Ost / Westbelegung 200 Quadratmeter plus Fußbodenheizung?

  • Guten Tag zusammen!


    Ich bin seit längerem am überlegen, ob wir eine Solaranlage installieren und erhoffe mir, hier aus dem Forum einige Tipps zu bekommen.


    Ich würde gerne die beiden Dachflächen belegen um in meinem Haus (410 Quadratmeter Wohnfläche) auch die Heizung komplett auf Elektrostrom auszubauen, und dies komplett mit dem Solarstrom bewirtschaften.


    Momentan wohnen meine Lebensgefährtin sowie meine Eltern im Haus. Wir arbeiten beide im Home-Office und meine Eltern werden die nächsten Jahre in Rente gehen- somit wird der meiste Stromverbrauch Morgens bis Abends sein, da jeder den ganzen Tag zuhause ist.


    Als Fläche sagt mir google hat mein Dach auf der West-Seite (abzgl. Dachluken etc.) 100 Quadratmeter und auf der Ost-Seite ebenfalls ca. 100 Quadratmeter Fläche (abzgl. Kamin, Fenster, etc.)


    Insgesamt würden also bei einer Dachausrichtung Ost/West ca. 200 Quadratmeter Dachfläche zur Verfügung stehen. Mein Haus ist das höhste in der Nähe, somit wird auch kein Schatten darauf geworfen. Im Anhang ein Bild von dem Dach!


    Meine Frage im Detail ist:


    reicht diese belegbare Dachfläche aus, um das gesamte Haus, inkl. Heizung zu versorgen und vorallem auch im Winter?


    Wir verbrauchen derzeit zu viert ca. 5000 KWH und haben eine Holzpelletsheizung. Im Kellergeschoss stehen zwei große Wassertanks für Warmwasser zur Verfügung, diese müssten nicht extra angeschafft werden.


    Vielleicht kann mir ja jemand ein paar Informationen dazu geben.


    Danke vorab!


    Beste Grüße

    Bilder

    • Solar.JPG
  • Schlag Dir bitte eine (direkte) Elektro gleich mal aus dem Kopf.

    Wenn, dann bitte eine Wärmepumpe.


    Und vergiß nicht, Du brauchst die meiste Heizenergie, wenn die Sonne am wenigsten Ertrag bringt.


    Bei einer PV-Anlage versucht man immer das Dach voll zu belegen.

    Eine PV-Anlage finanziert sich durch die Einspeisevergütung.

    Der Direktverbrauch ist nur ein kleiner finanzieller Bonus. Der Löwenanteil ist immer die Einspeisung.

    Also, wenn 30kWp draufpassen und es das Budget hergibt, dann baue diese.

    Aber bitte keinen Strom in einen E-Heizstab versenken.

    Kosten pro kWh Wärme aus PV bei Heizstab: ca. 18ct. (inkl. USt. auf uWA, EEG-Umlage)

    Kosten pro kWh bei Pelletheizung: ca. 6ct.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 38kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Jede Art, bei der Elektrische Energie direkt in Wärme umgesetzt wird, ist blanker Unsinn.

    Dazu gehören auch die sog. Infrarot- oder "Wärmewellenheizungen".

    Das ist alles teurer als eure Pelletheizung.


    Nur bei einer Wärmepumpe sieht es ander aus.

    Die nutzt die elektrische Energie, um das tiefere Temperaturniveau auf ein höheres zu bringen.

    Die Wärme kommt aus der Umwelt. (Luft oder Erdwärme)

    So werden aus einem Teil Strom und drei Teilen Umgebungswärme vier Teile Heizenergie.

    Oder kurz: man braucht nur ein viertel der elektrischen Energie gegenüber einer elektrischen Direktheizung.

    Inselnetz mit 3x Victron MultiPlus5000, 38kWh-Akku, Insel-BHKW 16kVA, PV 9,3kWp
    1,1kWp über MPP-Laderegler SIC40
    540Wp über MPT600-24
    2,7kWp über SB3000, 2,9kWp über SB3300, 2,0kWp über SB1700 jeweils AC-gekoppelt an einem Victron

  • Hallo Marcel, ein wenig Grundlagen und Zahlen vorab:


    PV Strom ist die Einspeisevergütung von derz. 11ct wert. eine kWh Gas ca 5-6ct.
    direktes Heizen mit Strom ist also keine effektive Sache ( da speist du lieber ein und kaufst von dem Geld Pellets).


    Was funktionieren KANN ist eine Wärmepumpe dazu muss das Gebäude aber entsprechend effektiv energetisch saniert sein - wenn die Wärmeverlußte zu groß sind bekommst du bereits in der Übergangszeit nicht mehr die benötigte Leistung und Energie vom Dach und die Wärmepumpe droht teuer zu werden.


    Weiters:

    Dein Dach dürfte groß genug sein um darauf eine 30kWp Ost/West Anlage zu bauen - auch die Beschreibung eurer Lebenssituation klingt nach einer ordentlichen Portion Eigenverbrauch - das kann eine Ost/West über einen sehr großen Teil des Tages bieten.
    Ich würde hier Nägeln mit Köpfen machen und das Dach volllegen - wenn die Heizungssanierung nicht sofort sein MUSS hast du vll später noch die Option einer Wärmepumpe bis dahin aber eine bereits bezahlte PV.


    Gruß Flo



  • Abgesehen von der im Luftbild immer sehr groben Auslegung siehst du dass da an die 40kWp drauf passen können.

    Ich habe die Dachneigung mt 25° angenommen - daraus ergeben sich West fast 900 kWh/kWp und Ost ~750kWh/kWp.


    Was kann man daraus ableiten? Ich würde eine 29,9kWp bauen und dabei das Westdach zunächst füllen und den Rest Ost installieren.

    Ob hart, weich oder RSE kann man diskutieren wenn die Auslegung konkreter wird und die Dachneigung genau bekannt ist. Dann ist es möglich die Dächer genauer zu simulieren und ein Konzept für die 70% Reglung finden.


    Mit 30kWp hast du die Möglichkeit ganzjährig eine Leistung zu generieren die deinen Eigenverbrauch zu einem großen Anteil decken kann UND sich selbst durch den eingespeiste Strom abbezahlt - die Pelletheizung würde ich SPÄTER ggf durch eine Wärmepumpe ersetzen und eine zielgerichtete energetische Sanierung durchführen.


    Gruß Flo

  • Selbstverständlich auch Vollbelegung mit zB 40 kWp anbieten lassen und prüfen.

  • Also macht es am Ende des Tages nie sinn, außer bei einer Wärmepumpe, die Heizung komplett auf Strom umzustellen?


    Der große Vorteil ist ja auch der, dass man durch den Wegfall der Pelletheizung viel mehr Wohnfläche zur Verfügung hat, da man einmal die Heizung selbst benötigt und zweitens einen Lagerraum für die Pellets.


    Das mit der Wärmepumpe werde ich mir ebenfalls nochmal genauer ansehen. Das Haus ist Baujahr 1977 (Hohlblocksteine)- da ist die Frage, ob es überhaupt energetisch auf einem "höheren" Level gebracht werden kann, wodurch dies Sinn machen könnte. Die Fenster & Türen sind dreifachverglast, von innen ist es isoliert (Rigips mit Styropor). Was kann man da noch machen?


    Macht eine Batterie sinn um Strom zu speichern oder bringt das nichts? Was passiert im Winter wenn Schnee auf den Solarzellen liegen? Muss man den runterschaufeln?


    Vielen Dank schon einmal für die ganzen Informationen! Schön, dass es außerhalb vom Sozial-Media noch Foren gibt, bei denen aktiv geholfen wird.

  • Ein schlecht gedämmtes Haus schließt eine Wärmepumpe nicht aus. Dämmung hat nur den Vorteil, dass generell weniger Heizenergie benötigt wird.

    Eine WP läuft effizienter, wenn die Vorlauftemperaturen niedrig sind. Das schafft man durch möglichst große Heizflächen, z.B. Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung.

    9,99kWp 110°; 20°DN; 37x 270W Trina Honey PD05 an SMA STP 8000TL-20, HM 2.0

  • Die Wärmepumpe gewinnt halt aus einer kWh Strom 3-4kWh Heizwärme indem sie z.B der Umgebungsluft Wärme entzieht.
    Alle Direktheizungen wie Infrarotstrahler, Elektrofussbodenheizungen oder Heizstäbe in Pufferspeichern herkömmlicher Heizanlagen sind sehr viel Ineffektiver- auf diese Weise Strom zu verheizen macht weder ökologisch noch okonomisch Sinn.


    Batteriespeicherungen funktionieren aber solange es Einspeisevergütungen gibt sind sie nicht nötig und auch nicht wirtschaftlich.


    Dein Haus klingt als sei es nicht auf einem allzu schlechten Stand - für Wärmepumpen braucht man nur leider großflächige Fussboden oder Wandheizungen. Wie gesagt... später! Generell macht es selten sinn funktionierende Heizsysteme auszutauschen - die Energie geht am Gebäude verloren und nicht in der Heizung.


    Gruß Flo