Kredit und Abschreibung

  • Hi zusammen,

    habe gestern beim Tee mit meiner Frau über das Thema PV-Anlage gesprochen, wir sind ja aktuell in der Planungsphase.

    Sie hat mir 2 Fragen gestellt, auf die ich keine eindeutige Antwort geben konnte.


    1. Finanzieren oder bar kaufen?

    Unsere geplante 18kWp Anlage könnte bar bezahlt oder aber auch über einen Kredit finanziert werden. Mein erster Impuls ist: Natürlich ist eine Lösung, in der man keinen Kredit aufnehmen muss, die bessere. Sie Argumentierte dann, dass man die Kosten für den Kredit dann auch vom Gewinn abziehen kann, und somit weniger versteuern muss...

    Wie seht ihr das? Vielleicht auch aus eigener Erfahrung. Finanzieren oder nicht? Womit fährt man besser?


    2. Gehen wir mal davon aus, wir würden die Anlage finanzieren, den Kredit würden wir uns im Februar auszahlen lassen. Dann müssten wir ja auch ab Feb./März die ersten Rate bezahlen. Ab wann bekommen wir den ersten Ertrag ausgezahlt? Wird dies Jährlich gemacht oder gibt es eine monatliche Vergütung je nach Sonnenschein des vergangenen Monats?


    Danke schon mal für eure Antworten!

  • Hallo,

    ihr seid ja scheinbar in der glücklichen Lage, euch wenig mit Krediten zu befassen.

    Auch bei Auszahlung im nächsten Monat kann man vereinbaren, das die Rückzahlung erst nach einem, zwei Jahren oder in einer Summe am Ende des Vertrages stattfindet (endfälliges Darlehn).

    Zinsen fallen üblicher weise monatlich oder quartalsmässig an. Bei etwa 1% macht das euch aber wenig Kummer.


    Die Auszahlung der Vergütung durch den Netzbetreiber erfolgt üblicher weise monatlich, mit errechneten Abschlagssummen und einer Endabrechnung im Januar oder Februar des Folgejahres.


    Stellt mal eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ein, dann kann man eher was zu Gewinn und Vorteil/Nachteil Zinszahlung sagen.

    Wer, wenn nicht wir....


    wann, wenn nicht jetzt?????

  • Mr.10.000Volt
    Stimmt, wir haben das letzte Mal vor 20 Jahren einen Kredit aufgenommen. Haus ist jetzt abgezahlt. nun überlegen wir, ob wir eine Anlage Finanzieren, Teilfinanzieren, oder komplett bar bezahlen... Auch wenn es den Anschein haben mag: Wir haben kein Geld zu verschenken, haushalten nur recht gut. Somit ist die Frage, ob man Geld auf der Bank lässt, wo es keine Zinsen mehr gibt, oder es in eine PV Investieren.


    Die angedachte Anlage (alles noch offen, es ist noch nichts fix) sähe wie folgt aus:


    - Es sind zwei Dachflächen, einmal ein Carport (20x 300W-Module) und ein Hausdach (40x 300W Module) (siehe Bilder, die grünen Flächen. Vorne blaue Flächen könnten theoretisch dazu kommen (noch mal 40 Module), ist aber eher unwahrscheinlich, Regierung mag das nicht leiden :-D)
    - Somit käme ich auf insgesamt 18kWp

    - Kosten habe ich 1000€/kWp gerechnet, also rundweg 20000€ inkl. Ladestation fürs Auto.

    - Laut dieser Internetseite habe ich die Erträge ermittelt: Carport=860kWh/kWp, Hausdach=753kWh/kWp. Hatte noch mal auf einer anderen Seite geguckt da waren die Erträge höher, ich bin erst mal vom schlechteren ausgegangen.

    - Grundverbrauch 8000kWh im Jahr (ich weiß ist zu hoch! :-D das sagt mir jeder, wir sind dabei einzusparen)
    - in diesem Jahr kommt mindestens ein eAuto ins Haus, somit eher noch 1000kWh mehr demnächst

    - Wir denken über einen Speicher nach. Je nachdem rechne ich mit 30% Eigenverbrauch (ohne Speicher), oder 90% Eigenverbrauch (mit Speicher)

    - Ich weiß, dass das Thema Speicher stark diskutiert wird, Aufgrund des hohen Eigenverbrauchs würde er sich nach ca. 10 Jahren bezahlt machen (zu mindestens nach meiner Rechnung... :-D) Aktuelles Angebot gibt uns 20 Jahre Garantie auf den Speicher (garantiert wird mindestens 70% der Nennkapazität)

    - Somit wäre es in etwa wie folgt:

    - Ertrag Carport = 6kWp * 860kWh/kWp = 5160kWh

    - Ertrag Haus = 12kWp * 754kWh/kWp = 9048kWh

    - Wären zusammen 14208kWh/Jahr

    - Eigenverbrauch ohne Speicher = 30% von 8000kWh = 2400kWh

    - Eigenverbrauch mit Speicher = 90% von 8000kWh = 7200kWh


    mhmm..... habe ich was vergessen? Wenn ja, lasst es mich wissen!

  • Kopie aus dem anderen Thread.


    Die Frage ist natürlich, welche Formeln du hinterlegt hast.

    Soweit ich mich erinnere gibt es hier im Forum jemanden, der Aktiengewinne mit einbezieht. :)

    Da erübrigt sich jeder Kommentar.


    Wichtig ist natürlich noch, wo und wie die PV Anlage aufgestellt und ausgerichtet ist, also Standort, Module, WR, Verstringung, Ausrichtung nach Süden oder Abweichung . Die Erträge kannst du ja selbst mit PVGIS ermitteln, dann erübrigen sich die obigen Angaben.


    Mit den Garantien ist es so eine Sache. Das wissen einige Foristen, meist sind es weniger gute Erfahrungen die meist Sätze beinhalten - das Kleingedruckte nicht richtig gelesen oder verstanden.



    Früher gab es von den Akku Herstellern sogenannte pro rata Garantien.

    Das war für mich nachvollziehbar. Wenn ein Akku sagen wir 15 Jahre seinen Dienst getan hat, sollte niemand erwarten, dass er bei Reklamation einen neuen bekommt usw. Da würde ich genau nachlesen bzw du kannst den Text mal einstellen.



    Bei solch einem Vorhaben gehört natürlich dazu, zu prüfen, ob sich der Verbrauch verringern läßt.

  • Hochrechnung ohne Speicher:

    • 6kWp * 860 kWh/kWp = 5160 kWh
    • 12kWp * 754 kWh/kWp = 9048 kWh
    • Invest ca. 20000€ - Über Kredit Finanziert bei 2,5% über 20 Jahre = etwa 105€ / Monat (ob der Zinssatz realistisch ist weiß ich aktuell nicht war noch nicht auf der Bank)
    • Eigenverbrauch 30% von 8000kWh = 2400kWh
    • Einspeisevergütung = (14208kWh - 2400kWh) * 0,11€ = 1299€ / Jahr
    • Stromzukauf = 70% von 8000kWh = 5600kWh * 0,28€ = 1568€ / Jahr
    • Aktuelle Stromkosten = ca. 2280€ / Jahr
    • Stromkosten
      • ohne PV = +190€ / Monat
      • mit PV = -22€ / Monat
      • Kredit = -105€
      • Ersparnis zu heute +65€ / Monat


    Hochrechnung mit Speicher

    • 6kWp * 860 kWh/kWp = 5160 kWh
    • 12kWp * 754 kWh/kWp = 9048 kWh
    • Invest ca. 30000€ - Über Kredit Finanziert bei 2,5% über 20 Jahre = etwa 160€ / Monat (ob der Zinssatz realistisch ist weiß ich aktuell nicht war noch nicht auf der Bank)
    • Eigenverbrauch 90% von 8000kWh = 7200kWh
    • Einspeisevergütung = (14208kWh - 7200kWh) * 0,11€ = 771€ / Jahr
    • Stromzukauf = 10% von 8000kWh = 800kWh * 0,28€ = 224€ / Jahr
    • Aktuelle Stromkosten = ca. 2280€ / Jahr
    • Stromkosten
      • ohne PV = +190€ / Monat
      • mit PV = +45€ / Monat
      • Kredit = -160€
      • Ersparnis zu heute +75€ / Monat


    Stimmt das, was ich gerechnet habe?

  • Hallo zusammen,



    Also fangen wir mal an, was machen wir, wenn wir das Geld haben, aber auch einen Kredit aufnehmen könnten?


    Die Antwort lautet (natürlich): Kommt darauf an ;-)


    Warum?


    Hier einmal die Sachlage (soweit ICH sie verstehe):


    1.

    Wenn ihr die Anlage bar bezahlt, dann habt ihr das Geld JETZT vom Konto weg und stattdessen erhaltet Ihr jeden Monat eine Zahlunh (vom VNB oder durch Stroneinsparung).


    Vergleichen könnte Man das auch mit einem Entnahmeplan für angelegtes Geld, bei dem nach 20 Jahren nichts mehr im Topf ist.


    Vorteil: All-in-All habt ihr am Ende von 20 Jahren das meiste Geld gemacht, da bei einer Direktzahlung keine Kreditzinsen anfallen. Je nach Zinshöhe ist dieser Vorteil natürlich variabel und kann bei jedem unterschiedlich ausfallen


    Nachteil: Ihr habt das Gled JETZT vom Konto weg. Ihr könnt also mit dem Geld JETZT nichts anfangen oder für Rücklagen auf der hohen Kante liegen haben.


    2.

    Wenn Ihr einen Kredit aufnehmt, dann habt Ihr eruer Geld nch auf dem Konto. Dafür müsst Ihr jeden Monat eine Zahlung leisten. Je nach Kreditkonditionen kann es sein, dass diese Raten niedriger sind als das Geld, welches die PV einbringt, dann trägt sich die Ausgabe "von alleine". Ihr habt dann halt nut deutlich weniger "netto Gewinn" von der PV im Monat übrig, da der Großteil inden Kredit fließt.

    Es könnte natürlich auch sein, dass die Rückzahlungen höher sind als die Einnahmen von der PV. In diesem Fall müsstet Ihr natürlich jeden Monat etwas drauflegen von eurem gesparten bis zum Ende.


    Vorteil: Ihr habt das geld JETZT noch auf dem Konto und könnt namit irgendwas anderes machen was Ihr machen wollt.

    Außerdem trägt sich die Anlage selbst wenn die Rückzahlungen niedriger sind als die Rückzahlungen


    Nachteil: Aufgrund der Zinsen zum Kredit ist natürlich die Gesamtausgabeseite höher und Ihr habt am Ende (etwas) mehr Geld ausgegeben als bei Eigenkapital.



    Es stimmt natürlich, dass Kreditzinsen als Betriebsausgabe in der EÜR angegeben werden dürfen, aber das bedeutet natürlich nicht, dass ihr die Höhe der Kreditzinsen weniger an Steuern zahlt.

    Grob gerechnet kann man sagen, dass die höheren Betriebsausgaben dazu führen, dass du etwa Zinsen * Grenzsteuersatz weniger zahlen musst.

    Bei einem (üblichen) Grenzsteuersatz von etwa 30% bedeutet das, dass du etwa ein Drittel der Kreditzinsen von der Steuer zurück bekommst. Aber nicht mehr.




    Was du nun lieber machst, dass musst du selbst wissen. Wenn du die maximale Rendite rausholen möchtest und das Eigenkapital in zukunft wohl nicht brauchen wirst, dann macht Eigenkapital mehr Sinn in meiner Einschätzung.

    Wenn du auf der anderen Seite das Geld gerne auf der Seite hättest für unerwartete Ausgaben oder andere große Investitionen anstehen (neues Auto, Renovierung, etc.) dann macht es mehr Sinn den Kredit für die PV aufzunehmen und das Geld in Privatinvestitionen zu legen (weil der Privatkredit fürs Auto oder für die Renovierung könntset du nicht steuerlich absetzen und würdest nicht ein drittel der Kreditzinsen zurück bekommen).



    So ich hoffe ich konnte alles richtig rüber bringen :-)

    Falls ich Fehler gemacht haben sollte, bitte mitteilen :mrgreen:

  • schön das du noch in der Planungsphase bist.

    Falls die Installation bis 2021 erfolgt, können bereits 2018 40% des voraussichtlichen Nettokaufpreises als Betriebsausgabe steuerlich geltend gemacht werden. ( §7g Abs.1 EstG).

    Diese Ausgaben können mit anderen Einkünften verrechnet werden.

    Wichtig ist das sie die Absicht haben, den Strom gegen Vergütung ins Netz eines Energieunternehmens einzuspeisen.

    Man bekommt also als Steuerzahler schon vor der Anschaffung der PV Geld für die PV vom Finanzamt zurück.

    Komplizierte Vorgänge immer dem faulsten Mitarbeiter geben. Er wird die einfachste Lösung finden!

  • Ohne Kredit, wenn das Budget für die Anlage da ist.

    Dach voll ist das Ziel ... im Zweifel eben zur Bank.


    Die Vergütung wird monatlich gemacht, wenn man es faul per Abschlag macht, dauert es 2-4 Monate, bis das erste Geld fließt, nach der IBN. Zum Jahresende wird dann der Jahresertrag abgerechnet.

    18x Heckert NeMo 60P, SMA SB4000TL-21, SunnyHomeManager, mit Metalldachpfannen, Ausrichtung +30° Dachneigung 35° in Betrieb seit 17.04.2014
    Seit 23.04.2016 Ausrichtung -150 Dachneigung 13° mit 6x 315Wp Astroenergy (große 72-Zeller) am SMA SB1.5

  • Eigenverbrauch 90% von 8000kWh = 7200kWh

    Du fragst nach Fehlern in deiner Rechnung. Das ist einer. 90% von 8000 kWh wirst du auch mit Speicher nie im Leben schaffen. In den kurzen Sommernächten kriegst du den Speicher nicht leer, und im Winter über Monate hinweg hast du gar nichts übrig zum laden.


    Was die Frage finanzieren oder nicht betrifft, hast du ja schon ausführliche Antworten bekommen. Etwas prägnanter zusammengefasst könnte man sagen: Nur wenn du mit dem Eigenkapital was deutlich Besseres anfangen kannst, als es in eine PV zu investieren, lohnt sich die Finanzierung. Und natürlich hast du viel weniger Papierkram (und vielleicht auch ein besseres Gefühl), wenn du es einfach bezahlst.