E3DC S10 E Pro "review"

  • Hallo zusammen


    Meine PV-Anlage ist endlich fertig. Herzstück der Anlage ist ein Hauskraftwerk S10 E Pro von E3DC mit 19.5kWh Speicher. Ich habe nun eine Woche mit dem Teil gespielt und dachte, ich gebe ein kurzes Review zu ein paar Besonderheiten, die ich entdeckt habe, welche man dem Datenblatt nicht direkt entnehmen kann. Vielleicht hilft das ja dem einen oder anderen bei der Entscheidung. Ich jedenfalls hätte diesen Thread vor meinem Kaufentscheid gerne gelesen. Nicht, dass ich unglücklich bin, aber so hätte es weniger Überraschungen gegeben :)


    Vorweg mal ein paar allgemeine Daten:

    Gewicht: 130kg für den Wandkasten, 120kg für die Batterien, 10kg für die Wandhalterung (alternativ ist auch ein Standfuss erhältlich).

    Max AC-Leistung WR: 12kW

    Max empfohlene DC-Leistung: 15kWp

    Max MPP-Spannung: 850VDC

    Min DC-Spannung für AC-Nennleistung: 500VDC

    Min MPP-Spannung: 250VDC

    Max DC-Strom pro Tracker: 18A

    MPP-Tracker: 2

    Preis: ca. €18000 (mit Optionen Notstrom-Motor, Wandhalterung und SG-Ready)


    DC-Seitig hängen 2 Strings à jeweils 22 Stück Jasolar 305W, total 13.42kWp, mit Süd-West Ausrichtung.


    Ich will hier explizit nicht die Sachen beschreiben, die man dem Datenblatt bzw. dem Handbuch entnehmen kann, die sind öffentlich verfügbar und ich muss mir nicht die Finger wundtippen. Ich will lieber auf die paar Punkte eingeben, die für mich unerwartet waren.


    Hier ein paar Tipps bezüglich Planung und Installation:

    • Das Teil ist schwer. Wir waren zu viert, um den Kasten (130kg) vom Boden auf die Wandhalterung zu hieven. Wer ihn selber installieren will, sollte die Mannschaft bereit haben.
    • Inbetriebnahme ist nur durch einen E3DC zertifizierten Installateur und mit einer Internet-Verbindung möglich. Ohne Installateur-PIN geht nix.
    • E3DC legt die Minimal-Temperatur bei der Spannungsauslegung für die Module bei -20°C fest. Module mit geringem Temperatur-Koeffizienten sind da sehr praktisch.
    • E3DC gibt freiwillig bis zu 10 Jahre Garantie auf Wechselrichter und Batterie (80% Nennleistung nach 10 Jahren), aber NUR wenn das Teil PERMANENT mit E3DC via Internet verbunden ist und E3DC die Daten abgrasen darf. E3DC optimiert gem. eigenen Angaben damit die Batterie-Lebensdauer.
    • Der Wechselrichter kappt wirklich bei 12kW. Wenn die Batterie gegen Mittag bereits wieder voll ist, geht Leistung verloren. E3DC versucht das mit Prognosen abzuschwächen (siehe "Bemerkenswertes im Betrieb")
    • Es müssen beide Batterie-Kreise verwendet werden. In meinem Fall (3 Batterie-Module) hat ein Kreis 1 Modul und der andere Kreis 2 Module.
    • Die Verkabelung schön hinzubekommen ist nicht ganz einfach. Alle Anschlüsse sind unten, aber es gibt kaum Möglichkeiten, die Kabel unten am Kasten zu befestigen. Gerade die sperrigen 16mm2 Leitungen sind da ein Graus. Ich habe mir mit einer Holzkonstruktion und Klebeband geholfen (siehe Bilder).
    • Maximale Höhe der Oberkante ist gem. E3DC 2m. Das ist strenger als die Norm in der Schweiz. Hier gilt, dass Bedieneinheiten (Display) auf max 2m Höhe sein dürfen.
    • Alle Hauskraftwerke von E3DC wollen zwischen Hausanschlusskasten (HAK) vom E-Werk und der Unterverteilung installiert sein. Das bedeutet wahrscheinlich in fast jedem Fall eine neue Zuleitung ab HAK. Danach muss der HAK durchs E-Werk wieder plombiert werden. Bei mir (in der Schweiz) ist auch ein unabhängiger SiNa (Sicherheitsnachweise) der AC-Seite zwingend nötig. Das alles kostet.
    • Für die neue Zuleitung: unbedingt feinadriges (Litze) 16mm2 Kabel verwenden. Schon das ist in der Handhabung mehr als ungemütlich. Preis ca. 10€ pro Meter (!)
    • Bei der Isolationsprüfung der AC-Seite hat mein E3DC bei 440V zwischen N und PE auf Haus-Seite den mindest-Widerstand nicht erreicht (Widerstand ca. 0.3MOhm bei 440V, bei 250V aber >1MOhm). Das ist eine Norm-Verletzung, wonach der Widerstand zwischen allen 3 Aussenleitern und dem Neutralleiter zu PE bis 500V mindestens 1MOhm betragen muss. Hier ist bei mir noch eine Anfrage bei E3DC hängig, weil der Prüfer so den Sicherheitsnachweis nicht unterschreibt.
    • Das optimale Spannungs-Band für den Wechselrichter ist relativ knapp. Man sollte ihn so bestücken, dass kein String unter 500V MPP-Spannung kommt (sonst schafft der Wechselrichter nicht seine Nennleistung). Da die maximale OC-Spannung aber auf 1000V@-20°C ausgelegt werden muss, kann man auch nicht beliebig Module in Reihe hängen. In meinem Fall bin ich bei exakt 1000V@-20°C und ca. 760V MPP-Spannung.

    Und nun einiges "Bemerkenswertes" im Betrieb:

    • Im Netzbetrieb funktioniert die Autarkie sehr gut, aber nicht absolut perfekt. Ich habe einen Strombezug ab Netz von ca. 0.1kWh pro Tag. Das interessiert in der Praxis keine Sau, ist aber für Autarkie-Freaks mit OCD wichtig zu wissen. Gerade bei stark schwankenden Lasten ist die Batterie im Netzbetrieb nicht schnell genug und hinkt der Last ein paar Sekunden hinterher. Heisst: Wenn man einen 2000W-Fön anschaltet, bezieht man für 1-2 Sekunden die 2000W aus dem Netz. Und wenn man ihn ausschaltet, speist die Batterie 2000W für 1-2 Sekunden ins Netz ein. Im Notstrom-Betrieb (also getrennt vom Netz) kann er gut damit umgehen.
    • Im Netzbetrieb gleicht der E3DC ungleiche Lasten auf den Phasen übers Netz aus. Heisst: Bei einer Belastung von 1000W auf P1, 0W auf P2 und P3 speist der E3DC 333W auf P1, P2 und P3 ein. In Summe ergibt das einen Netzbezug von 666W auf P1 und eine Einspeisung von 333W auf P2 und P3. Der bei mir verwendete Zähler zählt immer die Summe aller drei Phasen in einem Moment, wudurch der Bezug 0 ist. Wahrscheinlich ist das überall so, aber just so you know.
    • Bei einem Netzausfall wirds kurz dunkel im Haus, eher der Notstrom anläuft. Wenn das Netz wieder da ist gibt es erneut einen kurzen Unterbruch im Haus.
    • Es scheint eine "minimal-Last" zu geben, bis die Batterie anläuft. Wenn der Hausverbrauch 300W beträgt, und die PV-Anlage früh morgens oder spät Abends nur noch 250W liefert, läuft die Batterie noch nicht an und die fehlenden 50W werden aus dem Netz bezogen. Das gleiche gilt, wenn die PV-Anlage nur wenig mehr produziert, als das Haus braucht, dann wird die Batterie noch nicht geladen. Ich glaube die Grenze liegt bei ca. 75W. Ist die Differenz zwischen Produktion und Verbrauch grösser, springt die Batterie ein (um zu laden oder entladen). Ich bin mir nicht sicher, ob das ein fixer Wert ist, oder ob die Batterie bei einer längeren Phase <75W auch irgendwann einschreitet. Für leute mit sehr geringem Verbrauch in der Nacht wäre das wichtig zu wissen, aber ich kommt mit all meinen Technik-Spielereien nie unter 200W Verbrauch, daher kann ich das nicht genau klären.
    • E3DC versucht bei PV-Leistungen über 12kW mit Wetterprognosen die Batterieladung auf die Spitzenzeiten zu legen. D.h. wenn die Prognose davon ausgeht, dass am Mittag mehr als 12kW DC-Leistung vorliegt, wird die Batterie erst dann geladen. So kann das Hauskraftwerk PV-Leistungen über 12kW dennoch verwenden. Soviel zur Theorie. Die Prognosen lagen in der ersten Woche in meinem Fall total daneben, und ich kam noch nie in eine Batterie Ladesperre am morgen. Das Wetter war aber auch sehr wechselhaft, ich schätze, das wird noch besser. Im Notfall kann man die Batterie-Ladung manuell zu gewissen Zeiten sperren und so das Heft selbst in die Hand nehmen.
    • Auf der Übersichtsseite gibt der Wechselrichter 4 Werte an: PV-Produktion, Batterie-Bezug, Netz-Bezug, Hausverbrauch. Ich glaube, dass der Hausverbrauch die Summe von PV - Batterie - Netz ist. In Hausverbrauch scheinen nämlich alle Verluste des Wechselrichters zu fliessen. Heisst: Hohe PV-Produktion gibt hohen "Hausverbrauch". Dadurch wird der Hausverbrauch bei grosser PV-Produktion ziemlich unscharf und liegt teilweise um 100% daneben (in meinem Fall 600W statt 300W).
    • Das Web-Interface von E3DC ist recht vollständig und bietet eine schöne Übersicht. Via Modbus/TCP kommt man aber noch an ein paar zusätzliche Infos, insbesondere String-Spannung und Strom. Der E3DC gibt zwischen 6 und 7 Uhr währen ca. 20 Minuten keine Antworten mehr auf Modbus-Anfragen. Ich schätze, dass die Software da irgendwelche Cron-Jobs durchführt und Dienste neu startet.
    • Die MPP-Tracker funktionieren glaube ich recht gut. Meine Strings sind jedenfalls sehr sehr nahe (~1%) innerhalb der optimalen MPP-Spannung gemäss Modul-Datenblatt. Und sie reagieren schön schnell bei teilweiser Bewölkung.
    • Als aller erstes lädt der E3DC alle Batterien voll auf und entlädt sie dann vollständig ins Netz um die Batterien zu kalibrieren. Gemäss Handbuch wird er das alle paar Wochen wiederholen. Ich hoffe, er kalibriert die beiden Batterie-Stränge einzeln, nicht dass ich alle zwei Wochen einen Tag von Netzstrom leben muss.
    • Der Support ist nicht schnell. Ich habe vor 9 Tagen eine Anfrage gestellt bezüglich den Werten des Hausverbrauchs, habe noch keine Antwort. Der Installateur hat zur gleichen Zeit die Anfrage bezüglich der AC-Isolation gestellt, auch da ist die Antwort noch offen.
    • Der E3DC selbst braucht ungefähr 100W im Batterie-Betrieb. D.h. wenn mein Haus 300W Strom benötigt, zieht der E3DC 400W ab Batterie, speist aber nichts ins Netz ein. Der Rest verpufft irgendwo beim Wandeln bzw. verbraucht der E3DC selbst. Das sollte man bei der Berechnung der Speichergrösse miteinbeziehen.


    So, das wars. In Summe bin ich sehr zufrieden mit dem Gerät. Wer sich einen Wechselrichter mit Speicher wünscht und auf Notstrom steht, dem kann ich E3DC echt empfehlen. Gerne beantworte ich auch noch andere Fragen, falls jemand noch etwas wissen möchte.

  • Hier noch ein paar Grafiken, die die "Problematik" betreffend Eigenverbrauch ab Batterie und "Minimaldifferenz Produktion - Verbrauch bis Batterie anspringt" zeigen.


    P0: Effektiver Hausverbrauch, Summe aller 3 Phasen (Wert von Zähler unmittelbar hinter dem E3DC auf Haus-Seite).

    PPV: Leistung PV-Anlage DC-Seite (Wert von E3DC).

    PBat: Leistung ab Batterie DC-Seite (negativ = Entladung, positiv = Ladung) (Wert von E3DC)

    PNetz: Leistung ab Netz (negativ = Einspeisung, positiv = Bezug) (Wert von E3DC)

    Die Messwerte sind Momentanaufnahmen alle 10 Sekunden (keine gemittelten Werte)


    Hier sieht man schön den Eigenverbrauch des E3DCs im Batterie-Betrieb. Er liegt konstant um die 100 Watt in der Nacht. Dafür schafft er es sehr gut, den Netzbezug sehr nahe bei 0 zu halten. D.h. im Winter, wenns 15 Stunden dunkel ist, verbraucht man gut 1.5kWh seiner Batterie-Kapazität nur für den Betrieb des E3DCs selbst. Das sollte man unbedingt in der Auslegung berücksichtigen.



    Die PV-Produktion beginnt ab 6 Uhr. Ab da machen Batterie- und Netz-Bezug sehr merkwürdige Dinge, die ich nicht mit dem Hausverbrauch erklären kann. Wahrscheinlich ist da die interne Elektronik des E3DCs heftig am regeln und schaltet sich sehr oft ein und aus. Zwischen 6:30 und 6:40, sowie 6:50 und 7:15 ist die Differenz PPV - P0 zugering, um die Batterie zu betreieben. Die Differenz wird durchs Netz ausgeglichen (Bezug oder Einspeisung).

    Man sieht auch, dass viel vom Eigenverbrauch durch den Batterie-Wandler kommen muss. Zum angewählten Zeitpunkt von 07:07:40 ist der Batteriewandler offensichtlich inaktiv, der Eigenverbrauch des E3DCs nur 429.3W - 335.3W - 74.3W = 20W.



    Und so sieht es dann im Tagesbetrieb aus, wenn die PV-Produktion genug gross ist. Ab ca. 7:35 beginnt die Batterie-Ladung, der Netzbezug geht wieder auf 0.

  • Hast du bei "Smart-funktionen" Powersafe aktiviert?

    E3DC S10E mit Speicher 13 kWh 54 Stück Q-Cells DUO BLK 310 Wp Module 16,74 kWp

  • Hast du bei "Smart-funktionen" Powersafe aktiviert?

    Ja. Meines Wissens bringt die aber nur was, wenn die Batterie leer ist; das war bisher noch nie der Fall. Batterie- und PV-Strom gehen - glaube ich - durch den gleichen Wechselrichter.


    Aber das ist wahrscheinlich normal, weil die Komponenten bei 200W recht weit weg von ihrer "rated power" und daher von auch weit weg vom Effizienz-Optimum arbeiten. Zudem kumulieren sich beim Betrieb ab Batterie die Verluste von DC/DC Step-Up Converter und Wechselrichter. Die prozentuale Effizienz wäre bei 1000 - 2000W Belastung ab Batterie wahrscheinlich besser.

  • hi

    mit der pro- serie haben die wohl massive probleme, ( auch laut solateur )

    hauptursächlich die gleichrichter,

    bei meinem sohn nun schon das zweite mal binnen kürzester zeit,

    und es vergehen ca. 2 wochen, bis das wieder repariert, , ausgetauscht ist

    gruß karl

  • Wofür braucht man die Gleichrichter, ausser um die Batterie via Netz zu laden (was ich eh nicht vorhabe)? Oder haben sie eine eierlegende Wollmilchsau als Batteriewandler verbaut, der nicht nur DC/DC sondern auch AC/DC wandelt?


    Aber ja, ein effizienter 9kw Step-up DC/DC Wandler ist sicher nicht ganz einfach zu bauen (bzw. 2x 4.5kW).

  • Ich hab seit März auch so meine Erfahrungen mit dem PRO-Modell gesammelt. Nachdem Anfang April beim 2. Termin dann die aktualisierten Batteriewandler (ohne das fehlerhaft ausgelegte oder verbaute Teil darauf) eingebaut wurden, klappt bei mir alles. Nur beim Notstrom geht das System bei 3,4 kW in die Knie anstatt die 6-7 kW zu liefern. Da ist nun auch seit längerer Zeit ein Ticket offen, aber ich verstehe, dass die gerade andere Sorgen haben bei der massiven Batteriewandler-Panne bei diesem Modell. Das müssen die jetzt halt erstmal aufarbeiten...


    Ja, der Wechselrichter wird für PV-Strom wie für Batteriestrom benötigt. Erst wenn die Batterien leer sind, greift die Stromsparfunktion und schaltet den WR ganz aus um Strom zu sparen.


    Zu den Eingangsbeobachtungen: Was seid ihr für Memmen? Zu viert habt ihr den Kasten gestemmt? Ich habe das mit meinem Elektriker zusammen gemacht, also zu zweit. ;)

    Ich habe auch meistens zwischen 0,06 kWh und 0,13 kWh Netzbezug pro Tag, würde aber widersprechen wollen, dass das Hauskraftwerk zu langsam regelt - bei mir entsteht das nur morgens und abends, wenn die Sonne auf- oder untergeht (was drei Punkte später beschrieben wird). Ich habe einen sekundengenau auflösenden Zweirichtungszähler und da ist so gut wie kein Bezug bei schnellen Lastwechseln zu erkennen. Sehr wohl wird aber der Bezug bei Sonnenauf- und -untergang aufgezeichnet und angezeigt (grün in den Grafiken).

    Dieses Hin- und Herspringen wird übrigens durch die "untere Lade-/Entladeschwelle" unter Punkt SmartPower gesteuert: Standardmäßig ist das auf 65 W eingestellt, wobei der Thread-Ersteller mit geschätzten 75 W ja schon nahe dran war. Sollte man aber nicht tiefer stellen, weil sonst der Betrieb unwirtschaftlich wird, also der Wechselrichter wohl mehr Strom verbraucht, als man autark "sparen" würde. Oder anders gesagt, es ist in diesen Situationen dann besser ein wenig Strom (eben die 0,1 kWh pro Tag) zu beziehen.


    9,93 kWp Aleo (180° Süd, 40° Neigung) mit 13 kWh E3/DC-Speicher S10 E PRO