Verständnisfragen Kosten (Moderne Messeinrichtung und Intelligentes Messsystem)

  • Hallo liebe Mitglieder,


    ich habe hier in den letzten Tagen viel gelesen, da ich über die Anschaffung einer PV-Anlage nachdenke. Zunächst einmal finde ich es ganz toll, dass ist dieses Forum gibt und hier ein so reger Austausch stattfindet.


    Mögliche Größenordnung meiner PV-Anlage: ca. 12 kWp, konservativ geschätzt ca. 10.000 kWh Erzeugung im Jahr, davon 1.200 kWh Eigenverbrauch Haushaltsstrom (bei 3.000 kWh gesamt im Jahr) und 500 bis 800 kWh Wärmepumpenstrom (bei 4.500 kWh gesamt im Jahr). Irgendwann später vielleicht auch noch ein e-Auto.


    Derzeit - ohne Photovoltaik - habe ich zwei Ferraris-Zähler, einer für den Haushaltsstrom, der zweite (als Zweitarifzähler) für den Wärmepumpenstrom.

    Für die jeweiligen Stromtarife zahle ich derzeit jeweils Grundgebühr sowie den Preis für die genutzte kWh.

    Irgendwelche direkten Gebühren an den Netzstellenbetreiber zahle ich nicht.


    Aufgrund der Wärmepumpe wäre als Messkonzept die Kaskadenschaltung interessant, siehe bspw. Messkonzept für Wärmepumpe und PV

    Überschlägig käme ich da mit etwa 50 € im Jahr günstiger weg, als wenn ich die Wärmepumpe künftig an den Zähler für Haushaltsstrom hängen würde (Kosten für Zähler zunächst außen vor gelassen).


    Nun sind bei mir einige Fragen bzgl. der künftigen Kosten der Messstellen entstanden, die ich mir trotz des Lesens vieler Threads nicht beantworten konnte. Vielleicht könnt ihr mir helfen, sollten die Fragen jedoch schon beantwortet sein, dann wäre ich den Moderatoren dankbar wenn Sie diesen Thread einem anderen zuordnen könnten.


    1) Zunächsteinmal gehe ich davon aus, dass meine Zähler auf eine "moderne Messeinrichtung" umgestellt werden muss, richtig?


    2) Das hieße dann bei der Kaskadenschaltung drei Zähler: zwei Zweirichtungs-Eintarifzähler und einen Erzeugungszähler.


    3) Da zunächst als moderne Messeinrichtung installiert, würden hier laufende Kosten von 20 € pro Zähler jährlich entstehen? Also 60 € im Jahr? Wer stellt mir dafür eine Rechnung?


    4) Wenn die Umstellung auf das intelligente Messsystem kommt, heißt das dann dass ich für den ersten Zähler dann 100 € statt 20 € zahle, insgesamt also 140 € im Jahr?


    5) Zusätzlich habe ich festgestellt, dass die Stromanbieter für ihren jeweiligen Tarif im Falle des intelligenten Messsystems die Grundgebühr um etwa 10 € monatlich erhöhen. aufgrund von zwei genutzten Tarifen würden damit jährlich zusätzlich 240 € anfallen. Ist das richtig?


    6) Wenn das alles zutrifft, hätte ich künftig zusätzliche fixe Kosten von 380 € im Jahr!! Damit müsste ich die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage in Frage stellen.


    Ich hoffe ich habe hier irgendetwas falsch verstanden und ihr könnt mir weiterhelfen!


    Viele Grüße, Jim

  • Zitat

    Aufgrund der Wärmepumpe wäre als Messkonzept die Kaskadenschaltung interessant, siehe bspw. Messkonzept für Wärmepumpe und PV

    Überschlägig käme ich da mit etwa 50 € im Jahr günstiger weg, als wenn ich die Wärmepumpe künftig an den Zähler für Haushaltsstrom hängen würde (Kosten für Zähler zunächst außen vor gelassen).

    Die Kaskade macht aus unserer Sicht oftmals Sinn. Wir haben dazu auch mal einen kleinen Rechner gebastelt (xls) den wir gerne verproben und dann zur Verfügung stellen wollen... Ist noch nicht final, aber kann ich gerne mal schicken (sozusagen als Beta Version .-))

    Zitat
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    1) Zunächsteinmal gehe ich davon aus, dass meine Zähler auf eine "moderne Messeinrichtung" umgestellt werden muss, richtig?

    Eine moderne Messeinrichtung ist nichts anderes als ein Zähler... Man kann diesen Zähler an eis Smart Meter Gateway anbinden und das ist das "Besondere"... Alle Zähler werden in den nächsten Jahren dich mME umgebaut und neue Zähler i.d.R. als mME ausgeführt.

    Zitat

    2) Das hieße dann bei der Kaskadenschaltung drei Zähler: zwei Zweirichtungs-Eintarifzähler und einen Erzeugungszähler.

    Korrekt+ Zählerplatz für den Rundsteruempfänger


    Zitat

    3) Da zunächst als moderne Messeinrichtung installiert, würden hier laufende Kosten von 20 € pro Zähler jährlich entstehen? Also 60 € im Jahr? Wer stellt mir dafür eine Rechnung?

    2-Richtungszähler (Z1) auf der Rechnung des Lieferanten des Haushaltsstrom

    WP-Zähler (Z2) auf der Rechnung des Lieferanten Wp Strom

    Erzeugungszähler wahrscheinlich auf der EEG Abrechnung (bin ich mir aber nicht sicher).

    Zitat

    4) Wenn die Umstellung auf das intelligente Messsystem kommt, heißt das dann dass ich für den ersten Zähler dann 100 € statt 20 € zahle, insgesamt also 140 € im Jahr?


    Aus meiner Sicht ja. Das Gesetz liest sich anders (siehe "Wir werden Messstellenbetreiber", aber ich denke es ist wie von Dir geschrieben. -> POG


    Zitat

    5) Zusätzlich habe ich festgestellt, dass die Stromanbieter für ihren jeweiligen Tarif im Falle des intelligenten Messsystems die Grundgebühr um etwa 10 € monatlich erhöhen. aufgrund von zwei genutzten Tarifen würden damit jährlich zusätzlich 240 € anfallen. Ist das richtig?

    zum Glück: Nein. Die werden die Grundgebühr nur erhöhen, wenn die MSB Kosten nicht direkt abgrechnet werden.... Winn Du die 140 Euro oben bezahlst, hat sich das mit der Grundgebühr erledigt und das Gegenteil ist der Fall: Die Grundgebühr müsste um die aktuellen MSB Kosten sinken (rd. 20 Euro pro Jahr*Zähler)


    Zitat

    ca. 12 kWp, konservativ geschätzt ca. 10.000 kWh Erzeugung im Jahr, davon 1.200 kWh Eigenverbrauch Haushaltsstrom (bei 3.000 kWh gesamt im Jahr) und 500 bis 800 kWh Wärmepumpenstrom (bei 4.500 kWh gesamt im Jahr). Irgendwann später vielleicht auch noch ein e-Auto.

    12 kWp ist eher ungewöhnich, aber die Frage um die Dimensionierung der ANlage ist in der allgemeinen Anlagenplanung besser aufgehoben.

  • Vielen Dank für die umfassende und sehr hilfreiche Antwort!

    Zitat

    Die Kaskade macht aus unserer Sicht oftmals Sinn. Wir haben dazu auch mal einen kleinen Rechner gebastelt (xls) den wir gerne verproben und dann zur Verfügung stellen wollen... Ist noch nicht final, aber kann ich gerne mal schicken (sozusagen als Beta Version .-))

    Gerne ... dann kann ich schon mal genauer rechnen :)


    Zitat
    Zitat

    5) Zusätzlich habe ich festgestellt, dass die Stromanbieter für ihren jeweiligen Tarif im Falle des intelligenten Messsystems die Grundgebühr um etwa 10 € monatlich erhöhen. aufgrund von zwei genutzten Tarifen würden damit jährlich zusätzlich 240 € anfallen. Ist das richtig?

    zum Glück: Nein. Die werden die Grundgebühr nur erhöhen, wenn die MSB Kosten nicht direkt abgrechnet werden.... Winn Du die 140 Euro oben bezahlst, hat sich das mit der Grundgebühr erledigt und das Gegenteil ist der Fall: Die Grundgebühr müsste um die aktuellen MSB Kosten sinken (rd. 20 Euro pro Jahr*Zähler)

    Da fällt mir schon mal ein Stein vom Herzen. Ich habe mir mal die AGBs einiger anderer Anbieter angeschaut. Dort wird nicht einfach eine pauschaler Betrag von 10 EUR im Monat draufgeschlagen, sondern ganz konkret darauf hingewiesen, dass das an den Messstellenbetreiber zu richtende Entgelt an mich weitergereicht wird, aber nur dann, wenn ich es nicht direkt entrichte: " ... werden die Entgelte hierfür entweder direkt vom Messstellenbetreiber in Rechnung gestellt oder vom Lieferanten XXX durch Korrektur der Preise an den Kunden weitergegeben."



    Zitat

    12 kWp ist eher ungewöhnich, aber die Frage um die Dimensionierung der ANlage ist in der allgemeinen Anlagenplanung besser aufgehoben.

    Ja dazu habe ich auch noch eine Frage, die ich demnächst dort stellen werde.


    Übrigens, ich denke, bei einem jährlichen Verbrauch von ca. 7.500 kWh (Haushaltsstrom und Wärmepumpenstrom zusammen, noch ohne PV) wäre ich doch sowieso ab 2020 von der Umstellung auf ein intelligentes Messsystem betroffen: "Ab 2020: Haushalten und Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden müssen einen intelligenten Stromzähler (Smart Meter) bekommen."

  • Zähler werden vom VNB getauscht/installiert. Bei der IBN unserer PV wäre eigentlich der VNB gekommen und hätte die Zähler gesetzt. Ich habe ihm in einem Telefongespräch mitgeteilt, dass ich den Messstellenbetreiber wechseln werde. Er ist dann nicht mehr gekommen und ComMetering hat den Zählertausch und die Installation des Kommunikationsgateways in Absprache mit dem Solarteur direkt gemacht.


    Im Portal sieht das nun so aus:


    Wir haben dadurch höhere Kosten, unser Stromlieferant hat aber den Messtellenbetrieb aus seiner Grundgebühr herausgerechnet. Das sind schon mal 36 Euro im Jahr. Im solar-web von Fronius nutze ich die Standardversion ohne monatliche Gebühr. Die Mehrkosten liegen dann noch bei etwa 70 Euro.


    Im Einsatz sind bei uns 4 Zähler für Messkonzept 7 der NetzeBW.

    Zählerstände ablesen muss ich auch nicht mehr ;)

  • Zähler werden vom Messstellenbetreiber installiert. (Wortspiel Netzstellenbetreiber siehe vorletzten Beitrag.) Der grundzuständige Messstellenbetreiber heißt meist wie der VNB. Manche Messstellenbetreiber lassen die Zähler auch durch den Elektroinstallationsbetrieb einbauen. Die erforderlichen Zählerplätze installiert immer der Elektroinstallationsbetrieb vor. Ob alle Zähler als moderne Messeinrichtung oder intelligentes Messsystem eingebaut werden müssen, weiß ich nicht. Mir wurde angekündigt, der Zweirichtungszähler werde in eine moderne Messeinrichtung gewechselt. Der Generatorzähler soll nur wegen Ablauf der Eichfrist getauscht werden. Ende nächster Woche weiß ich was sie eingebaut haben werden.

  • Und das gilt auch bei dem Eigenverbrauchszähler? Denn dieser ist ja zusätzlich zu installieren, während die beiden anderen getauscht werden. D.h. also der Elektroinstallationsbetrieb muss also diesen Platz vorbereiten - wäre damit folgende Reihenfolge sinnvoll: PV-Anlage komplett installieren lassen inkl. Vorbereitung Platz für Eigenverbrauchszähler - danach Zählerwechsel / -installation durch Messstellenbetreiber?

    Wann wird die Anlage dann konkret in Betrieb genommen?

  • Und das gilt auch bei dem Eigenverbrauchszähler? Denn dieser ist ja zusätzlich zu installieren, während die beiden anderen getauscht werden. D.h. also der Elektroinstallationsbetrieb muss also diesen Platz vorbereiten - wäre damit folgende Reihenfolge sinnvoll: PV-Anlage komplett installieren lassen inkl. Vorbereitung Platz für Eigenverbrauchszähler - danach Zählerwechsel / -installation durch Messstellenbetreiber?

    Wann wird die Anlage dann konkret in Betrieb genommen?

    Ein "Eigenverbrauchszähler" ist dein Privatvergnügen. Zur Abrechnung braucht den keiner.


    Die "Vorbereitung" und Instandhaltung sämtlicher Zählerplätze (einschließlich der Zuleitung vom HAK) ist dein Bier, du "bestellst" eine Zähleranlage gem TAB und gem Vorgabe des VNB beim Elektriker und du zahlst die Rechnung dafür.

    mit freundlichem Gruß
    smoker59

  • Die IBN der Anlage meldet Dein Solarteur dem Netzbetreiber, das ist der Zeitpunkt, wenn WR und PV installiert sind und kann auch passieren, wenn der Zähler noch nicht gewechselt/gesetzt wurde. Einspeisen darfst Du dann aber noch nicht. Dafür braucht es den Zähler.

    Nicht zu vergessen ist die Meldung im Marktstammdatenregister - ohne Meldung, die DU machen musst, gibts keinen Taster.