Eigentümerwechsel und Besteuerungsmodell

  • Hallo zusammen,


    ich habe ein Haus gekauft (Übergabedatum Anfang März) mit knapp 7 kW installierter PV-Leistung. Der Vorbesitzer hat die Anlage 2014 in Betrieb genommen (Kosten ca. 10.000 Euro exkl. MwSt.) und ist das Modell der Regelbesteuerung eingegangen mit einem von ihm angemeldeten Gewerbe. Nun steht uns offen, ob wir die Kleinunternehmerregelung wählen oder auch die Regelbesteuerung so fortsetzen wollen.


    Für den Fall der Kleinunternehmerregelung hat der Vorbesitzer angekündigt, etwaige Steuernachforderungen an ihn an mich weiterreichen zu wollen. Dies könnte passieren, da er nur ca. 4,5 Jahre die Regelbesteuerung ausgeführt hat und keine vollen 5 Jahre.


    Daher meine Fragen:

    1) In welcher Höhe könnte sich eine Steuernachforderung bewegen, falls es überhaupt eine im Falle eines Eigentümer/Besitzer-Wechsels geben kann (die jährliche Einspeisevergütung betrug zw. 600 und 700 Euro)?

    2) Wäre es rechtens, eine solche Nachforderung an uns weiterzureichen? Im Kaufvertrag sind dazu keine besonderen Regelungen getroffen, die PV-Anlage ist aber als mobiles Inventar inkl. Restwert dort gesondert aufgeführt.

    3) Habe ich das das Hilfsblatt vom bayr. Landesamt richtig verstanden, dass weder für die eine noch für die andere Regelung zwingend eine Gewerbeanmeldung (bei einem solch kleinen Ertrag) erforderlich ist?

    4) Im Falle der Regelbesteuerung: Ich habe ja für die Anschaffung der (Gebraucht)Anlage ca. 7.000 Euro gem. Kaufvertrag bezahlt. Kann ich mir die dort enthaltene Umsatzsteuer vom Finanzamt erstatten lassen?


    Ich würde ehrlich gesagt lieber die Kleinunternehmerregelung wählen, da weniger Aufwand für solche Beträge...


    Danke und Gruß

    Flo

  • Die Veräußerung der PV-Anlage ist eine Geschäftsveräußerung im Ganzen und somit umsatzsteuerfrei. Wenn du die Anlage mit USt gekauft hast, dann hast du Pech. Da die Veräußerung umsatzsteuerfrei ist, kannst du vom FA keine Vorsteuer zurück bekommen.


    Ob du die KUR wähslt oder nicht ist ganz allein deine Entscheidung. Wenn du die KUR wählst und der Berichtigungszeitraum der Vorsteuerkorrektur noch nicht abgelaufen ist, dann zahlst du einen Teil der Vorsteuer zurück. Der Verkäufer hat damit nix zu tun. Die Änderung ist bei dir eingetreten, nicht bei ihm.


    Der Berichtigungszeitraum beträgt 60 Monate seit Zuordnung zum Betriebsvermögen. Zuordnung 01/2014, die 60 Monate sind 12/2018 um gewesen. Zuordnung 12/2014 die 60 Monate sind erst 11/2019 um. 3/2019 KUR gewählt, musst 9/60 der Vorsteuer an das FA zurückzahlen.

  • Jep.


    Die Sorge des Veräußerers ist ebenso verständlich wie grundlos.
    Entscheidungen in Deiner Sphäre haben keine Auswirkung auf ihn. Es wird hier - völlig unabhängig von Deiner Entscheidung über die Anwendung der KUR oder die Option zur Steuerpflicht - keine Steuernachforderungen an ihn geben.
    Insofern kann man eine entsprechend geforderte Haftungsklausel auch unterschreiben. (Natürlich kein Persilschein... sondern schon klar die Ursachen der Nachforderung = aus der Anwendung der KUR durch den Erwerber benennen.)
    Derartige Klauseln sind - wann immer Unklarheit über die steuerliche Behandlung herrscht (wohl eher: man die Strategie "Versuch macht kluch" anwendet - absolut üblich und selbstverständlich (im Innenverhältnis) wirksam.


    Du solltest in dem Fall die Finger von der KUR lassen.
    Sie stellt eine bzgl. der Vorsteuerkorrektur nach §15a UStG relevante "Änderung der für den Vorsteuerabzug maßgeblichen Verhältnisse" dar.
    (Das der Vorsteuerabzug vom Veräußerer vorgenommen wurde und die Änderung (und deren Folgen) jetzt bei Dir einschlagen (würden) spielt hingegen keine Rolle.)


    Donnermeister hat es schon vorgerechnet. Zwischen 100 und 300 Euro gehen für Dich in dem Fall den Abfluss runter.
    Deine Entscheidung - Dein Geld.



    Was den Erwerb angeht: nicht steuerbare Geschäftsveräußerung im Ganzen. Es wird keine USt erhoben - und somit hat sich jede Frage nach Vorsteuer erledigt. Somit auch für die Frage "KUR- ja oder nein?" völlig unbeachtlich.


    Gewerbeannmeldung = Ordnungsrecht.
    Im Normalfall bedingt ein ordnungsrechtlicher Gewerbebetrieb wohl auch das Vorliegen von "Einkünften aus Gewerbebetrieb" nach EStG; auch der Umkehrschluss ist in der überwiegenden Mehrheit der Fälle durchaus zutreffend.
    PV bildet die Ausnahme. Eine ordnungsrechtliche Gewerbeanmeldung ist nicht erforderlich / entbehrlich. Teilweise weigern sich die Ämter wohl auch, eine Gewerbeanmeldung zu bearbeiten. (Womit? Mit Recht!)
    Selbstverständlich liegen einkommensteuerrechtlich dennoch Einkünfte aus Gewerbebetrieb vor.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Ich würde ehrlich gesagt lieber die Kleinunternehmerregelung wählen, da weniger Aufwand für solche Beträge...

    Da du sowieso keine Vorsteuer aus dem Kauf der Anlage geltend machen kannst, kannst du auch gleich die KUR wählen.

    Dann brauchst du auch keine Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch zahlen.

    Alle sagten das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hats einfach gemacht.

  • Du solltest in dem Fall die Finger von der KUR lassen.
    Sie stellt eine bzgl. der Vorsteuerkorrektur nach §15a UStG relevante "Änderung der für den Vorsteuerabzug maßgeblichen Verhältnisse" dar.
    (Das der Vorsteuerabzug vom Veräußerer vorgenommen wurde und die Änderung (und deren Folgen) jetzt bei Dir einschlagen (würden) spielt hingegen keine Rolle.)

    expert35 :

    lies mal bitte den zitierten teil von kpr, und dann denk nochmal über Deinen Text nach. Die Wahl der KUR ist zwar möglich, aber bei der Geschäftsveräußerung im Ganzen keineswegs vorsteuerneutral. Wahrscheinlich sind gar keine Voranmeldungen mehr abzugeben, so dass man ohne großen administrativen Aufwand den Ablauf des Berichtigungszeitraums abwarten kann.

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