PV Anlagenplanung bei zerklüftetem Dach

  • Guten Tag Freunde der Sonne,


    ich bin ein absoluter Laie in Sachen Photovoltaik – daher bitte ich vorab schon einmal Fehler in meinen Auslegungen zu verzeihen.


    Ich plane aktuell eine PV-Anlage auf meinem Dach installieren zu lassen. Nach Recherche in diesem Forum distanziere ich mich bereits von meinem ursprünglichen Ziel – neben einer möglichst hohen Eigenverbrauchsquote - den „überschüssigen“ Strom zu speichern und damit bspw. die Heizung zu unterstützen (Stichwort: Heizstab im Warmwasserspeicher). Neues Ziel ist nun – neben der hohen Eigenverbrauchsquote – möglichst viel Strom zu generieren und diesen einzuspeisen.


    Nach anfänglicher Euphorie über die Rahmenbedingungen, musste ich bei genauerer Betrachtung des Daches allerdings feststellen, dass die Fläche aufgrund der Fenster, Gaube, Solarthermie-Kollektoren, Schornstein und Satellitenschüssel doch relativ begrenzt ist. Ich hoffe nichtsdestotrotz ein rentables Ergebnis im Rahmen der gegebene Möglichkeiten erzielen zu können und in diesem Kontext auf euren Rat.


    Zu den Rahmenbedingungen:

    o   Art: Satteldach

    o   Ausrichtung: Süd-West (ca. 30° Süd)

    o   Dachfläche: 7,7 m (Sparrenlänge) x 12,6 m (Firstlänge)

    o   Dachneigung: ca. 39°


    Es sind bereits drei Solarthermie – Flachkollektoren auf dem Dach installiert. Die Leitungen der Solarthermie-Kollektoren wurden im Rahmen der Dachsanierung vom Vorbesitzer durch einen freien Schornsteinschacht in den Keller geführt. Der Stromkasten befindet sich aber (leider) im Erdgeschoss (und nicht im Keller) – das sollte aber irgendwie hinzubekommen sein.


    Zuzüglich zum Dach könnten auch die knapp 50 m² Flachdach der Garage „eingedeckt“ werden. Die Garage befindest sich (leider hinter dem Haus) somit dürfe das Thema „Beschattung“ eine große Rolle spielen.


    Sorge bereitet mir die bereits stark eingeschränkte Fläche des Daches. Was kann darauf überhaupt realisiert werden?


    Anbei sende ich Euch Fotos sowie eine Skizze, auf welcher ich versucht habe, die Module einigermaßen auf dem Dach zu platzieren. Berücksichtigt habe ich 60er Zellen Module (1700 x 1024). Könnte man das so versuchen?


    Ich zähle 27x60er Module – bei den LG NEON 2 Black Modulen könnten bis zu 325 Wp pro Modul erzielt werden. In Summe würde diese Konstellation insgesamt 270x325=8775 Wp ergeben. Passt das?

    Sollte im Hinblick auf die EEG das 50 m² Flachdach der Garage mitberücksichtigt werden? Ist das bei der Ausrichtung überhaupt kosteneffizient?


    Eine weitere Frage in diesem Zusammenhang stellt sich mir bzgl. der Absetzbarkeit beim Finanzamt. Kann ich das Vorhaben in zwei Teile splitten (als erst das Dach und später die Garage nachziehen) und dann beide „Anschaffungskosten“ separat steuerlich geltend machen, oder gilt der zweite Teil (also die Garage) als Erweiterung und kann dann nicht mehr abgesetzt werden?


    Eine weitere Frage leitet sich aus dem Wunsch einer halbwegs ästhetischen Lösung ab. Gerne würde ich die LG Neon 2 Black Module verbauen lassen in Kombination mit einem möglichst flachen Aufdach-Einlegesystem (wie bspw. das SEN SOL-50). Kann das jemand empfehlen bzw. gibt es Empfehlungen für alternativ „schicke“ Montagesysteme. Laufe ich mit den „Einlegesystemen“ nicht in dieselben Nachteile wie bei einer Indachmontage (schlechte Hinterlüftung, erhöhte Temperatur der Module – daher weniger Effizienz) oder ist das vernachlässigbar?


    Ein weiterer Punkt ist die Beschattung durch umstehende Bäume (die leider – dank Baumschutzsatzung - nicht fällbar sind). Mein Verständnis ist, dass es über Optimierer (verbaut an jedem Modul) möglich ist, beschattet Module aus einem String „herauszunehmen“ um den „restlichen“ String arbeiten zu lassen. Die Lösung von Solaredge habe ich als Wechselrichter Verstanden, der wiederum mit einem Chip ausgestattet ist, über welchen die einzelnen Module angesteuert werden können. Das Resultat sollte identisch sein – sich nur im Ansatz zwischen zentraler oder dezentraler Steuerung unterscheiden, richtig?

    Gibt es dafür Präferenzen bzw. Argumente für oder gegen eine Lösung. Ich tendiere aktuell für eine zentrale Lösung (also den Solaredge Wechselrichter) – ohne dafür allerdings Stichhaltige Argumente zu haben.


    Ich hoffe, dass hier jemand die Geduld aufbringt und den Post liest und mir auf meine Fragen eine Antwort bzw. einen Impuls geben kann.


    Besten Dank vorab für Euren Input!


    VG

  • Nachrüstung PV + Speicher (?) - Angebote liegen vor. ist die aktualisierte Version meiner FAQ - da sind viele wertvolle
    Hinweise und Tipps drin. Nimm dir etwas Zeit und mach teile uns die Ergebnisse aus PVGIS mit.


    Bauen in Etappen ist Murks, einmal richtig ist das Ziel. Warum in Etappen?

    Steuerlich könntest du jederzeit mehr bauen, das ist unschädlich.


    Von wann ist der Zählerschrank? Wenn der so alt ist wie das Foto dann dürfte da eine Nachrüstung fällig werden, d.h. du kannst den 2R-Zähler in den Keller setzen, daran die PV sowie parallel einen Bezugszähler (nach Möglichkeit auch gleich einen 2R-Zähler) und an letzteren den alten Kasten als Unterverteilung.


    Die Skizze kommt mir verzerrt vor - ich finde sie schwer zu lesen.

  • Hallo Vega,


    toll dass du dich entschlossen hast dein Dach genauer unter die Lupe zu nehmen - einiges kann ich schon sagen:


    Sowohl den SSO Dach als ggf auch die Gaube auf der NO Seite - auf jedenfall aber das Garagendach sind interessant und bedürfen genauer Begutachtung.

    Am einfachsten fällt her das Flachdach aus (wenn man seine Maße kennt) hier würde ich 15° nach Süden aufständern und gute Module (muss nicht LG sein) richtung 320Wp verwenden.


    Das SSO Dach kann man sicher so belegen wie du es skizziert hast man könnte die ST noch umlegen (z.B an den unteren Dachrand... aber da wo sie liegen füllen sie die Teilfläche abdererseits auch gut aus... Eine Möglichkeit die zumindest angesprochen werden sollte ist das Entfernen der ST. Hast du einen Wärmemengenzähler dafür verbaut? Bringen die Module eine nennenswerte Leistung?

    Ich würde eine Querbelegung sowie u.U 72Zeller in Erwägung ziehen - 27 ist zwar nicht wenig aber eine sehr ungünstige Modulanzahl - zu viel für einen, zu wenig für 2 Strings. Zusammenfassen mit den Garagenmodulen wäre ggf noch eine mögliche Option - dafür muss man hier aber intensiver hinschauen... (Dachmaße Flachdach)


    DIe Funktion von Optimierern hast du prinzipiell richtig verstanden wobei dem bei normalen WR Grenzen gesetzt sind - eine gewisse String-Spannung (=Un/wenig verschattete Modulzahl in Reihe) muss anliegen um die Einspeisung zu starten.

    Umgehen kann man das mit Solaredge oder Modulwechselrichtern - für beides finde ich dein Dach zu groß - das kann auch anders gehen! Wirtschaftlichkeit beginnt m kleinen - dazu sollte man zunächst die günstigste und die beste Lösung bestimmen - und dann einen kosteneffizienten Kompromiss bestimmen.


    Deine Dächer sind nicht schlecht - nur anspruchsvoll - bei >1000kWh/kWp wäre es schade nicht maximal zu bauen!


    Gruß Flo

  • Vielen Dank bereits für eure Rückmeldungen!!!!!


    Das Thema ist doch ziemlich komplex und wenn man gerade meint, etwas verstanden zu haben, steht man vor der nächsten Hürde (bspw. versuche ich gerade den Vor-/Nachteil/Unterschied bei Wechselrichtern bzgl. der Phasen zu verstehen?!?).


    Jeder Input, Hinweis hilft mir enorm - daher bereits besten Dank!!!


    Ich habe anbei das PDF aus PVGIS angehängt - wichtigste Informationen zwecks Kalkulation des Ertrages sind (vermutlich) "Yearly PV energy production" (989 kWh) und die "Yearly in-plane irradiation" (1220 kWh/m²).


    Auch habe ich ein Bild vom Verteilerschrank angehängt. Die Elektrik wurde 2007 erneuert und das Dach ist von 2010.


    Zu euren Hinweisen:


    @ pflanze:

    • In Etappen bauen oder nicht? Danke für den Hinweis auf deine FAQ. Diese hat mir meine Frage bzw. auch meinen ersten Eindruck bestätigt. Wenn, dann richtig - also alles was geht (wenn die Finanzierung mitspielt).
    • Zählerschrank: Anbei das Bild. Für mich ist da noch Luft - aber ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, was da alles noch rein muss (außer dem 2R Zähler). Der Hinweis, den Zählerschrank in den Keller zu verlegen und den Kasten als Verteiler zu nutzen, habe ich schon gelesen, dachte aber, dass das in dem Fall passen könnte. Danke für den Hinweis, dann muss ich das nochmal verfolgen!

    @ Green_Pirate:

    • Garagendach: Die Fläche des Flachdaches sind 50 m². Die Ausrichtung sind 16° Süd, aber leider "hinter" dem Haus. Ich war/bin mir nicht sicher ob das was bringt. Andererseits bin ich erstaunt, dass trotz des Hauses das Dach eigentlich kaum beschattet ist. Beim "Aufständern" hatte ich ursprünglich an 2 Reihen (Ausrichtung die 16° Süd) mit einem Winkel von 20° gedacht. Danke, dass du das aufgegriffen hast - ich war mir nicht sicher ob das schierer Unsinn ist.
    • 72er Module: Auch das ist erstaunlich, dass du das ansprichst. Mein erster Entwurf berücksichtigte ausschließlich 72er Module. Mir ist aber aufgefallen, dass diese wohl recht exotisch sind - zumindest bei diversen Anbietern recht selten "auf Lager" sind. Ich meine bei LG lediglich die Bifacial Module in 72er Ausführung gesehen zu haben - müsste aber noch mal recherchieren. Anbei der Entwurf mir den 72er Modulen. Ich hab den Entwurf dann wieder verworfen, weil ich "nur" 19 der Module unterbringen konnte und bei der Annahme einer Wp Leistung von 390 Wp/Modul ich damit schlechter fahre als bei 29 60er Modulen à 325 Wp.
    • Strings: Danke für den Hinweis! Das hatte ich noch nicht auf dem Schirm, dass das schwer sein könnte, aus der Anzahl effiziente Strings zu bauen. Auch dem werde ich nachgehen!!!!

    Besten Dank also schon mal für den Input und die Hausaufgaben!


    VG

  • In welchem PLZ-Bereich bzw welcher Region bist du?

    Der Schrank hat leider nur ein Zählfeld. Es gab mal Adapterplatten für 2 eHZ auf einem Dreipunktfeld. Die sind afaik nicht mehr verfügbar. Weiß jemand warum?


    Spätestens bei > 10 kWp wirst du um einen weiteren Schrank nicht herumkommen - und der wäre vlt. nur für ein paar Jahre, da die EEG-U auf für Anlagen bis inkl. 30 kWp hoffentlich bald fällt...


    Finanzierung möglich machen, die Anlage wirft Gewinn ab. Am Geld soll es nicht scheitern!