Hallendach von Verein für PV nutzen - Betreibermodell

  • Hallo,

    das Thema "wie können Vereine durch PV-Anlagen auf ihren Dächern profitieren", wurde noch nicht tiefer beleuchtet; hab nur Photovoltaik Anlage für Verein gefunden, nicht sehr ergiebig.


    Mein Sportverein, in dem ich Mitglied bin hat u.a. eine 750qm Halle, völlig unverschattet.

    Der Verein bringt es auf knapp 5.000 kWh/a Stromverbrauch,

    Dreiphasige 80A-Anschlüsse ans Netz (-entsprechen etwa 60kW?) sind vorhanden.

    Ungünstig ist evl. , dass unser gerade verlängerter Pachtvertrag (von der Kommune) für das Grundstück, auf dem unsere Vereinshallen (in Vereins-Eigentum) stehen, "nur" bis 2045 läuft. Könnte also sein, dass wir nach ausgelaufener EEG-Förderung alle Liegenschaften incl. Solaranlage verlieren ohne Entschädigung.


    Auf die 30m x 25m Halle -ich stelle noch Zeichnungen ein- würde ein Vielfaches an Leistung passen - ich weiss.

    Aufgrund der EEG-kWp-Grenzen würde trotzdem ich knapp unter 30 kWp bleiben, da das für den Eigenverbrauch völlig reicht, wir vsl. zu viel "Hampelmann" beim VNB oder EVU machen müssten, um bis 40kWp oder an die 60kWp zu gehen und wir das Mehr an Kapitaleinsatz auch nicht einfach auftreiben können.


    Aus obigem Thread hab ich erfahren, dass es die einfachste Lösung ist -so wie das jeder Eigenheim-PVler macht-:

    ein oder mehrere Vereinmitglieder finanzieren und betreiben die PV-Anlage

    Geschäftsform: GbR,

    USt-Voranmeldungen;

    Eigenstromverbrauch an Verein verkaufen, dafür z.B. Dachmiete zahlen.


    Dass dies besser wäre, als wenn der Verein betreibt, weil:

    - Gemeinnützigkeit des Vereins gefährdet wird

    - dem Verein oft die Mittel für die Installation der Anlage fehlen

    - Geschäftsbetrieb, dem das FA Gewinnerzielungsabsicht unterstellt, aus dem Verein in Förderverein/Stiftung o.ä. ausgelagert werden müsste (verbunden mit mehr Aufwand für Kassenwart des Vereins)

    - steuerlich fraglich ist, ob ein Verein die USt erstattet bekommen kann

    - unklar ist, ob die Kassenwarte des Vereins, die in 20 Jahren bestimmt wechseln, mit dem Steuer-Mehraufwand der PV-Anlage klarkommen

    - ebenso unklar, ob sich immer ein Vereinsmitglied über die 20 Jahre findet, der bei technischen Probleme/neuen Vorgaben (smartmeter und was alles noch in 20 Jahren kommt...) ehrenamtlich zeitnah interveniert (der 'TEAM-Effekt' - "Toll Ein Anderer Machts!") - wenn das Problem einer GbR 'auf die Füsse fällt', weil die PV ausfällt, stört das den Vorstand bestimmt -viel- weniger


    Hab unseren Vorstand noch nicht gefragt, doch ich vermute, dass der Verein seine klammen finanziellen Mittel nicht für ein PV hergeben will und kann.


    Meine Fragen:

    - Hat jemand Verträge mit Vereinsvorständen zw. Verein und GbR aufgesetzt - welche Vereinbarung hat sich bewährt/was nicht?

    - Welche Benefits für den Verein sind möglich (Eigenstrom-Preis günstiger als Netzstrom an Verein verkaufen / Dachmiete / ...), welche haben sich bei Euch nicht bewährt?

    - Welche Probleme können für den Verein bestehen im Zusammenspiel mit der GbR? -Spielt z.B. das FA bei dem Strom-Verkauf an den Verein nicht mit?


    Das erstmal; Zeichnungen von der Halle stelle ich noch ein - hab mich mit der Idee auch noch nicht beim Vorstand gemeldet


    MFG seahawk - 'Zahme Vögel singen von Freiheit - wilde Vögel fliegen'

  • Wie wäre denn eine Inselanlage? Bei der Fläche doch sicher möglich? Wobei vermutlich habt Ihr Flutlicht oder?


    PS: Der Verein wird unter dem Strich vermutlich kein großes + Machen und Ihr habt nur Ärger am Hals. Ich würde es sein lassen.

  • Wie wäre denn eine Inselanlage? Bei der Fläche doch sicher möglich?

    wahrscheinlich ziemlich bescheuert.

    da könnte man die Euroscheine auch gleich anzünden: gleiches Ergebnis und weniger Aufwand.


    ein möglicher Ansatz ist daß der Verein die Dachfläche verpachtet, und der Pächter eine Volleinspeise-Anlage errichtet.

    da müssen halt im Vorfeld die rechtlichen und finanziellen/ steuerlichen/ förderrechtlichen Umstände fachkundig abgeklärt werden, nicht daß man sich für "kleines" Geld irgendwelche "großen" Nachteile einhandelt.

    Ein schwieriger Punkt kann da auch die Absicherung eines Investors sein, ein Eintrag einer entsprechenden Dienstbarkeit wäre zu prüfen.

  • ein Eintrag einer entsprechenden Dienstbarkeit wäre zu prüfen.

    Ohne den würde ich nicht investieren. Aber ob da die Kommune mitmacht, der ja wohl das Grundstück gehört.


    "nur" bis 2045 läuft. Könnte also sein, dass wir nach ausgelaufener EEG-Förderung alle Liegenschaften incl. Solaranlage verlieren ohne Entschädigung.

    Sollte die Anlage dann noch einen nennenswerten Restwert haben, muß man sie halt vorher abbauen und sonst überläßt man die Entsorgung der Kommune ;) (und im Ernst - sowas gehört natürlich vorher geklärt und mit in die Verträge rein).


    Klassisches Problem bei einer Sporthalle wird aber die Statik sein, so dicke sind de in aller Regel nicht dimensioniert. Da sperrt man einfacher die Halle bei Schneelast und/oder läßt die Feuerwehr das Dach abräumen, als mehr als nötig zu investieren.

  • Die Eintragung einer Dienstbarkeit im Grundbuch würde ich aus Kostengründen vermeiden (die würde ich allein zahlen müssen - wer sonst?); der Diskussionaufwand mit der Kommune und Rechtsverdrehern wäre es mir auch nicht wert.

    Zudem sieht unser Pachtvertrag nach 2045 eine automatische Verlängerung vor, wenn der Verpächter nicht kündigt. Es bleibt natürlich ein "Restrisiko" - Eure Einschätzung, wie wesentlich Ihr dieses Risiko einschätzt, hilft mir auch weiter.

  • das Thema "wie können Vereine durch PV-Anlagen auf ihren Dächern profitieren", wurde noch nicht tiefer beleuchtet;

    Dir geht es hier also nicht darum Profit zu machen, sondern einen Vorteil für den Verein zu generieren.

    Ein solcher Vorteil liegt dann entweder im Selbstbetrieb durch den Verein (höchster Vorteil) oder in einer Pachteinnahme evtl. in Verbindung mit einem günstigen Stromverbrauch aus der Anlage.


    In allen Fällen hat sich ein Vorteil nach spät. 20 Jahren realisiert, sodass es egal ist, ob sich 2045 irgendetwas ändert.


    Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass der Verein einen bemerkenswerten Anteil des Solarstroms selbst verbrauchen könnte. Flutlicht wird i.d.R. erst bei Sonnenuntergang eingeschaltet und auch sonst finden zur Hauptertragszeit eigentlich wenige Aktivitäten auf dem Sportgelände statt und wenn doch, fällt mir nicht viel ein, bei dem Strom verbraucht wird.

    Zudem würde sich hier noch die Frage stellen, ob der Verein die Betriebskosten selbst zahlen muss oder ob das die Kommune übernimmt?


    Nach der beschriebenen Konstellation (Grundstück der Kommune und Halle des Vereins) kann ich mir eher vorstellen, dass ein Erbbaurechtsvertrag geschlossen wurde. Dann müsste es auch ein zusätzliches Erbbaugrundbuch geben, in dem z.B. die Dienstbarkeiten für PV eingetragen werden müssten. Der Dienstbarkeitsgeber wäre dann nach meinem Verständnis der Verein. Ob ihr als GbR auf eine Sicherheit des Betriebs über 20 Jahre verzichten könnt, werdet ihr dann wohl entscheiden müssen (bzw. ggfls. die finanzierende Bank).

    Viele Grüße
    Bento


    Auch an Tagen, an denen der Himmel grau ist, ist die Sonne nie ganz verschwunden.
    (Arnaud Desjardins)

  • 80 A * 230 V * 3 Leiter = 55,2 kVA. Bei Südausrichtung geteilt durch 0,9 cos phi Blindleistung ca. 61,3 kWp abzüglich Systemverluste und wenn man auf ein paar kWh Spitzenertrag verzichtet gefühlt bis zu ca. 65 kWp. Das müsste bei einfachen Bedingungen für deutlich <900 EUR netto / kWp zu bauen sein.

    Wenn die an den Anschluss passen, das Dach sicher mitmacht dann kann auch gleich groß gebaut werden. Der Verein und die Gesellschafter freuen sich über die Rendite.


    > wir vsl. zu viel "Hampelmann" beim VNB oder EVU machen müssten, um bis 40kWp oder an die 60kWp zu gehen


    Woher nimmst du das? Ich kenne Haus(!)anschlüsse mit > 60 kWp darauf.

    EVU hat damit NICHTS zu tun.

    Jede Bank finanziert dir das übrigens günstig mit Handkuss. Und wenn es an Kapital fehlt beteiligen sich vlt. auch NaturStrom, EWS, SolarComplex, regionale Stadtwerke, Greenpeace Energy, ...

    Für ein solides Konzept ist das Kapital einfach aufzutreiben.


    Als Frage sehe ich hier eher die Statik.

  • Könnte also sein, dass wir nach ausgelaufener EEG-Förderung alle Liegenschaften incl. Solaranlage verlieren ohne Entschädigung.

    Einen ähnlichen Fall gab es mal mit einer Tennishalle. Da wollte die Kommune, der die Halle gehörte, nicht das Risiko bzw. die Kosten für diesen Fall übernehmen, was aber der Investor wollte. Damit das Projekt noch gerettet werden konnte, bot der Investor der Kommune an, für diesen Fall die Kosten zu übernehmen, wollte dafür von der Kommune aber weitere Dachflächen auf anderen städt. Gebäuden zur PV-Nutzung zur Verfügung gestellt bekommen. Dies lehnte dann der Rat ab, weil für die Vergabe erst Ausschreibungen dieser Dachflächen hätten stattfinden müssen.


    End vom Liad: Das Projekt wurde gecancelt.


    Eigenverbrauch lohnt nur bei rel. hohem Netzbezug UND wenn PV-Lastgang und Verbrauchslastgang gut übereinander passen. Beides glaube ich hier eher nicht. Der Vorteil wäre dann die reduzierte EEG-Umlage (nur 40%) wodurch die Stromkosten sinken. Ansonsten ergibt nur Volleinspeisung Sinn - bei max. Vollbelegung (Skaleneffekt). Dazu muß die Halle natürlich geeignet sein (gute O-W-Ausrichtung, flache Dachneigung und mögl. kein Aufständern, Tragfähigkeit, etc.).