PV-Strom an Gewerbebetrieb verkaufen?

  • Huhu,


    ich lese jetzt seit einigen Tagen in diesem Forum und habe sehr viel gelernt. Gerne möchte ich euch mein Vorhaben vorstellen, auch weil ich auf einige offene Fragen noch keine klare Antwort gefunden habe.


    Ich möchte eine PV-Anlage (voraussichtlich ca. 15-16 kWp = Vollbelegung, kein Speicher) auf dem Dach eines Hauses installieren. Ich bin (zusammen mit meiner Frau) Teil der Eigentümergemeinschaft. Alle restlichen Eigentümer würden uns das Dach ohne Gegenleistung zur Verfügung stellen (das bekommen wir schriftlich). Den produzierten Strom möchte ich an die Apotheke im Erdgeschoss verkaufen (Überschuss wird eingespeist). Das ist der Teil des Gebäudes, der auch in unserem Besitz ist. Die Geschäftsräume sind entsprechend von meiner Frau und mir an die Apotheke vermietet. Inhaberin der Apotheke ist meine Mutter, ich werde den Betrieb in den nächsten Jahren von ihr übernehmen. Falls später irgendwie relevant: Meine Frau könnte die PV-Anlage natürlich auch betreiben.


    Von folgendem gehe ich aus:


    Für den eingespeisten Strom bekomme ich ganz normal die aktuelle Einspeisevergütung.


    Nicht klar ist mir, wie genau der von der Apotheke genutzte Strom zu behandeln wäre. Ist das noch "Eigenverbrauch"? Folgendes hoffe ich: Ich würde den Strom an die Apotheke verkaufen (zum marktüblichen Kurs z.B: 0,27€/kWh), von den Einnahmen natürlich Umsatzsteuer abführen und 2,6 Cent / kWh EEG-Umlage zahlen (weil Anlage >10kWp). Ist es so einfach? Oder muss ich die volle Umlage (6,4 Cent / kWh) zahlen weil ich den Strom nicht selbst verbrauche? Gibt es weitere Stolpersteine? Was passiert wenn ich selbst Inhaber der Apotheke werde?


    Meine Beweggründe für die Anschaffung sind übrigens ganz primär ökologischer Natur, das Projekt muss also nicht bis ins letzte Detail ökonomisch optimiert sein. Trotzdem will ich am Ende nicht draufzahlen.


    Ich hoffe meine Gedanken sind halbwegs verständlich und ihr könnt Licht ins Dunkle bringen. Ich werde das Thema zwar auch mit unserem Steuerberater besprechen, bezweifle aber, dass er mehr Erfahrung damit hat als manch einer hier :mrgreen:!


    Ich freue mich auf eure Einschätzung

    Liebe Grüße

    Thomas

  • Solange dir die Apotheke nicht gehört, ist es Stromverkauf an einen Dritten und somit voll EEG-Umlagenpflichtig.

    Bist du Inhaber, musst du auch gleichzeitig Betreiber der Anlage sein, erst dann entfällt die Umlagenpflicht.

  • okay danke, das hatte ich inzwischen befürchtet. Aber gut, das würde bedeuten:


    1.) Die Anlage betreibe ich selbst, damit die Umlage ab dem Zeitpunkt der Apothekenübergabe wegfällt (bzw. auf 40% sinkt je nachdem was sich gesetzlich getan hat). Die Anlage muss dafür nicht im Firmeneigentum sondern nur im Besitz des Apothekeninhabers sein, richtig?


    2.) Ich muss in den ersten Jahren von den beispielhaft gewählten 0,27 Cent / kWh die mir bezahlt werden 19% Mehrwertsteuer und 6,4 Cent EEG-Umlage abführen -> es bleiben 16,2 Cent / kWh. Das ist immerhin mehr als die Einspeisevergütung. Wenn meine Berechnungen (mit Unterstützung von diversen Rechnern im Netz) stimmen, würde sich die Anlage selbst bei einer dauerhaften Volleinspeisung noch innerhalb von ca. 16 Jahren amortisieren. Das wäre dann der Worst-Case. Es ist sogar ein überdurchschnittlicher Eigenverbrauch zu erwarten, z.B. weil die Apotheke im Sommer wenn die Sonne scheint parallel viel Strom für die Klimaanlage benötigt (die Lager-Temperatur muss dauerhaft unter 25°C gehalten werden).


    Gibt es noch mehr zu beachten?


    Gruß & einen schönen Abend

    Thomas

  • Wenn Du das Vorhaben als Mieterstrom beantragt werden dir etwas mehr als 3cent/kWh zurückerstattet. Der Strompreis, den Du verlangst muss 10% unter dem ortsüblichen liegen. Dem Stromkäufer muss die Möglichkeit des Wechselns gegeben werden. In Eurem Fall sieht das ziemlich gut aus, weil Ihr Euch einig seid.

    Zu Beachten sind die Meldepflichten. Ihr werdet Stromanbieter!

    Idealerweise wird Die Mutter Betreiberin und mit Übergang der Apotheke geht auch die Apotheke an Euch.

  • Werde ich nicht sowieso Stromanbieter? Oder geht das noch über das normale hinaus? Falls ja - wo kann ich mich da informieren?


    Das mit dem Mieterstrom schaue ich mir an, danke!


    Meine Mutter als Betreiberin bis Übergabe wäre wohl das wirtschaftlich sinnvollste, aber sie hat keine Lust auf den Aufwand :P, ich möchte sie deshalb aus dem Vorhaben so weit wie möglich raushalten.

  • Der Aufwand ist absolut überschaubar.

    Wenn Ihr an Dritte liefert, werdet Ihr Stromanbietern gleichgestellt, anders als wenn nur eingespeist und selbst verbraucht wird. Habe gerade leider nicht im Kopf wo das nachzulesen ist.


    Schau mal bei discovergy und da bei Mieterstrom.


    Ist das alles zu umständlich, macht Ihr Volleinspeisung und ändert das nach der Übergabe in Überschusseinspeisung.

  • Nach den Informationen die ich gefunden habe (https://www.pv-mieterstrom.de/), ist die Förderung des Mieterstroms auf Wohngebäude beschränkt. In meinem Fall handelt es sich jedoch um ein überwiegend gewerblich genutztes Gebäude.. :rolleyes: Trotzdem gute Idee, danke!


    1. b) Die PV-Anlagen müssen an oder in einem Wohngebäude installiert sein. Ein Wohngebäude liegt nach dem Mieterstromgesetz bereits dann vor, wenn mindestens 40 Prozent der Fläche des Gebäudes dem Wohnen dienen.

      Hinweis: Das bedeutet, der Mieterstromzuschlag wird dem Betreiber ge- zahlt, wenn der auf dem Dach des Wohngebäude erzeugte Strom sowohl im Wohngebäude, als auch in räumlicher Nähe ohne die Nutzung des öf- fentlichen Netzes verbraucht wird, z.B. in der e-Tankstelle in der Garage oder von Bewohnern des Nachbarwohngebäudes, das Teil der Kundenan- lage mit gemeinsamen Hausanschluss ist.

  • Machs auf dich wenn sie nicht möchte. In wie vielen Jahren übernimmst du?


    Ob sich Mieterstrom für wenige Jahre rentiert müsstest du ausrechnen. Es heißt der sei kompliziert.

    Mach mit deinen Eigentümern einen Vertrag der dir 30-35 Jahre Nutzung des Daches ermöglicht. Du weißt nicht wie der Wind in 20 Jahren weht.

  • Ich habe das Thema mit den neuen Informationen aus diesem Beitrag gerade mit meinem ,,Solarteur" besprochen.

    Er behauptet, das Problem mit der EEG-Umlage ließe sich ganz einfach umgehen, indem ich den Stromzähler auf mich laufen lasse, selber mit dem Stromanbieter abrechne und meiner Mutter dann den Gesamtstrom verkaufe (Eigenproduktion + Zukauf). Klingt zwar logisch und einfach, die große Frage ist aber: Ist das erlaubt? Ich mag da nicht in irgendwelche Grauzonen rutschen und schon gar nichts illegales anfangen.


    Danke & Gruß

    Thomas

  • Wie kommt der denn auf so ein schiefes Brett? Dann könnte jeder die EEG-U umgehen... Nee, so läuft das nicht.


    Nochmal: Wann übernimmst du die Apotheke?