Elektrisch Kochen im stromautarken Wohnmobil? 12V vs 24V

  • Ein freundliches Hallo in die Runde,

    ich hoffe, dass ich hier bei Euch richtig bin und euch meine Fragen nicht langweilen.


    Wir leben seit mehr als einem Jahr in unserem Wohnmobil. Autark, ohne jeglichen Landstrom. Zur Zeit kochen wir mit Gas, unsere Stromanlage sieht in Kurzform so aus:

    • 550Wp auf dem Dach mit MPPT Victron 100/50,
    • BMV 700
    • 200AH/12V LifePo4 Batterie,
    • 24/12V Stannungswandler von der Lichtmaschine Orion 24-12-40,
    • Victron BMS 12-200
    • Wechselrichter Fraron 1800W sinus

    damit betreiben wir

    • Kühlschrank 850W pro Tag,
    • 2 Laptops, Handys, Licht,
    • bei Bedarf Warmwasserboiler

    Gemäß Auswertung haben wir eine durchschnittliche Entladung von 77 Ah.

    Im Winter Dez/Jan müssen wir bei tiefstehender Sonne / Bewölkung etwa jede 2. Woche unseren Moppel anwerfen und die Batterie füllen.


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    Soweit zum IST-Zustand.


    Nun werden wir dieses Jahr unser Basisfahrzeug wechseln und den Wohnmobilkoffer komplett neu aufbauen.

    Unser Ziel ist es, auf Gas zum Kochen zu verzichten.

    Unsere derzeit angedachte Konfiguration ist:

    ca 1600 Wp auf dem Dach, 200Wp als Solarfaltkoffer

    600Ah LifePo


    Da wir stromtechnisch nicht die absoluten Cracks sind, fällt es uns aber schwer, einzuschätzen, ob wir mit dieser Erweiterung auch ein Induktionsfeld zum Kochen betreiben können. Insbesondere die Umrechnung von W/230V in AH /12V bekommen wir nicht gebacken.


    Auch wissen wir noch nicht, ob es Sinn ergibt, den Koffer auf 24V umzurüsten?


    Hat zufälligerweise jemand von Euch Erfahrungen mit unseren Vorstellungen und kann uns Rat erteilen?

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    Erst einmal vielen Dank im Voraus für Eure Hilfe und liebe Grüße

    Melia

    :danke:

  • Leistung (W) = Spannung (V) * Strom (A)


    Wenn du also beispielsweise 600W verbrauchst, sind das

    600W / 230V = 2,60A

    oder bei 12V

    600W / 12V = 50A

    Gehst du auf 24V ist der Strom entsprechend halb so groß:

    600W / 24V = 25A


    Meine Empfehlung: Lasst das mit dem Kochen per Strom, das geht Mobil entspannter mit Gas.

    So ein zwei Platten Induktionsfeld nimmt gerne 3500W....wenn du das nur 30min am Tag laufen hast, verballerst du

    3500 *0,5 (halbe Stunde) = 1750Wh

    Macht also: 1750Wh / 12V = 145,83Ah....da ist der Akku schnell leer...


    Vom Strom der durch die Kabel fließen muss garnicht zu sprechen....

  • Hallo Melia,


    willkommen im Forum. :)


    Insgesamt scheint es angebracht, bei 1600 Wp die komplette Anlage auf 24 V umzurüsten.

    An welchem Standort seid ihr? Welche Akkus sind im Fahrzeug selbst eingebaut, ist das bereits 24 V?


    Zur Berechnung:

    Jetziger Verbrauch 77 Ah * 12 V = 924 Wh mit Solargenerator 550 Wp.

    Wie hoch schätzt ihr den künftigen Verbrauch ein?


    Mittels Dreisatz ergäbe sich ein möglicher Verbrauch bei 1.600 Wp von ca 2.600 Wh pro Tag.

    Wären also 2.600 - 900 = 1.7 kWh mehr. Reicht das zum kochen?


    Je nach Standort und Jahreszeit wird es bei der Erzeugung große Unterschiede geben.

    Das müßte man noch genauer betrachten.

  • Wir betreiben so ein System seit 2006. Die Komponenten siehst Du in meiner Signatur.


    Wir nutzen die folgenden Geräte:

    - Kompaktbackofen mit Mikrowelle 3600 W

    - Cerankochfeld 3300 W

    - Wasserkocher 2.200 W

    - Kontaktgrill 1.800 W

    - Kapselkaffeemaschine 1.200 W

    - Heizpatrone 1000/2000 W

    - Heizpatrone Warmwasser 700 W

    - ...


    Das Kochen/Grillen kostet täglich etwa 1-2 kWh (167 Ah/12V, 83 Ah/24 V). Die 1.600 Wp bringen im Sommerhalbjahr auf dem Wohnmobil in Mitteleuropa 2-4 kWh/Tag. Du hast etwa 7,5 kWh zur Verfügung. Im Winterhalbjahr reicht das etwa 2-3 Tage. Dabei sollte man auch LiFePO4 nie ganz voll laden und nicht völlig entladen. Die Grenze liegt bei einem SOC Bereich von 10 % - 90 % bei etwa 80 % Nutzung.


    Für den Betrieb eines Induktionskochfeldes mit 2 Feldern braucht man einen Sinuswechselrichter mit 4+ kW Nennleistung, damit er auch im Sommer bei höheren Temperaturen ausreichend Leistung liefern kann. Geeignet sind sogenannte Dominofelder. Diese haben eine Anschlussleistung bis 3,6 kW. Wegen der hohen Leistung empfiehlt es sich ein 24 V System einzubauen. Für die 12 V Verbraucher kann man einen DC/DC Wandler verwenden.


    Ganz generell wird der Energieverbrauch beim Kochen überschätzt. Um 1 l Wasser zum Kochen zu bringen braucht man per Wasserkocher oder Induktion etwa 120-140 Wh. Es ist z.b empfehlenswert das Nudelwasser im Wasserkocher zum Kochen zu bringen und dann im Topf weiter zu kochen.


    Beim Kochen läuft die Herdplatte nur am Anfang mit hoher Leistung, später ist sie nur noch zum Halten der Temperatur an. Da kommt es dann auf dem Temperaturverlust an. Den kann man mit einem Deckel erheblich verringern.


    Das Grillen mit dem Kontaktgrill verbraucht bei uns typischerweise 500-1000 Wh. Das meiste kostet mit 10-15 Minuten das Aufheizen, Steaks sind in 2-4 Minuten fertig.


    Bei uns verbrauchen im Sommer die Kühl- und Gefrierschrank die meiste Energie.


    Als Lektüre kann ich Dir dieses PDF empfehlen.


    Den Teil mit den Bleibatterien kannst Du überspringen.



    Sehr zu empfehlen ist auf jeden Fall auch ein guter Batteriemonitor der jederzeit den Ladestand der Batterie anzeigt.


    Für die PV würde ich entweder je zwei 60-Zeller Module in Reihe schalten, oder ein Modul mit mindestens 80 Zellen verwenden und auf mindestens 2 Regler, z.B. von Victron 100/xx verteilen. Das bietet auch eine gewisse Ausfallsicherheit.


    Du kannst auch über zwei gleiche Wechselrichter nachdenken, um immer noch kochen zu können sollte einer defekt sein. Auch ist zu überlegen ob man die Batterie nicht in zwei unabhängigen Blöcken aufbaut.


    Redundanz kostet natürlich mehr und braucht mehr Platz.


    Bei uns ist es jedenfalls so dass aus Platzgründen die Batterie aus 100Ah/25,4V Modulen aufgebaut ist.



    Die Module sind völlig unabhängig voneinander und sind einzeln über 100 A Sicherungsautomaten an einer Kupferschiene angeschlossen. Man kann natürlich auch größere Blöcke bauen, aber zwei sollten es meiner Meinung nach sein. In der Masseleitung gibt es 2 bistabile Relais als Hauptschalter.


    (Bild ist noch mit 12 Bleibatterien)


    An den Kupferschienen sind wiederum die 2 6 kW Sinuswechselrichter und andere 24 V Verbraucher über Sicherungen angeschlossen.


    Alle 230 V Verbraucher können individuell über schaltbare Sicherungen auf einen der Wechselrichter geschaltet werden. Normal läuft aber nur einer der Wechselrichter und reicht bei etwas Planung auch um alle für das Kochen nötigen Verbraucher zu betreiben.



    Man kann das natürlich auch viel einfacher machen, hat halt dann nicht den Komfort und die Ausfallsicherheit.


    Für uns ist die Ausfallsicherheit wichtig da wir uns mit unserem Offroad Fahzeug auch abseits der Zivilisation bewegen, wo die Ersatzteilversorgung nicht immer gewährleistet ist. Da soll eben dann das Kochen auch immer noch funktionieren wenn eine Komponente ausfällt.

    Mobile Insel: PV 2kWp (mono), Solarregler 2xMPPsolar PCM5048 (MPPT), LiFePO4 1020Ah/25,6V, Lichtmaschine 4,2kW, Netzladegeräte 2xPhilippi AL30 24V, 2xKosun 6kW Sinus-WR 24V, Mastervolt Batteriemonitor BCM-III

  • Ich bin erst einmal überwältigt.

    Vielen Dank für diese sehr ausführlichen Informationen, die mit sehr gut weitergeholfen haben, die ich aber in ihrer Fülle erst einmal "verdauen" muss.


    Wir planen eine Weltreise zunächst entlang der Panamericana. Es werden also durchaus auch weniger sonnige Abschnitte auf der Reiseroute liegen.


    Die Frage ist nun, ob wir das mit 1600 Wp (mehr passt nicht aufs Dach) und 200Wp Faltmodul und Lichtmaschine erwirtschaften können. Und da werden wir wohl noch ein wenig rechnen müssen.


    Bestimmt werde ich mich danach noch mit speziellen Fragen an Euch wenden, wenn ich darf.


    :danke::danke::danke::danke::danke::danke:

    LG

    Meli

  • Servus Melia, ich verstehe noch nicht wirklich warum Ihr auf Gas verzichten wollt.

    Eine kleine 5kg-Flasche Flüssiggas (Tara 6,9kg) hat einen Heizwert von 60kWh!

    Das entspricht der nutzbaren Energie eines guten Bleiakku mit ca 2000kg und eines LiFePO-Akkus mit ca 500kg:shock:

    lg,

    e-zepp

  • Hallo e-zepp,

    unsere Gründe sind folgende:

    1. Entfall der Gasprüfung

    2. Einsparung von 2 Gasflaschen 11 kg (mit einer kommen wir etwa 3 Monate aus, dazu eine fürs Wechseln), die im Innenraum ziemlich viel Platz einnehmen würden. Außen können wir sie nirgends unterbringen.

    3. Gegen LPG spricht, dass es nicht weltweit verfügbar scheint.

    Für Strom spricht:

    Er lädt sich immer wieder von selbst auf :-)

    LG

    Melia

  • Hallo Melia,
    ich koche mit Gas und Solarstrom. Das ergänzt sich ganz gut. Ich entscheide, je nach Wetter, und Sonneneinstrahlung, ob ich den Gasherd oder die Kochplatte verwende.
    Ich hab so den Gasverbrauch, um die Hälfte reduziert.

    MfG Georg

  • Servus Georg, so machen wir das auch aber halt zu Hause. Sommer meist/viel elektrisch, Winter Gas/Holz.

    Melia , dass es entlang der Panamericana kein LPG geben soll kann ich mir einfach nicht vorstellen, aber Ihr

    werdet das wohl schon recherchiert haben. Falls doch noch nicht endgültig:

    Eine 11kgFüllung-Tankflasche aus Alu wiegt leer nur 6,6kg ( https://www.alugas.de/produkte/wohnmobil/ )

    und ich würde die eher alle 8-10Wochen wieder füllen als eine zweite mit nehmen.

    Dann gibt es ja auch noch Multifuelbrenner (Diesel/Benzin) für den Notfall.

    Die Anlage von egn ist sicher auch klasse, kostet aber auch und wenn Ihr nicht grade die Lizenz zum Löten habt

    würde ich mich an Eurer Stelle nicht von so viel teurer Technik abhängig machen wollen.

    lg,

    e-zepp

  • Gasprüfung ist ziemlich sicher auf der gesamten Strecke irrelevant oder der deutsche Stempel zählt nichts, zum TÜV gehört es mein ich nicht, sonst würden die Campingplätze nicht so dumm machen. Es gibt wiederbefüllbare LGP Flaschen und viele kommerzielle Einsatzzwecke (Schrott brennen, Festzeltheizung, Gabelstapler, LKWs, Privathaushalte ohne Gasanschluss) , die kriegt man mit ein wenig Fantasie ausser in Deutschland überall mit abenteuerlichen Adaptern befüllt. Die zweite würde ich mir da sparen wenn es nicht auch fürs heizen ist. Und dann sowieso überdenken weil Gas je nach Mischung bei tiefen Temperaturen nicht mehr verdampft.

    Spätestens die Lima macht soviel Strom wie man nur brauchen kann obwohl der Orion bei Euch wohl lädt und damit das Nadelöhr ist. Würde daher auf 24V gehen und den vollen Limastrom nutzen. Und ihr kommt doch jetzt schon dicke mit dem Strom hin. Das nun x 3, da versinkt ein bisschen kochen doch im rauschen. Der Wechselrichter wird aber eng, 1500 Watt kann eine einzelne Platte haben.