Rendite und Kosten schlüsselfertiger PV-Anlagen (Sunshine Energy, Milk the Sun, Solar-Direktinvest u.ä. Anbieter)

  • Hallo allerseits,


    ich beschäftige mich mit dem Thema Geldanlage in erneuerbare Energien, und wollte mal eure Erfahrungen zu Rendite und Kosten von schlüsselfertigen PV-Anlagen (auf Pachtdächern) hören.

    • Mit welchen Wartungs- und WR-Tauschkosten muss man real rechnen?
    • Was bleibt dann an Rendite?
    • Welche Rendite haltet ihr für nötig, um das Risiko einer solchen Investition auszugleichen?
    • und welche Erfahrungen habt ihr mit den diversen Anbietern am Markt?

    Bereits angesehen hab ich mir die Angebote von SunShine Energy GmbH aus Fürth: https://www.sunshineenergy.de/solaranlage-kaufen/

    Zitat: "Dabei ist eine Solaranlage eine sehr sichere Investitionsmöglichkeit, denn sie bietet eine Rendite bis 7,5% p.a.,...", das klingt ja erstmal gut.


    Aber bei näherer Betrachtung ist mir fast die Kinnlade runtergefallen, als ich die Rendite nachgerechnet habe. Hier meine Rechnung:

    • jährliche Einnahmen vor Kosten, aber nach Pacht: 250,04 kWp * 968,43 kWh/kWp*a * 9,87 Cent/kWh = 23.900 €
    • genannte Kosten für Wartung, Service und Versicherung: 12 €/kWp p.a., also jährlich 12*250 = 3.000€
    • ergibt jährliche Einnahmen nach Kosten: 23.900 - 3.000 = 20.900 €
    • Daraus und aus dem Kaufpreis (1327,56 €/kWp inkl. Pacht) hab ich die Annuitätenrendite überschlagen. Annahmen: 20,5 Jahre Vergütung, monatlich gleichmäßige Zahlungen, Restwert = 0, sonstige Kosten = 0, keine Degradation. Ergebnis: Nur 2,6% Gesamt-Annuitätenrendite! Kann das stimmen? (Bei den anderen aktuellen Angeboten komm ich sogar auf noch deutlich niedrigere Renditen, wenn ich dort ebenfalls 12 €/kWp Kosten ansetze!)
    • Zur Kontrolle hab ich es mit dem Photovoltaik-Renditerechner der Stiftung Warentest nachgerechnet: Randbedingungen IBN 7/19, kein Eigenverbrauch, Wartung 3000€/Jahr fix, keine Degradation, keine Finanzierung, keine USt-Befreiung. Mit der nicht editierbaren (zu hohen) Vergütung von 10,35 Cent/kWh ist das Erbegnis: 3,07% Objekt-Rendite vor Steuern. Nach entsprechender Anpassung der kWh/kWp auf 968,43*9,87/10,35 = 923,52 kWh/kWp, lautet das Ergebnis: 2,5% Objekt-Rendite vor Steuern.
    • Wenn ein Teil des Kaufpreises finanziert wird, steigt die Eigenkapitalrendite... aber nur, wenn die Finanzierungskosten unterhalb der genannten Gesamt-Renditen liegen! -> welcher Finanzierungs-Zinssatz ist auf 10 Jahre üblich für PV-Anlagen auf Pachtdächern?

    Bei so niedrigen Gesamt-Renditen frage ich mich: Kann das überhaupt Sinn machen? Sicher, eventuell hat die Anlage in 20 Jahren einen Restwert, aber eventuell entstehen auch weitere Kosten für defekte WR usw? Oder sind solche Defekte mit einer Wartungs- und Versicherungs-Pauschale von 12€/kWp p.a. bereits abgegolten?

  • Ein weiterer Anbieter ist Solar Direktinvest: https://solar-direktinvest.de/

    Dort sind keine Preise genannt.

    Auffällig ist jedoch, dass die Firma an der gleichen Adresse residiert, wie die SunShine Energy GmbH. Und auch die aktuell sichtbaren Projekte Wertlau, Hottelstedt und Gülzow entsprechen in Name und Leistung genau denen von SunShine Energy. Daher hab ich mir eine Anfrage dort direkt gespart, weil ich dort "ähnliche" Preise erwarte.

    Hat jemand schon Erfahrungen mit dieser Firma und den Renditen?



    Drittens hab ich mir mal ein paar Anlagen von Milk the Sun angeschaut: https://www.milkthesun.com/de/pv-anlage/kaufen

    Milk the Sun ist wohl kein Anbieter, sondern ein Marktplatz für diverse einzelne Anbieter.

    Hier hab ich mal eine schnelle Auswertung von Neuanlagen in Deutschland im Segment 100-500 kWp gemacht:

    -Die Preise liegen im Bereich von ungefähr 1000 bis 1200 €/kWp (inkl. Provision)

    -Als Wartungskosten sind teils Werte von 3-7 €/kWp genannt, im Mittel 5€. Für Versicherung sind ca. 0,70 - 1,70€/kWp genannt.

    -Unter Annahme von 8€/kWp Kosten (Wartung + Versicherung) komme ich auf folgende Annuitäten-Renditen: 3,8% bis 5,5 %, Mittelwert 4,5%. Das klingt doch schon besser.



    Viertens gibts ja noch diverse Nachrang-Darlehen und Genussrechte:

    Die haben den Nachteil eben der Nachrangigkeit, aber evtl. den Vorteil einer Streuung in verschiedene Anlagen. Daher erwarte ich von einer solchen Anlage mindestens die Rendite einer eigenen PV-Anlage... also mindestens wie bei den rentableren Milk the Sun - Anlagen. Bei >4,5% wirds aber wohl schwer, was zu finden? Kennt jemand gute aktuelle Angebote?

  • Hallo Stromhunger,


    Du hast ja nun einige Anbieter angesehen - die Angebote von den grossen und seriösen Anbieter am Markt sind alle sehr ähnlich - Ertag vor Kosten liegen bei ca. 7% p.a. und die Nebenkosten für Kaufmännische, technische Verwaltung und Versicherungen ( Vollkasko & Haftpflicht) liegen ebenfalls überall auf dem selben Niveau.
    Ja - und bevor Du anfängst - auch ich arbeite für eine Firma welche Anlagen baut und verkauft, ist auch kein Geheimnis.

    Zu Deiner Renditeberechnung:

    Zuerst musst Du mal überlegen, wie lange eine PV Anlage funktioniert und Strom produziert und verkauft. Dies ist keinesfalls nach 20 Jahren zu Ende - je nach Pachtvertrag laufen diese Anlagen leicht 40 Jahre und länger. Bei Deiner Berechnung gehst Du davon aus, das die Anlage nach 20 Jahren keinen Wert mehr hat - dies ist falsch.
    Wenn Du das so ansetzen magst, solltest Du einen Restkaufpreis für die gebrauchte Anlage mit einem Betrag x ansetzten.
    Ferner natürlich auch die Steuervorteile als "Einnahmen" mit verbuchen. Dann sieht Deine Renditeberechnung schon wieder anders aus. Bei anderen Anlage formen, müssen die Einnahmen ja auch noch versteuert werden.

    Klar - wir wissen heute noch nicht, wie hoch die Strompreise in 21 Jahren sein werden, aber sehr wahrscheinlich höher als heute. Die Module halten nach "Fraunhofer Institut" fast unbegrenzt lange ( Degradation p.a. ca. 0,1%). Wechselrichter halten wohl zwischen 15-20 Jahren. Diese werden immer Leistungsfähiger und günstiger.

    Bei der Renditeberechnung sollte man ebenfalls sämtliche Zahlungseingänge berücksichtigen - die meisten Kunden kaufen eine solche Anlage um über den Investitionsabzugsbetrag (IAB) bereits gezahlte und verlorene Steuern zurück zu bekommen, falls man dies nicht nutzt, kannst Du die Anlagen einfach mit 5% p.a. abschreiben und hast so 5% der Einnahmen p.a. steuerfrei. Mir fällt gerade kein anderes Produkt ein, bei welchem du ca. 5% p.a als steuerfreie Einnahmen hast.

    Finanzierung

    Zur Zeit sieht es so aus, das Photovoltaik Anlagen mit Zinssätzen zwischen 1,5% p.a. und max. 2,5% p.a. finanziert werden ( je nach Bonität). Die Banken setzten 20% Eigenkapital voraus.


    Da ein Investor über den IAB i.d.R. 20-25% der Investitionssumme vom Finanzamt als "Steuerersparnis" zurück erhält, und 80% von der Bank finanziert werden, beträgt das tatsächlich eingesetzte Eigenkapital i.d.R. 0%.

    Die Anlagen finanzieren sich ( also Zins/ Tilgung/ Kosten) i.d.R. innerhalb von ca. 15 Jahren von allein, die Höhe der Vergütung ist ja für die ersten 21 Jahre über das EEG fest gesetzt - Schwankungen kann es noch geben wegen der Sonnenstunden. Also eine "Sonnenrente" ohne das ich eigene Mittel investieren muss.


    Fazit: Mit 0€ Eigenkapital habe ich nach ca. 15 Jahren eine Photovoltaik Anlage, welche zu 100% bezahlt ist und noch für mind. 15 bis 25 Jahre Strom produziert und Einnahmen generiert. M.E. spielt es hierbei auch keine Rolle wie lange genau die Anlage noch läuft oder wie hoch der Strompreis sein wird - warum? Weil der Investor einfach jedes Jahr hiermit Geld verdient.


    Deshalb ist es auch schwierig hier eine pauschale Aussage zu treffen, wie hoch tatsächlich eine Rendite ist, wenn ich von 0€ EK ausgehen und x Jahre Einnahmen habe - wie hoch ist dann eine Rendite.


    Übrigens kann man eine gebrauchte Anlage ebenfalls auch sehr gut verkaufen - der Kaufpreis ist dann wiederum abhängig von der Restlaufzeit der Anlage.



    Falls Du noch irgendwelche Fragen zu einem PV Investment hast, kannst Du diese gerne stellen und ich versuche Dir Deine Fragen so gut es geht zu beantworten.


    Bis dahin



    mit freundlichen Grüssen
    Deutsche Contracting AG



    Wir sind gewerblicher Anbieter von Photovoltaikanlagen für Kapitalanleger und Steuersparer - auch wenn Sie kein Dach haben.

  • Hallo DCAG,


    ich muss schon lächeln, mit welchen Argumenten du die Wirtschaftlichkeit hier anpreist.


    Wäre nett, wenn du hier mal ein Beispiel für einen Otto-Normalverbraucher vorrechnen würdest.

    Du hast ja nun einige Anbieter angesehen - die Angebote von den grossen und seriösen Anbieter am Markt sind alle sehr ähnlich - Ertag vor Kosten liegen bei ca. 7% p.a.

    Unterstellen wir einmal eine 500 kWp-Anlage mit IBN Juli 2019.

    Wenn ich mich nicht verrechnet habe, liegt der anzulegende Wert hier bei 8,7128 Cent/kWh. Bei einem unterstellten spezifischen Ertrag von 900 kWh/kWp, lägen "die Angebote von seriösen Bietern" also z. Zt. bei 0,087128 x 900/0,07= 1.120 €/kWp. Das halte ich in der heutigen Zeit schon einmal für einen stolzen Preis!

    Aber gut......ich bin gespannt auf deine Wirtschaftlichkeitsberechnung.

    Viele Grüße
    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)

  • Wenn er schon die Abschreibung vom Finanzamt mit reinrechnen muss damit sich das rechnet.....

    Alleine schon die Aussage, dass die Anlage nach den 15Jahren ja quasi bezahlt wäre und dann sicher noch 30-40 Jahre hält..... Das hätte ich gerne schriftlich und mit einer Bankbürgschaft die ich mir nach dem Totalverlust dann auch auszahlen lassen kann.

    8% Rendite hat meine PV Anlage auch - wenn ich alles selbst aufbaue.

  • Alleine schon die Aussage, dass die Anlage nach den 15Jahren ja quasi bezahlt wäre und dann sicher noch 30-40 Jahre hält..... Das hätte ich gerne schriftlich und mit einer Bankbürgschaft die ich mir nach dem Totalverlust dann auch auszahlen lassen kann.

    Wir wollen fair bleiben: er sprach davon, dass die Anlagen noch 15-25 Jahre nach der Amortisation (von 15 Jahren) Strom produzieren. Alter also 30-40 Jahre.

    Anderer Stelle heißt es:

    Zuerst musst Du mal überlegen, wie lange eine PV Anlage funktioniert und Strom produziert und verkauft. Dies ist keinesfalls nach 20 Jahren zu Ende - je nach Pachtvertrag laufen diese Anlagen leicht 40 Jahre und länger.

    So einen Zeitraum kalkulatorisch zu berücksichtigen, halte ich schon für "sehr sportlich". Abgesehen davon habe ich noch keinen Pachtvertrag mit mehr als 30 Jahren gesehen.:shock: Werden die bei DCAG vermittelt?


    Bei Deiner Berechnung gehst Du davon aus, das die Anlage nach 20 Jahren keinen Wert mehr hat - dies ist falsch.

    Welchen Wert hat denn eine Anlage nach 20 Jahren? Immerhin müsste man das ja heute in einer Wirtschaftlichkeitsberechnung berücksichtigen.....oder eben auch nicht.

    Bis heute habe ich die Situation nach 20 Jahren so berücksichtigt, dass pessimisterweise den Ertrag mit "0" angesetzt habe, und optimistischerweise dafür die Rückbaukosten ignoriert habe.

    Viele Grüße
    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)