Zwei Dächer auf einem Grundstück, wie nutzen?

  • Guten Tag,
    eine kleine Vorstellung vorweg:
    Ich bin Nicklas, 34 Jahre alt, wohne in Leipzig und hatte dieses Jahr das Glück, zusammen mit meiner Frau, ein Grundstück in der Umgebung von Leipzig kaufen zu können.
    Bis zu dem Zeitpunkt war Solarenergie, immer das, was die anderen auf dem Dach haben oder was es im Kosmos-Baukasten gab. Fürs Wohnmobil hatte ich es schon ein mal überlegt, war aber wegen des H-Kennzeichens (Mercedes "James Cook") nicht möglich. Der Bus ist auch mein "Namensgeber"


    Nun habe ich mich intensiver mit dem Thema Solarthermie/Photovoltaik auseinander gesetzt.
    Anfangs war ich etwas enttäuscht. Das erste was man liest: Nur noch Eigenverbrauch lohnt, Speicher sollte sein usw.
    Aber dank vielen alternativen Quellen und vor allem diesem Forum habe ich mir doch eine andere Meinung bilden können.
    Technisches Verständnis ist so weit vorhanden (gelernter Industriemechaniker und Maschinenbautechniker) allerdings traue ich mir die Montage auf meinen Dächer selber nicht zu (zu Hoch, zu Viel, zu wenig Zeit) und möchte es an eine Firma vergeben.


    Um Angebote an zu fragen wollte ich mich erst ein mal erkundigen, was in meiner Situation wirklich Sinn macht.
    Nun aber erst ein Mal die Daten:
    04523 Landkreis Leipzig


    1. Dach (Scheune):
    -10° Süd-Ausrichtung, 40° Neigung, Fläche selber gemessen ca.(BxH): 23,4m x 8,3m=194m² über google Maps: 219m², keine Verschattung. Die Dachluke kann auf die Nord-Seite verlegt werden.


    1.5. Wand (Scheune) evtl. für Solarthermie
    -10° Süd-Ausrichtung, Nutzbare Fläche: 3m x 16m=48m²


    2. Dach (Wohnhaus)
    Ost/West mit ca. -5° Abweichung, 45° Neigung, Fläche ca.(BxH): 9,6m x 6,78m=65m² je Seite. Nicht voll nutzbar.
    Ein Teil der Fläche geht für Dachfenster, Kaminkehrer Stufen und den Kamin, siehe Bilder.
    Teilweise verschattet durch Nachbarbebauung. genaues Schattenbild über das Jahr kenne ich noch nicht.


    Mein Eigenbedarf ist relativ gering und liegt auch eher in den Abend/Nachtstunden. Einen Speicher finde ich zur Zeit nicht sinnvoll. Daher würde ich die Anlage(n) als Einspeiseanlagen rechnen.
    Das Ziel wäre eine möglichst gute Wirtschaftlichkeit.


    Meine Vorstellung sieht wie folgt aus:
    Dach (Scheune):
    Dach voll machen mit dem was geht. (Steht fest)
    Wand (Scheune)
    Solarthermie mit Heizungsunterstützung ca. 18m²? Oder...
    Vorteil: 90° Ausrichtung mit viel Kollektorfläche. Weniger Überdeckung im Sommer, mehr Nutzen im Winter.
    Nachteil: ca. 20m Leitung bis ins Wohnhaus.
    Dach (Wohnhaus)
    Zweite PV-Anlage? oder Solarthermie + PV-Anlage? oder nur Solarthermie? oder gar nichts davon?
    Nachteil: weniger PV-Fläche, Solarthermie: viel Überdeckung im Sommer, evtl. Verschattung im Winter


    Zu meinen Fragen:
    1) Welche Variante für das zweite Dach würde, nach eurer Meinung, am meisten Sinn machen?
    1.1) Wenn beide Dächer mit PV belegt werden das ganze als eine oder zwei Anlagen bauen?
    Gedanke dahinter: Wegen der 10KWp Grenze für die zu zahlende EEG Umlage. Später könnte evtl. auch die kleine Anlage später mit einem Speicher nachgerüstet werden um den eigenbedarf Anteil zu erhöhen. Mehrere Wechselrichter werde ich ja eh brauchen.
    1.2) Die verschatteten Bereiche auf dem Wohnhaus voll mit belegen und einen Wechselrichter wählen, der mit Schatten klar kommt oder die Bereiche lieber auslassen?


    Viel Text, leider auch etwas unübersichtlich aber ich hoffe, dass ich meine Gedanken rüber bringen konnte.
    Über Antworten, Anregungen und Ideen würde ich mich sehr freuen.
    Vielleicht habe ich auch einiges nicht bedacht oder bin gar ganz auf dem Holzweg?
    Bei der Investition wollte ich zumindest vorher mal fragen.


    Vielen Dank im Voraus!
    Nicklas

  • auf das Scheunendach passen überschlägig ca. 35 kWp
    da kann man rechnen ob die Maximalbelegung sinnvoll ist oder ob man nicht besser unter 30 kWp bleibt.
    wenn auf der Scheune 30 (+ X) kWp installiert werden können, dann würde ich das eher weniger gut geeignete Wohnhausdach (Ausrichtung, Neigung, Verschattung) nicht belegen.
    Solarthermie würde ich auch nicht weiter verfolgen, aus wirtschaftlichen Gründen.

  • Solarthermie würde ich auch nicht machen. Hast du mal überlegt, eine Wärmepumpe einzubauen? Die könnte am Tag mit PV-Strom laufen und deine Gas?-Heizung würde nur im Kernwinter laufen, wenn sowieso nichts von der PV kommt.
    Wie gut ist das Haus gedämmt? Gibt es Fußbodenheizung? Seid ihr schon eingezogen?
    Knapp unter 30kWp solltest du mindestens bauen, eventuell größer, wenn das Netz das hergibt und mehr Rendite zu erwarten ist.

  • Sind das auf der Scheune Preolit-Schindeln? Dafür gibt es schöne einfache Dachhaken, sehen aus wie die Sparversion von Biberschwanz-Haken.


    Das Haus hat schon einen Hausanschluss mit Erdkabel, oder? Wie stark ist der denn momentan abgesichert?
    Wenn der Trafo das hergibt, oder zufällig eh ein neuer Ortsnetztrafo gesetzt wurde (gerne beim Umbau Freileitung nach Erdkabel), geht bei der Mitnetz meistens am Hausanschluss auch 40kWp, dann aber hart mit 40kVA und cos phi=0.9 = 36kW Einspeiseleistung. Habe auch schon 48kWp ost/west bei der Mitnetz am HAK...
    D.h. wenn du das Dach vollmachst, bitte an genug Leistungsreserve im WR denken, gerade bei dem Süddach.

  • also das ist ganz klar was man da macht:


    alle 4 daecher belegen - auch das norddach der scheune !


    1) dann kriegt man insgesamt ca. 92-95 kWp drauf und bleibt unter den 100kWp fuer die directvermarktung...


    2) bezueglich anschluss: der netzbetreiber wird sagen es gehen nur 40 kWp ans netz - ja dann speisst man nur 40 kWp ein, und handelt mit ihm aus ob man das netz a bisserl ueberlasten kann...


    3) ansonsten waermepumpe und elektroauto bzw. alles so planen, dass man einen netten speicher integrieren kann - in 3-5 jahren wenn die preise dafuer im keller sein werden...



    ===>>> WICHTIG:


    1) es geht nicht um die prozentuale rendite sondern um den maximalen cashflow, d.h. bringt die anlage halt nicht 8% rendite sondern nur 5% aber dafuer anstatt 5000,- pro jahr halt 8000,- und auf den cashflow kommts an, 1% von 100 Mrd. ist 1 Mrd. 50% von 100 Euro sind 50 Euro, da waehl ich lieber die 1%...


    2) drandenken, den spitzenwert von 95 kWp erreicht man eh nie, maximal mit WR 80 kWp und mit der ausrichtung sag ich mal eh nie mehr als 50 kWp netzseitig, die spitzen wo man die 50 kWp erreicht die kann man getrost wegschmeissen
    -> wie heisst es so schoen: es kommt auf die grundlast an...


    3) die wechselrichterverschaltung macht man so (z.b. SMA 60 kWp fuer die scheune und 15 kWp fuers wohnhaus), dass verschieden ausgerichtete daecher an verschiedenen eingaengen haengen -> man braucht weniger wegen dem sonnenstand, der mehraufwand fuer die WR faellt aber preislich praktisch gar nicht mehr ins gewicht...


    4) kostenseitig spielen die module auf dem nord-scheunendach zwar eine rolle, ABER die WR etc. das bleibt praktisch alles gleich, sprich, der preis pro kWp sinkt dramatisch...



    ==> viel spass und klotzen und nicht kleckern...

  • ein Norddach mit 40 Grad würde ich nicht machen, egal was mir dazu einer über den cashflow erzählt.
    und dann spielt da natürlich die Aufnahmefähigkeit vom Netz eine entscheidende Rolle.
    für bis zu 30 kWp ist der Hausanschluß der vom Gesetz vorgegebene Verknüpfungspunkt --> meistens unkompliziert
    Wenns über 30 kWp geht kann das schnell aufwendig werden.
    Aber auch das gehört zu so einer Projektplanung daß man das prüft und dann die Kosten und Erträge der Varianten gegenüberstellt.

  • Ein 40 Grad Norddach zu belegen ist Humbug.
    Ich würde die Scheune belegen, vorher abklären bis zu welcher Leistung der Hausanschluss ausreichend wäre. Eine Scheune deutet auf Landwirtschaft hin, da kann es schon sein, daß dann auch mehr als 30 kWp möglich sind ohne viel zusätzlich zu investieren.
    Wenn's nicht möglich ist mehr zu legen dann würde ich es bei 30 kWp auf der Scheune belassen.

  • Guten Abend,
    und vielen Dank für die Zahlreichen Antworten!


    Die Meinungen gehen ja auch schon ein auseinander, was ich schon ein mal spannend finde.


    Jetzt noch zu den offenen Punkten:

    Zitat

    Solarthermie würde ich auch nicht machen. Hast du mal überlegt, eine Wärmepumpe einzubauen? Die könnte am Tag mit PV-Strom laufen und deine Gas?-Heizung würde nur im Kernwinter laufen, wenn sowieso nichts von der PV kommt.
    Wie gut ist das Haus gedämmt? Gibt es Fußbodenheizung? Seid ihr schon eingezogen?


    Wärmepumpen konnten mich bis jetzt noch nicht so recht überzeugen. So wie du es vorschlägst wäre es eine Möglichkeit. Allerdings haben wir noch eine Ölheizung aus den 90ern mit 50kW Leistung und die Tanks im Haus. Das wird so nicht bleiben.
    Beim Haus ist das Dach gedämmt und es sind Kunststoffenster mit Doppelverglasung eingebaut.
    Bevor wir einziehen wollen wir noch einiges umbauen eine Fußbodenheizung ist geplant.


    Zitat

    Sind das auf der Scheune Preolit-Schindeln?


    Das sind klassische Biberschwänze in Doppeldeckung.


    Zitat

    Das Haus hat schon einen Hausanschluss mit Erdkabel, oder? Wie stark ist der denn momentan abgesichert?


    Erdkabel ist vorhanden, im Zählerschrank sind zwei Zähler vorhanden mit je 64A abgesichert, wenn ich mich recht entsinne.
    Den Deckel für den Hausanschluss hatte ich noch nicht offen, werde ich aber bei Gelegenheiten mal rein anschauen.
    An den Zählern muss ohnehin noch einiges umgeklemmt werden (vom Fachmann).
    Netzbetreiber ist Mitnetz.


    Zitat

    1) es geht nicht um die prozentuale rendite sondern um den maximalen cashflow, d.h. bringt die anlage halt nicht 8% rendite sondern nur 5% aber dafuer anstatt 5000,- pro jahr halt 8000,- und auf den cashflow kommts an, 1% von 100 Mrd. ist 1 Mrd. 50% von 100 Euro sind 50 Euro, da waehl ich lieber die 1%


    Leider habe ich keine 100Mrd. und wenn ich die Anlage so groß bau brauche ich einen Kredit und da wird der Cashfolw irgendwann negativ und/oder die Anlage ist zum Ende der Einspeisevergütung nicht abbezahlt.
    Aber bei der Angebotserstellung kann ich es ja mal rechnen lassen.


    Mit freundlichen Grüßen
    Nicklas

  • Wenn ihr eine Fußbodenheizung plant, dann sollte der nächste Wärmeerzeuger eine Wärmepumpe sein, da hier der C02-Ausstoß auch ohne PV deutlich niedrieger als bei Öl und Gas ist.
    Zukünftig wird der CO2-Ausstoß hier noch weiter sinken, da der Anteil an erneuerbaren Energien im Stromnetz weiter steigt.
    Kannst dein Vorhaben ja mal im Forum von https://www.haustechnikdialog.…ikforum?showOverview=true vorstellen, oder dich dort über Wärmepumpen informieren.


    Mal als kleines Gedankenspiel, warum Wärmepumpen eingesetzt werden sollten:
    Aus 1 Liter Öl bekommst du ca. 8kWh Wärme in dein Haus. Aus diesem Liter Öl liessen sich aber auch 5kWh Strom erzeugen, die in einer Wärmepumpe zu 15-25kWh Wärme werden.

  • Wenn Du mit Kredit aber unterm Strich ggf mehr Euros rausbekommst, solltest Du diese Option nicht von vorne herein ausschließen.
    (Edit: denn größere Anlagen werden tendenziell günstiger pro kWp)


    Zinsen sind noch niedrig, Kalkulation kannst Du selbst mal aufmachen, gibt einen guten Rechner als Excel-Liste vom Umweltinstitut München:
    http://www.umweltinstitut.org/…ichkeitsberechnungen.html
    Da kannst Du alle Varianten mal durchrechnen, entweder bevor Du Angebote bekommst, damit Du weißt, was da für ein Preis rauskommen muss oder zumindest hinterher rechnen kannst, ob bzw wie es Sinn macht.


    Ertrag berechnen mit PVGIS, Link ist in der Excel-Liste, Beschreibung hier:
    https://www.photovoltaikforum.…m--p1547226.html#p1547226


    Grüße
    Jan



    erstellt mit taschentelfon