Lang lebe der Bleiakku. Aber wie?

  • Du sprichst an, dass der Laderegler nicht weiss was gerade entnommen wird, wäre dementsprechend nicht eine Verknüpfung beider Zustände, Ladestrom und Entnahmestrom - und dessen Auswertung im Laderegler nicht sinnvoller?

  • Du sprichst an, dass der Laderegler nicht weiss was gerade entnommen wird, wäre dementsprechend nicht eine Verknüpfung beider Zustände, Ladestrom und Entnahmestrom - und dessen Auswertung im Laderegler nicht sinnvoller?

    Jepp, das steht da ja auch. Die Lösung, die Victron da jetzt wohl vorschwebt, ist aber extrem teuer, das kostet dann z.T. gleich ein mehrfaches des nackten Ladereglers.


    Wenn hier Leute mit VRLAs aufschlagen, könnte man ihnen hilfsweise empfehlen, die "max. Absorption Time" runter zu stellen. 4-5 Stunden (Default ist 6h) kommen nach meiner Beobachtung besser hin, was nicht heißt, dass es zuverlässig ist - den Fall, dass das auch daneben geht, hatte ich gerade heute morgen wieder, ich kann da auch ein Foto bringen, falls das interessiert. Wahrscheinlich kann es aber die Austrocknung etwas verlangsamen. Wobei das ohne den Bluetooth-Dongle auch wieder nicht geht, also: Kostenfaktor. Voraussetzung dafür ist, dass die Anlage dem Stromverbrauch entsprechend dimensioniert ist, sonst geht das (Sulfatierung) höchstwahrscheinlich nach hinten los. Die Default-Floatspannung (2,3V / Zelle) ist wahrscheinlich auch zu hoch für VRLA, jedenfalls war das bei meinen so, das habe ich ausprobiert.


    Letztlich wird es die einzige vernünftige Lösung sein, tatsächlich mit Drucksensor festzustellen, ob die VRLA gast, und dann runterzuregeln. Den Strom als Hilfsgröße zu nehmen, haut nur begrenzt hin, weil das:

    • temperaturabhängig ist
    • den Sulfatierungszustand der Batterie nicht berücksichtigt, der beeinflusst nämlich das Strom-/Spannungs-/Gasungsverhältnis

    Vielleicht fallen ja PVX noch mehr Gründe ein. ;-)


    Diese ganze IUoU-Geschichte mag für stationäre Ladung ohne gleichzeitige Energieentnahme ganz gut hinkommen, für VRLAs im PV-Betrieb taugt das nicht, das wird mir immer klarer. Und ich hab's viel mit allen möglichen Einstellungen versucht, bevor ich an dem Punkt angekommen bin.


    LG

    Boitel

  • Wie machen es die Laderegler - Victron z.B.: - wenn der Strom nicht einfach von der Batterie abgenommen wird sondern über den Ladeausgang? Und warum Bluetooth? Sind die Infos über die serielle Schnittstelle bei Victrons nicht verfügbar?

  • Wie machen es die Laderegler - Victron z.B.: - wenn der Strom nicht einfach von der Batterie abgenommen wird sondern über den Ladeausgang? Und warum Bluetooth? Sind die Infos über die serielle Schnittstelle bei Victrons nicht verfügbar?

    1) hab ich nicht ausprobiert, ich selber hab keinen mit Lastausgang. Du hast aber recht, für reine 12V/24V-Anlagen ohne Wechselrichter sollte das dann möglich sein. [Edit] Wobei ich's nicht glaube, der Strom wird z.B. bei der Lastabschaltung auch nicht in Betracht gezogen, obwohl das sinnvoll wäre, und die Information zur Verfügung steht. [/Edit]

    2) Das kannst Du halt nur über die Victron-App einstellen. Der Bluetooth-Dongle setzt nur die serielle Schnittstelle auf BT um. Das Protokoll, mit dem das gemacht wird, ist nur partiell dokumentiert, und Victron ist da sehr ruppig, die ändern auch die Bedeutung von Registern ohne Vorankündigung. Das ist mir zu riskant, am Ende geht da nach einem Softwareupdate was kaputt. Für Victron selber ist das kein Problem, weil die App auch die Softwareupdates mitbringt, so ist sicher gestellt, dass die App immer zum Softwarestand passt. ;-)


    Bis 2014 war die Dokumentationslage wohl noch besser, nachdem, was da steht, gab es wohl Zeiten, wo sie tatsächlich noch den Bootloader wenigstens partiell dokumentiert hatten.


    Wie gesagt, letztlich wird das ganze Strom-/Spannungsgedöns nur begrenzt hinhauen, weil es nur Mutmaßungen über den Gasungszustand zulässt. Es wirklich festzustellen, ist die einzig vernünftige Lösung.


    [Nochmal Edit] Die Werte, die Du wissen willst, heißen im Klartext-Protokoll "I" und "IL". Wobei "I" in der Bedeutung auch schon mal geändert worden ist (zwischen Firmware-Version 1.14 und 1.15.) [/Edit]


    LG

    Boitel

  • @Boitel, es gibt übrigens schon sehr sehr lange keine Blöcke mehr mit gemeinsamem Gasraum, auch wenn

    pvx das Löchlein an der Seite für einen Beweis dafür hält....

    Der Abblaß-Druck der Ventile bei einigen Gel-Akkus beträgt ca 120mbar, für AGM hab ich keine Werte, dürfte ähnlich sein.

    lg,

    e-zepp

    p.s: Upps- und sorry dass ich Dich schon wieder vollgelabert habe:roll:

  • Bei der Suche, wer denn nun recht hat, hab ich was Interessantes gefunden, schaut Euch das mal an.


    Hier schreiben sie auch noch ein paar ganz interessante Sachen darüber, welche Folgen Produktstreuungen der Ventile ihrer Meinung nach für die Lebensdauer von VRLAs haben.


    Die Homepage von denen mal durchstöbern, ist auch ganz informativ. Als "Business Partner" geben sie unter anderem Banner und Hoppecke an.


    LG

    Boitel

  • Da graust es mir, wenn ich solche Dilettanten sehe: Mit offener Flamme sulfathaltiges Blei einschmelzen, ohne Atemschutz, Schutzkleidung, Abzug... Mit bloßen Händen gebrauchte Elektroden handhaben, Kontakt angießen, immer die Nase drüber...

    Sie werden den Zusammenhang mit später auftretenden Erkrankungen nicht herstellen. Die Kriegsgefangenen in den Bleiminen in Sibirien haben ihn schon vor 70 Jahren beschrieben.


    "Blei schädigt das zentrale und das periphere Nervensystem, beeinträchtigt die Blutbildung und führt zu Magen-Darm-Beschwerden und Nierenschäden. Bleiverbindungen sind bis auf Ausnahmen als fortpflanzungsgefährdend (fruchtschädigend und Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit) eingestuft. Seit Juli 2006 bewertet die Deutsche Forschungsgemeinschaft Blei und seine anorganischen Verbindungen als „krebserzeugend im Tierversuch“." (Zitat aus wikipedia: Bleivergiftung)


    Manche Beiträger hier, die Argumenten oft nicht mehr zugänglich erscheinen und rumwüten, wenn sie was nicht verstehen, lassen mich an diese Diagnosen denken.

  • Du meinst das Video über die Produktion in Nepal, rechts neben dem Abertax-Video?


    Ich habe Solches und Ähnliches bei längeren Aufenthalten in Indien "bewundern" dürfen. Ein Menschenleben ist halt billiger, als gescheiter Arbeitsschutz, so ist das da halt. Die, die dieses Schicksal erdulden müssen. haben, mangels Schulbesuch, oft keine andere Wahl. als ihre Gesundheit zu Markte zu tragen. Ich habe auch erlebt, wie in der Familie beschlossen wird, das sich Sohn (oder, bezorzugter: Tochter) halt zum Wohle der Familie in so einem Drecksjob zu opfern haben.


    Viele der hier "entsorgten" Güter, auch wenn sie ordnungsgemäß beim Recycling abgegeben wurden, werden dann halt irgendwo in Entwicklungs- oder Schwellenländern unter solchen Umständen recycelt oder aufgearbeitet. Bezogen auf das Thema des Threads hier ein, zumindest für mich, nicht ganz unwichtiger Umstand.


    Mein Anliegen war, darauf hinzuweisen, dass durchaus schon Ansätze für einen besseren Umgang mit Blei-Säure Batterien vorhanden sind. Sie werden nur nicht umgesetzt, und das geht auf Kosten dieses Planeten und solcher - Entschuldigung - armer Schweine, wie in diesem Video. Vielen kommerziell orientierten Menschen ist das völlig egal, die folgen nur dem Klingeln ihrer eigenen Kasse.


    LG

    Boitel

  • Ja, danke Boitel. Ganz meine Meinung. Gleicher Arbeits- und Umweltschutz wie bei uns muss durchgesetzt werden. Siehe Textilindustrie. Auch das wird dauern, aber wir müssen dran bleiben.

  • Hallo Ihr,


    Mir sind bei der Entwicklung der Float-Geschichte mit dem Victron-MPPT ein paar ziemlich wichtige private Dinge dazwischen gekommen, was u.a. dazu führt, dass ich im Moment ganz woanders bin und aktuelle weder Zugriff auf einen vernünftigen Computer noch auf einen Victron-Laderegler habe. Da die Software aber stabil und zuverlässig funktioniert, veröffentliche ich das jetzt so als Notbehelf einfach mit Fritzing-Breadboard-Schaltung. Code und Fritzing unten.


    Hinweise:

    Die Originale-Schaltung ist mit dem aufgebaut, was ich gerade zur Hand hatte. Als Optokoppler (U1) kommt Original ein PC817c zum Einsatz. Der 4N35 war der einzige Optokoppler in der Fritzing-Library,die mir im Moment zur Verfügung steht, es sollte klappen, ich hab's aber nicht getestet, im Zweifelsfalle den PC817c nehmen. Andere Optokoppler, falls zur Hand, sollten auch klappen, ggf. muss man R3-R5 dann anders dimensionieren. Aktuell zieht die Schaltung 5mA aus dem LR, Victron spezifiziert 10mA Dauer und 20mA Peak, da ist also noch Luft drin. Die Belegung von J1 ist, noch links nach rechts: GND, TX, VCC. Grove-Stecker passen in den Victron-LR gut rein, wenn man mit dem Seitenschneider alles Überflüssige wegknipst.


    Zur Software: Eine vollständige Implementierung nach Victron-Recommendations ist mit dem Atmega 328 nicht möglich. Victron empfiehlt zwei Buffer a 792 Byte, das ist mit den 2k RAM des Atmega eigentlich nicht möglich, wenn man noch irgend was anderes machen will. Hilfweise habe ich nur einen Buffer genommen, aus dem die nötigen Werte dann ausgelesen werden, wenn die Checksumme o.k. ist, das funktioniert zuverlässig. Es gibt Implementierungen, die versuchen, den String einfach per Timeout einzulesen. Ich habe das versucht, und dann verworfen, weil der Victron auch ungefragt asynchrone HEX-Messages ausspuckt, und das führt zu Problemen, wenn die innerhalb des Timeouts vor oder nach den Text-Nachrichten kommen. Schlimmstenfalls gibt es dann einen Overflow, wenn der Buffer zu klein ist. Victron hat noch ein Hexprotokoll, dass aber sehr instabil ist, weil da die Bedeutung von Registern, oder sogar deren Länge(!) ohne Vorankündigung geändert wird, und so Scherzchen. Die seriösen Sachen, die zuverlässig laufen sollen (EmonCMS & Konsorten) setzen alle auf das Text-Protokoll.


    Was macht das: Es ist sinnvoll, sich zum Einstieg das Ursprungsposting durchzulesen, Man kann eine Mindest-Float-Zeit pro Woche definieren. Wird die nicht erreicht, wird abgeschaltet, und erst nach einer definierten Float-Zeit wieder eingeschaltet, man kann also bei Mangelladung eine Schnarchladung erzwingen, um der Sulfatierung der Batterie vorzubeugen. Zum Ein-Ausschalten wird PIN 8 benutzt, dass ist aber in den Defines änderbar, genau wie die Grenzwerte. Der Benutzer wird optisch vorgewarnt, wenn mangels hinreichender Volladung die Abschaltung bevorsteht, mit den Default-Werten beträgt die Vorwarnzeit mehrere Tage, in der der Benutzer Zeit hat, seinen Stromverbrauch dem Ertrag anzupassen.

    Zusätzlich gibt es noch eine konventionelle Unterspannungs-Abschaltung, die sich allerdings von den gängigen Lösungen dadurch unterscheidet, dass nicht bei einer gewissen Spannung, sondern erst bei Erreichen der Float-Phase wieder eingeschaltet wird. Dadurch soll erreicht werden, dass auf jeden Fall vor dem Wiedereinschalten eine annähernde Volladung erreicht wird, eine rein spannungsgesteuerte Lösung kann das nicht garantieren.


    Ideen, die ich noch hatte, aber die bisher nicht umgesetzt sind (sollte aber nicht schwierig sein):

    • Merhrere Lastausgänge, die durch unterschiedliche Grenzwerte getriggert werden. Ziel wäre es, die Last dynamisch dem Ertrag anzupassen.
    • Scoring der täglichen Ladungen, statt stur "Float-Zeit pro Woche". Beispiel wäre, bei 90% Floaten an einem Tag die doppelte Punktzahl zu vergeben - in dem Fall ist eigentlich klar, dass die Batterie sich dem "100%"-Ideal zumindest recht weit genähert hat. Passiert das zwei Tage in Folge, könnte man noch höher scoren.

    Wenn Ihr Fragen habt, fragt. Es kann im Moment, wie gesagt, ein paar Tage dauern, bis ich antworte, es gibt nun mal ein Leben außerhalb von Internet und Photovoltaikforum. Ab Anfang Juni sieht's bei mir voraussichtlich wieder besser aus.


    Wie gesagt, dass tut mir alles leid, ich kann's halt nicht ändern. Ich hoffe trotzdem, dem einen oder anderen mit der Sache, auch bei der Verwirklichung eigener Ideen, etwas geholfen zu haben.


    Für die Zukunft würde ich, im Sinne dieses Threads, lieber mit passenden Sensoren an die Batterien rangehen. Sich von einem einzelnen Hersteller abhängig zu machen, um dann bei Sachen zu raten, die man mit dem passenden Sensorium auch wissen könnte, erscheint mir nicht besonders sinnvoll. Hätte jemand Lust auf sowas, auf GPL-Basis? Wenn man Geld verdienen will, hindert einen die GPL ja nicht daran, man kann's nur nicht exklusiv machen. Ich selber stehe kommerziellen Ansätzen ziemlich kritisch gegenüber, aber das gilt selbstverständlich nur für mich. Vorteil der GPL wäre auf jeden Fall ein gewisser Schutz vor Patenttrollen, Abmahn-Anwälten und ähnlich "nett" gesinnten Zeitgenossen.


    Victron-Float.zip


    LG

    Boitel