Amazon-Business wegen Umsatzsteuer?

  • Moin,


    bin kürzlich über Amazon Business gestolpert - dort wird mit dem Vorteil geworben, dass Verkäufer Rechnungen mit ausgewiesener Umsatzsteuer ausstellen.

    Hintergrund: Würde mir in den nächsten Monaten gerne ein hochpreisiges Notebook zur Bearbeitung des ganzen Finanzkrams (und Einsicht Zählerstände und Administration Speicher, WR etc.) für die neue Photovoltaikanlage in Regelbesteuerung kaufen. Bisher dachte ich, ich könnte das bei jedem Händler auf meinen Namen kaufen und über die UStVA die 19 % Mehrwertsteuer zurückholen. Oder geht das nur, wenn der Verkäufer (wie wohl eben bei Amazon Business) explizit Umsatzsteuer anstatt Mehrwertsteuer ausweist? :/

    Viele Grüße,
    Steffen

    9,93 kWp Aleo (180° Süd, 40° Neigung) mit 13 kWh E3/DC-Speicher S10 E PRO

  • Der Gesetzgeber verwendet hier den Begriff Umsatzsteuer. Die Begriffe Umsatz- und Mehrwertsteuer sind umgangssprachlich aber austauschbar, daher finden beide in der Rechnungsschreibung Verwendung. Für den Vorsteuerabzug macht das keinen Unterschied.

    63 x Heckert NeMo 300-60M an Fronius SYMO 17.5-3-M seit 04/2018 - Ausrichtung SSW, DN 28°

  • Ganz sumpfiges Thema. Alles andere als eindimensional.

    Unterm Strich: Nein - "Amazon Business" ist keine Voraussetzung um den Vorsteuerabzug geltend zu machen. Wen nur das Fazit interessiert - der lese von unten nach oben. Das wird jetzt länger.


    "Amazon Business" ist der erste Schritt zu einer guten Lösung, wenn Bestellungen im Namen und für Rechnung Dritter bei Amazon platziert werden sollen.
    Beispiel: LIeschen Müller ist Sachbearbeiterin im operativen Einkauf der Meier GmbH.
    Mit Amazon Business ist es nun möglich, einen Account auf die Meier GmbH zu eröffnen.
    (Dies ist die zwingende Voraussetzung, damit die Meier GmbH überhaupt Leistungsempfänger gegenüber Amazon werden kann; und dies wiederum ist die Voraussetzung für den Vorsteuerabzug durch die Meier GmbH).
    Im Anschluss können im Business-Account der Meier GmbH unbeschränkt viele Abteilungen und Einkäufer eingerichtet und mit unterschiedlichen Berechtigungen ausgestattet werden.
    (Zwischenzeitlich hat Amazon auch Konzepte auf die Beine gestellt, die es entbehrlich gemacht haben, dass jeder angelegte Einkäufer die Prime-Mitgliedschaft buchen muss (um mit Prime-Vorteil zu bestellen) - dann aber auch zwingend über die im privaten Bereich "werthaltigen" Vorteile von Amazon-Prime verfügt. Das war fürs Unternehmen teuer; und streng genommen auch noch als Sachbezug zu versteuern.)


    Zu dieser grundlegenden Lösung dürfte der gewöhnliche PV-Betreiber gar kein Problem haben.


    Auch die Verknüpfung zwischen der internen Einkaufsplattform (wie sie in größeren Unternehmen verfügbar sind) mit dem Amazon-Produktsortiment dürfte den landläufigen PV-Betreiber nicht tangieren.


    Soweit die einfachen Dinge.
    Nun das Problem mit den Rechnungen.

    Hier wird der Buchhalter von der Praxis geradezu überrollt.

    Tausend unterschiedliche Fallgestaltungen; mit eintausendundeinem Problem und zweitausend möglichen Lösungen.


    Des Pudels Kern: Der Besteller merkt häufig gar nicht (oder es liegt gerade im Wesen einer solchen Plattform wie Amazon, dass man es nicht mekrt), von wem man eigentlich kauft; und welche Rolle Amazon hier eigentlich spielt.
    Amazon kann reine Vertriebsplattform sein (Ware kommt vom externen Händler)
    Amazon kann Logistikplattform sein (Ware des externen Händlers wird von der Amazon-Logistik versendet)
    Amazon ist selbst der Leistungserbringer
    Gerade im Umgang mit externen Anbietern war nie so ganz klar, wo die Rechnung nun eigentlich sein müsste. (müsste!)
    Oftmals im Karton - den der Kollege den nur die Ware interessiert hat, schon entsorgt hat.

    Oftmals im E-Mail-Postfach des bestellenden Amazon-Mitglieds. Was den Kollegen häufig auch nicht interessiert.
    Niemals aber in einem zentralen Posteingang (invoice@companyname.com); das funktioniert aus irgendwelchen datenschutzrechtlichen Gründen bei Amazon nicht.

    Diese Probleme wurden teilweise durch Amazon organisatorisch eliminiert. (Fragt mich bitte jetzt nicht mehr, welche bösartige Fallgestaltung nicht mehr vorkommen kann).
    Vieles wird für die Buchhaltung durch das Amazon-Business-Konto leichter.
    (Die Lösungsansätze sind unterschiedlich - aber wirksam)

    Dieses Thema KANN für den PV-Betreiber durchaus ein Thema sein.
    Sollte aber auch nicht sooooooo spannend sein.


    Die "Werbung" von Amazon für die korrekte Rechnungsstellung ist leider ein kompletter Marketing-Sprech; und somit fachlicher Humbug. Glücklicherweise ist die Umsetzung durch Amazon dann ausserordentlich vorbildlich. Was man sich noch unter dem Button "Rechnung drucken / downloaden / ansehen" beschaffen kann, ist dann (Gott-sei-Dank) unübersehbar als das markiert, was das Dokument tatsächlich ist
    - eine Rechnung - sofern Amazon selbst der Vertragspartner ist
    - KEINE Rechnung (sondern nur eine Regulierungsnachricht) - sofern ein externer Händler der Vertragspartner ist.

    Es ist ja nun nicht ganz unwahrscheinlich, dass Du genau so über diese "Werbung" auf Amazon-Business gestoßen bist, wie meine Abteilungsleiterin Kreditoren.
    Hier muss man ganz klar sagen: NEIN. Das was Amazon da andeutet, wird eben gerade nicht erreicht.


    Wir bohren jetzt immer tiefer in die Praxis:
    Mit Amazon-Business hat man immer noch den Fall, nicht vorhandener / nicht zum Vorsteuerabzug berechtigender Belege.
    ABER: Eine ganz starke Mehrheit (würde sagen >>>95%) betrifft dann Importe aus Drittländern oder innergem. Lieferungen. In diese Fällen ist die klassische Rechnung ja ohnehin keine Voraussetzung für den Vorsteuerabzug. (Lediglich in dem Fall, in dem Einfuhrumsatzsteuer auf der fehlenden Rechnung ausgewiesen wäre - was ich in der Praxis noch nie hatte). So dass sich das Problem hier wieder etwas entschärft.


    Nach alledem..... BLEIBT ALLERDINGS EIN VORTEIL VON AMAZON-BUSINESS

    Sofern man mit einem Business-Account angemeldet ist, wird einem die Bestelloption "UST-Rechnung zum Download" als Auswahlkriterium angeboten.

    Gute Nachricht: Das funktioniert perfekt. Nie wieder fehlende oder seltsam ausgestellte Rechnungen.
    Schlechte Nachricht: Die wirklich supergünstigen Angebote im Bereich der China-Ware sind weg.

    Der Hintergrund ist klar: Zoll- und Steuerfahndung kommen in dem Bereich mit den Kontrollen gar nicht nach. Hier wird beschissen was das Zeug hält. Von Xiao-Cho-Peng aus Bum-Kun-Cha kriegst Du halt keine Rechnung.


    Kleiner Trost: Nach den Erfahrungen unserer IT ist der Bildschirm, die Festplatte, das Patchkabel von Xiao-Cho-Peng aus Bum-Kun-Cha auch ohne Vorsteuerabzug noch billiger, als ein Bezug mit korrekter Rechhnung und Vorsteuerabzug. Und für den Abzugs als Betriebsausgabe reicht das (nicht zum Vorsteuerabzug berechtigende) payment-paper von Amazon.
    Das wiederum ist dann über Amazon-Business wieder gesichert.

    Fazit: In jeder Kapitalgesellschaft sowie bei Einzelunternehmen / Personengesellschaften mit mehreren zur Bestellung berechtigten Mitarbeitern ist Amazon-Business ein must-have.
    Der PV-Betreiber gehört klassischerweise nicht zu diesem Personenkreis..... und macht damit zumindest keinen Fehler. Ein "must-have" sehe ich allerdings nicht.


    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Okay, danke euch für die kurze und die lange Antwort. Dann bin ich ja beruhigt, dass ich das nicht brauche; ich gehe davon aus, ein hochpreisiges Notebook entweder direkt bei Amazon, einer namhaften dort verkaufenden Firma oder bei nem anderen Computer-Onlinehandel in Deutschland zu kaufen. Das sollte die Gefahren keiner Rechnung oder so minimieren. Wird man ja schon aus Garantiegründen bekommen (müssen).

    Erfahren habe ich von Amazon Business ganz schlicht über ein Popup-Fenster, das beim Login hochkam...

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  • Und wenn der Sachbearbeiter im Finanzamt auch nur mit einem halben Auge hinschaut, was du da für die PV plötzlich für hohe Ausgaben und Steuererstattungen einträgt, haut der dir das sofort wieder raus (meine Meinung). Der betriebliche Nutzungsanteil eines solchen Gerätes ist doch ein Witz.

  • Das mag in Grundzügen sogar etwas richtiges haben. Allerdings gehörte das hier nicht zur Fragestellung.


    Wobei.... im Regelfall (nicht: im Regelfall der hier diskutierten Fälle; hier tummeln sich überwiegend die Schmerzpatienten) wird ein Sachbearbeiter nicht eine Sekunde an der betrieblichen Veranlassung eines Notebooks zweifeln und keine Zeit für einen Aufgriff haben.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Man kann's ja mal probieren...zumindest hatte ich hier im Forum mal einen Beitrag gelesen, wo das scheinbar funktioniert hat. Durch Lesen hier im Forum und Beschäftigung mit der Thematik (z.B. auch Speicher Teil der PV-Anlage oder nicht) habe ich inzwischen den Eindruck, dass man bei der ganzen Steuer- und Finanzamt-Thematik auch ein bisschen Glück oder einen guten (oder schlechten?) Tag des Finanzbeamten braucht. ;-)

    9,93 kWp Aleo (180° Süd, 40° Neigung) mit 13 kWh E3/DC-Speicher S10 E PRO

  • Der betriebliche Nutzungsanteil eines solchen Gerätes ist doch ein Witz.

    Das mag sein, aber ohne bekomme ich halt auch kein Elster Formular gestartet und kann den ganzen auferlegten steuertechnischen Verpflichtungen nicht nachkommen noch meine Erträge sinnvoll ablesen oder die Anlage optimieren und warten - also irgendwas müssen sie mir ja zugestehen?! Man könnte sich darüber streiten, wie teuer so ein Gerät sein darf, da stimme ich dir sofort zu.

    9,93 kWp Aleo (180° Süd, 40° Neigung) mit 13 kWh E3/DC-Speicher S10 E PRO

  • 5% betriebliche Nutzung würden dann aber ausreichen ;)

    Aber probieren kann man es ja, der Versuch wird ja normalerweise nicht bestraft ;)

  • Stevie - pass da aber auf.

    Ich hab nuelich einen Akkuschrauber gekauft, weil am billigsten bei Amazon....

    Amazon weisst ja die MwSt aus - der Akkuschrauber kam dann aus Amazon CZ und die MwSt wurde ausgewiesen mit 0% !


    Sie ist auch tatsächlich mit 0% ausgewiesen !!! Also stimmt schon was die schreiben..... :P