Steuerfragen

  • Hallo
    Ich betreibe seit ein paar Tagen ein PV-Anlage auf meinen Eigenheim und mache mir jetzt sehr viele Gedanken für die Steuer.


    Hier erst mal ein paar Daten: 4,27 kwp, Eigenverbrauch und Überschußeinspeisung (ich bekomme EEG Satz + Umsatzsteuer)
    Finanziert über Pachtzinsvertrag mit Stadtwerke. Im Pachtzins ist alles enthalten (Finanzierung,Wartung,Reparatur,Versicherung). Nach 18 Jahren übernehme ich die Anlage in meinen Besitz ohne weitere Zahlung.


    Fragebogen und Unterlagen fürs Finanzamt sind abgesendet. Die Umsatzsteuervoranmeldung steht bevor.


    Wie kann ich am besten die Ausgaben des Pachtzinses geltend machen und wo eintragen? Ziel ist es möglichst viel der Umsatzsteuer ( von der EEG-Vergütung also Zahlung von Stadtwerke für verkauften Strom) einzubehalten. Und auch den Umsatzsteueranteil des Pachtzins zu sparen?
    Wo trage ich wieviel, wie berechnet, die Abschreibung ein?


    Danke im vorraus

  • Ich mag noch nicht so recht glauben, dass der Sachverhalt wirklich richtig wiedergegeben ist.
    Man kann im Zusammenhang mit Finanzierungsleasing-Verträgen viele Fehler machen, die am Ende dazu führen, dass steuerlich nicht das Gewünschte herauskommt.
    Sagen wir es so... stellen wir uns vor wir wären beim Stabhochsprung. Einstiegshöhe 4,50. Irgendwo ab 5,80 wird es dann spannend. Hier sind wir dann bei 1,20 gescheitert. Die überspringt man normalerweise ohne Stab und ohne Anlauf....


    Wenn der Sachverhalt korrekt wiedergegeben ist.... Kernpunkt: übergang zivilrechtlichen Eigentums mit Zahlung der letzen Rate, dann haben wir es mit einem (unechten) Mietkaufvertrag zu tun. Steuerlich ist der identisch mit einem Ratenkaufvertrag. Das wirtschaftliche Eigentum geht direkt auf Dich über.


    Du kannst Dir jetzt vom Verpächter die Kalkulation offenlegen lassen. Vorrangig von Interesse ist der Barverkaufspreis zu dem Du die Anlage sofort hättest erwerben können.
    (Und falls jetzt kommt "die sagt er mir nicht" - dann gilt das was immer gilt, wenn Besteuerungsgrundlagen nicht ermittelt werden können: Dann müssen sie halt geschätzt werden).
    Die Summe aller Zahlungen zerfällt in den Barverkaufspreis sowie kumulierte Zinsanteile (in Deinem Fall auch noch in weitere Komponenten; das macht die Rechnerei nur etwas aufwändiger; das Prinzip bleibt das Gleiche).


    Der Barverkaufspreis wird aktiviert und über 20 Jahre abgeschrieben.
    Die Zinsanteile werden digital-degressiv oder nach Jahressummenmethode oder nach finanzmathematischen Verfahren jedes Jahr erfolgswirksam anteilig berücksichtigt.


    Zitat

    Ziel ist es möglichst viel der Umsatzsteuer ( von der EEG-Vergütung also Zahlung von Stadtwerke für verkauften Strom) einzubehalten.


    Jetzt willst Du uns aber verarschen... oder?
    Im Ernst... beschreib das mal etwas ausführlicher was Dir da vorschwebt. Im Moment klingt das nach vorsätzlicher, fortgesetzter Steuerhinterziehung; angesichts der Beträge könnte es auch eine Steuerordnungswidrigkeit sein. Aber was ich lese, beschreibt ganz klar den Vorsatz, den Fiskus um seine UST zu bringen.
    Ich hoffe, ich hab das einfach nur falsch verstanden....

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

    • Offizieller Beitrag

    Die Umsatzsteuer auf die EEG-Vergütung kannst du nicht einbehalten! Die steht bei Regelbesteurung natürlich dem FA zu und gehört voll in die USt-VA (durchlaufender Posten aus deinem PV-Geschäft) .. genauso wie die (virtuelle) USt auf deinen Eigenverbrauch, Stichwort 'unentgeltliche Wertabgabe' (beides wird bei den VAs addiert angegeben soweit ich weiß).


    Einzig die USt aus dem Pacht-Zins kriegst du wieder... 'gezahlte USt an Dritte' oder so ähnlich.


    Schau mal im Forum nach dem User Schneemann88, der hatte jüngst ein ähnliches Pachtmodel mit Naturstrom diskutiert.
    https://www.photovoltaikforum.…-pachtmodell-t124909.html


    Edit: kpr's Beitrag gar nicht gesehen... Ja, einkommenssteuerlich ist das nochmal ein ganz anderes Thema. Und wie bei Schneemann dürfte die Gewinnerzielungsabsicht nicht ganz klar sein...

    9.5kWp Ost/West (-100°/80°, DN 45°), 17+21 Solarworld protectSW250 & SamilPower SolarLake 8500TL-PM (70% hart) ab 3'2015

  • Danke für den Link. Wie gesagt die ganze Problematik ist für mich noch ganz frisch. Mir wurde empfohlen den Verkaufserlös EEG mit Umsatzsteuer auszahlen zu lassen und auf Kleinunternehmer zu verzichten um Ausgaben absetzen zu können. Nun frage ich mich wo ich welche Ausgaben ansetze also bei der Umsatzsteuer und/oder bei der Einkommensteuer?
    Die Nettozinspacht kann ich bei Umsatzsteuer angeben?

  • Ui.... drück die Reset-Taste. Alles auf Anfang. Alles was man nicht vermischen darf, um es verstehen zu können - hast Du in einen gedanklichen Topf geworfen.


    Dann... gewöhne Dir an die Steuerarten STRIKT zu trennen. Profis nehmen dafür häufig Papier mit verschiedenen Farben; oder verschiedenfarbige Stifte.... .dem Laien sei geraten: Lasse zwischen den zwei Steuerarten jeweils eine Nacht; oder mindestens eine Mahlzeit.


    1. Umsatzsteuer
    Der Tip, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten und zur Regelbesteuerung zu optieren, ist im Regelfall richtig.
    Dabei gehts immer um eine Frage:
    Was ist größer?
    a) die zu erstattende Vorsteuer in den ersten 5 Jahren? (im Wesentlichen ist das die Vorsteuer aus der Anschaffung)
    b) die zu zahlende Umsatzsteuer auf den Direktverbrauch in den ersten 5 Jahren?
    Wenn die Vorsteuer höher ist, als die Umsatzsteuer - dann auf die KUR verzichten / zur Steuerpflicht optieren.
    Wenn die USt höher ist als die Vorsteuer - dann die KUR zur Anwendung kommen lassen.


    (Vereinfachte Darstellung!
    a) Wenns "Spitze auf Knopf" geht... muss man noch den Effekt berücksichtigen, dass bei einem Wechsel zur KUR zu Beginn des 6. Jahres (nach dem Jahr der Anschaffung sowie den 4 Folgejahren) evtl. noch der Vorsteuerkorrekturzeitraum nicht abgelaufen ist
    b) Es gibt noch weiche Parameter wie "Arbeitszeit", "keine Ahnung", "keine Lust" die evtl. für die KUR sprechen könnten)


    Kleinunternehmerregelung: Du darfst vom VNB keine Steuer erheben - und selbst keine Vorsteuer ziehen. Eine faktische Steuerbefreiung. (Logischerweise: Erhebst Du die STeuer trotzdem, ist sie auch abzuführen.)
    Es entfällt hierbei auch die USt auf den Direktverbrauch (darin kann der Witz liegen; aber das tut er nach 5 Jahren immer noch).


    Option zur Regelbesteuerung: Du erhebst vom VNB Steuer - und führst diese ans FA ab. Ein Nullsummenspiel.
    Du bekommst Vorsteuer die Dir andere Unternehmer in Rechnung stellen, vom FA erstattet.
    Allerdings fällt auch USt auf den Direktverbrauch an.


    Mit dem "Ansetzen von Ausgaben"... gemeint ist wohl der steuerlich wirksame, gewinnmindernde Ansatz von Betriebsausgaben schlägst Du ein ertragsteuerliches Buch auf - das mit der UST gar nichts zu tun hat.


    Zitat

    Die Nettozinspacht kann ich bei Umsatzsteuer angeben?


    Nein. die Nettozinspacht - sofern sie denn eine wäre, was sie aber bei Dir nach Sachverhaltslage nicht ist - wäre eine Betriebsausgabe. Ein ertragsteuerliches Thema - das im Bereich der UST nichts zu suchen hat.
    (Bei Dir erfolgt eine Umqualifizierung - siehe oben.)
    Allerdings unterliegt die Nettozinspacht der Umsatzsteuer; diese wäre bei Dir unter den übrigen Voraussetzunten nach §15 UStG als Vorsteuer abzugsfähig bzw. erstattungsfähig. (Das war allerdings nicht Deine Frage ;)


    2. Ertragsteuer (i.d.R. Einkommensteuer)
    Hier gibt es keinerlei Voraussetzungen oder Wahlrechte.
    Der steuerliche Gewinn IST zu ermitteln. Dabei SIND alle Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben anzusetzen.
    Betriebsausgaben sind alle Aufwendungen, die Dir entstehen und durch das Unternehmen veranlasst sind.
    Bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 erfolgt der Ansatz im Zeitpunkt des Zahlungsflusses, sofern nicht Ausnahmen
    - Anschaffungskosten von Anlagevermögen
    - 10 Tage-Regelung
    vorrangig sind.
    Klassischerweise bei PV
    - Abschreibung
    - Sonstige betriebliche Aufwendungen
    -- Versicherung
    -- Reparaturen
    -- Andere sonstige betriebliche Aufwendungen (z.B. Büromaterial, Telekommunikation, Reisekosten)
    - an das FA gezahlte UST


    Betriebseinnahmen bestehen aus
    - Erlöse aus Kundenzahlungen
    - In Kundenzahlungen enthaltene USt
    - USt- Erstattungen des FA
    - Wert von Sachentnahmen

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Wenn die steuerpflichtigen Umsätze zu 19 v.H. nur aus dem Direktverbrauch bestehen - ja.
    Wenn Du außer der monatlichen Kaufpreisrate keine anderen Leistungen von anderen Unternehmern empfangen hast und hierüber eine korrekte Rechnung i. S. §§14, 14a UStG besitzt - ja.


    Wobei.. hier tut sich das nächste Problem auf.
    Man muss sich die Rechnung über die Kaufpreisraten mal anschauen. (Das meine ich wörtlich).
    Ich spiele das Spiel sonst auf der anderen Seite und sorge dafür, dass solche Belege (die man sich mal ganz genau anschauen müsste) erst gar nicht entstehen. Von daher schwächle ich gerade ein wenig in der Praxis.


    Die Gefahr ist die, dass in der Rechnung eine Leistung beschrieben wird, die gar nicht erbracht wurde.
    in dem Fall ist es keine korrekte Rechnung i. S. §14 UStG - und berechtigt nicht zum Vorsteuerabzug.
    Nicht mal in der ausgewiesenen Höhe.


    Davon völlig abgesehen, müsste Dir eine Rechnung über alle Kaufpreisraten zzgl. USt ausgestellt werden.
    (In der Höhe schuldet der Leasinggeber auch die USt. )
    Wobei ich da dann noch ein paar andere Problemchen wittere.
    Aber: Dies alles wiederum vor dem Hintergrund meiner ersten Reaktion: Nur wenn der Sachverhalt korrekt beschrieben wurde.


    (Nur so am Rande: Dieses Problem um die Vertragsart / Reflektieren des Vertrags an den Leasing-Erlassen / Prüfung, beim wem das wirtschaftliche Eigentum liegt..... das sollten Dein vordringliches Problem sein. Alles andere ist erstmal zweitrangig; bzw. baut dann darauf auf. )

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung

  • Die Option zur Steuerpflicht als auch der Widerruf kann bis zur endgültigen Steuerfestsetzung erfolgen. Unter gewöhnlichen Umständen reden wir hier von etlichen Jahren; wenn das FA aufs Gas drückt.... und Du Dich ausschläfst....... bei Eintritt der Bestandskraft des Umsatzsteuerbescheides.

    16,92 kWp / 72 x Sharp NU-235 / Aurora Power One 12,5 + 3,0/ 0° Südabweichung / 8° Dachneigung