Lang lebe der Bleiakku. Aber wie?

  • Es wäre ... ein Beitrag gut, in dem einfach drin steht, wie man es am Besten macht, und der evtl. noch sticky ist, damit man ihn auch leicht findet.

    Stand des Wissens und der Technik ist:


    Vor allem: Teilentladene Bleiakkus nicht rumstehen lassen sondern so schnell wie möglich ( mit maximal C5 bzw. nach Datenblatt oder Herstellervorschrift ) wieder voll laden.


    1. Alle Woche einmal bei mindesten 15 °C Akkutemperatur richtig voll laden - bis bei knapp über Gasungsspannung der Ladestrom nicht mehr sinkt.

    2. Alle Monat alle Zellen vollgeladen auf gleiche Ruhespannung kontrollieren und schwache Zellen individuell nachladen. Besser BMS verwenden.

    3. Alle Monat die Zellen mit destilliertem oder demineralisiertem Wasser auf MAX auffüllen.

    Dazu auf Leitfähigkeit ( < ~20 μS/cm ) geprüftes Wasser verwenden.

    4. Regelmäßig nicht tiefer als 50 % entladen. Besser nur 30 %.

    Nur ausnahmsweise tiefer. Wenn, dann umgehend wieder voll laden. (Manche Typen erlauben mehr, andere weniger.)

    5. AGM und Gel so laden, das aus den Überdruckventilen kein Gas austritt.

    6. Bei über 30 °C Akkutemperatur nicht, höchstens mit C50 entladen.

    7. Im Interesse langer Lebensdauer SD im voll geladenen Zustand auf 1,20 senken.

    8. Für guten Kontakt der Klemmen und ausreichenden Querschnitt der Anscjhluskabel sorgen damit sich die ersten und letzten Zellen einer Batterie bei starken Strömen wegen zu großer Widerstände nicht mehr erwärmen als die Anderen. (Ziel: Widerstand zwischen Akkupol und Verteiler- bzw. Massepunkt < Innenwiderstand einer Zelle.)

    9. Sulfatierte Zelllen voll laden und dann bei knapp über Gasungsspannung über Wochen evtl. Monate entsulfatieren bis der Strom bei dieser Spannung im Laufe einer Woche nicht mehr sinkt. (Gleiche Akkutemperatur beim Messen des

    Stroms vorausgesetzt.)

    10. Perfektion ist nicht immer möglich aber anzustreben.


    Ergänzungen willkommen. Emotionen bitte zurückhalten. Die gehören woanders hin.:)


    Überholte Ladevorschriften findet man in jedem Akkuhandbuch bzw. der Betriebsanleitung. Kann man machen, ist besser als nix, aber nicht optimal.

  • Hallo, einige Punkte sind aus meiner Sicht in einer Insel nicht sinnvoll durchführbar ohne die Insel über längerem Zeitraum außer Betrieb zu nehmen für eine reine Akkuwartung. Die oben angeführten Methoden Punkt 1 und 2 sind eigentlich nur mit extrem überdimensioniertem PV-Generator und einem 2 Kreis Batteriesystem(1System Betrieb, das andere wird gewartet) irgendwie zu machen. Da eine Ausgleichsladung oft 72h lt. Herstellerangaben dauert würde das jetzt um die Jahreszeit wie lange mit PV dauern?

    Punkt 6 wird bei vielen Gartenhütten auch nicht realisierbar sein ohne große Erdbewegungen.

    Es braucht hier auch Praxis-Tipps wie man ohne komplette Abschaltung der Insel auf eine vertretbare Ladelösung kommt um die Batterien so lange wie möglich vor Sulfat zu schützen, gibt es da aus Deiner Sicht einen Ratschlag?

    Grüße Toni.

  • Ich find das mit der regelmäßigen Aufladung nicht so schwierig. Du musst ja nur mit einer zweiten Batterie die Floatphase abends über Nacht verlängern. DC-DC-Wandler, Stromverbrauch über Nacht (und am nächsten Tag, falls die Solarleistung zu klein oder das Wetter zu schlecht ist) etwas einschränken, fertig sind 24h Float.


    LG

    Boitel

  • Hi Toni,


    :danke:für Deine konstruktiven Anregungen. Du hast völlig Recht. Es ist nicht alles unter allen Umständen realisierbar. Dennoch sollen diese Hinweise anregen, darüber nachzudenken, was frau/man tun kann, ohne sich zu verrenken oder sich unverhältnismäßige Kosten aufzubürden.

    Punkt 1 und 2 könnte sicher am Besten mit einem Zweikreis-Batteriesystem realisiert werden, wie Du es beschrieben hast. Mit geeigneten Zellen wird sich die Entsulfatierung vielleicht auch über Nacht machen lassen, wenn die Akkus von Anfang an so gepflegt werden. Dann dauert die Entsulfatierung auch nicht so lange, weil sich noch nicht so viel Sulfat angesammelt hat.

    Zur Inbetriebnahme neuer Akkus werde ich einen ähnlichen Leitfaden formulieren. Desgleichen für Gebrauchte. Nun will ich jetzt erst mal die Reaktionen auf diesen abwarten. Du hast ja einen guten Anfang gemacht. :danke:

    Dazu:

    In gemäßigtem Klima sollte der Akku für den Sommerbetrieb auf die nackte Erde gesetzt werden und mit einer dicken wärmedämmenden Kappe ( > 10 cm Hartschaum) mit Gasauslaß am höchsten Punkt umgeben werden. Dann wird die Kühle des Erdreichs den Akku auf niedrigerer Temperatur halten als wenn er in der sich aufheizenden Hütte steht. Auch bis zum Kragen eingraben und dann nur noch eine allseits 0,5 m überlappende Dämmstoffplatte drauf legen wäre sicher oft auch ohne Baggereinsatz möglich.

    in den wärmeren Zonen sollte der Akku mit überschüssigem PV-Strom tags gekühlt werden (z.B. 20 W Peltier). Wenn er ringsum gut gedämmt ist heizt er sich über Nacht dann nicht so schnell auf. In diesem Fall ist Laden nur knapp über Gasungsspannung besonders wichtig, damit im Akku nicht unnötig Wärme entwickelt wird. Besonders wenn auf Rekombination gesetzt wird wie bei AGM, Gel und sogenannten Wartungsfreien.

    In den kalten Zonen ähnlich, nur eben tags heizen statt kühlen. :mrgreen:


    In Gartenhütten mit Wochenendbetrieb sollte der Akku während der Woche dauernd knapp über Gasungsspannung geladen und so entsulfatiert werden. Sonst eben, wenn nötig, Zweikreis.

    Nach Volladung ist die benötigte Leistung für die Entsulfatierung bei schwachem Gasen (z.B. mit < C100) nur noch gering. Diese kann, wie auch boitelratte eben beschrieb, eine tags mitgeladene kleine Batterie dann zwischen 16 und 10 Uhr des nächsten Tages bringen. So kann dann zum Entsulfatieren auch die dustere Zeit genutzt werden.


    Vergessen hatte ich noch:


    11. Kreislauf-EUW mit Entgasungsleitung nach draußen oder Schaukel.

    12. Entladung nach Wetterprognose. D.h. nur so viel verbrauchen wie in den nächsten zwei drei Tagen voraussichtlich wieder geladen werden kann.

    13. SoC-Messung durch automatische SD-Messung. Nicht mit Schätzeisen über die Spannung oder mit automatisch korrigierten Integratoren.


    Freundliche Grüße

    pvx

  • Erst mal vielen Dank an PVX für die Arbeit. Ich finde das gut, wenn wir uns hier solche Gedanken machen.


    Du hattest um Ergänzungen gebeten. Ich möchte mal kurz eine Idee vortragen, die mir seit einigen Tagen durch den Kopf geht:


    Die herkömmliche Technik zur Lastabschaltung, sei sie SOC- oder spannungsgesteuert, betrachtet nur den Enladungszustand - wie oft die Batterie tatsächlich voll geladen wird, spielt keine Rolle. Und so siechen nach meiner Beobachtung zum Herbst hin (und im Winter erst recht) viele Batterien in teilentladenem Zustand vor sich hin.


    Wie wäre es, die Abschaltung an die Floatzeit der, sagen wir, letzten Woche zu hängen? Ab einer gewissen Schwelle wird der Benutzer vorgewarnt, geht die Floatzeit noch weiter runter, wird abgeschaltet. Eine gewisse Floatzeit (z.B. 15h) dann als Wiedereinschaltschwelle. Die Vorwarnzeiten für den Benutzer wären viel länger, als bei spannungsgesteuerter Abschaltung - er könnte sich in seinem Stromverbrauch frühzeitig darauf einstellen. Eine dynamsische Vorwarnung (grün-rot-gelb oder sowas) wäre auch möglich.


    Was haltet Ihr von der Idee? Technisch ist das leicht umzusetzen, da reicht der kleinste Micocontroller, der Algorithmus ist nicht gerade anspruchsvoll.


    LG

    Boitel

  • Lieg ich da nun falsch, Wochenendhütte ist so ein Thema, isolieren oft nicht möglich, helfend wäre doch die Temperaturdrift im Laderegler richtig einzustellen, damit auch im Winter die Batterie mit höherer Spannung geladen wird?

  • Hallo, der Knackpunkt bei der SOC Steuerung ist nicht nur der Abschaltpunkt sondern auch in Kombination der Wiedereinschaltpunkt. Wenn man den Wiedereinschaltpunkt auf SOC 100% setzt, so mache ich es im Winter, hat man das Problem beseitigt und es ist mit einem kaufbarem Massenprodukt (BMV700) leicht zu machen. Der von Dir vorgeschlagene Algorithmus ist sicher auch nicht schlecht, ist aber nicht als Produkt kaufbar und kann nur von einem Elektronikbastler selbst gebaut werden, daher für die Meisten hier nicht zielführend.

    Die automatische SD Messung klingt gut, ist aber auch kein kaufbares Produkt und ist somit wie oben nicht zielführend. Alle hier besprochenen Pflegeladungen sind natürlich nur bei einer Inselabschaltung oder sehr großem 2 Kreisbatteriesystem mit Umschaltarbeiten machbar, das wiederum auch kaum eine Wochenendhütte hat. Wenn man dann schon mal dort ist möchte man sicher nicht Batteriewarten sondern das Wochenende genießen, die Entsulfatierung sollte daher voll automatisch funktionieren.....

    Mein System mit der Diode in einem Kreis einer 2 Kreisbatterie funktioniert so, man könnte damit bei einer Wochenendhütte eine ganze Woche entsulfatieren ohne dass man vor Ort ist.

    Grüße Toni.

  • Toni - kannst du das malals Skizze hier rein stellen? Ich komm grad nicht dahinter wie man das machen kann, zumal ja zum entsufatieren man ja auch ne höhere Spannung braucht. Für deine Hilfe wär ich dankbar.

  • Toni - kannst du das malals Skizze hier rein stellen? Ich komm grad nicht dahinter wie man das machen kann, zumal ja zum entsufatieren man ja auch ne höhere Spannung braucht. Für deine Hilfe wär ich dankbar.

    Hallo, einfach eine kräftige Diode in die +Zuleitung zur Batterie, somit kann nicht mehr entladen werden, es muss aber eine 2. Batterie vorhanden sein sonst funktioniert der Laderegler nicht mehr. Wenn der Laderegler 2,4V/14,4/28,8V bringt dann fehlen ca. 0,6V von der Diode, entweder man stellt den Laderegler um die 0,6V höher oder es dauert eben länger. Macht wie gesagt bei 2 Kreisen Sinn, da dann der Kreis mit der Diode nur geladen wird.

    Als Diode kann man welche vom Brückengleichrichter verwenden, man muss aber schon ein Kühlblech verwenden. Wenn man auf beiden AC eine Brücke legt und bei + rauskommt hat man 2 Dioden parallel geschaltet.

    https://www.reichelt.at/brueck…Fh7TdORoC8dcQAvD_BwE&&r=1

    Noch als Anmerkung, bei Gartenhütten die regelmäßig unter der Woche nicht benützt werden macht das keinen Sinn, bei Gartenhütten mit 2 Kreisen und teilweiser Mangelladung über den Sommer sehr wohl da die Batterie mit der Diode dann tagelang jeweils bei Sonne entsulfatiert.

    Grüße Toni.