Strangdiode, Strangsicherung, was brauche ich, was nicht?

  • Hallo Ihr,


    Ich hab jetzt mal die Spiele eröffnet, weil ich das sinnfrei finde, wenn diese Grundsatzfrage immmer in irgendwelchen Threads diskutiert wird, die dann damit ins Off-Topic laufen, weil eine Detailfrage dann den ganzen Thread belegt. Mit sowas nervt man nur die Fragesteller*innen, die hier auftauchen - das gehört grundsätzlich diskutiert.


    Ich hätte zunächst mal eine grundsätzliche Frage: Hat es hier im Insel-Forum, über all die Jahre, Fälle von Schäden durch Rückströme gegeben? Ich kann mich nicht erinnern, kann aber natürlich sein, dass ich was überlesen habe.


    Meine Meinung zum Thema: Für Solarteure, sofern vorgeschrieben, ist das natürlich ein Muss - die schießen sich sonst selbst ins Knie.


    Für "Do it yourself"-Installationen sehe ich das anders. Größere Rückströme werden kaum auftreten, außer, man dunkelt bei starker Sonneneinstrahlung ein Modul komplett ab. Spannungen und Ströme im Fehlerfall sind bei Kleinanlagen - und um solche handelt es sich hier meist - nicht so groß. Bei größeren Inselanlagen, sagen wir >2kWp, würde ich anders handeln. [Edit] Oder bei sehr vielen parallel geschalteten Strängen/Modulen. [/Edit]


    Wie seht Ihr das?


    LG

    Boitel

  • Ich weiß nicht was es hier zu Diskutieren gibt wie im anderen Thread und wieso man hier einen eigenen Thread braucht weil das ist Fachlich klipp und klar... Das wurds schon zig mal im Forum von Anfänger behandelt. Lies dich einfach ein, das ist doch Basiswissen Installation von Module und Rückstromabsicherung.

    Module sind gemäß ihrer Maximalen Rückstrombelastung lt Datenblatt bei Parallelinstallationen wo ein höhrere Rückstrom als zulässig auftreten kann mit Rückstromsicherungen dagegen abzusichern.


    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen

  • Insofern, ich les grad im Netz bei sma, dass Strangdioden wohl nicht mehr lange erlaubt sind siehe

    Zitat

    Alternativ können auch Strangdioden eingesetzt werden, welche den Rückstrom verhindern. Dioden werden aber für diese Zwecke immer seltener eingesetzt und zukünftig in den meisten Ländern für diese Zwecke wohl nicht mehr zugelassen.

    aus "https://www.sma.de/fileadmin/content/global/Press/Documents/Media_Center/Vortr%C3%A4ge/PV-Symp_2013_SMA_Haering_Wechselwirkung_Schutzkonzepte.pdf"


    Wie schauts damit in D bzw A nun aus? Und ehrlichgesagt, das Thema ist sicher ein Thema das einen eigenen Thread verdient.

  • Das Thema mag vielleicht einen eigenen Thread verdient haben, aber dann nur zur Aufklärung wann man eine Schutzmaßnahme treffen MUSS und nicht zur Diskussion ob diese sinnvoll ist. Es bestehen bereits etliche Threads dazu. Wenn du das mal einsehen würdest, dann müsste man das auch nicht jedes mal wieder in verschiedenen Threads neu diskutieren.


    Bei Rückströmen werden die Module quasi zum Verbraucher. Der Grund sind größere Spannungsdifferenzen zwischen parallelgeschalteten Strängen. Grundsätzlich ist ein Rückstrom erstmal nicht schlimm, solange die Module diesen verkraften. So wird dies teilweise sogar kontrolliert eingesetzt um PV-Module im Winter "abzutauen", also schneefrei zu bekommen, indem man sie als Heizung missbraucht. Je nach Modultyp sind 2-3 parallele Stränge in der Regel kein Problem und man muss keine Sicherungsmaßnahme treffen (es gilt der Wert im Datenblatt).


    Problematisch wird es dann, wenn der Kurzschlussstrom der parallel geschalteten Stränge im gesamten (n-1) die Rückstromfestigkeit eines einzelnen Strangs überschreiten könnte. Beide Werte finden sich im Datenblatt. Dabei ist die Stranglänge erstmal irrelevant, da der Strom unabhängig von der Spannung gleich bleibt. Lediglich die Höhe und Wahrscheinlichkeit der möglichen auftretenden Spannungsdifferenz wird dadurch beeinflusst, sodass längere Stränge einem höheren Risiko ausgesetzt sind.

    Ursachen gibt es mehrere. Eine Verschattung gehört - wie es viele fälschlicherweise vermuten - eher nicht dazu. Der Grund ist, dass die Leerlaufspannung der Module relativ schnell erreicht wird und die Differenz bei einer Verschattung somit relativ gering ausfällt. Es müsste sich hierbei um einen extrem harten Schatten handeln, z.B. durch Abdeckungen oder Schneedecken. Weitere Gründe sind Modul- und Zelldefekte (Kurzschlüsse) oder eine falsche Verkabelung.


    Wichtig ist: Man sollte Sicherheitsmaßnahmen IMMER anwenden, solange ein theoretisches Risiko besteht. In diesem Fall besteht das theoretische Risiko darin, dass die Stromquelle insgesamt größer ist als das einzelne Modul als Rückstrom aushält. Wie wahrscheinlich ein solches Auftreten ist und welche Ursache es hat ist erstmal irrelevant. Es passieren immer wieder die seltsamsten Unfalle bei Dingen, mit denen niemals jemand gerechnet hat. Es gilt deshalb dieses Szenario zu vermeiden, auch wenn ein Fehlerfall relativ unwahrscheinlich ist. Das kann sowohl mit Dioden als auch mit Sicherungen geschehen. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Dioden bringen eine relativ hohe Verlustleistung mit sich und werden dadurch recht warm. Eine Sicherung verursacht weniger Verluste und arbeitet eher passiv. Sie bietet außerdem den Vorteil, dass man ein Problem im Strang durch das Auslösen schneller erkennen kann, während die Diode einfach nur sperrt.

    Es macht Sinn die Stränge in einem GAK/Verteiler zusammenzuführen anstatt Y-Adapter mit Sicherungen "im Stecker" o.ä. zu verwenden, sodass man einen zentralen Punkt hat, an dem man die Anlage warten kann.


    Zu was ein Rückstrom fähig ist (Ursache hier: falsche Verkabelung) hatte ich ja bereits verlinkt:


    https://photovoltaikbuero.de/p…randursache-photovoltaik/


    Zitat

    Für Solarteure, sofern vorgeschrieben, ist das natürlich ein Muss - die schießen sich sonst selbst ins Knie.


    Für "Do it yourself"-Installationen sehe ich das anders

    Ich nicht. Es ist egal wer das macht, es gehört richtig gemacht. Das ist genau der Grund weshalb DIY-Installationen immer kritisch betrachtet werden.



    Zitat

    Hat es hier im Insel-Forum, über all die Jahre, Fälle von Schäden durch Rückströme gegeben?

    Das Risiko ist nicht so hoch und es gibt im Insel-Forum meines Wissens tatsächlich keinen Fall. Die Meisten hier machen es aber auch richtig und verbauen Sicherungen. Der Rest meldet sich meistens erst an, wenn es schon Probleme gibt. Dabei handelt es sich aber meistens um "kleinere" Probleme. Für "Hilfe, mein Modul brennt" wird sich hier keiner anmelden. Die Frage müsste also erweitert werden mit der Frage ob schonmal eine Sicherung durchgebrannt ist.



    Gruß


    schlossschenke

    980Wp - Victron 100/50 - Soltronic MPPT7520 - 12V 260Ah - Multiplus 12/2000 - BMV700

  • Da wäre es schön, wenn man z.b. wüsste wie groß der Verbrauch eines Solarmoduls ist - ist es derselbe Verbrauch wie auch die Leistungsdaten angeben - z.B. bei 9A Modulstrom kann das Modul auch 9A bei der selben Spannung wie angegeben aufnehmen? Das würde mich grad interessieren, hab selbst 2 Module gleicher Bauart paralell, das eine kann aber manchmal vom Schnee bedeckt sein. Oder ab wann brauche ich eine Strangdiode? Vielleicht gibts ja da schon Erfahrungswerte - oder was zum Ausrechnen.

  • z.B. bei 9A Modulstrom kann das Modul auch 9A bei der selben Spannung wie angegeben aufnehmen?

    Es geht beim Rückstrom um die Stromfestigkeit, ähnlich wie bei einem Leitungsschutz, deshalb ist die Spannung erstmal nebensächlich. Der Strom ist im Kurzschluss am höchsten und sinkt mit steigender Spannung. Die Dunkelkennlinie gibt Auskunft darüber wann diese beispielhaften 9A erreicht werden.


    BTW: Ich glaube e-zepp und iron-age haben mal den nächtlichen Rückstrom von PV-Modulen direkt an der Batterie angeschlossen gemessen. Ich meine der war relativ gering, aber das ist schon länger her.


    hab selbst 2 Module gleicher Bauart paralell, das eine kann aber manchmal vom Schnee bedeckt sein. Oder ab wann brauche ich eine Strangdiode?

    Bei dir kannst du alles so lassen wie es ist, das ist ungefährlich.

    980Wp - Victron 100/50 - Soltronic MPPT7520 - 12V 260Ah - Multiplus 12/2000 - BMV700

  • im Normalfall, wenn man die gleiche Anzahl Zellen parallelschaltet kommt es zu keinen Rückströmen. Auch bei Verschattungen strömt nix zurück.

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Ich nicht. Es ist egal wer das macht, es gehört richtig gemacht.

    Genau. Wenn jeder denkt, ich mache es richtig, dann machen es alle richtig. :ironie:

    Bei Grid Anlagen gibt es diverse Normen oder den DGS Ordner etc, bei Inseln ist das eher Mangelware.

    Wie soll jetzt ein interessierter Kunde wissen, dass ihm der Solateur die richtigen Komponenten empfiehlt und welche Sicherung wohin gehört?

    Er hat ja nicht immer das Forum im Rücken, bzw die meisten Menschen auf der Welt kennen es überhaupt nicht.

  • Zu was ein Rückstrom fähig ist (Ursache hier: falsche Verkabelung) hatte ich ja bereits verlinkt:


    https://photovoltaikbuero.de/p…randursache-photovoltaik/

    Nimm's mir bitte nicht übel, Schlossschenke, aber das wird nicht wahrer dadurch, dass Du's immer wieder behauptest. Da ist kein einziges mA an Rückstrom geflossen, im Gegenteil. ;-) Da wurde ein ganzer Strang verpolt, dann haben die Bypassdioden die Module zunächst mal geschützt. Dann hat eine die Grätsche gemacht, und das Modul mit der kaputten Bypass-Diode wurde dann zur Last, die die von den anderen beiden Strängen erzeugte Energie umsetzte - bis zu fünfeinhalb kW. Nach meinem Verständnis hat das Modul dann tragischerweise auch noch die Bypassdioden der anderen Module geschützt, weil es dann den Strom begrenzte - vorher war ja keine Last da, außer den Dioden. Wären die anderen auch noch geknallt, wäre es besser gewesen, dann hätten sich die fünfeinhalb kW wenigstens auf 22 Module verteilt, dann hätte es wahrscheinlich nicht gebrannt.


    Eigentlich erklären sie es Dir mit einem netten Schaltbild.


    Mal so als Frage an Dich: Wenn Du sowas mit Strangsicherungen verhindern wolltest, wie würdest Du dann die Sicherungen bemessen? Nur nach Rückstromfähigkeit hilft da nicht, da musst Du die Belastbarkeit der Bypass-Dioden auch noch berücksichtigen.


    LG

    Boitel

  • Wie soll jetzt ein interessierter Kunde wissen, dass ihm der Solateur die richtigen Komponenten empfiehlt und welche Sicherung wohin gehört?

    Er hat ja nicht immer das Forum im Rücken, bzw die meisten Menschen auf der Welt kennen es überhaupt nicht.

    Viel schlimmer noch, offensichtlich kann man sich selbst bei einem bezahlten Solarteur nicht sicher sein, dass der weiß, was er tut. Das Beispiel von Schlossschenke ist da ein wirklich warnendes Beispiel, und echt lesenswert: Die haben es geschafft, die MC-4-Stecker teilweise polrichtig, und teilweise polfalsch anzuschließen - und haben sich dann in ihrem eigenen Chaos verheddert.


    Offensichtlich sind Module (oder Kabel) mit falsch angeschlossenen MC4-Steckern auch käuflich erwerbbar, wie dieser Thread zeigt. ;-)


    LG

    Boitel