Strangdiode, Strangsicherung, was brauche ich, was nicht?

  • Anbei noch der Planungsleitfaden von SMA.

    Auslegung von Sicherungen Seite 27


    Weiterhin befaßt sich das DGS Handbuch unter 3.2 mit GAK, Strangdioden und Strangsicherungen mit diesem Thema.


    Auf Seite 3-45 finden sich noch interessante Hinweise:

    ua "Als problematisch hat sich der Ausfall von Strangdioden erwiesen. Erfahrungen aus dem 1000 Dächer Programm ergaben, dass ausgefallene Strangdioden und damit der Ausfall von ganzen PV Strängen oft erst sehr spät entdeckt und beseitigt wurden."

    Außerdem: "Untersuchungen des FH Instituts für Solare Energiesysteme ISE ergaben, dass übliche Module einen Rückstrom in der Höhe des 7-fachen Isc überstehen, ohne Schaden zu nehmen."


    Für die "7" würde ich selbst meine Hand nicht ins Feuer legen.

    Allerdings scheint es so zu sein, dass die Firmen in den Datenblätter diesen Wert (zB 15 Ampere) mit einer Sicherheitsreserve angeben. Bei SW betrug der max zulässige Rückstrom nämlich 25 Amps und das war sicher auch noch mit Reserver gerechnet.


    Bei der Planung von Solar Home Systemen könnte man so vorgehen:

    Anstatt 8 Module für 12 V parallel zu verschalten, lieber 4x2 und auf 24 V gehen.

    Falls es mehr Module parallel sein müssen, im Internet gibt es jede Menge "module distribution boxes".

    Dann muß halt die Kröte höherer Preis gezahlt werden. Oder geschickte Bastler kaufen sich die Komponenten und bauen sie in einen Hensel Kasten ein.


    Übrigens wurden wir als Planer und technische Berater von unseren Modulentwicklern einige Male darauf hingewiesen, die DB Werte gegenüber Kunden nicht eigenmächtig zu erweitern, bzw andere Planungsbüros nicht dazu zu ermuntern dies zu tun.

    Die Gründe sind hoffentlich jedem klar, damit würde man einfach die Büchse der Pandora öffnen. :)


    #Boitel, sorry das ich nicht früher antworten konnte.

    Heute war Brunch mit der ganzen Familie, Kinder, Enkel, das geht bei mir vor. 8)

  • Ein schöner Beitrag, Kalle, danke für die internen Einblicke!


    Der DGS-Ordner und vor allem das 1000 Dächer-Programm sind ja schon etwas älter. Damals waren die PV-Module noch hochwertiger und robuster gefertigt und hatten - was wichtiger ist - vor allem geringere Ströme und Leistungen. Den Faktor 7 sollte man, wie du sagst, bei den heutigen Modulen also besser reduzieren, denn damit würden je nach Modul knapp 70A über den MC4-Stecker und das 4mm²/6mm² Kabel fliesen! 30A über einen MC3 dürften hingegen gerade so funktioniert haben.


    SW und deren Vorgänger sollte man in diesem Fall vielleicht nicht unbedingt als Maßstab nehmen. Man vergleicht doch die Robustheit von Fahrzeugen nicht mit einem Panzer :).


    Anbei noch die Belastbarkeit der Multi-Contact 3 und 4 Verbinder.


    http://www.tritec-energy.com/i…_MultiContact_web_enu.pdf


    Gruß


    schlossschenke

    980Wp - Victron 100/50 - Soltronic MPPT7520 - 12V 260Ah - Multiplus 12/2000 - BMV700

  • Boitel hatte in einem anderen Thread gerade Bedenken, dass eine 15A Sicherung bei einem 9A ISC Modul zu klein ausgelegt wäre und zu heiß werden würde, obwohl 15A als Maximum im Datenblatt des Moduls angegeben werden. Er begründete das unter anderem mit einer zeitweise erhöhten Einstrahlung (die im Übrigen eher keine 15A liefern würde).

    Um zu erklären, dass das kein Problem darstellen würde hatte ich die gPV-Auslösecharakteristik gepostet. Daraufhin kam der Einwand, dass die Sicherung zu groß gewählt wäre, weil sie nicht sofort bei 15A auslöst. Stimmt, das tut sie auch nicht, obwohl es sich um einen relativ flinken Sicherungstyp handelt.

    Ich möchte den Punkt deshalb nochmal kurz wiederholen, da er in diesem Thread besser aufgehoben ist.


    Die gPV Sicherungen sind - wie der Name schon sagt - extra für die Photovoltaik und Gleichströme ausgelegt worden. Es handelt sich um eine relativ neue und flinke Sicherungsklasse, die seit 2010 auch genormt ist.

    Die PV Module halten natürlich, wie auch die entsprechenden Sicherungen, kurzzeitig etwas mehr Strom als den "max. Rückstrom" im Datenblatt aus.

    Ist ein max. Rückstrom oder eine max. Absicherung mit 15A angegeben, dann kann, darf und sollte ohne Bedenken eine 15A gPV-Sicherung eingesetzt werden.

    Lediglich in Ausnahmefällen, z.B. bei konstant hohen Temperaturen muss ggf. ein Derating berücksichtigt werden.


    Anbei ein wie ich finde guter Link (eigentlich ein Produktlink), der auch Häufung und Temperatur berücksichtigt sowie auf Verluste eingeht.


    http://www.esgo-oppach.com/hom…toranschlussksten_62.html


    Gruß


    schlossschenke

    980Wp - Victron 100/50 - Soltronic MPPT7520 - 12V 260Ah - Multiplus 12/2000 - BMV700

  • solange der Wechselrichter den Strom aus den Modulen abzieht dürfte kein nennenswerter Rückstrom fließen.

    Problematisch wären also Inselanlagen sobald die Batterie voll ist und die PV den Strom nicht anders los wird.

    Alle sagten das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hats einfach gemacht.