Pultdach mit 7° Nordgefälle, ca 65qm, ohne Durchdringung

  • Guten Tag zusammen,


    bitte steinigt mich nicht gleich, wenn es schon verwandte Themen gibt, aber die Informationsflut erschlägt mich ein wenig und ich stehe gerade akut unter Zeitdruck, daher nochmal ein neues Thema von mir.


    Wir haben ein RMH mit Edelstahl-Pultdach, leider mit Nordgefälle und auch nur ca. 65qm wegen einer Dachterrasse. Dieses wird in 2 Wochen neu eingedeckt, wegen eines verdeckten Mangels beim Bau - daher der Zeitdruck. Der Dachdecker hat angeboten, eine erhöhte Anzahl von Haften zur Fixierung der Blechbahnen vorzusehen, damit dies "solartauglich" wird. Würde aber knapp 2000EUR Aufpreis kosten und daher habe ich mich nun angefangen einzulesen.


    Was ich gerne hätte:
    - eine PV Anlage mit größtmöglicher Leistung (ca 10 kWp?)
    - KEINE Verletzung der neuen Stahleindeckeung
    - wenn nicht völlig unsinnig die Möglichkeit, 1-2 Tage vollautark auszukommen - also selbst bei netzseitigem Stromausfall


    Randbedingungen:
    - wir sind ein 4-Personen Haushalt
    - ich lasse demnächst in 4 Zimmern eine Klimaanlage für den Sommer installieren
    - ich fahre einen Plug-In Hybriden, der über Nacht ein wenig Strom saugt


    Ich habe nun ein wenig gelesen, aber konnte folgende Fragen nicht unmittelbar beantworten:
    - kommen für eine Installation ohne Löcher im Dach nur Renusol Wannen in Betracht? Oder gibt es Alternativen?
    - mit welchen Einschränkungen muss ich bei 7° Dachneigung nordseitig rechnen? (Außer Notwendigkeit der Aufständerung?)
    - das Dach ist ja hier in Oberbayern für eine gewisse Schneelast ausgelegt - wie wirkt sich da so eine Installation aus?
    - Benötige ich die zusätzlichen Haften generell für eine höhere Last? Oder bräuchte ich die nur, wenn die Anlage verschraubt wäre wegen Windlasten?
    - die Angebotsflut im Netz erschlägt einen ja. Tausend Vergleichsportale. Wie komme ich am ehesten an seriöse Angebote? Mir geht Qualität, Leistung und Langlebigkeit vor dem Preis.
    - Wenn ich einen Batteriespeicher habe, habe ich dann Saft wenn das Außennetz ausfällt? Oder benötige ich dann noch zusätzlich etwas?


    Ich danke Euch vielmals vorab! Und bittet entschuldigt nochmal, wenn die Fragen alle schon mal da waren...


    :danke:


    Grüße,
    Can

  • Hallo Can,
    zunächst willkommen im Forum!
    Als erstes solltest du die Dachbelegung planen. Bei euch in Bayern ist es kein Problem, ein Dach mit leichtem Gefälle nach Norden plan zu belegen. Eine Aufständerung geht auch, hat aber gravierende Nachteile bei der Optik und kostet bei Südaufständerung zu viel Fläche.
    Was meint der Dachdecker mit Haltern der Blechbahn? 2000 € bedeuten ca. 30 €/m², das ist schon einiges.
    Welche Maße hat das Dach?
    Bei einer Fläche von 65 m² kommst du auf 32-36 Module, so dass sich eine 10 kw-Anlage sehr gut planen lässt.
    Grüße, Stefan

    • Offizieller Beitrag

    Als erstes zu klären:


    -für Ertragsprognose: Genaue Ausrichtung? Verschattung?
    Mal für München und exakte Nordausrichtung gerechnet: PVGIS 10% sagt immerhin gute 885 kWh/kWp voraus ohne Schatten, also wäre das prinzipiell mehr als eine schwarze Null.


    -welche Rendite erwartest du von der Anlage? Vollfinanzierung, oder ist etwas Geld übrig?


    -Ich kann mir unter "Edelstahldach" nichts vorstellen (hört sich teuer an ;) ), aber z.B. für Stehfalz-Blechdach gibts passende Halter, wenn das Dach dafür ausgelegt ist. An deiner Stelle würde ich versuchen, dass der Dachdecker auch gleich die Halter installiert und alles entsprechend auslegt (damit er auch die Gewährleistung übernimmt), nach deinem eigenen Plan mit Standardmodulen 1,67m x 1m, sodass der Solarteur später nur noch die Schienen draufmontieren muss.


    -2000€ für ca. 10kWp allein für die Dach-Unterkonstruktion hört sich nach nicht wenig Geld an... die Frage ist, wie teuer es dann mit fertig montierten Solarhaltern wird?
    -Falls du es den Dachdecker machen lässt: die Kosten, die sich der PV zurechen lassen, getrennt ausweisen, damit du die USt dafür zurück kriegst und den Teil absetzen kannst.

  • Vielen Dank schon mal! :D


    - Ich würde die Anlage „bar“ bezahlen, bzgl. Rendite habe ich keine echte Ahnung. Wenn sich das Ding in gut 10 Jahren armortisiert hat, die Anlage aber 25 hält, dann wäre das perfekt.
    - es handelt sich wie vermutet um ein Stehfalz-Blechdach, aber halt aus Edelstahl. Was könnte ich den Dachdecker denn mit machen lassen? Sind die Halterungen und Formate genormt oder müsste ich mich vorab auf einen Hersteller festlegen?
    - Er würde prinzipiell auch Solaranlagen verbauen- aber nach dem Murks stehen wir Eigentümer mit ihm etwas auf Kriegsfuß, daher würde ich die eigentliche Anlage lieber separat erwerben. Alle Vorberitungen am Dach kann er gerne machen.
    Dann muss ich halt genaue Vorgaben machen - und das kann ich (noch) nicht.
    - Verschattung gibt es fast keine, es ragt halt der Kamin raus, ist aber nur so ein dünnes Röhrl.

    • Offizieller Beitrag

    Wenn er PV-Erfahrung hat, umso besser. Lass dir als Varianten nur das Montagestell (also mit montierten Schienen für Standard-Module), und eine Gesamtanlage anbieten, mit Verweis auf angespannte Finanzen oder was auch immer, dann kannst du ja "zunächst" nur das Montagegestell beauftragen.


    Das System muss zum Dach passen, es gibt aber grundsätzlich von verschiedenen Herstellern was: https://duckduckgo.com/?q=steh…ntagesystem&t=ffab&ia=web

  • Hallo Kurvenfeger,


    wenn du dich bisher nicht mit PV und Speicher beschäftigt hast, würde ich an deiner Stelle den Dachdecker erst mal nur die Vorbereitungen machen lassen und dann in Ruhe die Entscheidung treffen, welche Module, Stringbelegung, Wechselrichter, Speicher ja/nein/welcher, etc.
    Dass die Ertragsprognose (PVGIS) für dein Dach nicht schlecht ist, hat Weidemann ja schon ermittelt. Für den Dachdecker dürfte relevant sein, welche Befestigungspunkte benötigt werden. Dafür solltest du entscheiden, ob du aufständern willst oder nicht. Wegen des Ertrags würde ich nicht aufständern. Wenn dann wegen der Verschmutzung der Module bei nur 7° Dachneigung. Da hast du kaum einen Reinigungseffekt durch Regen. Ist das Dach gut zugänglich, um alle 1-2 Jahre die Anlage zu reinigen? Da du eine Dachterrasse erwähnt hast, vermute ich ja, dass du von dort mit einem Teleskop-Schrubber dran kommst. Dann würde ich auf die Aufständerung verzichten -- dann hast du keinen Flächenverlust wegen Reihenabstand/gegenseitiger Verschattung, keine Probleme mit Windlast und schöner aussehen tut es auch.


    Dann sind jetzt die genauen Maße des Dachs ausschlaggebend, wie du die Module auf dem Dach anordnen kannst. Standard-Module haben ca. 1m x 1,7m. Mach doch mal einen Entwurf und lade den hier hoch.


    PS: Wegen Speicher und Notstromfähigkeit: Nicht alle Systeme bieten Notstrom / Ersatzstrom und du brauchst dafür auch noch separate Schalter, die bei Ausfall das Netz vom Haus trennen, damit du in den Inselbetrieb gehen kannst.
    Ich selber habe mich für das E3DC-System entschieden, wird wegen Neubau aber erst nächstes Jahr soweit sein.
    Notstromfunktion erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=kWzJo-7VAe0&t=1m34s

    Private PV-Anlage (07/2019):
    19,84 kWp | Heckert NeMo2.0 60M 310W | E3/DC S10 E PRO (13 kWh Speicher) | SMA SB3.6
    Bürgersolaranlage (04/2009):
    25,2 kWp | Sharp NT175E1 | SMA SMC8000TL | SMA WebBox | SunnyPortal

  • Ganz herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten, das weiß ich sehr zu schätzen!


    Die Terrasse ist im 2. OG und nicht überdacht, quasi die Verlängerung des Dachstudios, dh das Dach ist einen Stock höher und erstreckt sich über 2/3 der Haustiefe. Mit einer Leiter aber von dort problemlos zugänglich.
    Die Maße sind ca 6m x 10 oder 11m, müsste ich mal genau messen.


    Eine flache Anordnung wäre natürlich schick, aber:
    - bleibt dann im Winter nicht der Schnee drauf liegen und drückt die Ausbeute massiv?
    - ist die Lösung nicht anfälliger zB für Hagelschäden?


    Zum Thema Insellösung lese ich mich mal ein.

  • Zitat von Kurvenfeger

    - bleibt dann im Winter nicht der Schnee drauf liegen und drückt die Ausbeute massiv?
    - ist die Lösung nicht anfälliger zB für Hagelschäden?


    Eine Aufständerung verhindert ebenso das Abrutschen des Schnees vom Dach -- da können sich durch Wind sogar größere Schneehaufen bilden. Ansonsten ist der Ertrag im Winter eh nicht besonders hoch, erst recht nicht beim Norddach. Da verlierst du also keinen nennenswerten Erträge. Wenn du lustig bist, kannst du immer noch mit einem Besen den Schnee runter holen (auf deine Terrasse...).
    Wegen Hagel würde ich mir jetzt mal keine Gedanken machen. "Normale" Hagelkörner können die Module ab und ansonsten wirst du ja eine Gebäudeversicherung haben. Schau bei der, was die bereits abdeckt und was nicht. Ggf. lohnt sich ein Wechsel oder eine zusätzliche Versicherung für die PV. Wenn du Bedenken hast, schau mal nach Glas-Glas-Modulen. Gibt es in letzter Zeit häufiger -- habe ich auf der Intersolar dieses Jahr einige gesehen.


    Zitat von Kurvenfeger

    Zum Thema Insellösung lese ich mich mal ein.


    Nicht verwechseln mit reinen Insel-Anlagen. Du willst die Anlage ja schon netzparallel betreiben -- nur im Falle eines Stromausfalls soll die Anlage in den Insel-Betrieb wechseln.

    Private PV-Anlage (07/2019):
    19,84 kWp | Heckert NeMo2.0 60M 310W | E3/DC S10 E PRO (13 kWh Speicher) | SMA SB3.6
    Bürgersolaranlage (04/2009):
    25,2 kWp | Sharp NT175E1 | SMA SMC8000TL | SMA WebBox | SunnyPortal