Regelbesteuerung bei vorhandenem Kleingewerbe?

  • Hallo Zusammen,


    wir sind aktuell beim Neubau und haben knappe 9KWP auf dem Dach.
    Möglichst hoher Eigenverbrauch, ohne Speicher.


    Bei der Beantragung kommen nun Fragen auf, wo ich unsicher bin, daher hoffe ich ihr könnt mir hier weiterhelfen.


    Ich habe bereits ein Kleinunternehmen mit sehr geringem Umsatz, 100-200€ jährlich, 2018 werden es sogar 0€ sein, da ich keine Zeit wegen dem Hausbau habe.
    Ich besitze für dieses Nebengewerbe eine UST-IDnr, die ich anfangs beantragt habe, dann aber nie genutzt habe um die Einkommenssteuererklärung nicht zu verkomplizieren.


    Anscheinend ist es wohl am sinnvollsten die ersten 5 Jahre die Regelbesteuerung zu wählen, da man dann die UST angeben kann.
    Hierzu brauchte mein Solarteur unbedingt in seinem Programm eine UST-IDnr. von mir, ich habe ihm damit er weitermachen kann die UST-IDnr von meinem Kleingewerbe gegeben, welche ich noch nie benutzt habe.


    Welche Auswirkunngen hat das nun auf mein Kleingewerbe und was wäre in meinem Fall die Beste Variante / Möglichkeit?


    Danke im Voraus,
    Zaschii

  • Also erstmal folgendes.


    es ist nicht das Unternehmen, welches die KUR oder die Regelbesteuerung in Anspruch nehmen kann, sondern der Unternehmer.


    Das bedeutet zunächst, dass wenn der Betreiber der PV Anlage und der "Betreiber" deines Kleingewerbes die gleiche Person sind, du nur ENTWEDER für beide Geschäfte die Regelbesteuerung wählen kannst, oder eben KUR. Nicht nur für eins von beiden.


    Für die PV Anlage ist es im Allgemeinen wirtschaftlicher, zumindest zum Anschaffungszeitpunkt auf die KUR zu verzichten und sich die MWST auf die Anlagenkosten zurück zu holen.
    Dadurch bist du dann allerdings in deinem Kleingewerbe auch UST-pflichtig.
    Also alle Rechnungen werden dann mit UST ausgestellt werden müssen, und diese muss dann weiter geleitet werden.
    Dafür kannst du dann alle Ausgaben die mit deinem Gewerbe anfallen, in der UST angeben um die UST darauf zurück zu erlangen.


    Was für dein Kleingewerbe interessanter ist, kann man allerdings ohne genauere Informationen nicht bestimmen




    Ich weiß allerdings nicht, warum dein Solateur UNBEDINGT deine UST haben musste? Das ist normalerweise nicht zwingend erforderlich

  • Danke, hab ich verstanden.
    Entstehen dann steuerliche Nachteile in Verbindung mit meinem umsatzschwachen Kleinunternehmen?
    Welche Informationen zu dem Kleingewerbe werden benötigt um eine Aussage zu treffen?
    Umsatz wie gesagt jährlich sehr gering.


    Das mit der UST-IDnr. habe ich auch nicht verstanden, da nach meinem Verständnis diese nur fürs Ausland benötigt wird, aber in seinem Programm wo der den Antrag stellt wird diese anscheinend gefordert. Aber da ich dann eh UST-pflichtig bin, ist dies ja eigentlich dann egal für mich.

  • Zitat von Zaschii

    Entstehen dann steuerliche Nachteile in Verbindung mit meinem umsatzschwachen Kleinunternehmen?


    Es kommt darauf an, wer Deine Kunden beim bisherigen Gewerbe sind (wie schon Serin schrieb: Du bist der Unternehmer, alle Deine selbständigen Tätigkeiten bilden umsatzsteuerrechtlich ein Unternehmen. Also trenne das am besten auch begrifflich!).


    Da Du bei der Regelbesteuerung künftig die Umsatzsteuer in den Rechnungen ausweisen mußt, wirst Du bei gleichem Netto ein höheres Brutto einnehmen müssen (zumindest bei Privatkunden als Abnehmer fraglich, ob die da ohne weiteres mitspielen) oder auf einen Teil Deiner bisherigen Einnahmen verzichten.

  • Richtig, die "Nachteile" sind nun einmal, dass du auf deinen Umsatz 19% Steuer ans Finanzamt abgeben musst.


    Du DARFST diese zwar einfordern von deinen Kunden, allerdings ist dies eben nur für Unternehmen "egal". Wenn also ein Unternehmen dein Kunde ist, dann schlägst du halt die 19%, die du ans FA abgeben musst auf den Preis drauf und weißt ihn als UST aus. Kein Problem, das Unternehmen holt sich das vom FA zurück.


    wenn du allerdings deine Leistungen an Privatpersonen verkaufst, dann ist das schon schwieriger. Da Privatpersonen keine UST zurückkriegen vom FA, sind die 19% Aufschlag nun einmal eine Preiserhöhung (das, was man als "MwSt" kennt).
    Wenn deine Kunden das mitmachen, super, aber wenn nicht dann musst du deine Arbeiten günstiger anbieten.


    Übrigends gilt die Abgabepflicht der UST auch auf Privatentnahmen.
    Also wenn mein "Kleingewerbe" nun die Papierherstellung ist und mache 1.000 Blatt Papier aber ich verkaufe nur 900 Blatt und verbrauche 100 Blatt in meinem Privatleben, dann muss ich die UST auch auf die 100 Privat entnommenen Blätter abgeben (in gleicher Höhe, als wenn du die 100 Blatt verkauft hättest).



    Als Vorteil der regelbesteuerung ist allerdings zu vermerken, dass du alel Ausgaben die auf dein Gewerbe entfallen, nur als Nettopreise relevant sind. Also wenn ich mir fü rmeine Papierherstellung ein neues Sieb für 1.000 € Brutto kaufe, dann kann ich mir vom Finanzamt die 19% UST zurückholen. Das sind dann immerhin fast 160 € in meinem Beispiel.

  • Zitat

    Bei der Beantragung kommen nun Fragen auf


    Von welchem Antrag sprichst Du denn hier?



    Es gibt keinen guten Grund, warum der Solarteur eine USt-ID von Dir benötigt.
    Die Tatsache, dass er das mit einer Pflichteingabe in seiner Software begründet, sehe ich kritisch.
    Ich sage es mal vorsichtig: Von dem würde ich in Steuerlehre lieber nicht abschreiben.
    Wenn es keinen guten Grund gibt - dann muss es zwangsläufig einen schlechten geben.
    Den sollte man herausfinden. Allzu leichtfertiger Umgang mit solchen Ungereimtheiten fliegt einem sonst gerne später mal um die Ohren. Und beim Umfang Deiner geschäftlichen Aktivitäten, wäre ja schon "ein Stunde Diskussion" oder "zwei E-Mails" schlichtweg "waste of money, brain and time" (WOMBAT).


    Wenn ich meine bösartige Phantasie bemühe: Der Solarteur könnte glauben, Du outest Dich Durch Verwendung der USt-ID als Unternehmer; bzw. erwirbst die Anlage von ihm nicht als Endverbraucher, sondern als Unternehmer.
    In der Folge würde er dann zwangsläufig auch glauben, dass bzgl. AGB und insbesondere Gewährleistung Du einen deutlich schlechteren Stand hättest.
    Das wäre - m.E. - zwar auch Unfug; aber wie gesagt: Allein die Diskussion wäre ja schon Schaden genug.



    Da Du nicht am innergemeinschaftlichen Warenverkehr teilnimmst, kann die USt-ID für Dich nur einen sinnvollen Nutzen haben: Du umgehst damit die Angabepflicht Deiner Steuernummer in Deinen Rechnungen an Deine Kunden.
    Somit - aus dem PV-Bereich heraus - gibts da nur den VNB.
    (Das halte ich tatsächlich aus ganz realen Datenschutzproblemen für sinnvoll. Mit der Steuernummer erzählt Dir jeder Mitarbeiter beim FA die steuerliche Lebensgeschichte; mit der USt-ID erfährt man nichtmal, wieviel Uhr es gerade ist. Dafür reicht die Dir im Rahmen des bestehenden Unternehmens erteilte USt-ID auch völlig aus.)


    Ob und wie Du die USt-ID verwendest, hat keinerlei steuerliche Konsequenzen.
    a) im Fall, dass Du zur Regelbesteuerung optierst: Es liegt kein Fall eines innergem. Erwerbs vor. Selbst dann nicht, wenn der Solarteur seinen Sitz im übrigen Gemeinschaftsgebiet hätte - da "Lieferung und Montage einer PV-Anlage" als Werklieferung zu behandeln wäre.


    b) im Fall, dass Du die KUR anwendest, sind alle übrigen Regelungen die Steuer, Steuerfreiheit oder Vorsteuer auslösen könnten, ohnehin "abgeschaltet".



    Du hast es richtig erkannt:
    Grundsätzlich .. bei monetärer Betrachtung.... ist es regelmäßig am günstigsten, zunächst zur Regelbesteuerung zu optieren; und ab dem 6. Veranlagungszeitraum (bzw. nach ablauf von 60 Monaten ab Zuordnung der PV zum Unternehmen) die KUR anzuwenden.
    Du kannst in dem Fall die Vorsteuerbeträge in den fünf ersten Veranlagungszeiträumen ziehen - schuldest aber auch die USt auf die unentgeltliche Wertabgabe in Form des Direktverbrauchs.


    Unter normalen Umständen ist die Vorsteuer höher als die USt auf die unentgeltliche Wertabgabe.
    Die Frage ist immer: Haben wir normale Umstände?
    a) Du strebst einen sehr hohen Direktverbrauch an.
    aa) Ist der über 90% - hat sich die Sache eh erledigt. Die PV könnte dem Unternehmen nicht mehr zugeordnet werden; die Vorsteuer wäre in der Folge nicht abzugsfähig. An der Besteuerung des Direktverbrauchs hingegen würde sich nichts ändern.
    bb) selbst wenn der nur sehr sehr hohe Werte unterhalb von 90% annimmt, kippt das Konstrukt irgendwann.
    Begünstigt z.B. durch einen vergleichweise hohen Einkaufspreis beim Strom oder einen sehr günstigen Einkaufspreis bei der PV


    b) Da ist ja schon ein Unternehmen, dessen Umsätze zur Zeit aufgrund der Anwendung der Kleinunternehmerregelung zur Zeit faktisch von der USt befreit sind.
    Sofern keine Aufspaltung der Unternehmeridentität stattfindet, würden auch diese Umsätze bei Option zur Regelbesteuerung USt auslösen. U. U. mit der Gefahr, dass Du diese nicht an Deine Kunden weitergeben kannst.
    Da reden wir ja nochmal realistisch von ca. 100 Euro in den den Jahren 2018 bis 2022.


    Von hier an ist es jetzt ein pures Rechenspiel, bei Dem Du Dir nur selbst helfen kannst.

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