Praxisbeispiel: Warum ein Speicher (bei mir) nicht wirtschaftlich ist (und ökologisch problematisch)

  • Hallo,

    wollte am Ende des Jahres noch mal sehen, ob meine Entscheidung im Frühjahr eine PV-Anlage ohne Speicher zu bauen richtig war.

    Die Daten basieren auf echtem Verbrauch in meinem Haus.

    Die Frage, die ich mir gestellt habe war: PV mit oder ohne Speicher wirtschaftlicher (und ökologischer)?

    Bei mir ergibt sich aus den Daten seit April ein extrem klares Bild: Speicher ist bei mir nicht wirtschaftlich. Amortisation wäre so zwischen 30-60 Jahren. Weiter unten kommen dann die Zahlen.


    Zur Ökologie sollte man meiner Meinung nach die Gesamtbilanz betrachten:

    Ohne Speicher geht der PV-Erzeugte Strom direkt in die Versorgung meiner Nachbarn, entlastet also zu 100% sonstige Erzeugung. Es müssen keine Speicherverluste berücksichtigt und keine ökologisch extrem heiklen Prozesse zur Batterieherstellung & Entsorgung berücksichtigt werden. Die Energie über der 70% Kappung ist bei mir nicht Nennenswert (5°DN Richtung Ost).


    Doch nun zum Rechenmodell:

    Mein Model basiert darauf: Wirtschaftliche Entlastung kann ich dadurch erreichen, dass ich selbsterzeugten Strom verbrauche und nicht vom Netz beziehe.

    Dies wird durch 2 Dinge begrenzt: Strom, den ich nicht vom Netz beziehe kann ich durch einen Speicher nicht "einsparen" und Strom, den ich nicht produziere kann ich nicht verwenden.

    Die Rechnung ist extrem vereinfacht (ich hab nur die Monatsenergien genommen, d.h. ich gehe von einem "nicht begrenztem" Speicher aus und betrachte nur den gesamten Monat. Das ist eine Rechnung die extrem zugunsten des Speichers rechnet. Es berücksichtigt nicht dass ich Verbrauchsleistungen habe, die ein Speicher nicht decken könnte (Beispiel: meine 9kW Sauna) und das der Speicher auch nicht immer zur richtigen Zeit gefüllt ist.

    Das maximale Potential mit einem Speicher ist somit das Minmum von "Einsparpotenzial Bezug" und "Einsparpotenzial Einspeisung"


    Und nun die Daten:


    Monat 4 5 6 7 8 9 10 11 12
    Einspeisung [kWh] 401,00 872,00 821,30 949,00 777,00 560,40 341,40 94,70 29,90
    Bezug [kWh] 28,00 66,40 62,10 39,40 56,50 92,60 109,80 174,50 187,10
    Einsparpotential Bezugskosten = Bezug * Strompreisdifferenz 3,42 8,10 7,58 4,81 6,89 11,30 13,40 21,29 22,83
    Einsparpotential Speicher = Einspeisung * Strompreisdifferenz 39,37 85,60 80,63 93,16 76,28 55,01 33,51 9,30 2,94
    max finanzieller Gewinn durch Speicher 3,42 8,10 7,58 4,81 6,89 11,30 13,40 9,30 2,94

    Zur Vereinfachung netto ohne Steuer gerechnet. Strompreis 0.22€/kWh Einspeisung 0,122€/kWh

    April ging die Anlage ans Netz, wenn ich jetzt Jan-März von Okt-Dez ableite ergibt sich in der Summe ein maximales Einsparpotenzial von 93€.

    Realistischer (Speicher begrenzt, nicht immer voll, Leistung begrenzt) wird es eher bei 70-80€ liegen.

    Vergleichsweise kostet ein Speicher 3000-5000€ und wäre damit im idealsten Fall in >30 Jahren (3000€/93€) amortisiert in eher realistischem Szenario (4000€/70€) in ca. 60 Jahren.


    Schlussfolgerung:

    Was die Tabelle zeigt: In Monaten mit Sonne (4-10) kann ich ohne Speicher sehr viel mit der PV decken so dass der mögliche Gewinn durch einen Speicher sehr gering ausfällt, in Monaten mit wenig Sonne ist der Ertrag zu niedrig um einen Speicher (finanziell und ökologisch) sinnvoll zu betreiben.


    Ist natürlich nur ein Haushalt und nur dieses Jahr, aber dennoch vielleicht ein Denkanstoß...


    Und nun bin ich gespannt auf Kommentare ;), Harald


    P.S.

    Und hier noch die Daten: 6.5kWp Anlage mit SMA 5.0 70% hart 5°DN Richtung Ost im Großraum Nürnberg mit ca. 1200€/kWp im April ans Netz gegangen

    Änderung seit PV: Spülmaschine läuft jetzt mit Zeitschaltuhr ab 11:00, Waschmaschine hat ohnehin Startzeitvorwahl (und läuft ab 12:00)=> Eigendeckung bisher ca. 50%

  • Und es geht wieder los...

    Menno,... Kann doch nicht so früh schon wieder mit Bier&Chips anfangen... ;)


    Das Witzige ist, das wir (die 'Speicherhasser' und die anderen 'Speicherfanatiker') uns in dem Punkt ja gar nicht uneins sind. Dass das Ding im Sommer tendenziell nicht leer und im Winter nicht voll wird, ist glaube ich jedem bewusst, der sich ein bißchen damit befasst hat... Die Schwerpunkte liegen halt nur anders... Plus ein bißchen postfaktischen Glauben & Hoffnung vielleicht.


    Und letztere würden natürlich nie PV-only mit PV+Akku vergleichen... Die meisten der zweiten Fraktion haben wohl beides zusammen angeschafft und es reicht wenn das neue Spielzeug/Statussymbol kein allzugrosses Loch ins Portemonnaie reißt. Dass die Eigenversorgung nur mit PV auch schon bei 40-50% liegen kann interessiert/wissen die gar nicht (bei dir werden die kommenden Wochen das aber auch noch deutlich Richtung 40% drücken).

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • Hallo,

    sehe mich eher nicht als "Speicherhasser", fände es bloß ehrlicher, wenn Interessierten klar ist, das es (in sehr vielen Fällen) weder wirtschaftlicher noch ökologisch sinnvoll ist einen Speicher zu installieren.

    Und gerade da wird von Seiten der PV-Wirtschaft (Solarteure und Speicherhersteller) sehr häufig das Gegenteil suggeriert.

    Wenn "Eigendeckungsquote" ein Selbstzweck ist, dann geht natürlich nix an einem Speicher vorbei;). Da sollte man aber dann aber auch so ehrlich sein und akzeptieren, dass damit die Wirtschaftlichkeit stark negativ beeinflusst wird und es ökologisch sehr fragwürdig ist.

    Mehrere Gespräche im Bekanntenkreis zeigen, dass weitgehend "geglaubt" wird, dass PV-Anlagen mit Speicher wirtschaflicher und ökologischer sind. Ich wollte mal anhand eines realen Beispiels zeigen, wie es in echten Zahlen aussieht, obwohl wir ja im postfaktischem Zeitalter leben.

    Gruß, Harald

    P.S. Wenn ich Sep-Dez auf Jan-Apr anwende lande ich bei theoretischer 45% Eigendeckung ohne Speicher.

  • Ich mich auch nicht... War nur in Bezugnahme auf den gleichnamigen thread. Es wird hier halt gerne polarisiert und missverstanden. Tendenziell sehe ich aber auch eher, dass die Leute hier zumeist mit falschen Vorstellungen aufschlagen... aber auch oft unterschiedliche Beweggründe haben und Ökonomie/Ökologie ist dann oft eher nebensächlich&vorgeschoben, wenn auch hart umkämpft.


    Vervollständige ruhig deine Tabelle, wenn du das Jahr voll hast... Interessant ist das allemal. Vielleicht kannst noch deinen Gesamtverbrauch notieren, damit man nen Vergleichsmasstab hat.


    Es wird nächstes Jahr bestimmt auch wieder nen Eigenverbrauchs-Thread geben, wo sich interessierte informieren können. Kannst dich da ja dann auch verewigen...

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)

  • Hallo,

    habe damals auch eine "Akku-Simulation" mit meinen Daten (5min-Mittelung) über ein ganzes Jahr mit unterschiedlichen Akku-Größen gemacht:
    Bei meiner Konstellation hätte ich eine Erpsarnis in der Größenordnung von ca.100€ / Jahr mit Akku (10kW).

    Werde mir das ganze Thema wieder zu Gemüte führen, wenn ich aus der EEG-Vergütung rausfalle.

    Vg
    dodi

  • Tja,... Nachrüstakkus sind ganz schwer an den Mann/Frau zu bringen, wenn man erstmal die Erfahrung einer ordentlich grossen Solo-PV gemacht hat.


    Ich warte ja auch noch auf das Plugingerät mit 3kwh und max. 500W Anschlussleistung für um die 1k€, was wohl ausreicht um den Restbezug auf 500kWh zu drücken... Denke das gibt es bevor ich aus dem EEG falle. Das wäre dann auch ne Preisregion, wo mir Ökonomie/Risiko egal ist und der Spieltrieb siegt, falls das Ding früher als versprochen den Geist aufgibt.


    Aber wahrscheinlicher ist wohl der Akku auf Rädern, der das dann nebenbei mit übernimmt.

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015


    LuschenPraktikant L:3 (mit sagenhaften 0.021kWh/kWp am 10.1.2017)


  • Wie viel vom Eigenverbrauch wurde durch den Akku geschleust? und Was hat dich das 24,5 kWh Speichersystem gekostet? Das wäre mal ein interessanter Vergleich :-)

  • Änderung seit PV: Spülmaschine läuft jetzt mit Zeitschaltuhr ab 11:00, Waschmaschine hat ohnehin Startzeitvorwahl (und läuft ab 12:00)=> Eigendeckung bisher ca. 50%

    Moinsen,


    scheint mir nicht optimal zu sein, eine Spüma braucht viel Energie zum Ende beim Trocknen, eine Wama im ersten Drittel. Bei deiner Konstellation mit nur einer Stunde Versatz könnte sich das hin und wieder überschneiden.


    Beide genannten Geräte brauchen bei mir so an die drei Stunden, bei ner Ostanlage hätte ich frühere Einschaltzeiten erwartet.

    Aber wenn dein quasi Flachdach unverschattet ist, mag das ja so hinhauen.


    Hast du die Lastgänge mal dahingehend kontrolliert, ob sich die Maschinen hin und wieder nennenswert überdecken?


    Bei dir sehe ich am ehesten noch einen Minispeicher, der täglich Abends entleert wird, und somit auf eine hohe Zyklenzahl kommt auf Jahressicht. Mit z.Bsp. 2kWh nutzbar würde ich so 300 im Jahr als möglich erachten.


    Hättest du die Chance einen SMA mit 2kWh nutzbar mal als Vergleichsrechnung zu machen zu deinem jetzigen System?

    (Hätte auch den Vorteil, dass du keine >70% Spitzen mehr verschenken würdest...)


    Gruß, Andreas


    PS: Dieser Beitrag ist weder Pro noch Contra Speicher zu werten! Ich ziele eher darauf ab, dass er einen hochpreisigen WR (SMA) gegen einen [im Verhältnis] günstigen Aufpreis mit einem zu ihm passenden Speicher, aufwerten hätte können.


    Mal als Annahme: 600kWh verschoben jährlich... müsste ja in der ersten Näherung 60€ jährlich bringen. Kenne den Preisunterschied zwischen Standard teuer SMA WR und Minispeicher SMA nicht, und habe zur Vereinfachung angenommen, dass die weggeregelten >70% Erträge genau den Standby- Verbrauch des Speichers entsprechen...


    Unbestritten bleibt aber hoffentlich, dass zukünftige Preissteigerungen beim Energiebezug sich positiv für den Kunden auswirken werden/würden.

    Andreas Witt
    Industrieservice und Montage
    Am Dorfplatz 7, 24214 Neudorf
    Tel.: +49 151 44 555 285
    a.witt@pvservice.net
    USt-ID: DE 292086601, Handwerkskammer zu Flensburg


    Dienstleistungen rund um Photovoltaik: Wartung, Repowering, Datenlogging, Direktvermarktung, Anlagenplanung und -Neubau

  • Zitat

    Ich warte ja auch noch auf das Plugingerät mit 3kwh und max. 500W Anschlussleistung für um die 1k€

    Yep, da wäre ich sofort dabei, das würde meinen Nachtverbrauch sehr oft schön abdecken.:thumbup: