schwarzen Modulen?)
    • Wie würde man das Flachdach am besten belegen?


    Ich habe mal ein paar Bilder angehängt. Entstanden sind die heute um ca. 12:30 Uhr. Die Sonne scheint dort ziemlich frontal auf das vordere Dach, was mich eigentlich etwas wundert. Schließlich ist es ja nicht genau nach Süden ausgerichtet. Hat das vielleicht mit der Sommerzeit zu tun?


    Ich bin für jegliche Ratschläge und Tipps dankbar. Diese müssen sich nicht an dem orientieren, was ich oben vorgegeben habe. Ich stehe noch ziemlich am Anfang und bin noch nicht gefestigt in dem was ich möchte.


    Vielen Dank im Voraus und viele Grüße,

    Philip

  • Der Ansatz Dach frei machen und Vollbelegung bei 23° DN passt, die Freileitung stört. Könnte die im Rahmen der Sanierung entfernt werden? Ist kein Schnäppchen, aber möglicherweise als PV-Kosten absetzbar?

  • Ich würde eine (energetische) Dachsanierung prüfen - ggf mit KfW-Förderung? Als günstige, meiner Meinung nach optisch stimmige Dacheindeckung würde ich Trapezblech empfehlen und die Garage gleich mit einem Pultdach (wenn erlaubt) , nach Südwesten geneigt ausstatten und (ohne Dämmung) ebenfalls mit Trapezblech eindecken. Alternativ: nach SW aufständern.

    Die in diesem Zug installierte PV kann dem Haus (finde ich) eine richtige Aufwertung verpassen!

    Auf dein Hausdach passen nach “Bereinigung“ ziemlich sicher 4x11 Standard Module. (wenn du es wünscht auch schwarz). Vergiss die Indach oder Solarziegel - der Markt ist viel zu klein als dass diese Produkte wirtschaflich mit “Stangenware“ mithalten können.


    Die Kombi Haus+Garagendach bietet mit den verschiedenen Ausrichtungen ein gutes Tagesprofil.

    NO kann man bauen - ist unter 700kWh/kWp kein Ertragswunder und würde für mein Geschmack erst nach der Garage Beachtung finden - zum nahe an die 30kWp bauen würde ich es mir aber überlegen!


    Gruß Flo

  • Vielen Dank für die bisherigen Antworten. Mir ist ein Fehler unterlaufen. Es ist natürlich ein Nord-West-Dach und kein Nord-Ost-Dach. Ist es dennoch eher unrentabel?


    Die 2. Garage habe ich gerade erst letztes Jahr angebaut. Dabei ist auch das Dach neu gemacht worden. Deshalb möchte ich jetzt ungern dort Trapezblech drauf machen. Ich hatte damals auch über ein Pultdach nachgedacht. Es wäre aber zu aufwendig geworden, weil dann das höhere Ende vom Pult über das Hausdach hinausgeragt hätte. Deshalb bin ich beim Flachdach geblieben.


    Dass die Indach-/Solarziegel-Lösung eher schlecht ist, das dachte ich mir schon. Es gab einfach zu wenig Erfahrungsberichte, insbesondere bei den solarziegeln und nirgends fand man einen Preis dafür.


    Wenn das Dach mit Trapezblech belegt würde und man darauf dann die PV-Anlage montieren würde, wie wäre das dann optisch? Steht die PV-Anlage dann auch so ab? Kann man das irgendwie so machen, dass es wie eine Fläche aussehen könnte?


    Nochmals vielen Dank,

    Philip

  • Bei Freileitung würde ich erst mal Anfragen wieviel überhaupt geht, 30kWp halte ich für eher unwahrscheinlich. Außerdem, ob das demnächst vielleicht in die Erde verlegt wird (u.a. auch, weil es den EE-Ausbau begrenzt).

    Die Freileitung muß für die Arbeiten am Dach isoliert werden, manch VNB macht das kostenlos, andere verlangen was dafür, dann ist dasein zusätzlicher Kostenpunkt.

    Wenn Dachsanierung, dann natürlich vorher. Das DG dürfte aber ohnehin nicht ausbaubar sein, weil die Stehhöhe fehlt, dann sehe ich persönlich auch keinen Sinn das zu isolieren, da macht man die oberste Geschoßdecke. Trapezblech sollte man so machen, daß es vollständig von der PV bedeckt ist, also notfalls etwas am Dachüberstand ändern. Wer da keinen Blick dafür hat, sieht das dann nicht ;)

    Der VNB ist keine Rechtsberatungsstelle für Betreiber für Fragen zum EEG.

  • Hallo,

    Habe auch Nord-Ost (-110) mit 32 Modulen belegt, dazu Süd-West (250) mit 36 und Süd (160) wobei Süd 180 Grad mit 21 (PLZ 67...)

    Mit 26,7 kWp gibt es selbst im Dez 380 kWh und im Januar sogar 500 kWh

    Kann man gut mit PVgis ausrechnen.

  • Solardachziegel sind unausgereift, nicht marktfähig und teuer. Auf der Intersolar war ein belgischer Hersteller, der sprach (wenn ich mich richtig erinnere) von 300€ je Quadratmeter (10 Ziegel).


    Von Lösungen mit Solrif härt man nichts schlechtes, in der Schweiz sieht man das öfters und das gibt sehr schöne, geschlossenen Dächer. Ist halt auch einiges teurer und passt meiners Erachtens optisch überhaupt nicht zu deinem Haus und deiner Flachdachgarage.


    AxSun macht auch Module mit Solrif-Rahmen.

  • Bei Freileitung würde ich erst mal Anfragen wieviel überhaupt geht

    Also ich habe gerade bei Westnetz angerufen. Dort wurde mir gesagt, dass bis 30kWp ein vereinfachtes Antragsverfahren gemacht würde. Es gäbe allerdings nicht die Möglichkeit im Vorfeld anzufragen, wie viel Leistung denn eingespeist werden könne. Das müsse immer über den Antrag laufen.


    Die Freileitung muß für die Arbeiten am Dach isoliert werden

    Die Freileitung ist vor 1-2 Jahren neu gemacht worden. Wenn ich es richtig sehe, dann ist die nun isoliert. Vorher waren es mehrere einzelne Leitungen, nun ist es ein gebündeltes Kabel.



    Wenn Dachsanierung, dann natürlich vorher. Das DG dürfte aber ohnehin nicht ausbaubar sein, weil die Stehhöhe fehlt, dann sehe ich persönlich auch keinen Sinn das zu isolieren, da macht man die oberste Geschoßdecke.

    Alles genau richtig. Oberste Geschossdecke ist bereits gedämmt. Ein Ausbau des DG ist nicht vorgesehen.



    Von Lösungen mit Solrif härt man nichts schlechtes, in der Schweiz sieht man das öfters und das gibt sehr schöne, geschlossenen Dächer. Ist halt auch einiges teurer und passt meiners Erachtens optisch überhaupt nicht zu deinem Haus und deiner Flachdachgarage.

    Was wäre denn Deine Empfehlung, also insbesondere im Hinblick auf das Aussehen? Trapezblech mit voller Bedeckung? Gibt es dazu eventuell Beispielbilder? Also nicht zur Befestigung sondern wie das dann mit voller Belegung aussieht?


    Dunkles Trapezblech mit schwarzen Modulen in voller Belegung würde vermutlich ganz gut aussehen.

  • Wenn die Optik so eine große Rolle spielt, sind sicher schwarze Module als geschlossene Fläche das schönste, wobei ich eigentlich der Meinung bin, dass man Technik auch sehen darf, sprich die Modulstruktur wie bei "normalen" Modulen auch zu sehen sein darf.

    Aufpassen muss man halt bei der Montage, oft stehen die Module sehr weit vom Dach weg, das schaut dann nicht so klasse aus. Quermontage ist da ganz extrem. Idealerweise ein flach bauendes Einlagesystem verwenden (siehe meine erste Anlage in der Signatur)...ist halt schwer zu bekommen, die allermeisten Solateure verbauen nur Klemmsysteme.