Investkostenabzug in 2018 trotz Rechnung 2018?

  • Hallo zusammen,


    trotz der Suche habe ich leider nichts passendes finden können.


    Habe eigentlich recht triviale Frage. Die Erweiterung meiner Anlage wird Ende des Jahres gemacht und die Rechnung auch 2018 ausgestellt. Anschluss ans Netz und die Bezahlung der Rechnung erfolgen 2019.

    Ist es bei dieser Konstellation möglich für 2018 den Investitionskostenabzug von maximal 40% geltend zu machen?


    Danke euch!

    Grüße Nika

  • Meiner Meinung nach nicht.


    Die entsprechende Stelle im EStG (§ 7g Abs. 1) lautet (Hervorhebungen von mir):


    (1) 1Steuerpflichtige können für die künftige Anschaffung oder Herstellung von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung folgenden Wirtschaftsjahres in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebes ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt werden, bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten gewinnmindernd abziehen (Investitionsabzugsbeträge).


    mfg

    Paulchen


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  • Was die Rechtsnorm angeht, hat der Vorredner den Nagel schon auf den Kopf getroffen.


    Ich bin mir nur nicht 100% sicher, ob er den richtigen Nagel getroffen hat..... ob da nicht noch "sumpfige Stellen" im Sachverhalt sind, oder der Sachverhalt sich noch gestalten lässt.


    Auf die Zahlung kommt es nicht an.
    Auf den Zeitpunkt der Rechnungsstellung kommt es nicht an.
    Auf den Zeitpunkt des Anschlusses ans Netz kommt es auch nicht an.
    (Seien wir mal ehrlich... wenn man aus dem Sachverhalt alles rausstreicht, worauf es nicht ankommt, steht da nicht mehr viel ;-)


    Entscheidend ist - siehe Gesetzestext - wann das Wirtschaftsgut angeschafft oder hergestellt wird.
    Wird es in 2018 angeschafft oder hergestellt - dann hätte der IAB spätestens in 2017 geltend gemacht werden müssen.
    Aber evtl. erfolgt die Anschaffung oder Herstellung ja auch erst im Jahr 2019; dann könnte der IAB noch in 2018 geltend gemacht werden.


    Die erste Frage wäre, ob es sich um ein angeschafftes oder hergestelltes Wirtschaftsgut handelt.
    Lieber Gott... lass es einfach so sein, dass Du einen Solarteur beauftragt hast, der Dir das Ding aufs Dach nagelt, die Kabel verlegt, die WR an die Wand hängt und anschliesst. Dann ist es ein angeschafftes WG.
    Oder lass Dich bei X Händlern Module, Kabel, WR, Schrauben, Nägel gekauft haben - und Du hast das alles selbst montiert.
    Dann ist es ein hergestelltes WG
    Und lieber Gott... lass es nicht irgendwas dazwischen sein. Dann wird es "sumpfig" und eine verlässliche Antwort ist nicht mehr möglich.


    Beim angeschafften WG ist der Zeitpunkt der Anschaffung der Zeitpunkt des Übergangs des wirtschaftlichen Eigentums;
    somit der Zeitpunkt der Abnahme.
    Der ergibt sich aus dem Vertrag zwischen Dir und dem Solarteur. Das kann eine mündliche Abrede, die AGB des Solarteurs oder auch ein eigenständiger vollumfänglicher Werkvertrag sein. Muss man schauen. Evtl. - wenn nichts geregelt ist - dann die Bestimmungen des BGB (die aber nicht eindeutig sind)
    Was wiederum nichts ausmacht. Die Anlage ist ja im Moment auf gar keinen Fall fertig - und ggf. kann man sich mit dem Solarteur noch einigen; oder auch nur das, was "unbeweisbar" in der Luft hängt und Einigkeit besteht.... noch zu Papier bringen.

    Optimalerweise sieht das dann in etwa so aus:
    Abnahme
    Die Parteien vereinbaren eine förmliche Abnahme.
    Andere Formen der Abnahme, insbesondere fiktive Abnahmen oder die Abnahme durch Ingebrauchnahme werden ausgeschlossen.

    Damit ist sichergestellt, dass das Datum, das auf der Abnahmebescheinigung von Dir an den Solarteur steht, das Abnahmedatum ist - und somit das Anschaffungsdatum.
    Liegt es in 2019.... herzlichen Glückwunsch.
    (Nur am Rande: Wenn der Solarteur in 2018 mit seiner Arbeit fertig wird, könnte ich ihn gut verstehen, wenn er das nicht mitmacht. Es bleibt ja dann sein Gewerk für das er haftet)

    Bei hergestellten Wirtschaftsgütern sieht es anders aus. Der Zeitpunkt der Herstellung ist derjenige Zeitpunkt bei der das Wirtschaftsgut die BetriebsBEREITSCHAFT für den bestimmungsgemäßen Gebrauch erlangt.
    Natürlich kann man da tricksen. Natürlich gibt es da implizite Spielräume. Aber die kennt das FA auch.
    Schreibt jemand schon ab Dezember ab.... wird argumentiert "aber im Januar wurde ja noch eine Schraube nachgezogen.. gerade die eine Schraube war so wesentlich, dass es im Dezember noch nicht fertig war".
    Bildet jemand einen IAB.. wird argumentiert "im Januar wurde ja nur noch eine Schraube nachgezogen.... das Ding war schon im Dezember fertig".
    Vor so einem Verlauf ist man nicht geschützt.
    Hier würde einen ggf. der Umstand retten, dass man schon in 2018 Strom produziert hat; auch wenn der Netzanschluss noch nicht gegeben war.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • kpr

    Danke für die ausfühlriche Anwort. Das Zitat aus EStG von Paulchen kannte ich.

    Bei dem Vorsteuerbzug bzw. Umsatzsteuer wird ja der Zeitpunkt der Buchung berücksichtigt und nicht der Rechnungszeitpunkt. Deshalb auch die Frage...


    Die Anlage wird tatsächlich komplett von Solarteur aufs Dach gelegt. Also klingt meine Idee erstmal nicht verkeht.

    Der Solarteuer will aber die Rechnung schon dieses Jahr stellen. Der hat ja auch seine steuerlichen Vorgaben/Präferenzen.

    Netzanschluss ist nächstes Jahr. Damit wäre es wohl der einfache Fall "angeschafftes Gut". Dann kann ich wohl die Abnahme einfach am 2. Januar machen. Rechnung am 3. Januar zahlen und für 2018 Investitionskostenabzug geltend machen.

    Werde noch sicherheitshalber beim Finanzamt anrufen. Aber es klingt erstmal plausibel.

    Mal sehen, ob der Solarteur eine Abnahme/Inebtriebnahem/Netzanschluss am 2. Januar machen will ;-)


    Wäre natürlich super, wenn jemand in der Praxis so eine Konstellation schon hatte.


    Grüße

    Nika

  • Nee. Sorry. Klingt weder "gut" noch wie "verstanden".


    Der Zeitpunkt der Buchung spielt ebenfalls überhaupt keine Rolle.
    Schon deshalb nicht, weil Du den Gewinn nach §4 Abs. 3 ermittelst - und überhaupt keine Bücher führst und somit nicht buchst.
    Würdest Du freiwillig Bücher führen (und buchen) - würdest Du den Gewinn entweder nach § 4 Abs. 1 EStG oder nach § 5 ermitteln. Beides willst Du nicht wirklich. Vertrau mir.


    Zitat

    Der Solarteuer will aber die Rechnung schon dieses Jahr stellen. Der hat ja auch seine steuerlichen Vorgaben/Präferenzen.

    Stimmt. Fast.
    Auf den Zeitpunkt der Rechnungsstellung kommt es beim Solarteur ebenfalls überhaupt nicht an.
    Ob der eine Rechnung schreibt oder nicht... ist völlig egal: Wenn die Leistung erbracht ist (der Auftrag erfüllt), hat er ertragswirksam zu buchen. Ob er will oder nicht.
    Dto. für die USt: Wenn die Leistung ausgeführt ist, wird die USt fällig. Mit oder ohne Rechnung.

    Lediglich: Vermutlich sucht der Bursche noch Ertrag im alten Jahr und / oder ist nicht spitz drauf, halbfertige Arbeiten zu bilanzieren. Beides kann ich gut verstehen.
    Abgesehen davon... kein Unternehmer haftet für ein Werk (das er schützen müsste.. obwohl das praktisch nicht geht) auch nur eine Sekunde länger als er muss.

    Dürfte daher schwer werden, eine Abnahmevereinbarung mit dem gewünschten Inhalt zu bekommen.
    (Die Haftung ist dabei eher Nebenkriegsschauplatz. Darüber ließe sich am 5. Januar sicherlich sprechen... wenn die Anlage dann noch vorhanden und intakt ist. Das Problem, dass er evtl. den Ertrag in den Büchern braucht... da könntest Du auf Granit beißen. KÖNNTEST.)

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  • Nee. Sorry. Klingt weder "gut" noch wie "verstanden".


    Der Zeitpunkt der Buchung spielt ebenfalls überhaupt keine Rolle.
    Schon deshalb nicht, weil Du den Gewinn nach §4 Abs. 3 ermittelst - und überhaupt keine Bücher führst und somit nicht buchst.

    [....]


    Dürfte daher schwer werden, eine Abnahmevereinbarung mit dem gewünschten Inhalt zu bekommen.

    Das mit der Buchung war flapsig formuliert. Ich meinte die Buchung des Rechnungsbetrags auf meinem Konto.


    Was die Abnahme angeht... Ich kann schon recht pingelig sein🧐. Ein paar Mängel habe ich bereits entdeckt. Aktuell spielt mir auch das Wetter, die Lieferengpässe bei den Modulen und die Feiertage in die Hände. Mal gucken, ob er es überhaupt hinbekommt, die Anlage 2018 auf dem Dach zu haben. Ansonsten werde ich einfach mich an das halten, was das Finanzamt dazu meint.

    Heute niemanden dort erreicht. Die kappen um15 Uhr die Telefonleitungen.


    Grüße Nika

  • Hi,


    wollte noch kurz eine Rückmeldung geben für alle, die eine ähnliche Fragestellung haben sollten.

    Laut Auskunft vom Finanzamt ist tatsächlich das Datum der Bezahlung relevant. Das heißt, wenn die Bezahlung der Anlage im nächsten Jahr erfolgt, kann ich dieses Jahr den Investitionskostenabzug geltend machen. Auch wenn die Anlage dieses Jahr montiert wurde.


    Grüße Nika

  • Die Auskunft ist schlicht falsch.
    Hier nur noch der Hinweis, dass man aus derartigen Auskünften des FA weder einen Rechtsanspruch ableiten kann, noch das FA für den Inhalt von Auskünften in irgendeiner Form haftet.


    Der Mitarbeiter hätte sich besser an die alte Weisheit "Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung ungemein" gehalten.

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  • Warum soll das falsch sein?

    Der Eigentumsübergang erfolgt erst bei Begleichung der Rechnung. Außerdem, bei der EÜR ist der Zeitpunkt der Zahlung relevant und nicht der Zeitpunkt der Rechnungsstellung. Das FA kann im Grunde nur genau zwei Daten nachvollziehen, Zeitpunkt der Rechnungsstellung und den Zeitpunkt der Zahlung. Da weder Eigentum noch Beginn der wirtschaftlichen Nutzung mit dem Zeitpunkt der Rechnungsstellung zusammenfallen, ist es für mich plausibel, dass der Zeitpunkt der Zahlung betrachtet wird, da es auch bei allem anderen in der EÜR so gehandhabt wird.


    Bezüglich Rechtssicherheit

    Auch bei Auskünften hier habe ich sogar noch weniger Rechtssicherheit als bei Auskünften durch FA. Im Allgemeinen habe ich da mehr Vertrauen in das Finanzamt, da diese meine Steuer auch prüfen. Auch hier gilt, dass ich aus deiner Aussage keinen Rechtsanspruch ableiten kann Es sei denn du bist Steuerberater oder Steueranwalt und haftest für solche Auskünfte. Das wäre natürlich prima:)


    Grüße Nika

    2 Mal editiert, zuletzt von gnika7 ()

  • Es ist falsch, weil es für ertragsteuerliche Belange nicht etwa auf den zivilrechtlichen Eigentumsübergang ankommt, sondern auf den Übergang des wirtschaftlichen Eigentums.
    Der absolute Klassiker ist dabei das, auf das Du anspielt: Sämtliche Formen des einfachen und verlängerten Eigentumsvorbehalts.

    (Wenn eine fachkundige Person wirklich über den Ansatz des zivilrechtlichen Eigentums zu dieser Meinung gelangt ist, sollte er den Beruf wechseln.)

    Alle anderen Überlegungen zu dem was dem FA bekannt ist und was Dir plausibel erscheint - das mag Dir plausibel erscheinen; hat aber nichts mit den gesetzlichen Regelungen gemeinsam.
    (Nur am Rande... das FA braucht sich ja nur den Lieferschein, Abnahmeprotokoll, Stundenlisten etc. geben zu lassen -und hat so sehr schnell einen Überblick, wann ein Wirtschaftsgut angeschafft oder hergestellt wurde. Halte die mal nicht für zu dumm, ihren Job zu erledigen. Ob ein Mitarbeiter dies in jedem Einzelfall auch tut - ist ein völlig anderes Blatt Papier. Natürlich gibt es "höherrangige Veranlagungsziele" - als in jedem Einzelfall zu 100% objektiv korrekt zu handeln.)

    Eher ist davon auszugehen, dass jemand über das in der Gewinnermittlung nach §4 Abs. 3 vorherrschende Zu-/Abflussprinzip in einer durchaus nachvollziehbaren Weise auf den Gedanken gekommen sein könnte, dass hier der Zahlungszeitpunkt maßgeblich sein könnte.
    Das hat durchaus noch einen vernünftigen Ansatz.
    Das blendet allerdings § 4 Abs. 3 Satz 3 aus - der zugegebenermaßen beim landläufigen 4/3-Rechner von weniger großer Bedeutung ist (Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte... das sind ja die klassischen 4/3-Rechner). Da mag man das schnell mal vergessen.


    "

    3Die Vorschriften über die Bewertungsfreiheit für geringwertige Wirtschaftsgüter (§ 6 Absatz 2), die Bildung eines Sammelpostens (§ 6 Absatz 2a) und über die Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung sind zu befolgen. "


    Man muss diesen Satz auch dreimal genießen um nicht den letzten Halbsatz schon gedanklich unverdaut zu lassen.
    Vielleicht liegt es daran, dass man für die GWG's und den Sammelposten jeweils noch schön die einschlägige Norm angegeben hat, hingegen bei der AfA einfach mal vergessen hat, eine Norm dranzuschreiben.
    Fakt ist: Hier gilt der komplette §7 EStG... in all seinen Facetten.
    Und dort, bzw. in den zugehörigen Abschnitten der EStR sind die Begriffer der Anschaffung und Herstellung (auf die §7g EStG ja wieder abstellt) sehr präzise geregelt.

    Der gilt für alle Gewinnermittlungsformen (§4 Abs.1, §4 Abs.3, § 5 EStG) absolut gleich.
    Und hier spielt der Zahlungszeitpunkt nicht etwa nur keine Rolle - vielmehr spielt er über das Maßgeblichkeitsprinzip der Handels- für die Steuerbilanz (obwohl der 4/3-Rechner naturgemäß weder das eine, geschweige das andere macht) sogar ausdrücklich keine Rolle. (§252 Abs. 1 Nr. 5 HGB; auch als Prinzip der periodengerechten Gewinnermittlung bekannt)


    Was dem Mitarbeiter hier passiert ist, ist ein Klassiker im Tagesgeschäft:
    Vor lauter klein gefuzzeltem Detailkram, den man sich irgendwann sogar merkt - vergisst man die Grundlagen und übergeordneten Prinzipien.



    Bezüglich der Rechtssicherheit:
    Du irrst.
    Du hast bei Auskünften hier im Forum nicht etwa weniger Rechtsverbindlichkeit als bei denen des FA - sondern exakt die gleiche: nämlich keine.

    Es stimmt.

    Aus meinen Aussagen kannst Du (oder ein anderer) bei keinem Finanzamt in diesem unseren Lande einen Rechtsanspruch herleiten. Allerdings sehe ich auch nicht die große Gefahr, dass jemand im Veranlagungs- oder RB-Verfahren ernstlich einen "kpr" aus einem Forum zitiert; oder auch nur ernsthaft glaubt, damit könnte er punkten.
    Umgekehrt ist es ein durchaus weit verbreiteter Irrtum, dass sich das FA doch an seinen Aussagen messen lassen müsste.
    Dem wollte ich nur vorbeugen.

    Und nur um den Ball rund zu machen:
    Nein. Ich bin kein Steuerberater. Die Prüfung habe ich vor vielen Monden mal gemacht - aber mich gegen ein Leben als Sklave von Mandanten in immerwährender Armut entschieden. Ich habe mich deshalb nicht zum Berater bestellen lassen und brauche demnach auch keine Berufshaftpflicht. Dafür haftet für meinen Bockmist zur Not ein D&O-Versicherung. Freilich - nicht hier im Forum.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung